Testbericht

27.06.2003 13:08 Uhr

GTA Vice City

Eine Stadt in der Hauptrolle: Vice City ist die lebendigste Metropole der Spielegeschichte.

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 07/2003)
91%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
95 %

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Hätte William Wallace in Vice City gelebt, er wäre vor Freude zusammengebrochen: In dieser Metropole sind der Freiheit fast keine Grenzen gesetzt. Das Gebiet erstreckt sich auf riesigen 4,25 Quadratkilometer und ist damit doppelt so groß wie das aus GTA 3. Nicht nur größer, sondern auch schöner, abwechslungsreicher und stilvoller - Vice City ist eine Stadt mit allem Drum und Dran. Beispiele gefällig?

Auf der Ostinsel verläuft ein Sandstrand, daneben reihen sich Cafés, Nachtclubs, Hotels und Einkaufszentren aneinander; weiter westlich stehen die Villen der Reichen und der Schönen, direkt neben einem Golfplatz. Im Kontrast dazu Downtown, wo graue Wohnblöcke ein trostloses Bild abgeben und nur das Hyman Memorial Stadion stolz aus der Menge heraussticht. Im Süden häufen sich dann die Palmen am Wegesrand, während Häuser immer seltener werden und Platz machen für den Flughafen und Luftwaffenstützpunkt. Am untersten Zipfel schließlich steht der Hafen, der ans Industriegebiet anschließt.

In Vice City steckt außergewöhnlich viel drin. Und Sie dürfen alles erkunden, jeden Winkel unter jedem Treppengeländer, jedes Hochhausdach, bis zur letzten Gasse. Ob zu Fuß, per Wagen oder Hubschrauber, das steht Ihnen frei. Über Straßen heizen Sie wahlweise auch mit Bikes, darunter Motorroller, Chopper und Geländemaschinen. Sogar das Meer, das die beiden Inseln trennt, ist befahrbar: mittels Motorboot.

Verbrechen lohnt sich nicht

Vice City ist von etlichen charismatischen Figuren bevölkert. Eine davon heißt Tommy Vercetti und spielt die Hauptrolle - Ihre Rolle. Sie schlüpfen in Tommys Hawaiihemd und müssen ausbaden, was ein dynamisch geschnittener Vorspann erzählt: Da geht eine Geldübergabe mächtig schief, und übrig vom geplatzten Deal bleiben nur Tommy und sein Partner Ken Rosenberg - weg dagegen sind die Drogen und jede Menge Dollar-Scheine, die Gangster-Boss Sonny Forelli gehörten. Ihre Aufgabe ist es nun, die Übeltäter ausfindig zu machen und die Kohle an ihren rechtmäßigen Eigentümer zurückzubringen.

Als Tommy Vercetti sind Sie in Vice City ein echter Schweinehund: In 58 Missionen jagen Sie Ganoven mit Kettensägen, fahren Autos schrottreif, demolieren Kaufhäuser, zetteln einen kubanischen Bandenkrieg an, sprengen Gebäude in die Luft und nehmen an illegalen Rennen teil. In Vice City regiert das Verbrechen die Straße - und zwar wegen Ihnen! Vergewissern Sie sich also besser, dass Ihnen Ihre (Schwieger-)Mutter beim Spielen nicht über die Schulter schaut.

Ihre Missionen erhalten Sie, wenn Sie den hervorgehobenen Punkten auf der Mini-Karte folgen. Dort warten Ihre Auftraggeber. Ein Wiedersehen mit selbigen ist immer wieder eine Freude, weil es die Entwickler geschafft haben, 3D-Figuren so wirken zu lassen, als würden sie tatsächlich leben: Ken Rosenberg beispielsweise redet Danny de Vito-like wie ein Schnellfeuergewehr, wandert nervös auf und ab und zieht Gesagtes gern ins Lächerliche - der Mann hat Charakter. Avery Carrington dagegen ist der geborene Cowboy, der als altkluger Onkel auftritt, von dem man noch etwas lernen kann. Highlight der Vice City-Darsteller aber stellt Gauner Ricardo Diaz dar: Der millionenschwere Choleriker zertrümmert in einem Anfall schon mal einen scheinbar defekten Videorekorder, nur um dann festzustellen, dass selbiger nicht eingestöpselt war.

Obwohl alle Szenen in Spielgrafik ablaufen, fühlt man sich dank der rasanten Kamera und der lebensechten Animationen an einen Film erinnert. Die grandiose, englische Sprachausgabe verstärkt diesen Eindruck. Deutsche Untertitel erleichtern in der übersetzten Version das Verständnis.

