Während Indiana Jones 4 auf sich warten lässt, schwingt Indy auf dem PC schon wieder die Peitsche. Und zwar so, dass man den Kinofilm gar nicht vermisst ...
"Ich werde mit dem Dreh zum nächsten Indiana Jones im April 2004 beginnen", spricht Steven Spielberg und wirft damit die Frage auf: Mit einem 60-jährigen Harrison Ford, der Gehstock statt Peitsche zückt? Während sich der Kinofilm in einer ähnlichen Geschwindigkeit voranbewegt, mit der Haare wachsen, erlebt Indy auf dem PC spannende Abenteuer. Diesmal ist er auf der Suche nach einem chinesischem Artefakt, von dem man munkelt, es könne den Willen der Menschen kontrollieren: das Herz des Drachen. Ebenfalls Interesse bekundet haben andere Parteien: Grabräuber, Einheimische, vermummte Kampfsportexperten aus China und natürlich die Nazis. In Prag, Istanbul und Hongkong der 30er-Jahre sind das Ihre Gegner.
Das Spiel beginnt losgelöst von der eigentlichen Story: Indy fahndet im Dschungel Sri Lankas nach Schätzen, er schwingt sich wie Tarzan von Liane zu Liane, erkundet längst vergessene Höhlen, die sich hinter tosenden Wasserfällen erstrecken, und überlebt Fallen, die für jeden Tourist den Tod bedeuten würden. Da schießen Giftpfeile aus Wänden hervor und Bodenplatten brechen unter lautem Getöse weg, während antike Mechanismen versteckte Durchgänge freilegen. Alltag für den Archäologen. Und Tutorial für den Spieler.
Später entfaltet sich die unglaubliche Geschichte und ihr Märchencharakter kommt zum Vorschein. In Zwischensequenzen, die in Spielgrafik gehalten sind, erfährt Indy die Hintergründe über das mysteriöse Herz des Drachens. Seine Reise führt ihn rund um den Globus und in Tempelanlagen weit abseits der Zivilisation.
Von Lara inspiriert
Wenn Sie Tomb Raider gespielt haben, wird Ihnen die Steuerung so vertraut vorkommen, wie ein- und auszuatmen. Sie entspricht nämlich exakt dem großen Vorbild. Das heißt: fast. Die Kamera hängt nicht fest hinter der Spielfigur, wie im Genre üblich. Sie bewegt sich stattdessen nur träge mit, was Ihnen mehr Kontrolle über den Bildausschnitt einräumt. Mit der Maus drehen Sie die Perspektive frei in alle Richtungen, die Tastatur animiert Indy zum Laufen. Obwohl Indiana Jones und die Legende der Kaisergruft eine Xbox-Umsetzung ist, funktioniert die Steuerung auf dem PC dank der beiden separaten Eingabegeräte nach kurzer Einarbeitungszeit sogar noch besser. Wer unbedingt mag, darf allerdings trotzdem mit Gamepad ins Feld ziehen.
Grundsätzlich hat man beim Interface auf Komfort geachtet: Sobald Indy einen bestimmten Gegenstand braucht, leuchtet am oberen Bildschirmrand das entsprechende Symbol auf. Ein Druck auf E wählt den geforderten Gegenstand automatisch aus, etwa die Peitsche, um Hindernisse zu überwinden.
Die ersten Spielminuten könnte statt Indy auch Lara Croft übernehmen. Es würde keinen Unterschied machen. In Sri Lanka laufen Sie durch eine hübsche Dschungelumgebung und scheuchen Vögel auf, die es sich am Boden gemütlich gemacht haben. Sie springen gelegentlich von Stein zu Stein, waten durch kleine Flüsse, hangeln sich an Mauervorsprüngen entlang und stibitzen Schätze aus alten Höhlen. Wer einen falschen Schritt macht, schürft sich höchstens die Knie auf. Gelegentlich versperren Pflanzen Durchgänge, doch ein paar Schläge mit der Machete lösen dieses Problem. Der gemächliche Abenteuerurlaub wird zum filmreifen Spaß-Trip, sobald es zu den ersten Gefechten kommt.
Zwei Fäuste, zig Gegner
Im Spiel sind die Gefechte so, als würden Sie Bud Spencer zusehen, wie er Bösewichte verprügelt: völlig übertrieben. Ein sattes Klatschen begleitet Faustschläge, Gegner fliegen meterweit durch die Luft und lassen den Boden beim Aufschlag erzittern. Erledigte Figuren lösen sich in Sekundenschnelle auf und verschwinden komplett. Mit der Realität haben diese Kämpfe nicht viel am Hut. Apropos Hut: Indy verliert in der Hitze des Gefechts regelmäßig seinen legendären Kopfschmuck. Wer mag, darf das Utensil aber wieder vom Boden aufklauben.
Indy kämpft, als wäre er Champion im Boxen. Er teilt Kinnhaken aus, schwingt seine Rechte, zieht mit der Linken nach und rammt Gegner frontal. Er schlägt mit beiden Händen gleichzeitig, als würde er einen gewaltigen Hammer führen, tritt mit den Knien, mit Füßen, schubst und zerrt, kurz: Er ist eine Kampfmaschine, die auf Hochtouren läuft. Die Gefechte im Spiel sind so dynamisch wie in einem Hollywood-Film und haben nichts mehr mit den Altersheim-Keilereien aus Indiana Jones und der Turm von Babel gemeinsam.
