Von Plattform zu Plattform springen, Klettergerüste erklimmen, Gegner sanft ins Jenseits schicken - das klassische Jump & Run ist rar geworden - nicht nur auf dem PC. Hüpfheld Rayman sorgt dafür, dass das Genre nicht vollständig ausstirbt, und rettet mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit alle paar Jahre die Welt. Im dritten Teil hangeln, rennen, springen und schießen Sie sich durch neun Areale, die sich in unterschiedlich viele Zwischenlevels aufteilen: Zauberwälder, Sümpfe, Wüstenlandschaften, Höhlen und Maschinenwelten. Am Ende wartet der Turm der Bösewichte, der so genannten Hoodlums, auf Rayman. Insgesamt ist die Spielwelt etwas düsterer ausgefallen als die des kunterbunten Vorgängers. Wenige Levels nach Beginn nimmt das Spiel eine bizarre Wendung: Raymans großer, blauer Freund Globox macht den Mund zu weit auf und verschluckt versehentlich denjenigen Lum, der eigentlich die Welt unterjochen wollte. Problem: Das Lieblingsgetränk besagten Lums ist Pflaumensaft. Ausgerechnet auf diesen reagiert Globox fürchterlich allergisch. Ein Arzt muss her.
Da die Erfolgsquote der Drohung "Trink! Oder ich zapfe deine Adern an!" recht hoch ist, kommt es im Verlauf der Doktorsuche zu allerhand verschrobenen Situationen. Globox, der Rayman auf Schritt und Tritt begleitet, kippt tonnenweise Pflaumensaft in sich hinein, torkelt wie ein Betrunkener durch die Levels und speit im Rhythmus eines gewaltigen Schluckaufs blaue Blasen aus, die in der Luft schweben und Rayman als Kletterhilfe dienen. Verrückt! In den rund zwölf Stunden Spielzeit geschehen ähnlich abgedrehte Dinge wie bei den Genre-Kollegen American McGee's Alice und Evil Twin - allerdings herrscht in Rayman 3 ein deutlich fröhlicherer Grundton.
Psychedelische Welten
Rayman hangelt sich an Decken entlang, klammert sich an Klippen fest, formt mit seinen Haaren einen Propeller und bremst damit Sprünge ab und gibt Gegnern mit fliegenden Fäusten eins auf die Mütze. Während er das macht, schwirrt die Kamera um ihn herum, als wäre sie in einem Karussell platziert. Und treibt den Spieler bisweilen in den Wahnsinn. Wo ist vorne, wo ist hinten? Darauf wissen auch Pfadfinder in Rayman 3 nicht immer eine Antwort.
Zum Glück ist die dreidimensionale Umgebung so liebevoll gestaltet, dass man gern vergisst, eigentlich die Orientierung verloren zu haben. Rayman rennt über eine Wiese, die sich aus einem endlosen Blumenmeer zusammensetzt. Er springt in einem dichten Wald von einer Riesenpflanze zur anderen, während Sonnenstrahlen durch die Blätterdecke brechen. Er flüchtet vor Piranhas, die neben einem tosenden Wasserfall nach ihm schnappen. Highlights sind die Kämpfe gegen Oberbösewichte: Rayman liefert sich mit einer Hexe ein rasantes Rennen um einen Kochkessel herum, walzt in einer Arena mit einem Riesenroboter alles platt oder balanciert auf dünnen Mauervorsprüngen und weicht dabei einer schwingenden Felskugel aus. Alle paar Levels findet sich Rayman auf der Straße der Musik wieder, die einem psychedelischen High-Speed-Trip gleicht, der in einen wahnsinnigen Strudel aus Farben und Formen hineinführt. Das sind Szenen, die den Konsum von Pilzen mit halluzinogener Wirkung überflüssig machen.
Rayman 3 ist wie ein Film von Tim Burton: total verrückt und perfekt durchgestylt.
Die Welt in Rayman 3 ist extrem fantasiereich und liebevoll gestaltet: Da ragen Riesenpilze in einem Zauberwald in die Luft, Glühwürmchen flimmern im Halbdunkel, sprechende Schildkröten krabbeln durch ein buntes Blumenbeet - das Zusammenspiel von Grafik und Musik schafft es, mich in eine Märchenwelt zu entführen. Doch so schön die Atmosphäre ist: Ich vermisse den Anspruch. Rayman 3 richtet sich vom Schwierigkeitsgrad her eindeutig an ein jüngeres Publikum. Ich hätte mir, analog zum komplexeren Kampfmodus, schwierigere Gegner gewünscht. Nur die Kamera, die häufig das zeigt, was man gerade NICHT sehen will, erschwert manche Sequenzen. Ansonsten brauchen geübte Spieler nicht mehr als rund zwölf Stunden, bis sie das Ende erreichen - ein Gamepad vorausgesetzt, denn ohne ist Rayman 3 nahezu unspielbar.