Einfach, aber genial

Vice City verbindet Einfachheit mit Genialität, was wenige Spiele schaffen. Beispielsweise gibt es nur selten eine Mission, für die Sie länger als fünf Minuten brauchen. Sämtliche Aufträge sind knapp und auf den Punkt gebracht - und trotzdem komplex, weil sie Raum zum Ausprobieren und Herumtüfteln lassen. Das offene Spiel-Design ist einer der größten Pluspunkte.

Einmal besteht Ihre Aufgabe darin, einen Golfspieler auszuschalten. Das Problem: Besucher des Golfplatzes müssen am Eingang ihre Waffen abgeben. Nur mit einem Schläger in der Hand stehen Sie dann vor der Zielperson, die von Bodyguards umringt ihrer Leidenschaft frönt. Frontal vorzustoßen, wäre ein Fehler, denn das Opfer würde sofort die Flucht ergreifen und mit einem der nahe stehenden Caddies in Richtung Ausgang abhauen. Cleverer ist es, sämtliche Golfwagen vorher ins Wasser zu schubsen - und zwar bis auf einen, den Sie abseits im Gebüsch parken, sozusagen als Ass in Ihrem Ärmel. Schon wird das Attentat zum Kinderspiel.

Häufig sind es solche simplen Kniffe, die einer scheinbar aussichtlosen Mission ihre Schwierigkeit nehmen. Man braucht vielleicht ein bisschen, bis man draufkommt, weil der Spielablauf so viele Möglichkeiten zulässt; aber genau diese Vielfältigkeit macht den Reiz des Spiels aus. Noch ein Beispiel: Später im Spiel schicken Sie einen bis an die Zähne bewaffneten Tommy in ein Einkaufszentrum, um die dort anwesenden Verkäufer zu verängstigen, indem Sie sämtliche Schaufenster zerlegen. Problematisch ist hierbei das sehr knappe Zeitlimit: Wer zu Fuß durch den Komplex rennt, kommt schnell außer Puste; schon bald ist die größte Gefahr nicht die Polizei, sondern die Uhr, die unaufhaltsam tickt.

Die Lösung ist simpel, vielleicht zu simpel, so dass man sie als Wald vor lauter Bäumen nicht bemerkt. Schnappen Sie sich vor Ihrem Feldzug ein Motorrad und nehmen Sie selbiges einfach ins Einsatzgebiet mit. Auf dem Zweirad sausen Sie in Sekundenschnelle von Laden zu Laden, weichen flink den Schüssen der Polizisten aus, schlängeln sich durch enge Gänge hindurch und erklimmen sogar Rolltreppen mit Leichtigkeit.

Action-Rennspiel-3D-Shooter

Es fällt schwer, ein Spiel der GTA-Serie in ein festes Genre zu zwängen. Vice City vollbringt, genauso wie der Vorgänger, den Spagat zwischen Rennspiel und 3D-Shooter: Einige Missionen erledigen Sie zu Fuß, andere im Wagen. Im fahrbaren Untersatz werden Sie sich aber wohler fühlen, weil der Spielablauf flüssiger, das Interface in sich stimmiger ist. Als 3D-Shooter ist Vice City zwar immer noch überzeugend, fühlt sich aber ein bisschen seltsam an - was hauptsächlich an der hektischen, übersensiblen und unausgeglichenen Steuerung liegt. Tommy hüpft, als wären Sprungfedern an seinen Füßen montiert, zuckelt seltsam über Hindernisse und beschleunigt aus dem Stand mit einer Hektik, die den Bewegungen in alten Stummfilmen ähnelt. Umständlich auch, dass sich die Mausgeschwindigkeit zwar nach links und rechts regeln lässt, nicht aber nach oben und unten.

Man wird sich allerdings zweimal überlegen, wie viel Wichtigkeit man diesem Ärgernis beimisst, wenn man als Vergleich die Steuerung des Playstation 2-Originals heranzieht. Stellen Sie sich einfach vor, Sie hocken als Tommy in einem Hubschrauber, der im Wind wackelt, und müssen ein zuckendes Fadenkreuz mit dem Gamepad millimetergenau auf sich bewegende Pixel dirigieren. Ein Albtraum, der auf dem PC entfällt: Geschossen wird ausschließlich mit der Maus, und Fadenkreuze schieben Sie beinahe so zielsicher über den Bildschirm wie in puren Ego-Shootern.

