Watch Dogs 2 im Test: Hippe Hacker und verpasste Chancen - jetzt mit PC-Wertung
Wir haben die Kampagne von Watch Dogs 2 komplett durchgespielt, sämtliche Nebenaufgaben bewältigt und uns durch die verschiedenen Online-Modi geschlagen. Macht die Reihe den ersehnten Schritt nach vorne? Die Antwort gibt euch unser ausführlicher Test der PS4-Fassung des Hacker-Abenteuers.
Als vor etwa zweieinhalb Jahren das heiß erwartete Watch Dogs erschien, war es zwar ein gutes Spiel, scheiterte aber am selbst kreierten Hype. Der Held war eine Schlaftablette, die anderen Figuren vollkommen austauschbar, die MIssionen ließen oftmals etwas Abwechslung vermissen, die Grafik entsprach nicht den zuvor gezeigten Spielszenen und auch sonst ließ der Titel haufenweise Potenzial liegen. Mit dem zweiten Teil soll nun alles anders werden. Neuer Protagonist, neues Setting, mehr Hacking-Fähigkeiten und natürlich mehr Humor. Der immerzu bierernste Aiden Pearce weicht also für den stets gut gelaunten Marcus Holloway, dem die flotten Sprüche manchmal schneller über die Lippen kommen als Eddie Murphy in Beverly Hills Cop. So ein kompletter Stilbruch ist zunächst mal interessant und Ubisoft bewies schließlich auch schon mit der Assassin's Creed-Reihe, dass sie wissen, wie sie aus einem ersten Teil, der Potenzial verschenkt, einen starken Nachfolger bauen. Diesmal klappt das jedoch nicht so ganz.
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Watch Dogs 2 im Test: Super beste Freunde
Operierte Aiden Pearce im Vorgänger noch unabhängig, sind wir nun Teil der Hacker-Gruppierung Ded Sec, welche bereits im ersten Watch Dogs immer wieder zum Vorschein kam und dort als eine Art Anonymous aufgebaut wurde. Außenseiter, die den Kampf gegen das korrumpierte System aufnehmen. In Watch Dogs 2 geht es den Mitgliedern aber vor allem um Spaß. Klar beschafft man sich belastende Daten von kriminellen Firmen und stellt Videos ins Internet, in denen vorm bösen System gewarnt wird, aber Chaos und Party sind eben genauso wichtig. Als sie jedoch erfahren, dass die bereits aus dem Vorgänger bekannte Blume Corporation ein ctOS 2.0, also eine neue Variante der Überwachungssoftware, plant, und der neue CTO Dusan Nemec Daten an den Meistbietenden verschachert, nimmt Ded Sec den Kampf auf und versucht sämtliche Firmen und Beteiligte bei diesem Skandal auffliegen zu lassen.
Das ist eigentlich auch schon die ganze Story und hier hört sie sich spannender an, als sie im Spiel erzählt wird. Gerade im ersten Spieldrittel fehlt Watch Dogs 2 komplett der rote Faden. Dinge, die schon im Vorgänger eine Rolle spielten, werden kaum erklärt und dürften Serien-Neulinge mit einigen Fagezeichen über dem Kopf zurücklassen. Doch auch wer das erste Watch Dogs gespielt hat, wird sich oftmals fragen, warum er gerade etwas Bestimmtes tun soll, oder wer diese Person ist, mit der man da gerade spricht. Die Geschichte ist leider recht zusammenhanglos geschrieben und es wird keine Zeit damit verschwendet, Nebenfiguren einzuführen, mit denen Held Marcus total vertraut wirkt. Sie sind halt einfach auf einmal da. So zum Beispiel bei der transsexuellen Stadträtin Miranda, die Marcus offenbar gut kennt. Weder wird sie irgendwie vorgestellt, noch wird später etwas mit ihrem Charakter angefangen.
Quelle: PC Games
Die Charaktere im Spiel sind leider allesamt unfassbar platt und schlecht geschrieben. Eine Identifikation mit den Hauptfiguren findet so natürlich nicht statt.
