Von Tolkien über Peter Jackson zu Electronic Arts - mit Schwert und dem Schicksal Mittelerdes in Händen fuchteln Sie sich mit den Gefährten durch das Fantasyreich.
Es schreit ein Ork, man brach ihm's Bein - schuld kann nur der Gandalf sein. Zumindest wenn Sie sich mit dem Fantasy-Rentner in der Adaption von Peter Jacksons Trilogie-Abschluss Die Rückkehr des Königs in die Wälder von Fangorn begeben. Kaum angekommen, stürmen bereits die ersten Orks laut grunzend aus dem Dickicht hervor und der mehrere hundert Jahre alte Sprücheklopfer verwandelt sich plötzlich in eine agile Kampfmaschine: Sein Umhang flattert im Wind, während Gandalf den ersten Angreifer mit einem Kinnhaken zu Boden wirft und mittels Dolch einer Stichprobe unterzieht. Noch im Aufstehen wirbelt der Zauberer herum, zerschmettert den gusseisernen Schild des zweiten Ork-Kriegers; dieser taumelt zurück und sieht die Backpfeife nicht mehr kommen, die ihm unsanft alle restlichen Lichtlein auspustet. Wenig später kommt ein turmhoher Ent zu Hilfe. Der Spitzhut tragende Graubart folgt dem schnell schreitenden Baumwesen so gut es geht zu einer großen Lichtung. Der Anblick dessen, was dort vor sich geht, zwingt ihn allerdings zu einer andächtigen Pause: Mehrere Ents balgen sich mit hoffnungslos unterlegenen Schergen Saurons. Gandalf stürzt sich ins Kampfgetümmel. In mattem Nebel haut der heldenhafte Zauberknabe nun jedem Ork was auf die Omme, den er erwischen kann, während alle gemeinsam auf der Flucht vor den herumstaksenden Ents sind, deren sonores Kampfgebrüll auch noch in Isengart hörbar ist.
Eins, zwei und/oder drei?
Dies sind nicht etwa Szenen aus einem noch nicht veröffentlichten Director's Cut von Peter Jackson - exakt so spielt sich der Fangorn-Level in Electronic Arts' Die Rückkehr des Königs. Kaum eine Minute vergeht, ohne dass die bombastische Soundkulisse weiteres Unheil verkünden würde oder Explosionen und Staubwolken den Bildschirm erzittern ließen. Die Rückkehr des Königs schließt dort an, wo der nur auf Konsolen erschienene Vorgänger endete: in der Schlacht um Helms Klamm. Natürlich ist Gandalf dabei nicht der einzig spielbare Charakter. 13 Levels verteilen sich auf drei unterschiedliche Handlungsstränge mit jeweils eigenen Protagonisten. Einer davon führt Sie eben mit Gandalf von Helms Klamm bis nach Minas Tirith. Aragorn, Legolas und Gimli wandeln dagegen über den Pfad der Toten und landen schlussendlich an der Schwelle zu Mordor. Im dritten Abschnitt begleiten Sie schließlich Frodo, Sam und das schizophrene Anhängsel Gollum von der Flucht aus Osgiliath bis in die Schicksalsberge. Wer eine Vorstellungen davon bekommen möchte, welche Strecken die wanderlustigen Gefährten dabei zurücklegen, der kann einen Blick auf die Internet-Seiten von Thomas Lornsern werfen, auf der stetig aktualisierte Mittelerde-Karten zu finden sind. Zu den Seiten gelangen Sie über den Link unter diesem Test.
Handfestes Handwerkszeug
Egal für welchen Handlungsstrang Sie sich auch entscheiden, der grundsätzliche Ablauf bleibt gleich. Jeder Level wird von mehrminütigen Filmausschnitten in annähernder DVD-Qualität eingeleitet (darunter natürlich auch diverse Ausschnitte des dritten Teils), die nahtlos zunächst in Rendersequenzen und schließlich in Spielgrafik übergehen. Dann heißt's: Glück auf, hau drauf. Mit Gamepad oder einer erstaunlich gut spielbaren Tastatur-Maus-Kombination steuern Sie Ihren Helden in den Martial-Arts-Kämpfen, die ein weites Betätigungsfeld bieten: Gegen schwächere Gegner setzen Sie den Standardangriff ein, eine wuchtigere Attacke verursacht mehr Schaden und beraubt gepanzerte Widersacher ihrer Schilde, die normale Angriffe abwehren würden. Neben Schwertern und Äxten besitzt jeder Charakter noch eine Fernkampfwaffe, mit der sich Gegner aus der Distanz erledigen lassen. Außerdem im Selbstverteidigungskurs geprobt: das Parieren feindlicher Attacken sowie Tritte oder Schubser, die Mordors Krieger kurzzeitig stoppen.