Überdosis Stil

Betrachtet man einen Busch in Vice City, so wird man denken: Was für ein hässlicher, flacher Pixelsalat! Es gibt keine Bäume wie in Unreal 2, die in etlichen Tausend Polygonen erstrahlen. Und die meisten Objekte wirken kahl und langweilig. Viele Texturen gaukeln Dreidimensionalität nur vor, indem sie Fotorealistisches zeigen, das sich aus der Nähe in unscharfe Masse verwandelt. Für sich alleine genommen ist kein Objekt wirklich hübsch. Sobald man aber, und das ist das Erstaunliche, die schiere Fülle an Details als Gesamtwerk ansieht, wenn man nicht versucht, jede Einzelheit zu analysieren, dann entfaltet sich die wahre, überwältigende Grafikpracht von Vice City. Es passt einfach alles zueinander! Schön zum Beispiel die Farbgebung bei Nacht, wenn sich im Regen die Neonlichter spiegeln und auf den Straßen das Scheinwerferlicht der Autos schimmert - das sind Bilder, die Postkarten verkaufen!

Stimmungen transportiert auch der Soundtrack, der schon fast zum Markenzeichen von Vice City geworden ist. Sieben Stunden Musik lassen die 80er-Jahre wieder aufleben: Judas Priest, Toto, Nena, Foreigner und Michael Jackson sind nur wenige Beispiele für das, was das Radioprogramm im Spiel zu bieten hat. Oft ertappt man sich sogar dabei, ein paar Extrarunden um den Block zu drehen, weil Tommys Hemd gerade so schön im Rhythmus zur Musik im Fahrtwind flattert.

Vice City ist eben ein in jeder Beziehung außergewöhnliches Spielerlebnis. Und übrigens schon jetzt eines der besten Spiele des Jahres.
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Thomas Weiß

Wären alle Spiele so gut wie Vice City, PC Games-Redakteure hätten einen Traum-Job.

Warum kann man nicht unmittelbar nach Missionsbeginn den Spielstand sichern? Wieso lässt sich die Mausgeschwindigkeit nicht ordentlich justieren? Wieso rennt Tommy durch die Straßen, als hätte er einen Düsenantrieb eingebaut? Vice City ist nicht perfekt - aber schon nahe dran. Nie war eine Spielestadt lebensechter; selbst Liberty City und Lost Heaven verlieren im Vergleich an Farbe! Nie gab es eine Umgebung mit mehr ÜpQ (Überraschungen pro Quadratmeter). Nie waren Zwischensequenzen cooler: Was 3D-Figuren hier mit Schauspieler-Stimmen zum Besten geben, verdient einen Oscar. Wären alle Spiele so gut wie Vice City, PC Games-Redakteure hätten einen Traum-Job. Wenn Sie sich dieses Jahr nur ein Spiel kaufen wollen, dann dieses - besser können Sie Ihr Geld nicht anlegen.
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25 Kommentarezum Artikel

Alle Kommentare lesen
JoeSchmitz - 29.06.2003 23:02
am 28.06.03 um 21:40 schrieb DrDeluxe:
am 28.06.03 um 16:31 schrieb cyrien:
Also nach Max Payne und Mafia auch eines der besten Spiele.
Wobei es aus meiner Sicht nicht an die beiden genannten Spiele herankommt da Max Payne einfach schlichtweg Genial ist und auch Mafia eine sher gute Spielwelt besitzt und die Atmosphäre dort durch die wirklich Kinoreife Story einfach noch besser ist !


Stimmt. GTA VC ist absolut genial, aber an Max Payne kommt's trotzdem nicht ran!



Amen Bruder!

babyborn - 29.06.2003 21:55
für mich hat vice city die besseren cut-scenes als mafia. z.B. find ich die missionen mit der band love-fist absolut geil. die sind zwar inhaltlich nichts anderes als der rest des spiels, aber die 3 typen sind das bissher geilste was ich in einem pc-spiel an charakteren gesehen habe. ebenso der anwalt oder der biker präsi. da kann mafia nicht hin. ein vergleich beider spiele in punkto filmetauglichkeit hinkt etwas. ich denke bei beiden spielen waren filme oder fernsehserien die vorlage. also hat man beide spiele so oder ein bisschen ähnlich zumindest schon mal im fernsehen gesehen. bei vice city kommt es nur krasser rüber. liegt vielleicht halt auch daran, das ich damals miami vice gesehen hab und auch auf die musik von v-rock stehe. wenn ich mir eine stadt zum wohnen aussuchen dürfte, dann würde ich vice city nehmen!
eX2tremiousU - 29.06.2003 19:19
am 29.06.03 um 19:00 schrieb Nali_WarCow:
am 29.06.03 um 18:26 schrieb GinEye:
am 29.06.03 um 11:22 schrieb Nali_WarCow:
Gut wenn es um die Atmosphäre geht. Aber warum dann nicht lieber Mafia? Das steckt GTA in der Bezeihung locker in die Tasche. *find*


