Testbericht

15.04.2003 13:00 Uhr

Enclave: Monster verprügeln in Edelgrafik

Auch Orks sind stolz auf ihren Job! Wer das nicht glaubt, kann sich im Actionspiel Enclave eines Besseren belehren lassen.

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 05/2003)
79%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
72 %

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Die Fantasy-Welt von Enclave ist seit Jahrhunderten durch eine riesige Erdspalte in zwei Hälften geteilt. Auf der einen Seite, genannt die Enclave, leben die Rechtschaffenen in Wohlstand und Reichtum. Auf der anderen Seite, den Outlands, sammeln sich die Heerscharen der Finsternis ... und warten. Denn die Trennung der Welt in zwei Teile ist keine Laune der Natur - es war die Verzweifelungstat des Magiers Zale, der während der entscheidenden Schlacht zwischen Gut und Böse die Erde kurzerhand in zwei Hälften teilte, da der Sieg der dunklen Heerscharen kurz bevor stand. Im Laufe der Jahre hat sich der einst riesige Spalt immer weiter geschlossen, mittlerweile ist er an bestimmten Stellen sogar schon passierbar. Ein erneuter Krieg zwischen Gut und Böse steht unmittelbar bevor - und Sie müssen sich entscheiden, für welche Seite Sie in die Schlacht ziehen.

Kinderleichte Steuerung

Das Hau-drauf-Actionspiel Enclave von Entwickler Starbreeze wurde bereits vor einigen Monaten auf der Xbox veröffentlicht und erscheint jetzt für den PC. Eine kluge Entscheidung, denn mit Maus und Tastatur lässt sich Enclave wesentlich einfacher und vor allem stressfreier steuern als mit einem Gamepad. Erfreulicherweise ist die Steuerung insgesamt sehr einfach gehalten, mehr als die üblichen Tasten für Laufen, Springen und Ducken sowie eine Handvoll Spezialaktionen sind nicht nötig - alles bleibt überschaubar.

Im Spiel schauen Sie Ihrer Figur im Normalfall aus der Verfolgerperspektive über die Schulter, bei Bedarf kann man auch in die Ego-Ansicht schalten - Enclave lässt sich in beiden Ansichten gut spielen. Löblich: Sobald Ihre Figur in der Verfolgerperspektive ein Objekt oder einen Gegner verdeckt, wird sie durchsichtig. Dadurch behält man eigentlich immer den Überblick über die Situation. Aktionen wie Klettereinlagen werden vom Spiel sehr großzügig verwaltet, man muss sich ergo nicht millimetergenau vor einer Leiter postieren, um problemlos hinauf zu klettern.

In den Kämpfen können Sie mit dem richtigen Timing besondere Schlagkombinationen durchführen, die wesentlich mehr Schaden anrichten als einfache Schläge. Benutzen Sie einen Bogen oder eine Armbrust, signalisiert Ihnen die Farbe eines kleinen Punktes anstelle eines Fadenkreuzes, ob Sie ein Ziel im Visier haben (rot) oder nicht (grün). Mit speziellen Pfeilen zoomen Sie extrem nah an Ihre Gegner heran; eine kleine Texteinblendung klärt Sie dabei auf, welches Körperteil Sie gerade anvisieren und ob es gepanzert ist oder nicht. Eine weitere Besonderheit des Bogens ist die Möglichkeit, bis zu acht Pfeile mit einem einzigen Schuss abzufeuern.

Von der Xbox auf den PC

Technisch hat sich gegenüber der Xbox-Version wenig geändert. Das war auch nicht notwendig, denn die 3D-Grafik gehört mit zum Besten, was die Microsoft-Konsole zu bieten hat. Erstaunlicherweise läuft Enclave selbst auf einem heutzutage eher bescheidenen PC-System mit 1.400 MHz, Geforce2 Ti und 512 MB RAM in 1.024x768 Bildpunkten und allen Details mit 70 Bildern pro Sekunde - angesichts der hohen Grafikqualität ist das wahnsinnig schnell. Das absolute Sahnehäubchen des Spiels sind die hochauflösenden Texturen; selten sahen Spielfiguren und Levels in einem Computerspiel so detailliert aus wie in Enclave. Wenn Sie eine DirectX-8-fähige Grafikkarte wie Geforce3/4 Ti oder Radeon 8500/9000 besitzen, können Sie sich außerdem über spiegelndes Wasser und Bump Mapping freuen.

