Halcyon 6: Starbase Commander - Test und Video-Review zum Weltraum-Strategiespiel mit Star Trek-Anstrich
PC Games hat sich für euch in rundenbasierte Gefechte gestürzt und gibt im Test mit Video-Review die Antwort auf die Frage, ob das neueste Weltraumstrategie-Spiel Halcyon 6: Starbase Comamnder ein Indie-Kauftipp für Star Trek-Fans ist. Sind die knapp 20 Euro für diese Reise durch die Galaxis gut angelegt?
Das kann kein Zufall sein: Fast genau zum 50. Star Trek-Geburtstag erscheint Halcyon 6 für den PC. Ein Spiel, das den Trek-Geist atmet. Bei dem statt entbehrlicher Redshirts Kadetten im grünen oder orangefarbenen Shirt einen verfrühten Bildschirmtod sterben. Das uns zum Kommandanten einer Raumstation am Rande eines feindlichen Imperiums macht. Fehlen nur noch die Cardassianer und der Sprung zum offiziellen Deep Space Nine-Spiel wäre ein kleiner. Doch Halcyon 6: Starbase Commander ist keine Fernsehsendung, es ist ein Strategiespiel. Ob hinter der charmanten Pixelart-Fassade komplexe, motivierende Spielmechaniken warten, klärt PC Games im Test.
Halcyon 6-Review: Echtzeit trifft Runde
Als letzter Außenposten der Menschheit nach einer Invasion extradimensionaler Außerirdischer steht eure Raumstation im Fadenkreuz gleich mehrerer Piraten-Clans, fremder Imperien und natürlich der aus einem Cthulhu-Buch entsprungenen Monstrositäten, welche die Flotte von Terra Nova pulverisiert haben. Der hauptsächlich in Textform, mit wenigen animierten Sequenzen erzählte Plot ist geradlinig; eine Prise Humor lockert das Geschehen auf.
Quelle: PC Games
Die Navigation auf der Galaxiekarte ist umständlich, das ständige Ressourcen-Farmen nervt.
Der Echtzeit-Spielablauf ist trotz Pausenfunktion und rundenbasierter Gefechte hektisch; das Interface klickintensiv und arm an Komfort. So tingelt ihr etwa regelmäßig mit selbst gebauten Raumschiffen (maximal drei passen in eine Flotte) auf der Galaxiekarte von einem Planeten zum nächsten. Warum? Weil ihr nur so an die Ressourcen gelangt, die von dortigen Außenposten abgebaut werden. Ähnlich wie im Facebook-Spiel Farmville markiert ein Ausrufezeichen ein volles Lager - erst wenn ihr manuell vorbeigeflogen und Treibstoff/Material/Dunkle Materie/Crew abgeholt habt, wird wieder Nachschub produziert. Eine Automatisierung dieser Versorgungsrouten ist nicht möglich.
Das ist doppelt nervig, weil die Navigation auf der Karte so unglaublich umständlich daher kommt. Statt eine Flotte zu markieren und mit Links- oder Rechtsklick an einen Zielpunkt zu beordern, sind ganze vier Klicks dafür nötig: Einmal auf den Planeten klicken, dann auf "Send a Fleet", dann die Flotte auswählen, dann nochmal auf "Redirect Fleet" drücken. Umständlich hoch drei!
Quelle: PC Games
In der Basis erforscht ihr Räume, bevor ihr sie mit nützlichen Gerätschaften bestückt. Das erinnert an die Avenger aus XCOM 2.
Häuslebau im All
Auf eurer Station erkundet ihr ähnlich wie in XCOM 2 Räume und baut dort Einrichtungen wie Materiekonverter und Kraftwerk. Eure Offiziere können hier zudem selbst Rohstoffe herstellen und Verbesserungen erforschen. Allerdings stehen sie dann für die Dauer der Aufgabe nicht zum Kommandieren eurer Angriffsflotten und Ressourcensammler zur Verfügung. Komplexere Systeme wie Boni auf klug nebeneinander platzierte Gebäude fehlen.
Quelle: PC Games
KI-Fraktionen melden sich von Zeit zu Zeit mit Nebenaufgaben. Die Entscheidungsfreiheit in den Dialogen ist minimal.
Ein umfangreicher Forschungsbaum regelt den Zugang zu stärkeren Raumschiffen und neuen Technologien. Das Freischalten funktioniert durch den einmaligen Einsatz von Rohstoffen, anders als beim Gebäudebau wird dafür keine Zeit auf der Galaxiekarte in Anspruch genommen. Die nötigen Ressourcen beschafft ihr durch das Erfüllen von Nebenmissionen für die KI-Fraktionen - vor allem aber durch stupides Grinding. Denn Halcyon 6 erschlägt Spieler förmlich mit einer irrsinnigen Menge an Standardkämpfen, die sich alle keinen Deut unterscheiden. Vergleiche mit japanischen RPGs sind angebracht, auch weil das Kampfsystem ähnlich funktioniert wie in früheren Final Fantasy-Teilen.
