Das Schwert gewetzt, den Schild poliert: Knights of the Temple entführt Sie in ein |Fantasy-Abenteuer mit unkomplizierter Schnetzel-Action und Diablo-Ambiente.
Auch wenn Knights of the Temple vom selben Entwicklerstudio wie Enclave stammt, im selben Genre angesiedelt ist und auch ein wenig so aussieht - die Klasse des kurzweiligen Action-Adventures erreicht es nicht. Warum das Templer-Abenteuer trotz anspruchsvollerer Kämpfe nicht ganz so spannend und abwechslungsreich wie Enclave ist, das erfahren Sie auf diesen Seiten.
Kreuzzug in die Hölle Die Odyssee beginnt in einem südeuropäischen Kloster. Tempelritter Paul de Raque sollte eigentlich nur die schöne Adelle nach Hause eskortieren, doch am Treffpunkt angekommen, macht er eine schreckliche Entdeckung: Das Mädel ist spurlos verschwunden. Schnell stellt sich heraus, dass der ansässige Bischof die übersinnlich begabte Dame entführt hat, um seinen teuflischen Plan auszuführen. Nur mithilfe der magischen Kräfte von Adelle kann er die Pforten der Hölle öffnen und die infernalen Scharen auf die Menschheit loslassen - das gilt es zu verhindern. Paul heftet sich an die Fersen des Bischofs und verfolgt seine Spur durch eine Hafenstadt im Nahen Osten, Jerusalem, die antike Felsenstadt Petra und schließlich bis in die Unterwelt selbst.
Linear, simpel, actionreich Mit seinen schnell aufeinander folgenden Kämpfen und extrem simplen Schalter- und Schieberätseln spielt sich Knights of the Temple genauso linear wie Enclave - und auf Dauer leider ebenso eintönig, denn fast jeder Level läuft gleich ab. Schon am Start stürmen Gegner heran - und nach einem kurzen Gefecht ziehen Sie weiter. Dann folgt die erste Hürde: Ein Tor ist verschlossen. Was für ein Glück, dass rein zufällig ein paar Meter weiter ein Feind mit dem passenden Schlüssel seinem Ende entgegensieht. Das Tor ist überwunden - aber dahinter harren nur noch mehr Gegner, noch mehr Schlüssel und noch mehr Schalter. Echte Rätsel oder Entscheidungsmöglichkeiten suchen Sie vergebens. Dass es außerdem an Spieltiefe mangelt, liegt vor allem am fehlenden Fähigkeitensystem. Während man beispielsweise in Die Rückkehr des Königs frei entscheiden konnte, mit welchen neuen Waffen, Spezialfähigkeiten oder Attacken man Gandalf und Co. ausstatten wollte, geht das in Knights of the Temple vollautomatisch vonstatten. In regelmäßigen Abständen erhalten Sie eine zusätzliche Combo oder Spezialattacke; besiegte Gegner lassen gelegentlich Schwerter, Bögen oder Äxte zurück. Vom herstellerseitig angepriesenen "dynamischen Fertigkeitensystem" ist nichts zu merken. Von Genre-Verwandten wie Conan oder Gladiator hebt sich Knights of the Temple vor allem durch die Kämpfe ab: Anstatt mit Dutzenden von Angreifern prügeln Sie sich hier nur mit maximal drei Gegnern gleichzeitig - aber die haben es in sich. Verglichen mit dem Hack-&Slay-üblichen Kanonenfutter gehen die Teufelsschergen in diesem Fall geradezu mit taktischer Finesse vor: Gegner blocken, weichen vor Attacken zurück und versuchen meist, den Spieler zu umzingeln.
Komplexer kämpfen
Dem kann unser Möchtegern-Ritter zu Beginn gerade mal ein paar tölpelhafte Hiebe und Stiche entgegensetzen - für die ungeschickten ersten Feinde reicht das jedoch noch. Erst im Laufe des Spiels wird deutlich, dass das Kampfsystem im Vergleich zu Enclave viel komplexer ausfällt. Neben konventionellen Attacken (leichter Hieb, schwerer Hieb) verfügt Paul nämlich über verschiedene Spezialangriffe, mit deren Hilfe Sie gezielt Schwachstellen eines Gegners forcieren. Ein Beispiel: Wenn sich der Schurke ständig hinter seinem Schild versteckt, stoßen Sie ihn mittels des so genannten Block-Brecher-Schlages kräftig nach hinten - er gerät ins Stolpern und ist für einige Sekunden verwundbar. Später lernt Paul zusätzlich magische Manöver: Selbstheilung päppelt angeschlagene Krieger im Notfall wieder auf, Erdbeben und Feuerbälle hinterlassen verheerende Schäden in den gegnerischen Reihen und der Zauber-Schild macht kurzzeitig unverwundbar. Dieses vergleichsweise vielschichtige Kampfsystem ist auch der Grund, wieso der Spielspaß nach einem etwas verhaltenen Start in den ersten zwei Dritteln stetig zunimmt: Mit jeder neu gelernten Aktion werden die Scharmützel abwechslungsreicher.
