Die Rauchschwaden über den Schlachtfeldern haben sich noch nicht verzogen und die Siegesreden sind noch nicht geschrieben, da steht der vermeintliche Verlierer der Original-Kampagne buchstäblich aus den Ruinen wieder auf. Noch während die Führer der Westlichen Allianz und des Asiatischen Pakts die Sektkorken angesichts ihres Triumphs gegen die Internationale Befreiungsgruppe knallen lassen, krabbelt irgendwo ein mechanischer Arbeiter aus einem vergessenen Tunnelsystem, wischt sich den Sand von den Schweißnähten und macht sich wieder an die Arbeit. Da sich die Wut der fanatischen Organisation auf die vermeintlichen Aggressoren nach der vergangenen Niederlage nicht eben gelegt hat, geht der Machtkampf in eine neue Runde und verlagert sich in das "alte Europa".
Politische Parallelen
Die Einzelspielerkampagne des Add-ons umfasst 15 Missionen, die in drei Kampagnen aufgeteilt sind und nahtlos an die Geschehnisse aus Command & Conquer: Generäle anknüpfen. Zunächst schlagen Sie sich auf die Seite der WA und werden einmal mehr in den Mittleren Osten abkommandiert, um den angeblichen IGB-Aktivisten Dr. Trax ausfindig zu machen, der im Besitz von Massenvernichtungswaffen sein soll. In der darauf folgenden Kampagne wagen Sie sich mit den Guerillakämpfern der Internationalen Befreiungsgruppe in die Höhle des Löwen und zeigen der Westlichen Allianz auf europäischem Boden, dass man sich mit Ihnen besser nicht anlegen sollte. Nachdem die WA vor der versammelten Völkergemeinschaft nun mit heruntergelassenen Hosen dasteht, muss der Asiatische Pakt die Suppe auslöffeln - mit den Cyborgs aus asiatischer Fertigung bestreiten Sie die letzten fünf Missionen und sorgen wieder für Ordnung im politischen Weltgefüge.
Kurz, aber knackig
Eine der größten Schwächen von Generäle lag in der Präsentation der Einzelspielerkampagne. Erstmals fehlten in einem Spiel der Command & Conquer-Reihe die mit Schauspielern abgedrehten Zwischensequenzen. Erschwerend kam hinzu, dass die Geschichte ohne Schlüsselfiguren auskam und die einzelnen Missionen durch den fehlenden inhaltlichen Zusammenhang beliebig austauschbar waren - kein Vergleich zu den epischen Erzählungen eines Warcraft 3 oder dem packenden Tiberiumkonflikt zwischen Nod und GDI. Auch Die Stunde Null reicht an die alten Qualitäten der Serie in diesem Bereich nicht heran, ist jedoch wesentlich ansprechender inszeniert als das Hauptspiel. So werden die Missionen nun nicht mehr von drögen Briefings in Textform eingeleitet. Stattdessen informieren drei Kriegsreporter über die aktuellen Geschehnisse und schaffen so eine wesentlich dichtere Atmosphäre. Auch das Missionsdesign selbst erfuhr sinnvolle Änderungen. Statt eines großen Ziels sind die Aufgabenstellungen nun meist gestaffelt - so werden Sie beispielsweise zunächst ausgeschickt, um eine Ansammlung von Kraftwerken auszuschalten, bevor Sie in die gegnerische Basis vorstoßen können. Außerdem gibt es im Add-on diverse Kommando-Einsätze, in denen Sie sich ganz ohne Basenbau mit wenigen Truppen durch das Feindesland schlagen müssen. Die Stunde Null bietet somit wesentlich mehr Anreize zum Durchspielen der Einzelspielerkampagnen.
Verstärkung ist eingetroffen
Wie es sich für ein Add-on gehört, erweitert Die Stunde Null das Kriegsarsenal der drei Fraktionen um neue Einheiten und Gebäude. Das Kriegsarsenal der Westlichen Allianz wird beispielsweise um einen Mikrowellenpanzer erweitert, der zwar keine Fertiggerichte zubereitet, dafür aber Gebäude lahm legt und so ideal dafür geeignet ist, die gegnerische Luftabwehr außer Kraft zu setzen und dann mit Comanches den feindlichen Luftraum unsicher zu machen oder per Chinook die Kavallerie einzufliegen. Auch der Avenger - eine aufgebohrte Variante des klassischen Humvees - sollte in keinem Angriffsverband fehlen, da der wendige Flitzer mit seinen zwei aufmontierten Lasergewehren Raketen abwehrt und zielsicher dafür sorgt, dass Flugzeuge oder Hubschrauber aus allen Wolken fallen. Die Verteidigung der Hightech-Armee wird außerdem um eine Artilleriestellung erweitert, in der zusätzlich zur reichweitenstarken Kanone vier Soldaten Platz haben. Eine der neuen Generalsfähigkeiten baut darüber hinaus die Lufthoheit der Westlichen Allianz aus: Als Drei-Sterne-General dürfen Sie ein mächtiges Spectre-Gunship anfordern, das längere Zeit über dem Zielgebiet kreist und aus allen Rohren feuert.
