Das tschechische Entwickler-Team von Illusion Softworks hat es mal wieder geschafft, ein Spiel zu programmieren, das in fast allen Bereichen gelungen ist, nur in einem nicht - der KI Ihres computergesteuerten Teams. Der Rettungsanker kommt in Form des offenen Spieldesigns, denn Hidden & Dangerous 2 lässt sich auf zwei Arten spielen: als Taktik-Shooter mit maximal vier Kameraden oder im Alleingang. Nur letztgenannte Option ermöglicht einen reibungslosen Spielablauf. Aber dazu später mehr ...
Hinter feindlichen Linien
Bei Hidden & Dangerous 2 unterteilt sich der Zweite Weltkrieg in 23 Missionen. Während sich Ihre britischen Kameraden an der Front abmühen, schleichen Sie als Mitglied der SAS tief im deutschen Feindgebiet umher. Ihre Spezialitäten: Brisante Dokumente klauen, strategisch wichtige Brücken sprengen, schwer bewachte Festungen infiltrieren. Am Anfang stapfen Sie durch norwegischen Schnee, später lösen Sie Missionen in Afrika, den österreichischen Alpen, in der Normandie und in Tschechien. Dafür brauchen Sie schätzungsweise 25 Stunden im leichtesten und ein halbes Jahr im härtesten Schwierigkeitsgrad. Gut, der zweite Wert mag übertrieben sein, aber dennoch: Hidden & Dangerous 2 ist teilweise verdammt schwer! Nicht nur schießen die Widersacher manchmal mit einer beängstigenden Genauigkeit, dass man meinen könnte, ein pinkfarbenes Kleid statt eines Tarnanzugs zu tragen. Hinzu kommt auch, dass einige Aufträge so fies gestaltet sind wie eine Scherzfrage - nur, wenn man um Ecken denkt, geht's weiter. Beispiel: Später im Spiel lautet Ihr Auftrag, in gestohlener Wehrmachtsuniform durch eine deutsche Basis zu marschieren. Doch die Feinde lassen sich nicht täuschen, werden sofort stutzig und schießen auf Sie. Schuld ist der Ami-Rucksack, auffällig um den Rücken Ihrer Spielfigur geschnallt. Das Gemeine daran: Das Spiel empfiehlt genau diese Ausrüstung vor Missionsstart!
Darf nicht fehlen: Rollenspielkram
Über 40 Soldaten verfügt die SAS, maximal vier davon bestreiten einen Einsatz. Welche das sind, entscheiden Sie vor jeder Mission. Aus einem Pool wählen Sie Ihre Männer aus, während eine Statistik über Vor- und Nachteile der ins Auge gefassten Person informiert. Die einen sind schnell, die anderen langsam, die einen können viel tragen, die anderen geraten nach einem kurzen Sprint sofort aus der Puste. Auch Treffergenauigkeit oder die Fähigkeit, Schlösser zu knacken, werden aufgeführt. Sämtliche Fertigkeiten steigen nach erfolgreich absolvierten Auftrag minimal an, was heißt: Passen Sie gut auf Ihr Team auf! Denn je erfahrener Ihre Mitstreiter sind, desto effektiver agieren sie im Kampf. Ihre Helden verfügen - der Realismus schreibt es vor - auch über ein Inventar. Darin verstauen Sie vor Missionsbeginn alles, was Sie mitnehmen möchten - aber nur so lange, bis die maximale Gewichtsgrenze erreicht ist. Für Schleicheinsätze packen Sie schallgedämpfte Kanonen ein, auf offenem Feld eignen sich Scharfschützengewehre, Panzerfäuste oder größere Maschinengewehre. Als völlig nutzlos erweisen sich Granaten, denn Ihre Spielfigur wirft wie jemand, der im Sportunterricht ständig gehänselt wurde; Aufprall und Explosionszeit lassen sich deshalb kaum einschätzen, also bleiben Sie besser bei den gewöhnlichen Waffen. Von denen dürfen Sie übrigens nur maximal drei Stück mitschleppen: eine Pistole in der Westentasche, ein Gewehr in der Hand und eines um die Schulter gehängt.