Die wichtigste Neuerung: das Kombo-System. Die rechte Maustaste steuert Indys rechte Faust und umgekehrt. Der gleichzeitige Druck auf beide Maustasten bewirkt, dass Indy sein Opfer am Kragen packt und einen Kopfstoß austeilt, der schon beim Zuschauen schmerzt. Auch der vom Schulhof bekannte Schwitzkasten gehört zum Angriffsrepertoire des Archäologen. Die Zweikämpfe sind so packend, dass man nach einem fantastischem Handgemenge wie Indy im Film rufen möchte: "Noch jemand ohne Fahrschein?"
Die Gegner-KI überrascht durch ihre Vielseitigkeit. Die Feinde trippeln vor und zurück wie Profis und weichen Schlägen blitzschnell aus. Sobald sie eine Schusswaffe zu fassen kriegen, hechten sie in die nächste Deckung und greifen von dort aus in unregelmäßigen Abständen aus der Distanz an. Wenn sie eine Granate bemerken, flüchten die Gegenspieler und schwingen sich zur Not sogar über Geländer, um der Detonation zu entkommen. Oder sie schnappen sich das Geschoss und werfen es zum Absender zurück. Im Kontrast dazu stehen manche Nazis, die trotz gezückter Maschinenpistole lieber geduckt hin- und hertänzeln, statt einfach zu schießen. Im Großen und Ganzen aber gehört die KI zur besten, die es in einem Action-Spiel je gab.
Abenteuer wie im Film
"Diese Brücke schaut alt aus. Überqueren Sie sie vorsichtig", rät das Tutorial. Und ein Blick offenbart: Ja, diese Brücke ist alt und der Abgrund tief. Also schätzt man Abstände ab, läuft im Schneckentempo los, möchte sich notfalls festklammern - und stürzt natürlich prompt. Geskriptete Ereignisse der Marke "fies". Unten angekommen, freut man sich: Das Wasser hat den Aufschlag abgeschwächt. Die Freude verfliegt, als zwei Sekunden später das erste Krokodil nach Indy schnappt. In einer anderen Sequenz bricht der Boden unter Indys Füßen weg, der daraufhin auf einer Schräge landet. Dort rutscht er unweigerlich in Richtung Abgrund; Sie müssen schnell reagieren, im richtigen Moment springen und sich auf den Felsvorsprung retten. Eine Falle jagt oft die nächste. Jedes geskriptete Ereignis gewinnt durch den dynamischen Einsatz der Orchester-Musik an Dramatik. Ist ein Stunt geglückt, tönt heroisch die Indiana Jones-Hymne.
Verschnaufpausen gibt es trotzdem reichlich. Einmal muss Indy kleine Totenköpfe werfen, um Wächter abzulenken, die auf Geräusche reagieren. Neben einigen wenigen Schalterrätseln, deren Niveau etwa dem eines Einschulungstests entspricht, gibt es auch ein paar richtige Puzzles: In einem Raum sind die Wände mit rätselhaften Motiven bemalt, die Sie entziffern müssen, damit es weitergeht. Grundsätzlich aber ist kein Rätsel so schwer, dass es längerfristig aufhält.
Wanted: Starke Nerven
Was Sie aber aufhalten wird, ist die völlig inakzeptable Speicherfunktion. Das Spiel speichert nach jedem abgeschlossenen Level automatisch. Das bedeutet, dass der Nervositätsfaktor zunimmt, je weiter man sich dem Ende eines Abschnitts nähert. In Prag steht ein altes Schloss im Mondlicht, dessen Türme hoch in die Luft ragen - ein Anblick, bei dem vermutlich auch Reinhold Messner kurz schlucken müsste. Indy erklimmt die Türme, indem er sich an Ketten emporzieht, über Abgründe springt und in schwindelerregender Höhe über Häuserdächer balanciert. Jeder falsche Schritt würde den Tod bedeuten. Die Blätter, die der pfeifende Nachtwind umherwirbelt, erleichtern das Vorgehen nicht unbedingt.
Das ist prinzipiell spannend und spaßig - aber nur so lange, wie man Indy auch am Leben hält. Sobald man in die Tiefe stürzt, bleibt nur der Neustart am Anfang des Levels. Einsteiger werden sich an manchen Sequenzen, die gar nicht so leicht sind, die Zähne ausbeißen und vielleicht das Handtuch werfen. Was schade wäre: Das Spiel bleibt nämlich bis zum Ende spannend und abwechslungsreich. Eine vernünftige Speicherfunktion hätte Indys Abenteuer den letzten Schliff gegeben und die Wertung sogar nahe unter die 90 befördert.
Im einen Moment möchte ich Indy umarmen, im nächsten würgen.
