Die Telltale-Story: Der Aufstieg des Adventure-Giganten

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Die Telltale-Story: Der Aufstieg des Adventure-Giganten
Quelle: Telltale

Vom Retter des Point&Click-Adventures zum Vorreiter der Interactive Novels und von nackten Hasen bis hin zur Zombie-Apokalypse: Telltale Games hat sich innerhalb von nur zwölf Jahren vom Lieferanten eines Nischengenres zum wohl renommiertesten Entwickler von Interactive Novels gemausert. Grund genug für uns, den Werdegang des Studios zu beleuchten und zu erklären, was das Besondere an Telltale-Titeln ist.

Wir schreiben das Jahr 2004: Die Verfechter des klassischen Point&Click-Adventures blasen Trübsal. Kaum ein Spielestudio sieht sich in der Verantwortung, das vor sich hin siechende Genre zu retten oder weiterzuentwickeln. Der letzte Sargnagel scheint geschlagen, als Branchenriese Lucas­Arts die geplante Fortsetzung zum Klassiker Sam & Max: Hit the Road von 1993 in die Tonne wirft.

Doch in dieser dunklen Stunde rebellieren eine Handvoll Lucas­Arts-Mitarbeiter - und gründen mit Telltale Games ein neues Studio, um dort weiterhin fleißig Adventures zu erschaffen. Das Erstlingswerk der Firma, eine grafisch karge Adaption der Pokervariante Texas Hold'em, ist allerdings kaum der Rede wert - es dient den Kaliforniern vornehmlich als Experiment für den digitalen Vertriebsweg (siehe Kasten). Wir springen deshalb gleich zur Veröffentlichung von Bone: Out From Boneville: Telltales erstes Adventure aus dem Jahr 2005 basiert auf dem gleichnamigen Comic von Jeff Smith und will vor allem mit dem charmanten Humor der Bone-Brüder glänzen.

In der Tat sind die Charaktere putzig und die Dialoge lustig, alles andere enttäuscht jedoch. Die Rätsel sind zu einfach, die Laufgeschwindigkeit der Protagonisten zu langsam und die Minispiele zu nervig. Die zweite Episode The Great Cow Race ist zwar in allen Belangen besser und erlaubt euch gar, jederzeit zwischen den drei spielbaren Brüdern zu wechseln, doch Gegner des Episodenformates fühlen sich trotzdem bestätigt: Beide Teile sind mit einer jeweiligen Spielzeit von anderthalb Stunden sehr kurz geraten und technisch kaum auf der Höhe der Zeit. Wenngleich ein Cliffhanger auf weitere Bone-Adaptionen hinweist, friert Telltale die Entwicklung der Serie ein und taut sie nie wieder auf.

Anarchie in Reinkultur

Obwohl Gromit genau wie in seinen Filmen kein Wort spricht, steuert ihr in Wallace & Gromit's Grand Adventures anstatt Herrchen Wallace den Vierbeiner. Quelle: Telltale Obwohl Gromit genau wie in seinen Filmen kein Wort spricht, steuert ihr in Wallace & Gromit's Grand Adventures anstatt Herrchen Wallace den Vierbeiner. Für viele ist die wahre Geburtsstunde von Telltale Games der 17. Oktober 2006, der Release-Tag der ersten Episode von Sam & Max: Season One. Der in San Rafael ansässige Entwickler schnappt sich die Lizenz zu den Sam & Max-Figuren, direkt nachdem der Vertrag zwischen Comiczeichner Steve Purcell und Lucas­Arts ausgelaufen ist. Die Rechte werden sogleich für eine Staffel von insgesamt sechs Episoden genutzt, die innerhalb eines halben Jahres erscheinen. 2009 benennt Tell­tale die Adventure-Sammlung in Sam & Max: Save the World um.

Auch wenn die Grafik ähnlich wie in Bone antiquiert wirkt, springt der Funke dank des genialen Humors der Vorlage sofort über. Während Sam als menschengroßer Hund im feschen Trenchcoat noch so etwas wie ein moralisches Grundverständnis besitzt, liebt Hase Max jegliche Form der sinnfreien Gewaltanwendung. Die Sprüche und Dialoge des ungleichen Detektivduos sprudeln demnach nur so vor Sarkasmus und Zynismus.

Eine typische Filmszene aus Dangeresque 3, dem Low-Low-Low-Budget Film von Strong Bad's Cool Game for Attractive People. Quelle: Telltale Eine typische Filmszene aus Dangeresque 3, dem Low-Low-Low-Budget Film von Strong Bad's Cool Game for Attractive People. Die wirren Abenteuer, mit denen ihr konfrontiert werdet, lassen sich nur schwer in ein wenigen Zeilen zusammenfassen - kein Wunder, wenn ihr unter anderem einer machtbesessenen Statue von Abraham Lincoln oder dem Internet höchstpersönlich begegnet. Die Rätsel sind dafür weitaus weniger vertrackt und gegenüber Bone ebenfalls eine Steigerung. Obwohl jede Episode eine abgeschlossene Geschichte erzählt, lebt das Gesamtpaket von seinen abstrusen Running Gags. Beispielsweise wird Max an einem Punkt zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gekürt, was Telltale in den folgenden Episoden immer wieder aufgreift. Deshalb funktionierten die einzelnen Teile von Sam & Max sowohl für sich als auch im Gesamten betrachtet - womit Telltale Gegnern des Episodenformats geschickt den Wind aus den Segeln nimmt.

Dank des großen Erfolgs beginnt bereits ein halbes Jahr später die Entwicklung der zweiten Staffel Beyond Time and Space. Diese umfasst zwar nur fünf anstatt sechs Episoden, die sind aber jeweils etwas länger geraten und begeistern vor allem aufgrund ihrer gelungenen Inszenierung. Telltale Games kommt erstmals nahe an die Klasse der alten LucasArts-Meisterwerke heran, selbst wenn die Rätsel weiterhin eher zu leicht anstatt zu schwer sind.

