Urban Empire: Test zum Städtebausimulator mit Politiksystem und Bürgermeisterwahlen

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Grafikfilter und leicht unübersichtliche Infografiken mit Icons verraten euch als Bürgermeister, wo die Problemzonen in eurer Stadt liegen.
Quelle: PC Games

Urban Empire macht euch zum Bürgermeister. Kann der dröge Alltag eines Lokalpolitikers als Blaupause für ein unterhaltsames Spiel herhalten? Oder bleibt Cities: Skyline das Nonplusultra im Genre? Die Antwort gibt es im Test.

Mit Stadtsimulationen aus Finnland haben PC-Spieler zuletzt gute Erfahrungen gemacht: 2015 setzte das kleine Studio Colossal Order mit Cities: Skylines einen neuen Maßstab im Genre. Ein Jahr später will es Reborn Interactive den Landsleuten gleichtun. Doch Urban Empire unterscheidet sich im Test in einem Punkt drastisch von der Konkurrenz: Es ist kein sogenannter "City Builder", sondern ein "City Ruler".

Bedeutet: Ihr dürft als Bürgermeister nicht nach Lust und Laune neue Dis­trikte, Schulen und Polizeigebäude aus dem Boden stampfen, sondern müsst euch dafür streng nach demokratischen Regeln erst einmal die Zustimmung im Stadtrat besorgen. Das hat zwangsläufig zur Folge, dass sich der Spielablauf gerade zu Beginn einer Partie deutlich zäher gestaltet als anderswo. Ihr wollt ein neues Stadtviertel zur Besiedlung freigeben? Abstimmung abwarten! Die wachsende Industrie benötigt einen Bahnhof? Erst mal sehen, ob euch die Parteien bei diesem Bauvorhaben unterstützen!

Wo man in Cities: Skylines schnell (und auf Dauer auch einen Tick zu einfach) eine schmucke, emsige Stadt aus dem Boden stampft, mahlen die Mühlen in Urban Empire langsamer. Der zähe Spielablauf wird durch knappe Finanzmittel und einen schwierigen Einstieg nicht eben beschleunigt; das Tutorial erklärt nur die Grundzüge, schon bald wünscht man sich mehr Transparenz und zusätzliche Informationen. Das kann zuweilen zu Frust führen. Wer Spaß an Urban Empire haben will, sollte also eine gewisse Einarbeitungszeit mit einplanen!

Urban Empire im Review: Wenig Inhalt

Wohnhäuser, Geschäfte und Fabriken entstehen automatisch, Service-Gebäude mit Einflussradien wie die Schule platziert ihr von Hand. Quelle: PC Games Wohnhäuser, Geschäfte und Fabriken entstehen automatisch, Service-Gebäude mit Einflussradien wie die Schule platziert ihr von Hand. Die Kampagne ist das Herzstück von Urban Empire und spielt sich wie ein Endlosmodus ohne Zwischensequenzen und Story-Beiwerk. Dabei stehen lediglich drei Karten zur Auswahl. Dazu gibt es drei optionale Szenarien, in denen ihr nicht wie in der Kampagne bei null anfangt, sondern in einer bestehenden Stadt vorgegebene Aufgaben erfüllen müsst. Einen Editor gibt es nicht und auch die bei Cities: Skylines so populäre Modding-Unterstützung fehlt. Der Umfang ist somit vergleichsweise mickrig, allerdings könnt ihr in der Kampagne und in jedem Szenario genretypisch viele Stunden verbringen.

Der zur Verfügung stehende Baugrund auf den Maps ist jedoch zu gering - richtig große Metropolen lassen sich so kaum errichten. Doch selbst bei mittelgroßen Städten stört die mangelnde Übersicht, denn die Kamera lässt sich nicht weit genug herauszoomen, um die komplette Siedlung im Blick zu haben. Schade: Trotz dieser Maßnahme ruckelt Urban Empire, wenn sehr viele Gebäude gleichzeitig auf dem Bildschirm zu sehen sind.