Kombinationsgabe gefragt
Mit diesem Wissen ausgestattet, können Sie das Action-Destillat des ursprünglichen Tolkien-Werks auf zweierlei Arten bewältigen: Hack & Slay, bis die Zeigefinger schmerzen, oder durch den Einsatz gezielter Angriffskombinationen. Mit jedem erfolgreichen Angriff und jeder zielsicheren Parade laden Sie eine kreisförmige Anzeige auf - eingesteckte Treffer wiederum lassen die Punktewertung schrumpfen. Je weiter der Kreis gefüllt ist, desto besser fällt das Urteil für niedergestreckte Feinde aus; gestaffelt in vier Stufen von "ok" bis "perfekt". Je besser Sie sich hier schlagen, desto mehr Erfahrungspunkte sammeln die Charaktere, die Sie bis Stufe 20 aufpäppeln können. Nach jedem abgeschlossenen Level werden Ihre kämpferischen Leistungen ausgewertet und entsprechend die Erfahrungspunkte verteilt. Für ausreichend Punkte statten Sie Ihren Recken mit neuen Kombinationsangriffen aus, powern die Fernwaffe auf oder steigern dauerhaft die Gesundheit. Viele Upgrades lassen sich nicht nur für den Charakter erwerben, den Sie gerade spielen, sondern gleich pauschal für alle Gefährten.
Kino zum Mitspielen
Doch keine Angst - um die Kombo-Angriffe effektiv einzusetzen, müssen Sie kein virtuoser Tastenakrobat sein. Mit ein wenig Übung gehen die Spezialmanöver leicht von der Hand und Sie wirbeln kräftig austeilend über Schlachtfelder, die ihre Konsolenherkunft gut verbergen. Neben höheren Auflösungen spendierte Electronic Arts der PC-Fassung des PlayStation-2-Grundgerüsts auch feinere Texturen - das sorgt für einen genialen Look, der Kinoflair aufkommen lässt. Der orchestrale Soundtrack von Filmkomponist Howard Shore (unter anderem Gangs of New York und Sieben) komplettiert die epische Atmosphäre - Die Rückkehr des Königs ist großes Kino zum Mitspielen.
Konsolenklischee
Während sich viele Entwickler von der grafischen Portierung des Konsolentitels ein großes Scheibchen abschneiden sollten, dürfte EA so manches PC-Spieler-Gemüt mit dem Speichersystem zum Kochen bringen, das auf Speicherpunkte setzt. Die sind in einigen Levels fair verteilt, vor allem in späteren Missionen gönnt man dem Spieler jedoch selbst nach den dicksten Gegneransammlungen keine Verschnaufpause - frustanfällige Naturen sollten hier präventiv auf den leichtesten der drei Schwierigkeitsgrade umschalten, was zum Glück jederzeit möglich ist. Schlimmer wird's im kooperativen Zweispielermodus. Das gemeinsame Verdreschen der Finsterlinge bietet zwar Kurzweil, bringt jedoch mehr Gegner und noch weniger Speicherpunkte mit sich; dafür dürfen die Gefährten je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad mehrmals das Zeitliche segnen und wieder auferstehen. Sie verfolgen das Spielgeschehen nicht aus einer festen Verfolgerperspektive - Kameraposition und Ausrichtung Ihrer Helden wechseln immer wieder. Das führt in großen Massenschlachten leider oftmals kurzzeitig zu totalem Orientierungsverlust.
Leckerlis zur Belohnung
Wer die Herausforderungen schließlich meistert, wird belohnt. Nach fast jedem Level schalten Sie zahlreiche Gimmicks frei. Da verrät Schauspieler Andy Serkis Details über seine Rolle als Gollum und Frodo-Darsteller Elijah Wood frotzelt über die spielerischen Fähigkeiten seiner Hobbit-Kollegen. Auch Set-Fotos sowie Konzeptzeichnungen gibt es zu bestaunen. Wer das Spiel erfolgreich beendet, erhält drei weitere spielbare Charaktere sowie einen Sparring-Level, in dem sich hervorragend Erfahrungspunkte sammeln lassen. Außerdem dürfen Sie im zweiten Anlauf jeden Level mit jeder Figur absolvieren.