Nerd-Humor und Knetfiguren

Sam und Max freuen sich in der zweiten Staffel über einen Besuch beim gewalttätig gewordenen Weihnachtsmann. Quelle: Telltale Sam und Max freuen sich in der zweiten Staffel über einen Besuch beim gewalttätig gewordenen Weihnachtsmann. Umso mehr verwundern die nächsten beiden Projekte des Studios: Strong Bad's Cool Game for Attractive People (2008) basiert auf dem Internet-Cartoon Homestar Runner, der die Popkultur der 1970er- bis 1990er-Jahre parodiert. Der Spieler übernimmt die Rolle des Antagonisten Strong Bad, laut Fans der beliebteste Charakter des Cartoons. Allerdings stellt er mehr einen Möchtegern-Bösewicht dar, der das Gemüt eines cholerischen Kindes besitzt. Die fünf Episoden erinnern vom Charme her an die Comicserie Die Peanuts, gepaart mit nerdigem Internet-Humor. Die Grafik ist bewusst schlicht, die Synchronsprecher klingen absichtlich gewöhnungsbedürftig und die Geschichten sind herrlich bescheuert. Highlight ist die vierte Episode, in der Strong Bad einen James-Bond-inspirierten Film mit Noir-Elementen dreht. Mangels Budget, richtigen Schauspielern oder jemandem, der sich mit Kameraführung oder Schnitttechnik auskennt, könnte das finale Werk von einem Dreijährigen stammen. Für Wallace & Gromit's Grand Adventures (2009) beschränkt sich Telltale Games auf vier Episoden, deren harmlosen Handlungen der grandiosen Animationsfilm-Vorlage hinterherhinken. Zudem wagt man einen Schritt, den langjährige Adventure-Fans mit Argwohn betrachten: Ihr steuert den Hund Gromit mit der Tastatur oder alternativ per Gamepad, während die Maus nur beim Anschauen oder Manipulieren von Objekten zum Einsatz kommt.

Guybrush als Pointen-Geber

Marty McFlys jüngste Reise in die Vergangenheit in Back to the Future: The Game hat erneut die Zeitlinie durcheinandergebracht und seine Heimatstadt Hill Valley in ein totalitäres Regime verwandelt. Quelle: Telltale Marty McFlys jüngste Reise in die Vergangenheit in Back to the Future: The Game hat erneut die Zeitlinie durcheinandergebracht und seine Heimatstadt Hill Valley in ein totalitäres Regime verwandelt. Damit entfernt sich Telltale bewusst von der alten Point&Click-Mechanik, um Fans der modernen Controller-Steuerung für sich zu gewinnen. Der Ansatz geht jedoch in Anbetracht des darauffolgenden Projektes zuerst nach hinten los: Telltale kooperiert nämlich mit den alten Freunden von LucasArts und entwickelt mit Tales of Monkey Island (2010) den fünften Teil rund um Pseudo-Pirat Guybrush Threepwood. Die Ankündigung erzeugt bei den Fans aufgrund der 3D-Grafik und der besagten Tastatur-/Joypad-Steuerung allerdings gemischte Gefühle - die Kombination erinnert an den ungeliebten Vorgänger Flucht von Monkey Island aus dem Jahr 2000.Glücklicherweise haben die Entwickler in San Rafael ein geschickteres Händchen als die Jungs von der Skywalker-Ranch: Die Optik sieht zwar auf Standbildern nicht besonders detailliert aus, profitiert aber in Bewegung von besonders verspielten Animationen, die Guybrush und Co. ordentlich Leben einhauchen. Des Weiteren fühlt sich die Steuerung im Vergleich zum Vorgänger weniger sperrig an und ermöglicht ein flüssiges Rätselerlebnis. Hinzu kommen die inzwischen gewohnten Telltale-Stärken - darunter ein sehr gut geschriebener Plot und ein paar starke neue Nebencharaktere.

Ein halbes Jahr später folgt mit The Devil's Playhouse schließlich die dritte Staffel von Sam & Max, bei der sich Telltale Games selbst übertrifft. Neben dem bewährten Humor erfinden die Designer einen ganzen Sack voller innovativer Konzeptelemente, die für viel spielerische Abwechslung sorgen. Besonders gelungen ist die zweite Episode: Sam und Max finden zu Beginn mehrere Filmrollen, auf denen das letzte Abenteuer ihrer jeweiligen Urgroßväter abgelichtet ist. Dank eines verzauberten Projekts übernehmen sie nicht nur die Rollen der beiden, sondern können zwischen vier verschiedenen Zeitpunkten der Geschichte hin- und herspringen. All das resultiert in einer originellen Erzählstruktur und ein paar der kniffligsten Rätsel aus dem Hause Telltale Games.