Die fehlerhafte Kollisionsabfrage lässt die spärlich animierten Fahrzeuge und Passanten durcheinander gleiten. Quelle: PC Games Die fehlerhafte Kollisionsabfrage lässt die spärlich animierten Fahrzeuge und Passanten durcheinander gleiten. Davon abgesehen ist die Steuerung aber gelungen: Die Menüs sind kaum verschachtelt und besonders das Anlegen neuer Distrikte, in die anschließend selbstständig neue Einwohner ziehen, gestaltet sich mit wenigen Mausklicks sehr komfortabel. Im Gegensatz zu Sim City & Co. legt ihr nicht den Verlauf einzelner Straßen fest, das übernimmt eine Automatikfunktion. Dadurch geht dem Spieler Kontrolle verloren, zumal auch das genretypische Ausweisen von Wohn-, Gewerbe- und Industrievierteln nicht in gewohnter Weise funktioniert. Stattdessen entscheidet auch hier das Spiel zumindest anfangs selbst über den Mix - erst im späteren Spielverlauf lässt sich das Verhältnis anpassen. Zahlreiche Forschungen lassen sich freischalten, die euch technischen Fortschritt und neue Gebäude bringen. Quelle: PC Games Über den umfangreichen Forschungsbaum schaltet ihr neue Technologien, Gebäude und Maßnahmen frei. Da eine Partie im Spiel bis zu 200 Jahre vom Beginn der Industrialisierung bis in die Moderne umspannt, verändert sich das Stadtbild mit der Zeit. Ein umfangreicher, ins fünf Segmente unterteilter Forschungsbaum erlaubt das Freischalten neuer Gebäude, Gesetzesvorschläge, Aktionen, Bezirksregelungen und mehr. Das macht viel Spaß und hält die Motivation hoch, zumal mit zunehmenden Spielfortschritt immer neue Optionen und komplexere Aktionen verfügbar werden. Der Spielfluss ist zwar bei weitem nicht ganz so gut wie in Cities: Skylines, dennoch hält Urban Empires durch wohldosierte Abwechslung frustresistente Spieler einigermaßen bei Laune.

Die Bedürfnisse der Bewohner und deren Befriedigung sind mal wieder oberstes Spielziel. Sechs Stück gibt es, darunter Sicherheit, Fortbildung, Gesundheit und Entertainment. Wer diese Bedürfnisse abdeckt, indem er Gebäude wie Krankenhäuser und Schulen errichtet, darf sich nicht nur über zufriedene Bürger und blühende Industriezweige freuen, auch die Parteien sind einem wohlwollender gestimmt, wenn in der Stadt alles glatt läuft. Wichtiges Detail: Bildungs­gebäude generieren nebenbei auch noch Forschungspunkte. Wer damit fleißig neue Technologien erforscht, kann den Wissenschaftssieg erringen, eine von fünf Siegbedingungen. Im Stadtrat wird durch politische Abstimmungen darüber entschieden, wie sich die Stadt entwickelt. Als Spieler versucht ihr, natürlich eure Vorschläge durchzusetzen. Quelle: PC Games Regelmäßige Abstecher zum Stadtrat sind nötig, um über Gesetzesvorhaben und den Bau neuer Distrikte oder öffentlicher Gebäude abzustimmen.

Der politische Prozess

Wie eingangs erwähnt, stehen auf unserer Tagesordnung als Bürgermeister aber nicht nur der Auf- und Ausbau unserer Stadt, sondern eben auch die dazugehörige Politik. Wollen wir das Budget des Gesundheitssektors erhöhen oder ein neues Gesetz verabschieden, müssen wir dafür in den Stadtrat. Über den Erfolg einer Gesetzesvorlage wird demokratisch per einfachem Mehrheitsentscheid abgestimmt, wobei sich die anfangs drei im Rat vertretenen Parteien aus wichtigen Bürgern unserer Stadt zusammensetzen, die bestimmte politische Ansichten vertreten. Bevor ein Gesetz eingebracht wird, können wir anhand einer Prognose absehen, wie viele Ja- und Nein-Stimmen zu erwarten sind, wie viele Wähler noch unentschlossen sind und wie die unterschiedlichen Parteien grundsätzlich zu dem jeweiligen Vorschlag stehen.

So nahe ans Geschehen kommt ihr nur im per Tastendruck aktivierbaren Screenshot-Modus. Quelle: PC Games So nahe ans Geschehen kommt ihr nur im per Tastendruck aktivierbaren Screenshot-Modus. Um das Risiko einer Ablehnung zu senken, können wir die Parteien beeinflussen, was uns zwar Ja-Stimmen sichert, unter Umständen aber unser Ansehen bei den Abgeordneten senken kann. Mit der Parteilinie kompatible Entscheidungen verschaffen uns Wohlwollen - das kann als politisches Kapital eingesetzt werden, um für einen Vorschlag zu werben. Dabei dürfen wir entweder höflich bitten, Druck ausüben oder drohen - ob unsere Maßnahme von Erfolg gekrönt ist, hängt zum einen von unserem Verhältnis zur Partei ab, zum anderen aber auch zu einem kleinen Teil vom Zufall. Die Zusammensetzung des Stadtrates ändert sich zudem im Verlauf des Spiels durch die Entstehung neuer Parteien und die regelmäßigen Parteienwahlen. Sich zum Beispiel mit dem linken Flügel gut zu stellen, bringt also nur etwas, wenn dieser auch dauerhaft mit vielen Abgeordneten vertreten ist.