Ihr seid wohl dumm? Mafia war nach 15 Stunden durch und dann nie mehr angerührt.... Bei VC kann man dann mitn Motorrad rumdüsen, mitn Powerboot über Rampen springen oder meine Lieblingsbeschäftigung mitn Hubschrauber Autos jagen  
Bei Mafia: bissu schneller als 60, hängen dir de bullen hinten dran....
VC hat einfach viel mehr Langzeitmotivation und mehr mehr mehr Tötungsmöglichkeiten ^^


Es ging um A t m o s p h ä r e und die kommt bei Mafia in den Zwischensequenzen, etc. deutlich besser rüber als bei denen in GTA VC.


Vergleichen wir mal direkt und objektiv: Vice City ist ein "auf cool sein" getuntes Action Game welches keinen Anspruch stellt der erwähnenswert wäre, hier steht nur die Action im Vordergrund, in Kombination mit Teils gut designten Missionen die aber alle keine wirklichen inhaltlichen Reiser sind. Sie fügen sich perfekt ins allgemeine Spielgeschehen ein, ohne den Spieler zu überfordern oder zum Nachdenken zu animieren.

Während Mafia eine große und sehr gut verpackte Geschichte erzählt die fast jeden Spieler mitreißen dürfte, die Story ist definitiv kinoreif vorgestellt, dank der wirklich perfekten Charaktere und der inhaltlich fordernden und vor allem anspruchsvolleren Missionen ist Mafia VC in Sachen Atmosphäre und Spielmechanik überlegen. Dafür ist halt der Langzeitspaß wirklich nicht sonderlich hoch, ich habs 3 mal durchgespielt, der freie Fahrtmodus der dannach folgt ist zwar nett aber zu schwerfällig. Hier trumpft VC auf, es macht hier einfach länger Spaß (mit beschriebenen Fahrzeugen) durch die City zu cruisen.
BTW: Ich fand das mit dem Strafzetteln und der "klugen" Polizei in Mafia sehr realistisch und gelungen. Mal was anderes.
Nali_WarCow - 29.06.2003 19:00
am 29.06.03 um 18:26 schrieb GinEye:
am 29.06.03 um 11:22 schrieb Nali_WarCow:
Gut wenn es um die Atmosphäre geht. Aber warum dann nicht lieber Mafia? Das steckt GTA in der Bezeihung locker in die Tasche. *find*


Ihr seid wohl dumm? Mafia war nach 15 Stunden durch und dann nie mehr angerührt.... Bei VC kann man dann mitn Motorrad rumdüsen, mitn Powerboot über Rampen springen oder meine Lieblingsbeschäftigung mitn Hubschrauber Autos jagen  
Bei Mafia: bissu schneller als 60, hängen dir de bullen hinten dran....
VC hat einfach viel mehr Langzeitmotivation und mehr mehr mehr Tötungsmöglichkeiten ^^


Es ging um A t m o s p h ä r e und die kommt bei Mafia in den Zwischensequenzen, etc. deutlich besser rüber als bei denen in GTA VC.
GinEye - 29.06.2003 18:26
am 29.06.03 um 11:22 schrieb Nali_WarCow:
Gut wenn es um die Atmosphäre geht. Aber warum dann nicht lieber Mafia? Das steckt GTA in der Bezeihung locker in die Tasche. *find*


Ihr seid wohl dumm? Mafia war nach 15 Stunden durch und dann nie mehr angerührt.... Bei VC kann man dann mitn Motorrad rumdüsen, mitn Powerboot über Rampen springen oder meine Lieblingsbeschäftigung mitn Hubschrauber Autos jagen  
Bei Mafia: bissu schneller als 60, hängen dir de bullen hinten dran....
VC hat einfach viel mehr Langzeitmotivation und mehr mehr mehr Tötungsmöglichkeiten ^^
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Allgemeine Infos

Name Grand Theft Auto: Vice City
Genre Action-Adventure
Webseite http://www.rockstargames....
Hersteller Rockstar Games Inc. (US)
Anbieter Take-Two Interactive GmbH (DE)
VÖ-Termin 16.05.2003 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
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