Zurück in die Zukunft

Abraham Lincolns lebendig gewordene Statue gehört zu den skurrilen Highlights der ersten Sam & Max-Staffel. Quelle: Telltale Abraham Lincolns lebendig gewordene Statue gehört zu den skurrilen Highlights der ersten Sam & Max-Staffel. Motiviert von all dieser Qualität, ergattert Telltale mit Zurück in die Zukunft die erste große Filmlizenz. Das 2010 veröffentlichte Back to the Future: The Game setzt 20 Jahre nach dem dritten Kinofilm die legendären Zeitreiseabenteuer von Marty McFly und Doc Emmett Brown fort - und gehört storytechnisch auf Anhieb zu den besten Werken des Entwicklers. Das Spiel verknüpft gekonnt den kultigen Charme der Vorlage mit zahlreichen neuen Twists, die die Grenzen der Filme auf abenteuerliche Weise sprengen. So landet ihr unter anderem im Jahr 1931, wo ihr einem jungen, noch völlig ahnungslosen Emmett Brown begegnet. Aufgrund eures Eingreifens in die Vergangenheit passiert ein Missgeschick, weshalb Emmett niemals den DeLorean baut und stattdessen die Schwester des Schuldirektors Stanford Strickland heiratet. Das wiederum resultiert in einem völlig veränderten Hill Valley - die Stadt wird 1985 von einem totalitären Regime kontrolliert. Zwar sind die Rätsel eher Mittel zum Zweck und die betagte Grafik-Engine ist sichtlich überfordert mit der Darstellung von Hill Valley, doch die tolle Story und die gelungene Synchronisation, die sowohl Christopher Lloyd als auch einen täuschend echt klingenden Michael J. Fox-Imitator beinhaltet, entschädigen dafür umso mehr. Back to the Future: The Game wird Mitte 2011 abgeschlossen und ist Telltales letztes klassisches Adventure. Im gleichen Jahr folgt mit Jurassic Park: The Game der Versuch, einen Konkurrenten zu Quantic Dreams cineastischem PS3-Thriller Heavy Rain auf die Beine zu stellen. Anstatt knackiger Rätsel gibt es hier viele Zwischensequenzen, zahlreiche Dialoge, massig Filmschnitte und einen ganzen Batzen Quick-Time-Event-Sequenzen.

Die Grafik von Tales of Monkey Island lebt von der tollen und verspielten Mimik der Charaktere. Quelle: Telltale Die Grafik von Tales of Monkey Island lebt von der tollen und verspielten Mimik der Charaktere. Leider bleibt es bei dem Versuch: Alle vier Episoden - die Telltale ausnahmsweise auf einen Schlag veröffentlicht - sind eine einzige Enttäuschung. Die Handlung langweilt, die Sequenzen mit haufenweise überflüssiger Quick-Time-Events frustrieren und die veraltete 3D-Engine kann nicht ansatzweise mit dem grafisch wuchtigen Konkurrenten mithalten. Der Tenor bei Spielern wie Presse lautet damals: Telltale Games ist gescheitert und sollte besser zur altbewährten Rätselkost zurückkehren. Doch dann erscheint 2012 wie aus dem Nichts das Spiel, das den Marktwert des Indie-Entwicklers dramatisch erhöhen wird: The Walking Dead.

Der Wendepunkt: Zombies!

Das Spiel basiert auf der gleichnamigen Comicserie von Robert Kirkman und Tony Moore. Ihr übernehmt darin die Rolle von Lee Everett, der in der Auftaktepisode von einem Polizeibeamten ins Gefängnis eskortiert wird. Noch während ihr Smalltalk mit dem Fahrer betreibt, schlurft plötzlich eine Gestalt über die Straße und verwickelt euch in einen Unfall, aufgrund dessen der Polizeiwagen im Straßengraben landet. Lee kann sich befreien und flüchten, nur um sogleich mit der harten Realität konfrontiert zu werden: Ihm und dem Rest der Menschheit steht ein ewig währender Kampf gegen eine Armee voller Zombies bevor.

Auch in Game of Thrones suggerieren euch kurze Texteinblendungen, dass eure Dialogwahl Einfluss auf die Geschichte hat. Quelle: Telltale Auch in Game of Thrones suggerieren euch kurze Texteinblendungen, dass eure Dialogwahl Einfluss auf die Geschichte hat. Lee trifft kurz darauf die kleine Clementine und übernimmt instinktiv die Rolle des Ersatzvaters. Gemeinsam lernen die beiden weitere Überlebende kennen und werden mit einer Ausnahmesituation nach der anderen konfrontiert. Dabei stoßen sie auf Szenarien, an die sie in ihren kühnsten Träumen nicht gedacht hätten und die ihre eigene Menschlichkeit in Frage stellen.

The Walking Dead ist spielerisch nicht weit vom drögen Jurassic Park entfernt, weshalb das Spiel über weite Strecken einem Film in Polygongrafik gleicht. Doch sämtliche Änderungen, die Telltale Games vornimmt, sorgen für einen gigantischen Qualitätsschub. Allen voran ist die Geschichte um ein Vielfaches besser geschrieben, der Szenenschnitt hat Kinoqualität, die QTE-Sequenzen sind auf ein erträgliches Maß reduziert und die Charaktere besitzen deutlich mehr Tiefe. Der Entwickler konzentriert sich auf das Schreiben der Dialoge und konfrontiert euch alle Nase lang mit Entscheidungen, wie Lee sich gegenüber seinem Umfeld verhalten soll. Dabei ist es egal, ob ihr einen freundlichen, patzigen oder neutralen Tonfall wählt - seine Antworten klingen stets authentisch und glaubwürdig.

Die Helden aus Minecraft: Story Mode flüchten vor dem wütenden Withersturm. Quelle: Telltale Die Helden aus Minecraft: Story Mode flüchten vor dem wütenden Withersturm. Die Beziehung zwischen Lee und Clementine wirkt derart echt, dass ihr trotz der eingeschränkten Interaktivität sofort mit den beiden fühlt. Ihr durchlebt eine emotionale Achterbahnfahrt nach der anderen und leidet vor allem in den Situationen, in denen ihr nicht gewinnen könnt. Ihr müsst euch - Achtung, Mini-Spoiler! - beispielsweise in Sekundenschnelle entscheiden, ob ihr einem in einer Eisenfalle gefangenen Mann per Axt das Bein abhackt oder ihn liegen lasst, um euch selbst vor den herannahenden Zombies zu retten. Telltale schafft mit The Walking Dead eine nahezu perfekte Dystopie, die euch klarmacht, dass ihr manchmal für das eigene Überleben jemanden anderen zum Tode verurteilen müsst. Mit der Ausbreitung der Zombies hat sich die Weltordnung völlig auf den Kopf gestellt, und jeder fängt bei null an. Hinzu kommt einer der genialsten Bluffs der Videospielgeschichte: Ab und an blendet das Spiel eine kleine Textzeile ein, laut der sich euer Gesprächspartner eure eben ausgesprochene Meinung merkt.

