Stellen Sie sich vor, jemand würde Caroline Beil und Lisa Fitz auf Lebenszeit zusammenketten - Zickenterror vorprogrammiert. Um ein ähnliches Schicksal dreht sich das Action-Rollenspiel Beyond Divinity. Ein strahlender Held zog aus, um Dinge zu tun, die Helden eben so tun: Das Böse vernichten, in Drachenblut planschen und eine fesche Prinzessin ehelichen - dummerweise geriet der Knilch dabei in die Fänge eines bösartigen Dämons, der seine Seele kurzerhand mit der eines Todesritters verknotete. Verständlich, dass die beiden sich nicht riechen können und ausziehen, ihrem Peiniger gehörig die Meinung zu geigen.
Man lernt nie aus
Bevor Sie das ungleiche Paar jedoch durch allerlei verwinkelte Dungeons scheuchen dürfen, bestimmen Sie erst einmal die Charakterklassen Ihrer Schützlinge und machen sie zu Kriegern, Magiern oder Überlebenskünstlern - jeweils definiert durch sechs Charakterwerte von Stärke bis Intelligenz. Im Laufe des Abenteuers steigen die Recken dann durch gewonnene Kämpfe oder erledigte Quests in höhere Erfahrungsstufen auf und Sie dürfen Ihren Krieger im Umgang mit Hieb- und Stichwaffen schulen oder Ihrem Magier die heißesten Feuerzauber beibringen. Einige NPCs fungieren außerdem als Lehrkräfte und schalten gegen Bares weitere Fertigkeiten frei. Das Fähigkeitensystem von Beyond Divinity ist damit zwar komplexer als etwa in Diablo 2 oder auch Sacred, bleibt aber dennoch überschaubar und zugänglich.
Echtzeit-Hektik
In den Kämpfen gegen Skelette, Riesenspinnen und allerlei anderes Fantasy-Getier herrscht weniger Ordnung. Scharmützel werden grundsätzlich in Echtzeit ausgetragen und verlangen schnelle Reflexe beim zeitigen Klick auf Zaubersprüche und Heiltränke. Lediglich die Pausieren-Funktion schafft etwas Ruhe im Getümmel und gibt Ihnen Zeit zum Aufatmen und Planen. Leider macht die zwar zoom-, aber nicht drehbare Perspektive des Spiels das gezielte Auswählen eines Gegners oftmals unmöglich, wenn diese quasi "übereinander" stehen. Überhaupt ist die Steuerung eines der größten Mankos von Beyond Divinity, denn oftmals müssen Sie kleine Schlüssel aufklauben oder Risse im Mauerwerk ausfindig machen. Da sich nicht auf Knopfdruck alle interaktiven Objekte im Bildausschnitt anzeigen lassen, bleibt des Öfteren ein Schalter für mehrere Stunden unentdeckt und Goldsäckchen verstauben hinter nur leidlich transparenten Wänden.
Im Genre nichts Neues
Ganz auf sich allein gestellt ist Ihr Helden-Duo übrigens nicht. In den Dungeons verstecken sich so genannte Beschwörungspuppen, mit denen sich ergebene Helferlein heraufbeschwören lassen, die - solange Sie am Leben sind - wie vollwertige Party-Mitglieder funktionieren und sich individuell einkleiden oder bewaffnen lassen. Doch auch diese für ein Action-Rollenspiel neuartige Gruppendynamik hievt Beyond Divinity nicht in die absolute Spitzenklasse. Zu eintönig sind die Aufträge, zu schnell gehen einem die immer gleichen Sticheleien der Protagonisten auf die Nerven, zu sehr hängt der Ausgang der Kämpfe vom Zufall ab. Vor allem aber sorgen die zahlreich versteckten Fallen für Frust. Oftmals segnet Ihr Gespann nach dem Betreten eines Raumes urplötzlich das Zeitliche, da Sie vorher einen Schalter hätten umlegen müssen. Speichern Sie also regelmäßig den Spielstand, das schont Ihr Nervenkostüm.
Ich mag selbstironisch inszenierte Geschichten -deshalb gefällt mir Beyond Divinity ausgesprochen gut. Auch wenn es die Designer mit "witzigen Dialogen etwas übertrieben und ich dem Todesritter mehrfach am liebsten das anämische Schandmaul gestopft hätte. Der Ritterschlag bleibt dem Spiel jedoch durch sein unausgegorenes Leveldesign verwehrt. Auch die Kämpfe sind zu stark zufallsabhängig. Viele Scharmützel gewann ich nach mehreren Anläufen, ohne die Taktik geändert zu haben. Ausgehungerte Diablo-Fans, die auch in Sacred schon jeden Stein dreimal umgedreht haben, sollten aber einen Blick riskieren - und regelmäßig speichern.