Bester Sprößling der Tom Clancy-Taktik-Shooter-Serie
Noch nie wurde die Arbeit eines Eliteeingreiftrupps packender, glaubwürdiger und besser umgesetzt - Raven Shield vereint gute Zugänglichkeit mit spielerischem Tiefgang.
Wir suchen: Teamleiter Sondereinsatzkommando. Wir bieten: High-End-Ausrüstung, hochspezialisiertes Fachpersonal, Zugriff auf Top-Secret-Geheimdienstinformationen. Wir erwarten: Teamfähigkeit, Fitness, Planungstalent und Flexibilität, was Arbeitszeit und -platz angeht. Trifft auf Sie zu? Prima, dann sind Sie genau der Richtige für den Kampf gegen Attentäter, Geiselnehmer und Drogenhändler zu dem Sie Rainbow - bereits zum dritten Mal - einlädt.
Alles beginnt mit einem scheinbar gewöhnlichen Einsatz in einer venezolanischen Raffinerie. Die schlecht bewaffneten und recht amateurhaften Terroristen sind schnell erledigt, Verluste gibt es keine zu beklagen. Wenige Tage später kommt ein weiterer, vermeintlich unspektakulärer Einsatz auf Sie zu: In einem kleinen Schweizer Dorf wurden Diplomaten als Geiseln genommen - zunächst vermuten Ihre Vorgesetzten einen gescheiterten Banküberfall. Während späterer Missionen kristallisiert sich jedoch der eigentliche Hintergrund heraus, die Verwicklungen gehen bis ins Jahr 1945 zurück.
Informationen erhalten Sie in Raven Shield aus vier Quellen: Eine nüchterne weibliche Stimme ("Control") fasst die wesentlichen Missionsparameter zusammen und klärt über die Zielsetzungen auf. John Clark, Ihr direkter Vorgesetzter, und der Geheimdienstler Kevin Sweeney versorgen Sie mit Hintergrundinfos; beispielsweise erfahren Sie, dass die Geiselnahme in einer Villa auf den Cayman Inseln in Zusammenhang mit dem Überfall auf die venezolanische Ölraffinerie steht. Sehr spannend werden die Missionen so verknüpft und die Story vorangetrieben.
Einen oft witzigen Rückblick auf die jeweils letzte Mission erhalten Sie im "Newswire", der für die Öffentlichkeit aufbereiteten Version der Geschehnisse. Von Ihrem Rainbow-Team ist dort keine Rede, stattdessen dürfen Sie über die Würdigung der ach-so-fähigen lokalen Einsatzkräfte schmunzeln: Nachdem die Schweizer Behörden Sie verzweifelt zur Hilfe gerufen haben, ist hier etwa von "heldenhaften Schweizer Polizisten" die Rede, die "das Geiseldrama unblutig beenden konnten".
Acht Freunde sollt ihr sein
Egal, wie gut Sie andere Ego-Shooter beherrschen: Versuchen Sie Raven Shield gar nicht erst in Rambo-Manier durchzuspielen. Selbst, wenn Sie trotz des realistischen Schadenssystems unverletzt den ersten Auftrag überstehen, würden Sie spätestens in der zweiten Mission jedes Mal kläglich scheitern. Dort müssen nämlich zwei gefangene Diplomaten aus unterschiedlichen Räumen befreit werden. Stürmen Sie ohne Team in die Haupthalle des Gebäudes, wo die eine Geisel festgehalten wird, können Sie zwar möglicherweise alle dort postierten Gegner ausschalten und mit dem Opfer von dannen ziehen, die Komplizen würden den Angriff allerdings bemerken und Ihrer Mission mit der Exekution des anderen Diplomaten ein jähes Ende setzen. Attackieren Sie hingegen zeitgleich mit mehreren Teams beide Räume (es lassen sich maximal acht Leute auf drei Teams verteilen), bleibt den Terroristen keine Gelegenheit dazu. Solche präzise getimten Manöver kommen natürlich nicht von ungefähr, sondern erfordern eine umfangreiche Vorausplanung.