Ein Beispiel: Gleich im ersten Level der "Licht"-Kampagne kriechen Sie mit einer Fackel in der Hand durch die Kanalisation. Dank einer zusätzlichen Bump-Mapping-Textur auf den Levelwänden werfen die Ziegelsteine in den Mauern kleine, realistische Schatten, dadurch wirkt die Szene absolut plastisch. In einem Actionspiel wie Enclave ist natürlich auch der Sound wichtig. Die 5.1-Unterstützung der Xbox sorgt bei entsprechender Hardware für klingelnde Ohren: Orchestrale Musik ertönt aus den Boxen, die satten Soundeffekte bringen jeden Subwoofer in Verlegenheit und die Sprecher unserer englischen Test-Version hinterlassen ebenfalls einen guten Eindruck.

Gut oder böse?

Wenn Sie Enclave starten, müssen Sie sich zunächst für eine Seite entscheiden - "Light" für die guten Jungs oder "Dark" für die böse Fraktion. Das Spiel bietet zwei streng lineare Einzelspielerkampagnen, die sich zwar in puncto Levels, Missionen und Charaktere voneinander unterscheiden, aber die gleiche Hintergrundgeschichte besitzen und zeitlich parallel ablaufen. Das lässt sich am besten anhand eines Beispiels erklären: In der ersten Mission der Light-Kampagne wird die Burg Iellon von Orks und Goblins belagert, während Sie als Sträfling im Kerker hocken. Durch einen Zufall können Sie aus dem Verlies entkommen, müssen sich jedoch der Orks erwehren, welche durch die Burg ziehen und plündern. In der "Dark"-Kampagne wird der Spieß einfach umgedreht: Ihre Aufgabe als Ork-Krieger ist es, die Burg Iellon unter allen Umständen zu erobern. Und raten Sie mal, auf welchen komischen Kauz Sie im Innern der Burg treffen.

Diese Verzweigungen treten im Spielverlauf mehrmals auf, darüber hinaus gibt es aber auch exklusive Missionen und Levels für jede Seite. Mal müssen Sie einen feuerspeienden Drachen mit einer Harpune erlegen, ein anderes Mal steht ein riesiger Feuerkoloss vor Ihnen, der sich nur mit einem Schwert mit Eisklinge bezwingen lässt. Dank vieler geskripteter Sequenzen wirken die Missionen lebendig und Ihre computergesteuerten Widersacher weitaus weniger dumm, als sie in Wirklichkeit sind. Da kann es schon mal passieren, dass der halbe Level einstürzt oder Ihre Gegner Bomben, Steinbrocken, Fässer oder Möbelstücke auf Sie werfen. Als kleine Schockeffekte krachen Monster auch gerne mal durch Glasscheiben, springen von einem Balkon oder brechen plötzlich durch Türen und Wände.

Es gibt viel zu spielen

Insgesamt bieten beide Kampagnen 25 Missionen mit einer Spielzeit von zirka 16 bis 20 Stunden auf dem leichten von drei Schwierigkeitsgraden. Wählen Sie hingegen den mittleren Schwierigkeitsgrad, werden die Gefechte mit Ihren Widersachern herausfordernder, außerdem können Sie weniger Schläge einstecken und teilen gleichzeitig weniger Schaden aus. Spätestens jetzt sollten Sie den Umgang mit den bereits erwähnten Schlag-Kombos beherrschen, sonst kassieren Sie einfach zu viele Gegentreffer. Im höchsten Schwierigkeitsgrad entfallen die überall in den Levels verteilten Speicherpunkte - selber Abspeichern ist in Enclave grundsätzlich nicht erlaubt. Wir geben allerdings Entwarnung: Das System mit den Speicherpunkten funktioniert wider Erwarten recht gut. Im Test mit der Schwierigkeitsstufe "Leicht" gab es insgesamt nur zwei schwere Stellen, an denen wir einen Levelabschnitt mehrmals spielen mussten.