Gleichwohl sich die Auswirkungen im schlichtesten Fall auf einen weiteren Satz beschränken, vertieft das die Immersion, dass ihr euch tatsächlich als Lee Everett fühlt, beträchtlich. Wie gesagt: Es ist ein Bluff, denn natürlich könnt ihr nicht wirklich den Handlungsrahmen beeinflussen. Selbst auf den ersten Blick weitreichende Entscheidungen, anhand derer etwa einer von zwei möglichen Nebencharakteren ums Leben kommt, spielen nach kurzer Zeit keine Rolle, weil über kurz oder lang auch der andere Charakter dran glauben muss. Trotzdem geben euch die Macher des Spiels das Gefühl, der Lenker einer Geschichte zu sein. Obwohl die Spieltiefe sehr dürftig geraten ist und sämtliche Rätsel selbsterklärend sind, begeistert The Walking Dead selbst Adventure-Profis. Ende 2012 heimst es neben Sonys Journey die meisten Spiel-des-Jahres-Preise ein, und die hohen Verkaufszahlen machen Telltale Games quasi über Nacht zu einem der erfolgreichsten Indie-Entwickler.

Ein Konzept zum Gelddrucken

Beflügelt vom Erfolg von The Walking Dead konzentriert sich Telltale fortan auf die Gestaltung komplexer Charaktere anstatt komplizierter Rätsel. The Walking Dead wird sogleich in Form einer zweiten Staffel fortgesetzt, wobei ihr diesmal die Rolle von Clementine übernehmt. Zwar ist das neue Episoden-Quintett nicht ganz so gelungen und mit weniger emotionalen Höhepunkten gespickt, doch unterm Strich funktioniert die schlichte Formel erneut prima. Zwischen Staffel 1 und 2 veröffentlicht Telltale Games zudem die Bonusfolge 400 Days sowie zwischen Season 2 und 3 eine kurze Spin-off-Staffel rund um Michonne, einen der beliebtesten Charaktere der TV-Serie. Dadurch entsteht ein kleines Universum, das ihr am besten von Anfang an verfolgt. Dann könnt ihr euren Speicherstand von Staffel zu Staffel übernehmen und werdet immer wieder an längst vergangene Entscheidungen erinnert, die ihr - im wahrsten Sinne des Wortes - vor Jahren getroffen habt.


Exkurs: Vom Pionier des digitalen Vertriebsweges zum Verfechter der Retailpackungen

2004 startet dank der Veröffentlichung von Valves Shooter-Meilenstein Half-Life 2 der Siegeszug von Steam und des digitalen Vertriebsweges im Allgemeinen. Telltale Games schlägt bereits zur gleichen Zeit einen ähnlichen, dabei aber bedeutend kundenfreundlicheren Weg ein.
Telltale Texas Hold'em ist eines der ersten Spiele überhaupt, die ursprünglich nur über den digitalen Vertriebsweg erhältlich waren. Quelle: Telltale Telltale Texas Hold'em ist eines der ersten Spiele überhaupt, die ursprünglich nur über den digitalen Vertriebsweg erhältlich waren.
Der Entwickler veröffentlicht von Beginn an sämtliche seiner Spiele in digitaler Form und kann deshalb problemlos einzelne Episoden für einen fairen Preis von jeweils 8 Dollar anbieten. Käufer einer kompletten Staffel dürfen darüber hinaus eine DVD mit stilgerechter Verpackung erwerben - und zwar allein gegen die Erstattung der Portokosten!

Mit der Fertigstellung von Tales of Monkey Island geht man gar einen Schritt weiter und bietet schicke Sammlereditionen an. Während euch in der Schachtel zu Guybrush Threepwoods Abenteuer solch neckische Sachen wie eine Stoff- oder eine Tarot-Karte erfreuen, schlummern in der Box zu Back to the Future Doc Browns handgekritzelte Notizen und im Fall von Jurassic Park ein stilechter ID-Ausweis.

Nima Cruz ist zwar auch nicht gerade begeistert von Jurassic Park: The Game, aber immerhin gibt es von dem Spiel eine schöne Collector's Edition mit schicken Goodies. Quelle: Telltale Nima Cruz ist zwar auch nicht gerade begeistert von Jurassic Park: The Game, aber immerhin gibt es von dem Spiel eine schöne Collector's Edition mit schicken Goodies. Leider verzichtet Telltale mittlerweile schon seit einiger Zeit auf diesen Service und stellt sogar den Verkauf ihrer Merchandising-Artikel - beispielsweise Soundtrack-CDs der Sam & Max-Spiele - ein. Stattdessen könnt ihr die Telltale-Serien nun ganz normal im Laden kaufen, auch wenn auf den DVDs oder Blu-rays der ersten Auflage nur eine Episode schlummert und der Rest dann doch per Internet heruntergeladen werden muss. Deshalb lohnt es sich zu warten und die Spiele erst nach Vollendung der Staffel zu erwerben. Dann ergattert ihr im Fall von Minecraft: Story Mode gar eine Version, die selbst auf dem PC komplett ohne Steam-Zwang auskommt und somit an Telltales ursprüngliche Kundenfreundlichkeit erinnert.