Ab einer bestimmten Epoche kommen zudem Bürgermeisterwahlen hinzu. Verlieren wir diese gegen einen von den Parteien aufgestellten Kandidaten, heißt es Game Over. Für Notfälle kann man Prestige-Punkte nutzen, um die Entscheidung des Rates dennoch zu überstimmen. Diese Prestige-Punkte verdienen wir in erster Linie dadurch, dass wir die Bürger unserer Stadt langfristig glücklich machen. Störend: Zwar gibt's vor jeder Abstimmung eine Wahlprognose, doch so richtig nachvollziehbar verhalten sich die Parteien unserer Erfahrung nach nicht. Zudem geht es letztlich immer nur ums Geld; wer durch Steuererhöhungen ein ausreichendes Budget hat, kann ungestört bauen. Doch ist man einmal zu Beginn in der Schuldenfalle gefallen, gibt es keinen Ausweg mehr - da hilft nur noch das Laden eines älteren Spielstands!

Regelmäßig ist eure Eingabe bei Ereignissen gefragt; die Konsequenzen lassen sich vorab allenfalls erahnen. Quelle: PC Games Regelmäßig ist eure Eingabe bei Ereignissen gefragt; die Konsequenzen lassen sich vorab allenfalls erahnen. Beim Test schlich sich zuweilen Tristesse in den Spielablauf, besonders wenn nach der herausfordernden Anfangsphase die Einnahmequellen etwa durch höhere Steuern gesichert sind und einem der wirtschaftliche Erfolg auch politische Vorteile verschafft. Mit Zufallsereignissen versucht Urban Empire, aus dem Trott auszubrechen. Je nach Epoche und Stadtzustand stellt uns das Spiel vor Dilemmas, für deren Lösung wir uns zwischen mehreren Verhaltensweisen entscheiden müssen. Dabei handelt es sich zwar nur um banale Textfenster, die Themen sorgen aber für Spannung. So drängt sich im Industriezeitalter etwa die Frage nach dem Umgang mit Kinderarbeit auf, auch Frauenrechte oder gleichgeschlechtliche Eheschließungen stehen auf dem Programm. Unsere Entscheidungen haben Konsequenzen wie ein sinkendes Ansehen oder Konflikte mit einer bestimmten Partei.

Da es eine große Bandbreite an Ereignissen gibt, kommt theoretisch nicht so schnell Langweile auf. Praktisch verringen aber die dröge Präsentation und der geringe Wuselfaktor auf Dauer den Spaß am Zuschauen, von der sich ständig wiederholenden Musik ganz zu schweigen. Dazu kommt der Umstand, dass sich vor einer Entscheidung selbst mit viel Fantasie nicht immer abschätzen lässt, was für Konsequenzen eine bestimmte Wahloption haben wird. Hier hilft nur häufiges Speichern.

Urban Empire gibt es zum Preis von 40 Euro auf Steam zu kaufen. Auch die im Laden erhältliche DVD-Version benötigt einen Steam-Account. Dagegen kommt das Angebot auf Gog.com komplett ohne Kopierschutz aus.

Meinung

Wertung zu Urban Empire (PC)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Einzigartige Kombination aus Aufbau und PolitikÜberwiegend eingängige SteuerungMotivierende ForschungsoptionenViele Ereignisse sorgen für Abwechslung
Spröde PräsentationKein StraßenbauZuweilen fehlende TransparenzWenige Szenarios & KartenSchwerer Einstieg, später zu leichtSimples WirtschaftssystemKamera lässt sich nicht weit genug herauszoomenMusik wiederholt sich oftVereinzelte Ruckler

Bildergalerie

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    • Kommentare (3)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von WeeFilly Mitglied
        Der Artikel liest sich aber nach mehr als 61%! :)
      • Von WeeFilly Mitglied
        Der Artikel liest sich aber nach mehr als 61%! :)
      • Von duncan10r Anfänger/in
        Schade. Ich hatte mich echt auf das Spiel gefreut. Solche Art von Spielen wächst ja beileibe nicht auf Bäumen in diesen Zeiten. So ist es ne vertane Chance. Schade drum
      • Von Weissbier242 Spiele-Enthusiast/in
        Eigentlich wollte Ich es vorbestellen, gut mal gewartet zu haben :)
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