Ohne Moos nix los

Zu Beginn eines Levels werden Sie mit Renderfilmchen oder Zwischensequenzen innerhalb der Spielgrafik über Ihr Missionsziel aufgeklärt. Anschließend dürfen Sie sich aus bis zu sechs Charakteren denjenigen aussuchen, welchen Sie für die anstehende Mission geeignet halten. Diese sechs Helden werden freilich erst im Laufe der Kampagne freigeschaltet; nach Beendigung eines Levels teilt Ihnen das Spiel auf einem Info-Screen mit, dass ein neuer Held zur Verfügung steht. Meistens sollte man dann die folgende Mission auch mit diesem neuen Charakter spielen, weil sich dessen Fähigkeiten als nützlich für das Erreichen des Missionsziels erweisen. Sollte deswegen, weil man nicht wechseln muss. Wenn Sie Axt und Schild lieben und keine Lust auf Zauberer oder Elfen haben, dann bleiben Sie einfach bei Ihrem Krieger.

Weil nach jedem Level neue Waffen, Schilde und Rüstungen verfügbar sind, kann man Enclave grundsätzlich mit jedem Charakter durchspielen. Haben Sie sich für einen Charakter entschieden, können Sie diesen anschließend mit Waffen, Panzerung und Schilden ausrüsten (siehe Extrakasten). Das notwendige Gold bekommen Sie in den Levels. Dort liegen meist etwas versteckt kleine Goldsäcke oder Edelsteine herum, oftmals lassen auch Ihrer Gegner etwas fallen. Es lohnt sich daher, immer einen Blick in verwinkelte Ecken oder hinter Kisten und Büsche zu werfen, damit Ihnen kein kostbares Goldstück entgeht.

Um das Konto aufzubessern, gibt es auch noch arcadelastige Bonuslevels. In der "Dark"-Kampagne übernehmen Sie beispielsweise eine Ballista und feuern damit auf die Einwohner einer Stadt, die von einem riesigen Oger aus Ihren Häusern gescheucht werden. Dabei müssen Sie vor allem auf die Elfen-Bogenschützen aufpassen, die permanent aus Fenstern und Türen auf Sie schießen.

Nicht alles läuft reibungslos

Ein paar negative Dinge sind uns während des Tests aufgefallen. Im Gegensatz zur imposanten Levelgrafik sehen viele Zaubersprüche ziemlich unspektakulär und eintönig aus. Die Animationen der Charaktere wirken manchmal steif; etwas mehr Abwechslung in den Bewegungsabläufen wäre schön gewesen. Die Wegfindung der Gegner hat leider auch nicht mehr zu bieten, als mit Vollgas schnurstracks auf den Spieler zuzurennen. Leider verhakeln sich Ihre Kontrahenten dabei schon mal an einem Baum oder anderen im Weg befindlichen Levelobjekten.

Besonders kuriose Szene: Auf dem Dach einer Festung stürzten zwei Elfen völlig unbedrängt in die Tiefe - ein akuter Fall von Höhenangst? In einer ganz speziellen Situation konnten wir eine wichtige Tür nicht öffnen, weil dahinter drei Orks standen und sich einfach nicht fortbewegten. Die Lösung: Aufgrund der "großzügigen" Kollisionsabfrage erschlugen wir die drei Deppen einfach mit dem Schwert - und das, obwohl wir immer noch auf der anderen Seite der Tür standen.
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Dirk Gooding

Was Entwickler Starbreeze mit der PC-Umsetzung von Enclave veranstaltet, haut mich total von den Socken.