Die Protagonisten von Tales from the Borderlands befinden sich mal wieder in einer brenzligen Situation. Quelle: Telltale Die Protagonisten von Tales from the Borderlands befinden sich mal wieder in einer brenzligen Situation. Telltale ergattert abseits der Untoten-Saga weitere Lizenzen und entscheidet sich bei The Wolf Among Us für einen Comic, der weitaus weniger berühmt ist: Fables von Bill Willingham. Dafür ist die Prämisse hier umso gewitzter: Zahlreiche berühmte Fabel- sowie Märchenwesen verlassen ihre Heimatwelt und residieren in einem eigens für sie geschaffenen Viertel mitten in Manhattan. Ihr übernehmt die Rolle von Bigby Wolf, dem ehemals großen, bösen Wolf, der inzwischen geläutert ist und als Sheriff von Fabletown eine grausige Mordserie aufklärt. Die Entscheidung, diese bei vielen unbekannte Marke direkt auf den Erfolg der ersten Staffel The Walking Dead folgen zu lassen, wirkt ungewöhnlich, doch man merkt auch dem Spiel um den haarigen Gesetzeshüter an, dass Telltale bei der Entwicklung mit viel Leidenschaft und Kreativität zu Werke ging. The Wolf Among Us ist für Nichtkenner des Comics überraschend düster, weshalb die Kulisse an verruchte New Yorker Stadtbezirke wie die Bronx erinnert. Die meisten Märchenfiguren sind weit von einem "glücklichen Leben bis ans Ende ihrer Tage" entfernt, weshalb selbst solche Traumpaare wie die Schöne und das Biest mit ernsthaften Eheproblemen kämpfen.

Spielerisch hat sich gegenüber The Walking Dead indes wenig verändert, weshalb der Fokus erneut auf dem Erzählen einer Geschichte und der Wahl eurer Dialoge liegt. Die Auflösung der Mordserie ist stets die gleiche, aber immerhin dürft ihr euch ab und an im Rahmen eurer Ermittlungen zwischen dem Besuch unterschiedlicher Orte entscheiden. Somit müsst ihr The Wolf Among Us zumindest zweimal komplett durchspielen, falls ihr jedes Szenario erleben wollt.

Erwartungen contra Ergebnisse

2014 startet Telltale gleich zwei neue Adventure-Serien und sorgt vor allem mit der Ankündigung von Game of Thrones aufgrund der Popularität der Bücher sowie der Fernsehserie für viel Enthusiasmus und Vorfreude. Bei Tales from the Borderlands fragt man sich hingegen, inwiefern ein interaktiver Film über eine Shooter-Franchise ohne große Story überhaupt Sinn ergibt.

Die neue, harte Realität von The Walking Dead ist Lee Everett sichtlich ins Gesicht geschrieben. Quelle: Telltale Die neue, harte Realität von The Walking Dead ist Lee Everett sichtlich ins Gesicht geschrieben. Lustigerweise entspricht letztlich keines die beiden Spiele seinen Erwartungen. Game of Thrones entpuppt sich im Nachhinein als eine weniger gelungene Wahl, weil ihr die berühmten Charaktere aus der Serie selten zu Gesicht bekommt und stattdessen die Geschicke rund um das Haus Forrester lenkt, das zuvor nur am Rande in den Büchern vorkam. Telltale bleibt dafür dem harschen Tonfall der Fantasy-Vorlage treu und konfrontiert euch gleich in der ersten Episode mit dem überraschenden Tod eines zentralen Charakters. Leider habt ihr im Gegensatz zu The Walking Dead nicht das Gefühl, dieses Schicksal in irgendeiner Form beeinflusst zu haben, und fühlt euch deshalb wie eine hilflose Marionette. Ferner ist das Finale der auf sechs Episoden ausgelegten Staffel lückenhaft und unbefriedigend. Zwar liebäugelt Telltale Games laut eigener Aussage mit einer Fortsetzung, allerdings gibt es diesbezüglich noch keine konkrete Ankündigung. Wir hoffen deshalb, dass Game of Thrones nicht das gleiche Schicksal erleidet wie Bone.

Auf der anderen Seite entpuppt sich Tales from the Borderlands als echter Überraschungs-Hit - es gilt mit als das Beste, was Telltale Games bislang abgeliefert hat. Ihr steuert die Charaktere Rhys und Fiona, die von einem mysteriösen Fremden gefangen genommen werden. Beide erzählen abwechselnd ihre jeweilige Geschichte, wie sie sich kennengelernt haben und welche Rolle sie bei der Suche nach einem der begehrten Vault-Schlüssel spielen. Weil die Handlung aus frei erzählten Rückblenden besteht, wird die Wahrheit gerne mal à la Tim Burtons Big Fish gedehnt und das eine oder andere Ereignis bewusst überzogen dargestellt. Tales from the Borderlands begeistert vor allem dank seines übersprudelten Witzes, den slapstickartigen Actionszenen und den liebevollen Schwächen sämtlicher Charaktere, über die sich das Spiel immer wieder lustig macht. Das Setting, eine Mischung aus Endzeit und Steampunk, ist ebenfalls wie geschaffen für ein Abenteuer voller Pointen und Sarkasmus. Zwar sind die Rätsel weiterhin selbsterklärend, aber dafür könnt ihr immerhin ein paar versteckte Schätze finden und euch zum Beispiel eine schickere Karosserie für euer Fahrzeug leisten.

Story statt Craften

2015 und 2016 erscheinen erneut zwei voneinander unabhängige Adventure-Serien, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Minecraft: Story Mode ist mit weitem Abstand die skurrilste Lizenz, für die sich der Entwickler bislang entschieden hat. Ernsthaft: Wie soll aus einem riesengroßen, digitalen Lego-Baukasten, dessen Welt per Algorithmus generiert wird und der komplett ohne Gesprächspartner auskommt, ein Adventure mit einer sinnvollen Handlung entstehen?