Speicherfrust Vorsicht, Frustgefahr: Das Speichersystem, das schon bei Enclave für - berechtigte - Entrüstung gesorgt hat, zählt auch in Knights of the Temple zu den Hauptkritikpunkten. Pro Level darf nur ein einziges Mal an einem fest vorgegebenen, nicht immer fair platzierten Speicherpunkt gesichert werden. So passiert es insbesondere auf den höheren Schwierigkeitsgraden des Öfteren, dass man dieselbe mehrminütige Passage drei- oder viermal wiederholen muss. Das mag in einem offen gestalteten Titel wie Far Cry (dt.) kaum stören, ist aber in einem so strikt linearen Spiel wie Knights of the Temple völlig deplatziert. Spätestens beim dritten Durchlauf verkommt der "überraschend" hervorpreschende Script-Szenen-Sarazene zur locker abgefangenen Lachnummer.
Kamera und Steuerprobleme Die gegenüber Enclave geänderte Kameraposition sorgt für zwiespältige Gefühle: Einerseits sehen Kampfszenen ungleich spektakulärer aus, wenn die Kamera wie in Knights of the Temple um die Szenerie schwenkt und zoomt. Andererseits fällt dadurch die Steuerung nicht immer leicht: Wenn man eine Treppe hinunterläuft und die Kamera plötzlich auf eine andere Position wechselt, bleibt man häufig am Geländer hängen. Außerdem gibt es gelegentlich tote Winkel, sodass man entweder seine eigene Spielfigur oder die Gegner nicht sieht.
Animation nach Maß Absolut überzeugend sind hingegen die Animationen. Wenn Paul geht, läuft und kämpft, sieht das flüssiger aus als in jedem anderen Spiel des Genres - das gilt auch für Die Rückkehr des Königs. Besonders der schnelle Wechsel zwischen mehreren Gegnern wirkt fantastisch: Kämpft Paul gerade mit einem Rivalen vor sich und wird plötzlich von hinten überrascht, so dreht er sein Schwert in der Hand und stößt, ohne sich umzusehen, nach hinten - in puncto Eleganz steht Knights of the Temple daher selbst Kinofilmen made in Hollywood kaum nach.
Die Entwickler verschenken viel Potenzial - ein wenig Spieltiefe hätte aus Knights of the Temple ein geniales Spiel machen können.
Nur ein paar zusätzliche Monate Entwicklungszeit und Knights of the Temple hätte mir wahrscheinlich Schmetterlinge im Bauch beschert - so bleiben mir vor allem Enttäuschung und Unverständnis. Enttäuschung, weil sich seit den viel versprechenden ersten Vorschau-Versionen rein gar nichts mehr getan hat - es wurde sogar der kurzweilige Arena-Modus entfernt. Unverständnis, weil Entwickler Starbreeze so unglaublich viel Potenzial verschenkt. Wieso gibt es nicht wenigstens ein rudimentäres Fertigkeitensystem wie in Die Rückkehr des Königs, das dem Spieler zumindest etwas Spieltiefe vorgaukelt? Alternativ hätten auch mehrere verschiedene Charaktere wie in Enclave für Abwechslung gesorgt. Aber: Wer ganz auf spielerischen Anspruch verzichten kann, der findet mit Knights of the Temple dennoch ein gutes Hack & Slay. Positiv fällt vor allem das einfach zugängliche Kampfsystem auf, das sehr gezielte und effektive Angriffe ermöglicht. Das größte Lob gebührt allerdings den Animateuren: Die herrlich fließenden Bewegungsabläufe stellen sogar Electronic Arts´ Herr der Ringe-Umsetzung in den Schatten.