Odin Sphere: Leifthrasir: HD-Neuauflage des japanischen PS2-Klassikers im Test
Knapp zehn Jahre ist es her, dass Odin Sphere für die PS2 erschien. Mit Leifthrasir erscheint nun eine Neuauflage des Vanillaware-Klassikers für PS4, PS3 und Vita - und konnte im Test absolut überzeugen.
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Odin Sphere: Leifthrasir im Test
Für Quereinsteiger ist es bei Japano-Rollenspielen ja immer etwas schwer. Teil 12 hier, Teil 18 da - mittlerweile braucht man ja sogar für einige Final Fantasy-Spiele Vorkenntnisse. Umso schöner, wenn zwischen all den Ateliers, Monster Hunters und Kingdom Hearts auch noch Titel wie Odin Sphere: Leifthrasir (jetzt kaufen 32,28 € ) erscheinen. Das nämlich ist ein Remake des PS2-Klassikers Odin Sphere (play3-Wertung damals: 75) von 2007 und erzählt eine in sich geschlossene Geschichte, die selbst ein JRPG-Neuling uneingeschränkt genießen kann.
In dieser Story verkörpert der Spieler nacheinander fünf Charaktere, die sich in einer kriegerischen Fantasy-Welt beweisen müssen. Letztere ist - wie der Name unschwer erkennen lässt - grob an die nordische Mythologie angelehnt.
Bis auf einige Namen und Charaktere hat das Setting von Odin Sphere aber nur wenig mit den Legenden um Thor, Loki und Co zu tun. Namensvater Odin beispielsweise ist hier ein Dämonen-König,
Quelle: PC Games
Die Geschichte des Spiels wird mithilfe von Cut-Scenes in Spielgrafik erzählt - sehr stimmungsvoll, wenn auch hin und wieder etwas kitschig.
die zwei Anführerinnen der Valkyren sind seine Töchter und hausen tut die Bande im nicht sonderlich sagengetreuen, aber immerhin herrlich skandinavisch klingenden Aesir-Königreich Ragnanival. Ansonsten werden munter andere Fantasy-Elemente dazugedichtet: Elfen, Drachen, Feuermenschen (Vulkanier genannt ... kein Witz), Zwerge, Einhörner, Goblins, Trolle, Pooka-Hasenmenschen und sogar lebendige, niedliche Pflanzenwesen (die man tötet und zu Tränken verarbeitet ... auch kein Witz) - als hätte man jedes Fantasy-Werk der Welt mit in den Mixer geworfen. Heraus kommt dabei aber trotzdem eine sehr stimmige, wenn auch japanisch-spezielle Sagenwelt, die jede Menge Raum für Konflikte, Verschwörungen, Folklore und auch Kitsch bietet, es dabei aber schafft, die Schicksale der fünf Figuren im übergeordneten Krieg um den sagenumwobenen Crystallization Cauldron (eine Maschine, die als apokalyptische Waffe missbraucht werden kann) zu verknüpfen.
Die Technik: Ganz schön gezeichnet
Quelle: PC Games
Die Geschichte des Spiels wird mithilfe von Cut-Scenes in Spielgrafik erzählt - sehr stimmungsvoll, wenn auch hin und wieder etwas kitschig.
Das Vanillaware-typische Art Design trägt sein Übriges zur gelungenen Atmosphäre bei: Die 2D-Grafik ist handgezeichnet, von den schicken, extrem detaillierten Figuren bis hin zu den teils kunterbunten, aber stets stimmungsvollen Hintergründen. Die Entwickler haben sich für das Remake sogar die Mühe gemacht, alle Zeichnungen komplett neu zu erstellen, damit sie in 1080p auch vernünftig aussehen. Das Ergebnis ist ein eigenwilliger, aber wunderschöner, zeitloser Look. Und auch der Rest der Technik wurde perfekt an die neuen Konsolen angepasst: Auf PS3 und vor allem PS4 läuft Odin Sphere: Leifthrasir stets mit flüssigen 60 FPS, bei der Vita-Version konnten wir lediglich ein, zwei kleinere Einbrüche feststellen - ein Quantensprung im Vergleich zum PS2-Original, das bei Bossgegnern oder vielen Feinden stotternd in die Knie ging. Kleiner Wermutstropfen: Eine deutsche Sprachausgabe gibt es auch in der neuen Version nicht. Die englischen Sprecher verrichten allerdings hervorragende Arbeit, so dass die deutschen Untertitel mehr als ausreichen, um der Story zu folgen. Wer möchte, kann außerdem die japanischen Original-Stimmen einschalten.