Keine Speicherfunktion bedeutet: Indy mit schweißnassen Händen und im Schneckentempo über Abgründe zu balancieren, in der Hoffnung, keinen Fehler zu machen. Keine Speicherfunktion bedeutet aber auch: Puls, der auf 180 steigt, und Monitore, die durch Fensterscheiben fliegen. Wenn Sie in den vergangenen Tagen Schreie der Verzweiflung gehört haben, das war ich beim Spielen von Indiana Jones und dieser verdammten Legende von der Kaisergruft! Entschuldigen Sie meine Ausdrucksweise, aber es ist schon ein starkes Stück, dass man nach jedem Ableben wieder am Anfang des Levels starten muss. Umso schlimmer ist es, dass der neue Indy richtig viel Spaß macht. Die filmreifen, wunderbar übertriebenen Boxkämpfe, die abwechslungsreichen Abenteuerschauplätze und die auch mit Tastatur sehr ordentliche Steuerung zwingen einfach zum Weiterspielen.
am 12.04.03 um 20:11 schrieb System: Jetzt ist Ihre Meinung gefragt: Hier können Sie Ihren Kommentar zum Artikel veröffentlichen und mit anderen Lesern darüber diskutieren. ( Artikel: http://www.pcgames.de/ind... )
Der Steuerung merkt man wirklich an, dass das Spiel von der Konsole kommt. Mit einem Gamepad, dass analog sticks besitzt wird das Game sicher bald leicht von der Hand gehen. Ansonsten finde ich das Prugeln und die Animationen von Indy allgemein recht hübsch gemacht, so fängt er zum Beispiel in typischer Dr. Jones manier an zu schwanken wenn man auf einer kante steht...
ZUm guten glück habe ich einen Adapter für mein PlayStation Pad (zu bestellen unter http://www.hongkongfun.de ), meiner Meinung nach Platform unabhängig das beste Pad dass es je gegeben hat -> liegt gut in der Hand, stabil, hält ewig...), so werde ich meinen Spass mit Indy haben!
am 14.04.03 um 13:12 schrieb eX2tremiousU: Okay..die Steuerung ist mir am Anfang SEHR auf die Nerven gegangen, genau so die dumme Autosave Funktion. Doch der Rest war doch recht überzeugend. Grafisch im grünen Bereich und inhaltlich sehr atmosphärisch. Ich denke das Indy6 bis zum Release von AoD das einzig ernstzunehmende Programm im Action-Adventure Genre ist.
Also ich würde sogar so weite gehen zu behaupten, dass die vermurkste Steuerung (sie ist Schrott, seien wir ehrlich;) mich mehr stört als die Speicherfunktion.
Okay..die Steuerung ist mir am Anfang SEHR auf die Nerven gegangen, genau so die dumme Autosave Funktion. Doch der Rest war doch recht überzeugend. Grafisch im grünen Bereich und inhaltlich sehr atmosphärisch. Ich denke das Indy6 bis zum Release von AoD das einzig ernstzunehmende Programm im Action-Adventure Genre ist.
am 13.04.03 um 00:11 schrieb DHMaverick: Hi erstmal,
Sagt mal müsst ihr immer ein Game so runter machen was entweder schlechte Grafik oder euren Wünschen nicht enspricht? Immer das gleiche. Indy6 ist ein sehr guter Action Titel mit einer ganz akzeptabelen Steuerung die man nach einer Zeit auch komplett und gut beherrscht was anscheid hier einige nicht hinbekommen. Die Grafik ist auch gut aber bei den meisten hier kommt es gerade auf das an und da die meisten sagen dass Indy6 eine grottige Grafik hat kann man mal wieder sehen wie verwöhnt die Gamer geworden sind. Auf den Spielspass kommt es nähmlich an und der ist bei Indy6 sehr gross und vorallem Abwechsulngsreich.
So ..
Meine Meinung zum Game : Sehr gutes Action-Adventure obwohl die Speicherfunktion vernachlässig wurde aber das trübt den Spielspass nicht wirklich. 81% sind völlig gerechtfertig.
Der Meinung bin ich auch. Kann garnicht verstehen was ihr gegen die Steuerung habt, ich komm gut damit zu recht und es is mir auch noch kein Fehltritt passiert. Ich würde dem Spiel sogar ne höhere Wertung geben. Das hat es meiner Meinung nach schon verdient.
Sagt mal müsst ihr immer ein Game so runter machen was entweder schlechte Grafik oder euren Wünschen nicht enspricht? Immer das gleiche. Indy6 ist ein sehr guter Action Titel mit einer ganz akzeptabelen Steuerung die man nach einer Zeit auch komplett und gut beherrscht was anscheid hier einige nicht hinbekommen. Die Grafik ist auch gut aber bei den meisten hier kommt es gerade auf das an und da die meisten sagen dass Indy6 eine grottige Grafik hat kann man mal wieder sehen wie verwöhnt die Gamer geworden sind. Auf den Spielspass kommt es nähmlich an und der ist bei Indy6 sehr gross und vorallem Abwechsulngsreich.
So ..
Meine Meinung zum Game : Sehr gutes Action-Adventure obwohl die Speicherfunktion vernachlässig wurde aber das trübt den Spielspass nicht wirklich. 81% sind völlig gerechtfertig.
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