Manche Dinge sollte man besser vermeiden. Dazu gehört etwa, sich als abgehalftertes TV-Sternchen mitten im australischen Urwald der Gnade der Zuschauer auszuliefern. Ebenfalls auf der Tabu-Liste steht, aus Jux und Dollerei Barbarendörfer abzufackeln, deren Bewohner gerade ihren Fünfuhrtee nehmen. Insbesondere wenn es sich dabei um die Cimmerier handelt. Die sind uns heute nämlich nicht etwa wegen ihrer legendären Töpferkunst, sondern wegen ihres berühmtesten Stammessohnes in Erinnerung geblieben: Conan, der Zerstörer. Das Muskelpaket macht sich mit frisch geöltem Schwert prompt an die Verfolgung der Übeltäter und schwört, nicht eher innezuhalten, bis dass die Tat gesühnt ist.
Blutige Sagenwelt
Sie merken schon, die Story-Schreiber haben an Pathos nicht gespart. Aber das wäre bei der Vorlage auch nicht angebracht. Conan, als Romanheld ins Leben gerufen, ist heute den meisten durch den gleichnamigen Film bekannt, der Anfang der Achtzigerjahre den Grundstein für Arnold Schwarzeneggers Schauspielerlaufbahn legte. Doch eigentlich verbirgt sich hinter dem berühmten Namen noch viel mehr: ein riesiges Fantasy-Universum mit genretypischen Geschichten von Ehre, Stahl und mächtigen Kriegern. Dem martialischen Thema trägt das Action-Adventure von Cauldron (Battle Isle 5, Chaser) nicht nur in zahlreichen langen Zwischensequenzen Rechnung, sondern auch im Spielablauf: Die meiste Zeit vertrimmt der Spieler in der Rolle des knapp geschürzten Wilden diverse Märchengestalten, Barbarenkrieger und blutrünstige Raubtiere.
Achtung, Einbahnstraße!
Auf seinem Rachefeldzug kämpft der Mann aus Stahl an sieben Fronten, von den verschneiten Schwarzbergen über düstere Tempelanlagen bis hin zu einer gigantischen Bergfestung am Rande eines schlafenden Vulkans. So abwechslungsreich die Schauplätze atmosphärisch und grafisch auch sein mögen, der Spielablauf folgt doch immer wieder dem gleichen Muster. In rund 70 Abschnitten à fünf bis zehn Minuten werden Gegner vermöbelt, Extras wie Heiltränke oder neue Streitäxte aufgesammelt und gelegentlich Mini-Rätsel der Marke "Finde den richtigen Hebel!" gelöst. Die meisten Levels geben nur den direkten Weg zum Ausgang frei. Sollte sich doch einmal der Pfad gabeln oder die Orientierung verloren gehen, helfen Übersichtskarten.
Conan, der Karateka
Für jeden vermöbelten Gegner ernten Sie Erfahrungspunkte, die Sie in den Ausbau von Conans Fähigkeiten stecken. Ihr Alter Ego beherrscht theoretisch über 50 (!) Kunststücke, angefangen beim simplen Schwertstreich über knallende Kopfstöße bis hin zu magischen Formeln, die etwa Wunden schneller heilen lassen - die interessantesten stellen wir Ihnen im Kasten nebenan vor. Aber keine Sorge, Sie müssen keine vier Dutzend Knopfkombis auswendig lernen: In der Praxis genügen zwei bis drei Schläge und ein, zwei Zaubersprüche für fast alle Situationen. Erfreulich: Ein Gamepad ist zwar bei den besonders komplizierten Hieben von Vorteil, mit der Maus schnetzelt sich der schwitzende Rächer aber fast genauso elegant durch die Dämonenhorden.
Wilder Werwurm
Für gewöhnlich bekommen Sie es pro Level nur mit einem Gegnertyp zu tun. Mit dem aber nicht selten in Massen. Anfangs will Ihnen allerlei wildes Getier an den Kragen, später stürzen sich mit Keulen bewaffnete Neandertaler oder Ritter in rostiger Rüstung auf Sie, selbst von übernatürlichen Wesen bleibt Ihr Alter Ego nicht verschont. Alle paar Abschnitte wartet ein besonders kräftiger Bossgegner: mal ein finsterer Schwarzmagier, dann wieder ein haushoher Werwurm oder grün schimmernde Geisterkämpfer. Während die Bösewichte in den ersten ein, zwei Spielstunden mit etwas Glück und Timing oder schlichtem Hämmern auf die linke Maustaste einfach zu besiegen sind, verlangen ihre Nachfolger gegen Spielende (das auch Unerfahrene nach einem Wochenende erreicht haben sollten) schon etwas mehr Können. Im richtigen Moment blocken, dann zuschlagen und eine Spezialattacke hinterher - so machen Kämpfe Spaß, auch wenn sie nicht ganz so flüssig von der Hand gehen wie beim Konkurrenten Der Herr der Ringe.
Zweite Chance im Jenseits
Sollte Conan einmal den Weg allen Fleisches gehen, bedeutet das nicht zwangsläufig das Ende des Abenteuers. Vor dem Übergang ins Totenreich gibt ihm sein göttlicher Beschützer Crom nämlich noch eine Chance. Siegt der Barbar beim Duell in der Unterwelt-Arena, wird er wieder auf die Erde zurückgeschickt - quasi eine Art Continue, wie man es von Konsolen-Games kennt. Für diese Zweikämpfe gilt das Gleiche wie für die irdischen: In der ersten Spielhälfte ein Klacks, später nicht ganz einfach zu meistern. Zusammen mit dem fairen Speichersystem - um den Spielstand zu sichern, müssen großzügig verteilte Steine eingesammelt werden - sorgen die himmlischen Duelle dafür, dass Frust außen vor bleibt. Allerdings auch dafür, dass sich Joypad-Profis unterfordert fühlen.
Schweres Konsolen-Erbe
Unterfordert fühlen sich von Conans Computer-Abenteuer auch moderne Grafikkarten. Wie von Konsolen-Co-Entwicklungen mittlerweile leider gewohnt, haben sich die Programmierer anscheinend am schwächsten Glied in der Leistungskette orientiert. Das soll nicht heißen, dass die Grafiker schlechte Arbeit abgeliefert hätten. Im Gegenteil, die Schauplätze wurden mit viel Fantasie stimmungsvoll angelegt, seien es nun die glitzernden Eishöhlen der Schwarzberge oder die malerische Hafenstadt Kordava. Aber Texturen wie Polygondichte entsprechen einfach nicht dem Stand der Zeit und lassen viele Ecken der Fantasy-Welt ... nun ja, allzu eckig wirken.
Statt des zähen Heldenepos hätte ich lieber eine wendungsreiche Kurzgeschichte nachgespielt.
Die ersten ein, zwei Stunden habe ich gerne an der Seite von Conan gefochten. Das simple Kampfsystem und der nicht enden wollende Gegnernachschub garantieren kurzweilige Schwertduelle im Minutentakt. Die werden allerdings schnell zur Routine. Aus dem gewaltigen Arsenal an Spezialattacken picke ich mir ein, zwei raus, dann sind die Scharmützel nur noch eine Frage des Timings. Spätestens ab der Hälfte des Abenteuers gibt es einfach keinen Anreiz zum Weiterspielen mehr. Lediglich die in langen Zwischensequenzen erzählte Hintergrundgeschichte, die eines Conan-Romans durchaus würdig wäre, hält Fans noch bei Laune.