Genau wie in den bisherigen Rainbow Six-Folgen ist die Planungsphase deshalb nach wie vor der zeitaufwendigste Part des Spiels. Über so genannte Go-Codes können Sie Aktionen genau timen, sprich: Erst sobald Sie im Spiel als Teamleiter "Alpha" melden, rückt das andere Team vor, wirft eine Granate oder Ähnliches. Die Routen legen Sie über beliebig viele Wegpunkte fest, Sie können sogar Verhaltensweisen für jeden Abschnitt vorgeben (Blitzangriff, vorsichtiges Vorrücken, unbemerktes Anschleichen und so weiter). Glücklicherweise geht die Vorbereitung etwas leichter als in den Vorgängern von der Hand, weil über wenige Kontextmenüs alle wesentlichen Anweisungen erteilt werden können (siehe Kasten "Theorie und Praxis"). Außerdem kann man sich nun anhand eines kleinen Fensters ein Bild von der Umgebung machen, so dass man etwas genauer weiß, was auf einen zukommt.
Nie wieder verknotete Finger
Auch im eigentlichen Einsatz dürfen Sie sich über ein vereinfachtes, nun wesentlich zugänglicheres System des Team-Managements freuen. Möchten Sie, dass Ihre Team-Kameraden einen Raum stürmen, müssen Sie gerade mal einen Tastendruck und zwei Klicks investieren. Außerdem steht Ihnen frei, Ihre Kumpane vorher eine der verschiedenen Granatentypen werfen zu lassen, oder das Manöver mit einem Go-Code zu timen. Auch für diese fortgeschritteneren Taktiken brauchen Sie kaum mehr als vier Klicks. Möglich wird diese extreme Vereinfachung über ein neues Head-up-Display. Zielen Sie beispielsweise aus größerer Entfernung auf eine Tür und drücken die Aktions-Taste, erscheint ein Menü mit vier Anweisungsoptionen, in dem Sie per Maus alle weiteren Schritte bequem und schnell auswählen können. Möchten Sie Ihre Schützlinge um sich gruppieren, genügt es, auf den Boden in Ihrer Nähe zu zielen und einmal kurz die Aktions-Taste anzutippen.
Dank der verbesserten Interaktionsmöglichkeiten mit den Teamkameraden entsteht nun viel stärker als in den Vorgängern das Gefühl, Teil des Sondereinsatzkommandos zu sein. Noch dazu kommt, dass jedem Ihrer Gefährten ein eigener Lebenslauf und individuelle Fähigkeiten verpasst wurden. Sie können nachlesen, wo in Deutschland Jörg Walther geboren wurde, wie viele Geschwister Genedy Filatov hatte und wie Santiago Arnavisca zum Rainbow Six gekommen ist. Das detailverliebte Design der Story und die runde Atmosphäre machen Raven Shield zu einem fesselnden Spielerlebnis.
Herr, gib ihnen Hirn
Gerade deshalb ist es umso schlimmer, dass die KI-Mitstreiter sich oft arg dumm anstellen. Denn wenn man vier oder fünf Missionen mit den größtenteils selben Akteuren durchgestanden hat, will man den Verlust eines Teamkollegen natürlich nicht hinnehmen und neigt dazu, einen Auftrag schon mal neuzustarten. In späteren Einsätzen braucht man deshalb oft fünf oder noch mehr Versuche, wenn man die Kampagne möglichst perfekt, also ohne eigene Verluste, durchspielen will. Glücklicherweise dauern die Einsätze selten länger als 5-10 Minuten, so dass man kaum Leerlauf wiederholen muss, deshalb besteht auch kein echter Bedarf an einer Quicksave-Funktion. Etwas kompensieren lassen sich KI-Patzer, indem man zwischen den verschiedenen Teams und Rainbows hin und her wechselt, um direkt Befehle zu geben, die versteckten Terroristen selbst aufzuspüren, bevor das komplette Team in den Hinterhalt rennt, oder um einen Sniper vor Angreifern im Nahkampf zu schützen.
Augenlust oder Grafikfrust?
Ubi Soft hat kräftig eingekauft: Nicht nur unsere Taktik-Shooter-Referenz Splinter Cell kommt im schicken Gewand der neuesten Unreal-Engine daher, sondern auch Raven Shield, das trotzdem weit hinter den Grafik-Meilensteinen Unreal 2 und eben Splinter Cell zurückbleibt. Dabei fallen weniger die eigentlich recht ansehnlichen Effekte, die gute Architektur der Level oder Animation und Modellierung der Charaktere aus dem Rahmen, als vielmehr die im Vergleich etwas spärliche Texturierung. Ubi Soft argumentiert, dass man ja ständig zwischen den Personen und Teams hin und her wechseln müsse, weshalb wesentlich mehr Grafikdaten ständig verfügbar sein müssten, als in Spielen mit bloß einem Protagonisten. Sei's drum: Dem Spielspaß tut diese kleine Technikschwäche keinen Abbruch - wer die Rainbow Six-Serie mochte, wird Raven Shield anbeten, und selbst Ego-Shooter-Spieler, dürfen dank der Vereinfachungen einen intensiveren Blick wagen.