Überhaupt hat Watch Dogs 2 große Probleme, seine Figuren zu positionieren. Nach seiner Aufnahme bei Ded Sec sind Marcus und die anderen Mitglieder super beste, voll miteinander vertraute Freunde. Schön für Marcus, aber uns sagt das leider gar nichts über die anderen Mitglieder. Natürlich sieht man auf den ersten Blick, dass alle irgendeine Macke haben, aber darüber geht die Charakterzeichnung nie hinaus. Was ist ihre Motivation? Warum haben sie Ded Sec gegründet? Warum trägt Wrench eine Maske? Warum sieht Ubisoft Montreals Porträtierung eines autistischen Charakters (er wird im Spiel als Autist bezeichnet) so aus, dass er redet wie ein Roboter und keine sexuellen Anspielungen versteht? Fragen, auf die es keine Antwort gibt.
Die Truppe ist eben hip und lustig und das muss uns reichen. Wobei der gewollt chaotische und oftmals infantile Humor auch klar Geschmackssache ist. Doch nicht nur die Helden, auch der Bösewicht ist schwach gezeichnet. Wir müssen eben hinnehmen, dass er böse ist, weil uns das so gesagt wird. Fiesling Dusan wird viel zu wenig in das Spiel eingebunden, um irgendwie eine Bedrohung darzustellen. Zudem leistet er sich, obwohl er als super klug dargestellt wird, unfassbar blöde Fehler, weil die Geschichte ansonsten ganz schnell vorbei und Ded Sec gefasst wäre. Und so hoppelt Watch Dogs 2 von einem Logikloch zum nächsten.
Watch Dogs 2 im Test: Frisches Gehacktes
Quelle: PC Games
Die Umgebungen lassen sich dank verbesserter Hacking-Fähigkeiten nun präziser manipulieren. Explosive Objekte können beispielsweise mit einem Bewegungsmelder versehen werden.
So doof und unwichtig der Bösewicht auch sein mag, um ihn zu besiegen, brauchen wir dringend Follower. Denn nur wenn genug Menschen sich unsere Ded-Sec-App heruntergeladen haben, haben wir genug Power um dem Blume-Konzern das Handwerk zu legen. Follower gewinnen wir, indem wir Missionen Abschließen und diese Aufträge erhalten wir wiederum über unsere Ded-Sec-App. Haben wir einen bestimmte Menge Hacker-Jünger gewonnen, eralten wir obendrein Forschungspunkte, die wir in insgesamt sieben Talentbäumen investieren dürfen. Dabei sind sowohl aus dem Vorgänger bekannte Talente wie die Umgebungsmanipulationen oder die Aufrüstung unserer Waffen-Fähigkeiten als auch viele neue spaßige Skills.
So lassen sich nun beispielsweise Personen als Gang-Verräter brandmarken oder auf die Fahndungsliste der Polizei setzen. Nun müssen wir nur noch abwarten bis die Cops auftauchen und ihn festnehmen oder der Killer einer Gang auftaucht und die Zielperson ausschaltet. Zudem lassen sich Fahrzeuge rudimentär fernsteuern, indem man ihnen den Befehl gibt vorwärts oder rückwarts zu fahren oder sie zwingt nach links und rechts zu steuern. Die neuen Fähigkeiten sind allesamt gut durchdacht und helfen enorm bei den Missionen. Allerdings macht es fast noch mehr Spaß, damit für Chaos in der Stadt zu sorgen. In dieser Beziehung macht Watch Dogs 2 weitaus mehr Freude als der Vorgänger.
Watch Dogs 2 im Test: Gleicher Aufbau
Quelle: PC Games
Natürlich liefert ihr euch auch Feuergefechte mit den Gegnern. Einige davon sind mit ihrer Schutzweste sogar so gut gesichert, dass sie Kopfschüsse einfach so wegstecken. Realismus!
