Viel Krieg, wenig Blitz: Die Neuauflage von Sudden Strike fordert vorsichtige Taktiker. Allzu forsche Generäle kassieren höchstens blitzartige Niederlagen.
Da hat man schon mal zehn lackfrische Panzer, und dann so was: Binnen einer Minute sind die Blechkameraden nur noch qualmendes Altmetall. Und das alles nur, weil die Spähtruppen mal wieder ein Dorf nicht richtig ausgekundschaftet und zwei Geschütze übersehen haben. Wer Blitzkrieg gewinnen will, muss vor allem eines sein: wachsam. Wie schon in Sudden Strike führen Sie als General der West-Alliierten, Sowjets oder Deutschen Panzerverbände, Infanterie und Kanonen durch die Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Und genau wie im Quasi-Vorgänger treten Sie regelmäßig gegen weit überlegene Armeen an, die Sie nur mit einer Taktik besiegen können: "Aufklären, Artillerie, Attacke!" Um beispielsweise ein Dorf einzunehmen, schicken Sie zunächst einen Scharfschützen vor.
Der kann mit seinem Fernglas nämlich die Umgebung auskundschaften, ohne selbst unter Beschuss zu geraten. Sobald Sie die gegnerischen Stellungen aufgedeckt haben, ordnen Sie so lange Artilleriefeuer an, bis die eigenen Soldaten mit den gegnerischen Überbleibseln kurzen Prozess machen. Natürlich klappt das nicht in jeder Mission - wäre ja langweilig. Denn der Computerstratege schlägt zurück. Entweder er holt selbst mit Artillerie zum Gegenschlag auf die vermuteten Positionen aus oder ordnet Luftschläge an. Sie können das umgekehrt natürlich auch. Doch was, wenn seine Kanonen durch Luftabwehr gedeckt sind? Dann müssen Sie die zunächst mit Ihren Geschützen beharken. Doch dann schlägt Ihr Kontrahent wieder mit seinen Haubitzen zurück oder wagt einen Panzervorstoß.
Solche Puzzles aufzulösen, das ist die größte Herausforderung in Blitzkrieg, ähnlich wie beim Taktik-Rivalen Praetorians. Mobile EingreiftruppeArtillerie fällt in solchen vertrackten Situationen also aus. Bleiben noch Aufklären und Attacke. Die führen Sie am besten kombiniert mit Soldaten und Panzern durch. Lassen Sie die Stahlmonster allein, fallen die schnell versteckten Panzerabwehrkanonen zum Opfer. Für Infanteristen sind die dagegen leichte Ziele. Fußtruppen alleine haben wiederum gegen gut verteidigte Schützengräben und Tanks keine Chance. Die Mischung macht's. Wenn Sie erst einmal eine Bresche in die Reihen der Verteidiger geschlagen und die fast unausweichliche Konterattacke abgewehrt haben, rollen Sie die Widersacher von den Flanken her auf. Bis an der nächsten eingegrabenen Stellung wieder Artillerie zum Einsatz kommt.
Es folgt ein erneuter Rückschlag, Sie rufen Bomber zu Hilfe, die werden von der Flak zerlegt, also muss einmal mehr Ihre mobile Eingreiftruppe ran. Da der echtzeittypische Aufbaupart komplett entfällt, können Sie Verluste nicht einfach ausgleichen und die Gegner mit frischen Truppen überrennen. Das Wechselspiel von Angriff und Konterangriff, die Suche nach dem wunden Punkt in den feindlichen Linien - das ist es, was Blitzkrieg so spannend macht. Automatik fürs VolkZumal die Aufträge weit abwechslungsreicher als noch in Sudden Strike sind. 21 vorgefertigte Missionen sind zu meistern, verteilt auf drei Kampagnen.
Dazu kommen mindestens noch einmal so viele automatisch generierte Einsätze, in denen Sie sich bessere Einheiten verdienen. Wer mag, darf beliebig viele Zufallsaufträge erledigen und sich so die Pflichtaufgaben erleichtern. Zwar gibt es eigentlich nur drei verschiedene Typen von Auto-Missionen. Mal sollen Sie sich zu einer bedrohten Stellung durchschlagen und sie verteidigen, mal ein besetztes Dorf räumen, mal eine Brücke einnehmen und einen Panzerkonvoi stoppen. Weil die gegnerischen Streitkräfte aber immer anders verteilt sind und die Karten immer wieder anders aussehen, bleiben auch diese Levels fordernd.