Camouflage ist in
Die Internationale Befreiungsgruppe dagegen setzt verstärkt auf schnelle Hit-and-Run-Angriffe aus dem Nichts. Die Guerillakämpfer haben ihren Fuhrpark deshalb unter anderem um Cross-Motorräder erweitert. Da alle Fußtruppen im Besitz der entsprechenden Fahrerlaubnis sind, können Sie die Knatterkisten vielseitig einsetzen. Ihre Truppen bewegen sich so wesentlich schneller voran und überwinden mühelos selbst die steilsten Klippen. Schaffen Sie auf diesem oder anderem Wege gar einen Saboteur ins Feindeslager, können Sie Gebäude kurzzeitig funktionsuntüchtig machen oder die Timer für Superwaffen zurücksetzen. Die wohl mächtigste Angriffswaffe der IBG steckt jedoch bei den Generalsfähigkeiten. Als Fünf-Sterne-General dürfen Sie ein spezielles Tunnelsystem aus dem Boden stampfen, das es in sich hat. Ganz ohne Zutun von Arbeitern entsteht es an jeder Position, die Sie einsehen können. Zwar besitzt dieses Tunnelsystem kein Geschütz und ist wesentlich schwächer gepanzert als die normale Ausgabe, doch dafür stehen Sie in Windeseile mit all Ihren Truppen in der gegnerischen Basis. Denn auch in Die Stunde Null gibt es keine Betonplatten, die Sie wie in Tiberian Sun zum Schutz vor solch hinterhältigen Angriffen verlegen könnten.
Asiatische Wertarbeit
Auch der Asiatische Pakt hat seine Stärken weiter ausgebaut. Das neue Zugpferd des mächtigen Militärapparats ist der Helix-Helikopter, der seinem Ruf als "Overlord der Lüfte" wahrlich alle Ehre macht. Nach der Produktion dieses Ungetüms erhebt sich ein Stahlkoloss in die Lüfte, der serienmäßig als Truppentransporter fungiert. Genau wie der Overlord-Panzer lässt sich der Helix zusätzlich mit einem Propagandaturm zur Heilung umstehender Einheiten, einem Gatling-Geschütz oder einem Bunker ausrüsten. Da die im Bunker stationierten Einheiten aus diesem herausschießen können, ergeben die Kombinationen unterschiedlich ausgebauter Helix-Helikopter eine mächtige Streitmacht wahrer Schlachtschiffe. Zum Schrecken der Lüfte werden asiatische Befehlshaber jedoch erst nach der Beförderung zum Drei-Sterne-General. Dann nämlich startet auf Knopfdruck ein Bomber, der feindliche Stellungen mit einem Bombenteppich einäschert. Doch auch an die Daheimgebliebenen wurde gedacht. Im so genannten Web-Zentrum dürfen Sie neun der bisher extrem anfälligen Hacker unterbringen, die dort gut geschützt die Kriegskasse füllen. Durch ein Upgrade deckt das Gebäude sogar feindliche Kommandozentralen auf.
Battlefield Fighter
EA LA liefert mit dem Add-on jedoch nicht nur einige neue Einheiten und Gebäude nach, sondern löst auch ein Versprechen ein, das bereits für Generäle gegeben wurde. Jede Fraktion stellt Ihnen drei Befehlshaber zur Auswahl, die sich auf eine bestimmte Art der Kriegsführung spezialisiert haben. General Townes beispielsweise kämpft für die Westliche Allianz und hat eine Schwäche für Laserwaffen. Ziehen Sie mit ihm in die Schlacht, profitieren Sie von Laser-Aufsätzen auf Panzern und günstigeren Einkaufspreisen für die Avenger. Dafür verzichten Sie auf Tomahawk-Werfer. Alle anderen Generäle setzen ebenso auf modifizierte Spezialtruppen, müssen dafür aber auf andere Einheiten verzichten. Eine Übersicht über die Generäle der einzelnen Fraktionen finden Sie in den Info-Kästen. Im so genannten "Herausforderungs"-Modus können Sie diese Generäle nacheinander freispielen. Dazu entscheiden Sie sich für Ihren Wunschkandidaten und treten dann in sieben Schlachten gegen alle anderen Kommandanten an. Danach dürfen Sie den freigespielten General auch im Mehrspielermodus einsetzen. Außerdem gibt es diverse Verbesserungen der Steuerungen: Ein Doppelklick bei einer Bewegungsorder versetzt die Truppen beispielsweise automatisch in den "Bewachen"-Modus.
Der Herausforderungs-Modus ist eine innovative und geniale Idee!
Das Entwicklungsteam rund um Harvard Bonin und Mark Skaggs (Interview ab Seite 32) hat sich wirklich ins Zeug gelegt. Die Einzelspielerkampagne ist mit abwechslungsreichen Missionen, Kriegsreportern und weit mehr Ingame-Zwischensequenzen wesentlich atmosphärischer als die des Hauptspiels. Hinzu kommt der tatsächlich sehr herausfordernde
Herausforderungs-Modus, in dem Sie mit abgewandelten Armeen geschickt taktieren müssen und gleichzeitig von Ihrem Widersacher mit fiesen, situationsabhängigen Kommentaren wie Keine Ressourcen mehr? Soll ich dir was leihen? angestachelt werden. Eine geniale Idee! Ob unter den Generälen das Balancing im Mehrspielermodus leidet, überprüfen wir in einem Langzeittest ausführliche Ergebnisse daher erst in der nächsten Ausgabe. Für Einzelspieler bietet das Add-on jedenfalls mehr als das Originalspiel.