Ich habe Enclave bereits auf der Xbox durchgespielt, doch was die Entwickler Starbreeze hier auf dem PC veranstalten, haut mich von den Socken. Enclave sieht nicht nur auf älteren Rechnern oberklasse aus und läuft dabei noch extrem flüssig. Auch die Steuerung und die Verteilung der Speicherpunkte wurde deutlich verbessert. Klar, Mankos wie die schlechte Wegfindung der Gegner oder die teils holprigen Animationen kann man nicht mehr glattbügeln, ohne gleich das ganze Spiel neu zu programmieren. Damit kann ich aber ganz gut leben, denn dank der spannenden Kampagnen und interessanten Charakteren macht Enclave einfach eine Menge Spaß. Wer wie ich auch mal auf Seiten der Bösewichter stehen und ein paar hochnäsige Helden verprügeln will, für den ist Enclave sowieso ein Pflichtkauf.
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6 Kommentarezum Artikel

Alle Kommentare lesen
DirkGooding - 17.04.2003 10:38
am 15.04.03 um 21:25 schrieb Shodan78:
also mal sehen...

Grafik 94%
Sound 89%
Steuerung 90%
Atmosphäre 85%
Spieldesign 80%

...macht in der Summe 79% ???
das soll doch wohl ein witz sein?



Grafik ist herausragend, Sound auch sehr gut. Die steuerung super einfach ohne viel tastengedrücke, die atmosphäre dank sound, grafik und vor allem dem design der welt und der charaktere auch überdurchschnittlich. Das spieldesign hat stärken (zwei kampagnen, die sich überschneiden, viele charaktere), ist sehr actionlastig mit wenig abwechslung - somit sind 80% vertretbar. Lange Rede, kurzer sinn: Die 80%-wertung bezieht sich auf den spielspaß und ist keine zusammenzählung der anderen noten. und genau da hätte sich entwickler starbreeze meiner meinung nach mehr reinhängen müssen   Enclave macht einfach nicht mehr „Spaߓ, obwohl alles andere sehr gut geworden ist.

Grüße

Dirk
Nali_WarCow - 16.04.2003 12:27
am 16.04.03 um 09:15 schrieb paparon:
am 15.04.03 um 20:31 schrieb AhniSam:
Das Spiel habe ich schon für den PC   (originalverpackung und Vollversion)


Willich auch haben!!!!!  


Hatte ich mir anfangs gedacht, aber leide ist es mehr schöne Grafik und der Spielspaß bleibt schon bald auf der Strecke. Warum 6 Charaktere, wenn man nur mit 1 oder 2 eine Mission schaffen kann und es mit den andern fast unmöglich ist? Die Kämpfe sind auch mehr ein Rumgehopse und das Treffer fast nach dem "Glücksprinzip" und manche Nahkampftreffer sitzen trotz Distanz zwischen den Charakteren. Und das größte Manke ist dann das Speichersystem welches den Schwierigkeitsgrad vollkommen durcheinander bringt. Hat man erstmal einen Punkt erreicht, dann kann man die Mission fast nicht mehr verlieren, aber erstmal zum ersten Punkt kommen, kann selbst auf "Normal" schon eine sehr schwere Sache sein. Meiner Meinung nach eher was für kurzweilige Unterhaltung. Sevrenace ist da um Längen besser. Mehr zu Enclave in meinem Lesertest dazu: http://www.pcgames.de/?ar...
paparon - 16.04.2003 09:15
am 15.04.03 um 20:31 schrieb AhniSam:
Das Spiel habe ich schon für den PC   (originalverpackung und Vollversion)


Willich auch haben!!!!!  
Shodan78 - 15.04.2003 21:25
also mal sehen...

Grafik 94%
Sound 89%
Steuerung 90%
Atmosphäre 85%
Spieldesign 80%

...macht in der Summe 79% ???
das soll doch wohl ein witz sein?

AhniSam - 15.04.2003 20:31
Das Spiel habe ich schon für den PC   (originalverpackung und Vollversion)
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Allgemeine Infos

Name Enclave
Genre Action-Rollenspiel
Webseite http://www.enclavegame.co...
Hersteller Starbreeze Studios
Anbieter Atari Germany (DE)
VÖ-Termin 27. 5.2004 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
xbox.gif
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