Raven Shield verdient einen Ehrenplatz in der Lounge der Ergonomie, direkt neben perforiertem Toilettenpapier und bügelfreien Hemden.
Von Anfang an merkt man: Hier hat sich jemand wirklich Gedanken über Bedienkomfort gemacht. Raven Shield verdient einen Ehrenplatz in der Lounge der Ergonomie, direkt neben perforiertem Toilettenpapier und bügelfreien Hemden. Die Steuerung und besonders das Teammanagement sind dermaßen intuitiv gelöst, dass man gelegentlich seinen Kollegen völlig unsinnige Befehle erteilt, nur um zu sehen, wie gut das System funktioniert. Verhielten sich die KI-Rainbowler nicht oft dermaßen blöd (zwei Leute rennen in einen Raum, einer schaut rechts, einer geradeaus, der Terrorist von links erledigt beide), würde ich jetzt eine euphorische Lobesarie auf die enorme atmosphärische Dichte, die spannenden Szenarien und die gute Entwicklung der Story anstimmen. So dämpft der etwas bittere Beigeschmack aufgrund der Tatsache, dass man Missionen gelegentlich völlig ohne Schuld verliert, die anfängliche Freude leider etwas. Dessen ungeachtet lässt Raven Shield in Sachen Spannung, taktische Möglichkeiten, Bedienkomfort und Spielspaß die direkte Konkurrenz (SWAT-Serie, Ghost Recon, Vorgänger Rainbow Six-Titel) deutlich hinter sich.
am 25.03.03 um 13:14 schrieb Greeny: Und wieso können die Rainbows nicht auf Kisten o.Ä. klettern, um sich eine erhöhte Schussposition zu ermöglichen? Wie kann ich eigentlich eine Leiter heruntersteigen? Ich muss immer runterspringen...
Einfach vor die Leiter stellen und "Benutzen" (Leertaste) drücken. Dann steigt er auf die Leiter. Mit der "Laufen"-Taste (Rechte Maus) kann er dann noch Gas auf der Leiter geben
Und hüpfende Spezialeinheiten gehören wohl eher in die Klapse als in Krisengebiete, oder? Abgesehen davon klettern die bestimmt auch in Wirklichkeit nicht auf dem Interieur herum um sich eine "erhöhte Schußposition" zu sichern. Dafür gibt´s eben Leitern.
Ich will doch auch nicht im Springen schießen! Aber ich wäre in der ein oder anderen Situation ganz froh, wenn ich den Gegner durch Springen hinter Maschinen oder Mauern eher entdecken könnte, als dann erst mit dem HB jedes Mal die Gegner entdecken zu müssen. Das nervt schon arg. Und wieso können die Rainbows nicht auf Kisten o.Ä. klettern, um sich eine erhöhte Schussposition zu ermöglichen? Wie kann ich eigentlich eine Leiter heruntersteigen? Ich muss immer runterspringen...
Damit hier jetzt mal keine Missverständnisse aufkommen.... Das Spiel ist geil :)... UND ich bin mit sicherheit KEIN CS-Spieler, find das sogar ziemlich ********! Aber das die net springen können, find ich trotzdem albern :-P! Wenn schon ein ein Spiel auf (mehr oder weniger) realistisch programmiert wird, dann bitteschön auch mit allem was dazu gehört, egal jetzt auch... Ravenshield rockz :)! tbb
am 24.03.03 um 14:41 schrieb TobyBerg: Warum können diese blöden Rainbow-Gesellen bitteschön immernoch nicht springen??? Die können doch sonst alles...
tbb
Wozu springen? Hast du schon mal eine SWAT Einheit beim Einzatz springen sehen. Du bist bestimmt CS Spieler.
am 24.03.03 um 14:41 schrieb TobyBerg: Warum können diese blöden Rainbow-Gesellen bitteschön immernoch nicht springen??? Die können doch sonst alles...
tbb
Die Antwort wird auf der Offiziellen Seite in der FAQ behandelt und lautet ungefähr so: Rainbow Einheiten bewegen sich nur in einer Art oder Geschwindigkeit in der es möglich ist auch geziehlt schüsse abzugeben. Beim Springen ist dies nicht möglich!
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