Die Wahl zwischen vier möglichen Dialogoptionen ist auch in The Wolf Among Us das zentrale Spielelement. Quelle: Telltale Die Wahl zwischen vier möglichen Dialogoptionen ist auch in The Wolf Among Us das zentrale Spielelement. In der Tat wird Minecraft: Story Mode von der Kritik eher schlecht aufgenommen. Die Blockgrafik, die im Original aufgrund des Spielprinzips noch Sinn ergibt, wirkt im interaktiven Film befremdlich und aufgesetzt. Die Geschichte gleicht einem stereotypischen Abenteuer, bei dem ihr euch als zunächst belächeltes Mitglied der Gesellschaft auf die Suche nach einer legendären Heldengruppe macht und gemeinsam mit ihr einen hochgefährlichen Withersturm bekämpft. Der Plot ist demnach wenig originell, und der Bezug zur Minecraft-Welt wirkt bemüht. Zwar müsst ihr ab und an genau wie im Originalspiel diverse Objekte bauen, bekommt hierfür jedoch ohne weiteres Zutun die nötigen Bauteile wie auch die erforderliche Anleitung zugeschustert.

Der Grund, warum Minecraft: Story Mode letztlich doch Spaß machen kann, liegt erneut an der Qualität der Dialoge und der Charaktere. Diese sind zwar bei Weitem nicht so gewitzt wie jene in Tales from the Borderlands, sorgen aber in ein paar Szenen doch für Laune. Und zumindest Telltale selbst scheint viel Freude am Minecraft-Universum gehabt zu haben und hat die ursprünglich auf fünf Episoden ausgelegte Staffel um drei weitere gestreckt. Frech war hier allerdings, dass die Story der im Season-Pass enthaltenen Staffel bereits nach vier Folgen fertig erzählt war und die fünfte Episode schon der Auftakt der Story der zusätzlichen drei Episoden war. Für die sollte man aber selbstverständlich extra zahlen.

Ich bin Batman!

Batmans Anzug sieht auch in Telltales stereotypischer Comicgrafik richtig fesch aus. Quelle: Telltale Batmans Anzug sieht auch in Telltales stereotypischer Comicgrafik richtig fesch aus. Während Telltale in nahezu jedem ihrer Spiele eine bereits existierende Handlung weiterführt, gleicht Batman einem Paralleluniversum. Ihr begegnet von Harvey Dent über Selina Kyle bis hin zu Carmine Falcone lauter bekannten Persönlichkeiten, deren Gesinnungen ihr bereits aus unzähligen Comics und Filmen kennt. Doch der Entwickler wirbelt den allseits beliebten Plot rund um den dunklen Ritter dank einiger alternativen Fakten durcheinander, wenn er beispielsweise Bruce Waynes Eltern mit kriminellen Machenschaften in Verbindung bringt.

Unterm Strich liegt Batman qualitativ irgendwo zwischen The Walking Dead/Tales from the Borderlands und Game of Thrones/Minecraft: Die Geschichte ist gut geschrieben, die comichafte Präsentation wird der Vorlage gerecht und spielerisch erinnern die Rätsel wenigstens ansatzweise an die alten Telltale-Adventures, wenn sie euch zur Untersuchung eines Tatorts und zur korrekten Kombination zweier zusammenhängender Spuren zwingen. Analysiert man die letzten Telltale-Jahre, wird schnell klar: Kaum ein Spiel hat die Philosophie eines Entwicklers derart beeinflusst wie The Walking Dead und es ist mehr als offensichtlich, dass man sich aufgrund des Erfolges komplett von seinen LucasArts-Wurzeln getrennt hat. Dabei stellt sich die Frage: Ist dies nun gut oder schlecht?

Geschichten als Schlüsselelement

Die Antwort ist selbstverständlich nicht so einfach: Natürlich hat Tell­tale Games dank The Walking Dead gemerkt, dass eine brillant erzählte Geschichte unter Umständen beliebter ist als ein cleveres Rätseldesign. Das wiederum liegt in der Natur der Adventures begründet, die nicht ohne Grund nach der Jahrtausendwende bereits für tot erklärt wurden und erst durch den Aufstieg der Indie-Szene neues Leben eingehaucht bekamen.

Klassische Rätsel, bei denen ihr Objekte kombiniert, Schalter in der korrekten Reihenfolge betätigt oder Antagonisten nur mit den richtigen Dialogen austrickst, bergen stets eine hohe Frustgefahr, sobald der Spieler nicht von alleine auf die richtige Lösung kommt. Aus diesem Grund sind Point&Click-Abenteuer einerseits bei Genre-Fans beliebt, für alle anderen jedoch ein Nischengenre. Die Formel, die Telltale Games seit The Walking Dead anwendet, mag sehr simpel sein, sie ist jedoch für jedermann zugänglich. Gleichzeitig sorgt die typische Telltale-Qualität der Geschichten, Dialoge und Charaktere für eine positive Resonanz auch bei denen, die sich vielleicht mehr Spiel anstatt Film wünschen. Anders ausgedrückt: Gute und vertrackte Rätsel machen eine kleine Gruppe glücklich, während der Rest vielleicht sogar verschreckt ist. Telltale Games erfreut hingegen die Masse, während der nach Spieltiefe dürstende Veteran zumindest ordentlich unterhalten wird.

Womit gleich die nächste Frage aufkommt: Wenn der Erfolg mit den Geschichten und den Dialogen zusammenhängt, würden diese nicht auch genauso gut als passiver Film oder TV-Serie funktionieren? Die Antwort ist ein ganz klares "Nein!", wobei wir erneut auf den Bluff mit den eingeblendeten Textzeilen verweisen. Der gleiche Trick würde auf der Leinwand schlicht nicht funktionieren, weil ihr dort eben ein reiner Zuschauer seid.