Die Hauptmissionen, oft angelehnt an historische Schlachten, sind noch abwechslungsreicher. Als sowjetischer Offizier müssen Sie bei Kursk Welle um Welle der Deutschen zurückschlagen, büßen immer mehr Boden ein, bis Sie schließlich mit Verstärkungen endlich kontern. Auf Seite der Briten und Amerikaner knacken Sie Bunker und eingegrabene Stellungen rund um eine Küstenbatterie, die Ihren Truppen währenddessen herbe Verluste beibringt. Erst wenn die letzten Verteidiger geschlagen sind, ergibt sich die Bedienmannschaft. Meistens haben Sie mehrere Ziele zu erfüllen. Etwa eine Brücke zu sichern, danach eine Stadt zu erobern und schließlich ein Depot einzunehmen. Kernige KanonenNicht nur, weil Sie selten Nachschub während einer Schlacht bekommen, müssen Sie stets Vorsicht walten lassen. Auch, weil eine Kerntruppe aus anfangs einer Handvoll, später ein Dutzend oder mehr Einheiten Sie von Mission zu Mission begleitet und dabei Erfahrung sammelt.
Kanonierveteranen beispielsweise schießen genauer als ihre grünen Kameraden, erfahrene Panzerkommandeure versuchen selbstständig, Gegner von der Seite anzugreifen oder sich geschickt zurückzuziehen. Klar, dass man solche Elitekrieger nur ungern verliert. Zwischen den Missionen haben Sie Gelegenheit, Ihren Schützlingen neue Ausrüstung zu spendieren. Beispielsweise veraltete Panzer-IV-Modelle gegen nagelneue Panther-Tanks auszutauschen oder ein Artillerie- in ein Flakgeschütz zu verwandeln. Flieger gehören nicht zu Ihrer Kernarmee, sondern werden bei Bedarf angefordert. Neben den aus Sudden Strike bekannten Aufklärern, Flächenbombern und Transportmaschinen, die Fallschirmjäger in die Abwurfzone bringen, gibt es auch Jagbomber, die sich ihre Ziele selber suchen, und Jäger zur Verteidigung.
So lange die Luftwaffe heil zurückkehrt, dürfen Sie sie nach einiger Zeit wieder einsetzen. Allerdings nur einen Typ auf einmal. Wenn Sie eben einen Aufklärer entsandt haben und der Computergegner Bomber gegen Ihre Stellungen schicken, müssen Sie darauf hoffen, dass die Flak das Problem beseitigt. Realistischer rumpelnZwar ist Blitzkrieg beileibe keine Realismus-Orgie, die historische Waffentechnik wird aber wesentlich genauer umgesetzt als von manchem Genrekollegen. Nicht nur, dass Panzer in der Regel von hinten leichter zu knacken sind als von vorn. Die Typen sind auch unterschiedlich effektiv, ein amerikanischer Sherman etwa kann sich verabschieden, wenn er allein frontal einem deutschen Königstiger gegenübersteht. Und Maschinengewehrschützen können so einem stählernen Ungetüm ohnehin nichts anhaben - es sei denn, er kommt nahe genug heran, um mit seinen Granaten zumindest die Ketten des Monsters zu beschädigen.
Auch optisch wirken die Fahrzeuge und Flieger echter als noch in Sudden Strike 2 - 3D-Grafik sei dank. Fußsoldaten, Gebäude und Terrain sind zwar noch in klassischer Pixelgrafik gehalten, glänzen dafür aber mit Details: Häuser, Bunker und Teile des Geländes nehmen bei starkem Beschuss sichtbar Schaden; nach einem Artillerieangriff bleiben von einem schmucken Dörfchen oft nur noch rauchende Trümmer. Wie eben auch von der eingangs beschriebenen Panzertruppe.
Blitzkrieg ist eindeutig das bessere Sudden Strike.
Wenn ich endlich den Tiger-Tank knacke, der seit zehn Minuten meinen Vormarsch aufhält, wenn ich mit knapper Not den deutschen Angriff zurückgeschlagen habe, wenn mein Aufklärer die gegnerische Artillerie aufgespürt hat, die meine Infanterie plagt, dann zeigt sich Blitzkrieg von seiner besten Seite. Ähnlich wie bei Praetorians kostet es viel Zeit - und manchmal Nerven -, die richtige Strategie auszutüfteln und es ist ähnlich befriedigend, wenn der Plan schließlich aufgeht. Dazu kommt das motivierende Kampagnensystem, in dem sich meine kostbaren Kerntruppen von Rekruten zu Elitekriegern mausern und ich mir bessere Ausrüstung erkämpfen kann. Allerdings würde ich mir wünschen, dass die Standard-Taktik "Aufklären, Artillerie, Attacke!" nicht ganz so oft funktionieren würde. Unsere Test-Version hatte außerdem noch mit dem unausgegorenen Schwierigkeitsgrad zu kämpfen. Auf der leichtesten Stufe führen selbst simple Frontalangriffe oft zum Erfolg. Schon in der mittleren Einstellung scheinen manche Aufgaben aber nahezu unschaffbar, besonders in den automatisch generierten Missionen. Wenn CDV das bis zur Veröffentlichung noch wie versprochen behebt, kann sich Blitzkrieg noch einen Spielspaßpunkt dazuverdienen.