Die Rückkehr des Königs ist das Max Payne 2 des Fantasy-Genres.
Was hier in Sachen Präsentation abgeliefert wird, sucht seinesgleichen. Filmausschnitte und der Originalsoundtrack sorgen für eine dichte Atmosphäre und wenn auf der Flucht aus Osgiliath im Minutentakt Gebäude explodieren, erinnert das fast an Call of Duty. Geniale Präsentation hin, abwechslungsreiches Leveldesign her Herr der Ringe ist kein Spiel für jedermann. Das liegt zum einen am simplen Spielprinzip, das zwar durch ein durchdachtes Kombosystem und stylische Martial-Arts-Kämpfe so gut es geht aufgepeppt wurde, aber trotzdem keinen Anspruchspreis gewinnt. Vor allem aber am Speichersystem, das besonders Einsteiger frustriert. Die von Kollegen bemängelten Kameraperspektiven haben mich persönlich nicht gestört lediglich wenn meine Charaktere mal wieder im Gegnerwust untergingen, erfreute ich Sitznachbarn mit Frustgebrüll. Wer aber über ein gut gepolstertes Nervensystem verfügt und ein kurzweiliges Actionfeuerwerk sucht, das mit zahlreichen freispielbaren Gimmicks lockt, der wird seine helle Freude haben.
Ich bin der Meinung , dieses Spiel ist ein gutes Actionspiel, sicher , die Kameraführung und die Speichermöglichkeiten erhöhen den Schwierigkeitsgrad künstlich, jedoch wird einem hier eine ordentliche Grafik sowie eine bombastische Soundkulisse geboten. Ebenso hat man oft das Gefühl, daß man sich im Film befindet. alles in allem ein rundum gutes Spiel, wenn man auf Fantasyaction steht.
am 16.12.03 um 19:02 schrieb outlawx: Die schöne Grafik und ein paar gute Ideen sind leider nicht alles was ein Spiel braucht. Ich hab nach knapp 2 Stunden aufgegeben da die Steuerung das schlechtste ist was ich seit vielen Jahre erleben durfte. Und die wirklich schlechte Kammeraführung gibt einem dann noch den Rest. So macht das Spielen keinen Spaß!!!
Ich schliess mich hier mal an.Ich bin fast am Ende, kann aber die letzten Level aufgrund der grausamen Kameraführung irgendwie nicht beenden.Gegner sieht man erst, wenn sie fast vor einem stehen und der Weg irgendwohin ist meistens ein Schritt ins Ungewisse.Das Spiel an sich ist nicht schlecht und das mit dem speichern stört mich auch nicht sonderlich. Aber dass man ständig wie Steve Wonder durch die Gegend läuft verdirbt den ganzen Spielspass.
am 16.12.03 um 19:02 schrieb outlawx: Die schöne Grafik und ein paar gute Ideen sind leider nicht alles was ein Spiel braucht. Ich hab nach knapp 2 Stunden aufgegeben da die Steuerung das schlechtste ist was ich seit vielen Jahre erleben durfte. Und die wirklich schlechte Kammeraführung gibt einem dann noch den Rest. So macht das Spielen keinen Spaß!!!
da schliess ich mich voll und ganz an! mit einer fernwaffe einen etwas entferteren Gegener zu treffen ist schon nicht einfach. Nur geklicke und das Auswendiglernen von Kombinationen von 5 Tasten ist Käse. DAzu diese Kameraführung, die nicht nur ständig für Verwirrung sorgt sondern auch die Übersichtlichkeit, selbst wenn sich die Perspektive mal nicht ruckartig ändert sollte, weg lässt Insgesamt mehr als enttäuschend. Trotz der Filmsequenzen ist die Atmosphäre durch schlechte Steuerung & Kamera schnell hinüber.
Mangelhaft!
Wollen Sie einen Kommentar abgeben ?
Melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich, wenn Sie noch keine Kennung besitzen. Registrieren