Exkurs: Anbiederung an Casual-Gelüste

Abseits der großen Lizenzen versuchte Telltale immer wieder Gelegenheitszocker abzugreifen.
Der Grafikstil des grässlichen Law & Order: Legacies ist noch das Beste am ganzen Spiel. Quelle: Telltale Der Grafikstil des grässlichen Law & Order: Legacies ist noch das Beste am ganzen Spiel.
Im Telltale-Portfolio stecken nicht nur die im Fließtext erwähnten Adventure-Serien, sondern auch ein paar Nischentitel, die sichtlich für den Casual-Markt konzipiert wurden. Zum einen tretet ihr in Poker Night at the Inventory (2010) und Poker Night 2 (2013) gegen illustre Figuren wie Ash Williams aus den Evil Dead-Filmen oder den Heavy Weapons Guy aus Team Fortress 2 zu Kartenduellen an. Zum anderen müsst ihr in den beiden Puzzle Agent-Spielen zahlreiche Denkspielrätsel lösen, was stark an die Professor Layton-Serie für Nintendo DS erinnert.

So langweilig wie dieser Büroschreibtisch aussieht, so langweilig sind auch die CSI-Spiele von Telltale Games. Quelle: Telltale So langweilig wie dieser Büroschreibtisch aussieht, so langweilig sind auch die CSI-Spiele von Telltale Games. Während diese Spiele durchaus gefallen, sind die vier Titel rund um die amerikanische TV-Serie CSI weniger berühmt. Die Grafik wirkt vom ersten bis zum letzten Teil hässlich, und die Ermittlungen, bei denen ihr Spuren suchen sowie Zeugen befragen müsst, ziehen sich wie Kaugummi. Oft habt ihr das Gefühl, dass ihr in einer Sackgasse steckt. Dabei fehlt euch meist nur ein doofer Hinweis, den ihr bis dato übersehen habt und ohne den davon unabhängige Ereignisse nicht stattfinden.

Puzzle Agent sieht auf den ersten Blick wie ein Point&Click-Adventure aus, ist aber eine Sammlung von Denksportaufgaben. Quelle: Telltale Puzzle Agent sieht auf den ersten Blick wie ein Point&Click-Adventure aus, ist aber eine Sammlung von Denksportaufgaben. Das Schlusslicht im Telltale-Katalog bildet Law & Order: Legacies von 2012: Während die Polygon-Abbilder der TV-Charaktere gar nicht mal schlecht aussehen, reduziert sich das Spieldesign größtenteils auf das Befragen von Personen. Dabei müsst ihr nach so gut wie jeder Antwort mutmaßen, ob euer Gegenüber gelogen hat, und eure Meinung obendrein begründen. Bereits der erste von insgesamt sieben Fällen verkommt zu einem schnarchigen Trial&Error-Gerate, weil die Logik hinter den korrekten Angaben kaum ersichtlich ist. Man merkt, dass in die interaktiven Krimis kaum Mühe gesteckt wurde.


Im Fall von The Walking Dead kommt noch das Moraldilemma hinzu, weshalb ihr euch als aktiver Spieler viel deutlicher die Frage stellt: Wie würde ich eigentlich in solch einer Ausnahmesituation handeln? Die Antwort ist vielleicht nicht immer schön, aber für die meisten eine interessante Erfahrung.

Die Gefahr des Stillstands

Trotzdem muss das US-Studio aufpassen, seine Erfolgsformel nicht zu überreizen. Spätestens mit Game of Thrones sind Stimmen laut geworden, dass sich von Telltale-Serie zu Telltale-Serie im Prinzip kaum etwas verändert und der Zauber hinter der Suggestion der Handlungsfreiheit so langsam erlischt. Telltale Games' ursprünglicher Fokus auf Kreativität, der sich insbesondere im Laufe der Sam & Max-Serie sichtlich gesteigert hatte, ist einer stets gleich ablaufenden Entwicklungsmaschine gewichen.

Auf der einen Seite können die Kalifornier das Problem weiterhin geschickt umgehen, indem sie sich fleißig neue Lizenzen suchen. Dieser Weg hat bislang schließlich hervorragend funktioniert, weil The Walking Dead aufgrund der emotionalen Atmosphäre, Tales from the Borderlands dank seines Humors und The Wolf Among Us wegen seiner interessanten Grundprämisse jeweils genügend eigene Reize besitzen. Der Nachteil der mangelnden Beweglichkeit der Designer zeigt sich aber immer wieder bei den minimalistischen Rätseln, bei denen man nicht selten denkt: Das hätte durchaus knackiger sein können! Last but not least zeigen Fälle wie Game of Thrones, dass selbst hochkarätige Lizenzen kein Garant für entsprechend hohen Spielspaß sind.

Wir meinen: Es wäre sehr begrüßenswert, wenn Telltale Games sich wenigstens ab und zu an ihre alte Philosophie erinnert und zeigt, dass sie auch anders können. Ansonsten landet der Entwickler auf ewig in der immer gleichen Schublade. Das wiederum wäre gar nicht notwendig, denn obwohl die Spiele von damals kaum noch jenen von heute gleichen, so haben sie eine unbestreitbare Gemeinsamkeit: Sie erzählen tolle Geschichten mit interessanten Charakteren.

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    • Kommentare (7)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Neawoulf Mitglied
        Ich kann auch nicht viel mit dem Genre-Wechsel anfangen. Die aktuellen Telltale-Spiele erzählen tolle Geschichten mit interessanten Charaktere (The Walking Dead Season 1 fand ich damals ziemlich gut), aber ich persönlich mag es lieber, wenn ich auch spielerisch gefordert werde und die kleinen grauen Zellen ein wenig arbeiten dürfen. Außerdem erkunde ich gerne Spielumgebungen in meinem eigenen Tempo, anstatt mich linear von Event A zu Event B zu Event C usw. transportieren zu lassen. Da hat mir zumindest Life is Strange besser gefallen. Da gibt's zwar keine Puzzles und man kann auch nicht nach Lust und Laune zwischen verschiedenen Locations hin- und herreisen, aber es gibt innerhalb der Locations einfach sehr viel zu entdecken, was der Story und den Charakteren mehr Tiefe gibt. Dennoch sind mir rein spielerisch klassische Point & Click Adventures a la Lucas Arts, Daedalic, Wadjet Eye Games etc. deutlich lieber.