Halcyon 6: Japan-RPGs als Vorbild
Bis zu drei eigene Schiffe stehen ebenso vielen Widersachern gegenüber. Gezogen wird abwechselnd, wobei ihr allerdings keine Bewegungsbefehle gebt, sondern lediglich Angriffsfähigkeiten, Verteidigungs-Skills und Buffs auswählt. Hinterhalte vorbereiten, Feinde clever flankieren oder sich anschleichen? Alles unmöglich! Die hübsche Aufmachung im Pixel-Look mit dicken Laserstrahlen und feinem Science-Fiction-Soundtrack verzückt einen zwar anfangs, doch schon bald langweiligen die ewig gleichen Gefechte nur noch.
Viele Fähigkeiten verleihen getroffenen Schiffen negative Statuseffekte wie deaktivierte Triebwerke. Diese lassen sich anschließend mit dem richtigen Skill ausnutzen. Solche Kombos erhöhen den Schaden und sind besonders später im Spiel überlebenswichtig. Eigentlich eine gute Idee, aber aufgrund der Vielzahl an ähnlichen Gefechten kennt man als Spieler auch die Kombos bald auswendig.
Quelle: PC Games
Eure Offiziere steigen im Level auf und erlernen so neue Fähigkeiten.
Die einzige Herausforderung besteht in den stetig wachsenden Lebensbalken der Widersacher. Tatsächlich ist die Balance bereits in den unteren drei der insgesamt fünf Schwierigkeitsgrade verkorkst; ein massiver Sprung in Sachen Gegnerstärke nach zwei Dritteln der 10 bis 20 Stunden langen Halcyon 6-Kampagne hat uns im Test den Spaß verdorben. Auch andere Spieler sind mit dem Balancing unglücklich, Entwickler Massive Damage will nachbessern. Bis ein entsprechender Patch erscheint, sind ausgiebiges Grinden und Farmen aber eine Pflichtvoraussetzung, um in späteren Story-Kämpfen eine Chance zu haben.
Quelle: PC Games
Bodenkämpfe sind in Halcyon 6: Starbase Commander selten. Am Spielprinzip ändert sich im Vergleich zum Weltall-Gefecht nichts.
Mehr Komplexität durch Patches
Halcyon 6: Starbase Commander versteht es sehr gut, den Spieler zu beschäftigen. Weil Außerirdische eure Rohstoff-Außenposten von Zeit zu Zeit angreifen, verdingt ihr euch sehr oft als eine Art Feuerwehr, die von einem Brandherd zum nächsten hetzt. Das motiviert zusammen mit Stufenaufstiegen eurer in drei Klassen aufgeteilten Offiziere, neuen Technologien und den Begegnungen mit anderen Fraktionen eine Weile. Doch schon nach zwei, drei Stunden wiederholen sich die Abläufe und die repetitive, abwechslungsarme Struktur des Strategiespiels wird offensichtlich.
Quelle: PC Games
Die Halcyon 6-Rundenkämpfe verlaufen sehr statisch. Immerhin sind die Effekte knallig.
Besserung ist in Sicht: Entwickler Massive Damage hat nach einer kurzen Early-Access-Phase immer noch viele Inhalte in petto, die es nicht ins fertige Spiel geschafft haben. Während der Kickstarter-Kampagne finanzierten die spendenwilligen Unterstützer einige Stretch-Goal wie Mod-Tools oder eine Funktion, um die Raumschiffe von der Stange individuell auszurüsten. Auch alternative Siegbedingungen, etwa einen Sieg durch Diplomatie wie in Civilization, will Massive Damage erst in den kommenden Wochen und Monaten als kostenloses Update für Halcyon 6: Starbase Commander nachliefern. Ähnliches gilt für eine deutsche Übersetzung, die laut Aussage der Entwickler aber weit unten auf der To-do-Liste steht. Auf absehbare Zeit benötigt ihr deshalb rudimentäre Englischkenntnisse zum Verständnis der Bildschirmtexte. Sprachausgabe gibt es nicht.
Das bislang PC- (Windows & Linux) sowie Mac-exklusive Indie-Spiel Halcyon 6: Starbase Commander gibt es auf Steam zu kaufen. Eine D RM-freie-Version ist auf GOG.com erhältlich. Preis: knapp 17 Euro.