Spannende Aufträge und kleine Macken
Hidden & Dangerous 2 hat viele Vorzüge, der größ- te: die Missionsvielfalt. Im Dschungel kriechen Sie mühsam durchs Dickicht, während Regen in Sturzbächen vom Himmel kommt und die Sicht verwischt. Ringsherum sind gut getarnte Schützengräben, aus denen Einheimische mit Maschinengewehren auf alles schießen, was sich im Unterholz bewegt - spannend! Ein anderes Mal hasten Sie im Nebel zusammen mit einem Bodentrupp durch meterhohes Gras, um einen Hügel zu erklimmen. Fast ununterbrochen schlagen Granaten ein und Dreckfontänen spritzen auf. Irgendwann erreichen Sie einen feindlichen Bunker, den Sie betreten. Drinnen schlagen Sie sich im Halbdunkel mit dem Rest der Gegner herum, während der Stollen unter der Wucht der Einschläge von draußen erzittert. Die Einsätze sind meistens wahre tembeschleuniger, aber leider nicht perfekt. Häufig lautet der Auftrag, diverse Dokumente zu stehlen, was bedeutet, dass man den Bildschirm pixelgenau mit dem Fadenkreuz abfahren muss. Die Orientierung ist auch an anderen Stellen ein Problem, etwa wenn es heißt: "Bringen Sie Ihr Team zu Punkt B!" - eine präzise Anweisung zwar, aber eine unnütze obendrein, wenn die einschaltbare Karte keine Auskunft darüber gibt, wo sich besagter Punkt eigentlich befindet.
Dumm, dümmer, Team-KI
Sofern Sie ein ruhiger Zeitgenosse sind, der auch in ärgerlichen Situationen die Nerven behält, dann könnte sich das ändern, wenn Sie Hidden & Dangerous 2 spielen: Ihre Team-Kameraden verhalten sich nämlich nicht wie ausgebildete Soldaten, sondern eher wie Rinder, die auf einer Straße stehen und selbige mit kolossaler Sturheit blockieren. Über das Nummernfeld auf Ihrer Tastatur erteilen Sie Ihren Mitstreitern Befehle, die nicht befolgt werden. Im Taktik-Modus (siehe Extrakasten) weisen Sie Ihren Kollegen im Pausemodus Aktionen zu, um nach abgeschlossener Planung den Startschuss zu geben und zu sehen, dass das Team - wenn überhaupt irgendwas - das Gegenteil macht. Damit disqualifiziert sich Hidden & Dangerous 2 als teambasierter Taktik-Shooter von selbst. Dieser grobe Schnitzer würde dem Titel das Genick brechen, gäbe es nicht andere Spieloptionen. Machen Sie es einfach Müttern nach, die ihre Kinder beim Einkaufen im Plastikkugel-Becken parken: Stellen Sie Ihr Team in einer Ecke ab und ziehen Sie alleine los, ohne dass die tumben Mitstreiter den Spielfluss stören. Am besten wählen Sie gleich zu Beginn den Spielmodus "Einsamer Wolf". Darin bestreiten Sie standardmäßig sämtliche Missionen im Alleingang. Das verwandelt Hidden & Dangerous 2 schon fast in einen actionbetonten Ego-Shooter, was aber gar nichts ausmacht - denn so haben Sie am meisten Spaß.
Wenn Illusion Softworks endlich mal ihre KI-Routinen überarbeiten würden ...
Was schon in Mafia und Vietcong nicht funktioniert hat, funktioniert nun auch in Hidden & Dangerous 2 nicht: die Einheiten-KI. Das Team reagiert selten auf Befehle und häufig ballern die computergesteuerten Mitstreiter stur auf eine Wand, hinter der ein Gegner lauert. Zum Glück lassen sich die Kameraden per Zifferntasten auswählen und selber steuern - am meisten Spaß macht Hidden & Dangerous 2 aber, wenn man komplett auf die Taktik-Tüftelei verzichtet und einfach drauflosspielt. Trotz des realistischen Anstrichs kommt man in Ego-Shooter-Manier überraschend gut voran, vor allem in den Missionen, die nicht auf freiem Feld stattfinden. Ein Lob möchte ich an dieser Stelle aussprechen und besonders betonen: Danke, liebe Entwickler, dass Hidden & Dangerous 2 länger dauert als nur magere zehn Stunden, mit denen man heutzutage für gewöhnlich bei Action-Spielen abgespeist wird!