Doch zurück zu den Missionen. Haupt- und Nebenoperationen sind klar gekennzeichnet. Während die Nebenaufträgen meistens recht kurz sind, verteilen sich die großen Missionen über mehrere Quests. Darunter sind einige echte Highlights. So brechen wir beispielsweise beim FBI ein oder schleichen uns in ein Forschungszentrum für Raumfahrt. Egal ob wir nun ein dreckiges Gang-Versteck ausheben oder uns durch eine Serverfarm hacken, die Umgebungen sind stimmig und abwechslungsreich gestaltet. Selbiges lässt sich über das grundlegende Missionsdesign allerdings nicht behaupten. Fast immer besteht der Auftrag darin, Informationen aus einem von bewaffneten Feinden besetzten Gebiet zu sichern. Hier hat man dann die Wahl, ob man schleichend oder wild ballernd vorgeht oder sich ganz auf seine Hacking-Fähigkeiten und Technik-Gadgets verlässt.
Man hat jetzt nämlich auch den RC Jumper, eine Art ferngesteuerten Mini-Hacking-Roboter zur Hand, den ihr durch Lüftungsschächte steuert und somit in abgesicherte Räume gelangt. Wird er jedoch erspäht, schmeißen die Gegner sofort mit einem Stein auf ihn und er ist erstmal kaputt. Überhaupt solltet ihr darauf achten, nicht entdeckt zu werden. Die KI reagiert zwar zuweilen immer noch recht dümmlich, doch sie ist stets in der Überzahl, versucht euch in die Flanke zu fallen und ruft fast immer sofort Verstärkung herbei. Im Gegensatz zum ersten Watch Dogs kann nun wirklich jeder Feind Hilfe anfordern, wodurch sich die Gefechte durchaus knackiger spielen als noch im Vorgänger. Wirklich schwer wird der Titel dennoch nie, denn dafür hat man eben genügend Hilfsmittel.
Quelle: PC Games
Das aus dem Vorgänger bekannte Minispiel, in dem man Röhren verschiebt, um Datenpunkte miteinander zu verbinden, wurde schön überarbeitet und zieht sich nun ftmals über ganze Gebaüde.
So kann man beispielsweise im 3D-Drucker des Ded-Sec-Verstecks neue Waffen oder gar eine kleine Flugdrohne ausdrucken. Mit dem Quadrocopter lässt sich das Feindgebiet wunderbar auskundschaften und natürlich auch die Umgebung manipulieren, um unliebsame Wachen auszuschalten. Wer den Jumper und den Copter aufrüstet, darf die Gadgets sogar bewaffnen. Durch die neuen Hilfsmittel wird der immer gleiche Aufbau der Missionen zumindest in den ersten zwei Spieldritteln ganz gut verschleiert. Zudem muss man an manchen Stellen Knotenpunkte freilegen. Hier wird das aus dem Vorgänger bekannte MInispiel mit den zu verschiebenden Röhren genutzt. Dieses wurde jedoch gehörig aufgebohrt. Die Rätsel ziehen sich teilweise über komplette Räume oder Gebäude und gehen oftmals sogar auf Zeit. Das ist durchaus nett gemacht und sorgt für Abwechslung, weil dieses Spielelement nicht überstrapaziert wird.

Das Schleichspiel wird sehr bald extrem schwierig, weil dem Spieler diverse Hindernisse entgegen gesetzt werden. Deren Überwindung oftmals undurchschaubar bleibt (ausgenommen die leichten Missionen am Anfang).
Es ist ein Game mit dem nur weitaus überdurchschnittlich intelligente Gamer mit stark ausgeprägten Skills Freude haben können. Das erklärt warum es kein Publikumserfolg war. Kein normaler Mensch würde es weiterempfehlen.
Mh also ich konnte alle 3 Rennen gewinnen...
Auch das meist nicht allzu ernste Setting ist erfrischend, man darf sich ruhig mal austoben oder einfach die City unsicher machen.
Ein bisher tolles Spiel. Man muss UBI nach all dem Bashing hier mal ein Lob aussprechen, sie haben das Franchise wieder in die richtigen Bahnen gelenkt, den es macht einfach Spaß.