        Apropos Daedalic: Ich hoffe, die entwickeln sich nach dem Erfolg von Silence nicht in eine ähnliche Richtung, wie Telltale. Zumindest nicht vollständig. Ich will auch in Zukunft weitere Poki-Spiele im Stil von Edna bricht aus und Deponia spielen.

        Da jemand das Myst-Genre erwähnt hat: Hab ich immer geliebt :) Leider gab es da aber auch viele lieblos dahingeklatsche Kopien. Die Originale (Myst und Riven und auch ein paar Klone, wie z. B. Rama und Frankenstein - Through the Eyes of the Monster) haben mir aber ne Menge Spaß gemacht. Zuletzt brachte Cyan letztes Jahr per Crowdfunding einen inoffiziellen Myst-Nachfolger raus, Obduction. War ein schönes Spiel, auch wenn man Richtung Ende ein wenig gemerkt hat, dass das Budget knapp wurde. Ich hoffe, dass das nicht das letzte Cyan-Spiel in dem Stil war. Das Obduction-Universum hat definitiv Potential, auch wenn ich persönlich die Bücher aus dem Myst-Unversum ein wenig faszinierender fand.
      • Von Neawoulf Mitglied
        Ich kann auch nicht viel mit dem Genre-Wechsel anfangen. Die aktuellen Telltale-Spiele erzählen tolle Geschichten mit interessanten Charaktere (The Walking Dead Season 1 fand ich damals ziemlich gut), aber ich persönlich mag es lieber, wenn ich auch spielerisch gefordert werde und die kleinen grauen Zellen ein wenig arbeiten dürfen. Außerdem erkunde ich gerne Spielumgebungen in meinem eigenen Tempo, anstatt mich linear von Event A zu Event B zu Event C usw. transportieren zu lassen. Da hat mir zumindest Life is Strange besser gefallen. Da gibt's zwar keine Puzzles und man kann auch nicht nach Lust und Laune zwischen verschiedenen Locations hin- und herreisen, aber es gibt innerhalb der Locations einfach sehr viel zu entdecken, was der Story und den Charakteren mehr Tiefe gibt. Dennoch sind mir rein spielerisch klassische Point & Click Adventures a la Lucas Arts, Daedalic, Wadjet Eye Games etc. deutlich lieber.

        Apropos Daedalic: Ich hoffe, die entwickeln sich nach dem Erfolg von Silence nicht in eine ähnliche Richtung, wie Telltale. Zumindest nicht vollständig. Ich will auch in Zukunft weitere Poki-Spiele im Stil von Edna bricht aus und Deponia spielen.

        Da jemand das Myst-Genre erwähnt hat: Hab ich immer geliebt :) Leider gab es da aber auch viele lieblos dahingeklatsche Kopien. Die Originale (Myst und Riven und auch ein paar Klone, wie z. B. Rama und Frankenstein - Through the Eyes of the Monster) haben mir aber ne Menge Spaß gemacht. Zuletzt brachte Cyan letztes Jahr per Crowdfunding einen inoffiziellen Myst-Nachfolger raus, Obduction. War ein schönes Spiel, auch wenn man Richtung Ende ein wenig gemerkt hat, dass das Budget knapp wurde. Ich hoffe, dass das nicht das letzte Cyan-Spiel in dem Stil war. Das Obduction-Universum hat definitiv Potential, auch wenn ich persönlich die Bücher aus dem Myst-Unversum ein wenig faszinierender fand.
      • Von HonestLazyBum Mitglied
        Als Adventureliebhaber hab ich viel erlebt in der Entwicklung des Genres und während ich manchmal Titel im Stile von Discworld oder Monkey Island vermisse, so gibt es sie gelegentlich ja immer noch. Dass es dazu seit einigen Jahren noch mehr Vielfalt gibt kann ich nur begrüßen. Je nach Lust und Laune bin ich daher mal eher zu diesem Typ oder mal zu jenem Typ Spiel mehr geneigt, kann aber definitiv mit beiden Varianten etwas anfangen.

        Was mich wirklich immer schon genervt hat und was zum Glück immer seltener geworden ist, sind unlogische Puzzle - jeder Veteran des Genres wird sich da an seine eigenen Negativbeispiele erinnern können. Für mich persönlich.. ich sag nur gefrorener Regenwurm um an einen Schlüssel zu gelangen. Bin ich froh dass das vorbei ist.

        Das einzige Subgenre an Adventures dem ich niemals irgendwas abgewinnen konnte hingegen sind Titel im Myst Stil. Ich verstehe ihre Faszination für Manche bis heute nicht aber deshalb sind sie nicht weniger willkommen. Abwechslung hat noch nie geschadet :)
      • Von WeeFilly Mitglied
        Schade finde ich diesen Niedergang. Während Sam & Max: Season 1 noch knackige Rätsel, tollen Humor etc. lieferte, findet man davon ja heute gar nichts mehr... Ein Marken-Abklatsch jagt den nächsten, das Gamplay kann man mit der Lupe suchen... Bin ich kein Freund von. :(
      • Von hawkytonk Mitglied
        Zitat von RedDragon20
        ...
        Ermüdungserscheinungen sind irgendwann vorprogrammiert.
        --Vorprogrammiert-- sowieso. ;-)
      • Von Pherim Mitglied
        "Dann ergattert ihr im Fall von Minecraft: Story Mode gar eine Version, die selbst auf dem PC komplett ohne Steam-Zwang auskommt und somit an Telltales ursprüngliche Kundenfreundlichkeit erinnert."

        Es gibt doch die meisten Telltale-Games auch auf GOG und damit ebenfalls ohne Steam-Zwang? Oder ging es da nur um die Ladenversionen?
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