Das Gameplay: Innere Statuswerte
Technik und Atmosphäre können allerdings noch so großartig ausfallen, wenn es bei den inneren Werten, beim Gameplay hapert. Doch auch hier gibt es kaum einen Grund zum Meckern. Während sich die ersten paar Kämpfe mit der Valkyre Gwendolyn noch recht arcadig-simpel spielen und es auch sonst nicht viel zu tun gibt, wird schnell klar, dass im Hintergrund jede Menge RPG-Elemente werkeln. Neben dem Kombo-Kampfsystem verfügen die Charaktere nämlich zusätzlich noch über diverse Zaubersprüche und Spezialattacken, von denen ihr vier Stück auf Schnellzugriffs-Tasten legen könnt.
Quelle: PC Games
Die Bosskämpfe zählen zu den Höhepunkten im Spiel und erfordern spezielle Taktiken, wiederholen sich aber teilweise auch von Charakter zu Charakter.
Doch damit nicht genug: Zwei verschiedene Handwerkssysteme gibt's auch noch. Alle Nase lang erbeutet ihr beispielsweise leere Alchemie-Fläschchen und dazu passende Pflanzenwesen, die als Zutaten für Heiltränke, Buff-Elixiere oder magische Zauberspruch-Handgranaten herhalten. Die so hergestellten Tinkturen lassen sich sogar miteinander vermischen, um stärkere Versionen zu brauen. Und wer Glück hat, findet komplett fertige Tränke und muss nicht erst groß herummischen. Logisch, dass dies den Kämpfen noch einmal eine gehörige Prise Tiefgang verpasst, denn alle Offensiv-Aktionen lassen sich wunderbar miteinander kombinieren und zu ellenlangen Angriffsketten verbinden. Allerdings sollte man dabei nicht den Anspruch eines Taktik-RPGs erwarten - trotz der Kombos, Sprüche und Fläschchen bleibt Odin Sphere ein recht hektisches, actionreiches Geprügel.
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Der Pooka-Chef, der euch in den Safe-Zones bekocht, gehört zu den Neuerungen in Leifthrasir. Im PS2-Original musstet ihr dafür extra ein Café bzw. Restaurant besuchen.
Zweites, etwas geruhsameres Handwerk: die Kochkunst. Oder vielmehr: die Bekocht-werden-Kunst. Regelmäßig landen nämlich auch Pflanzensamen in der Beutetasche. Diese sät ihr aus und züchtet sie durch den Einsatz von sogenannten Phozons heran. Doch obacht: Die pinkfarbenen Phozon-Kristalle benötigt ihr auch für das Upgraden der einzelnen Fähigkeiten. Hier ist also Abwägen angesagt. Mit dem geernteten Gestrüpp könnt ihr dann zwei Dinge anstellen: Es entweder direkt verspeisen, was ein wenig Heilung, permanent erhöhte Gesundheit und Erfahrungspunkte beschert, oder ihr schleppt die Utensilien zu einem Koch und lasst euch dort etwas zubereiten. Hier winken dieselben Boni, nur etwas mehr von allem. Rezepte
für die Alchemie und euren Küchenchef findet übrigens regelmäßig in der Spielwelt.
Kritikpunkte und Fazit: Viele Fleißaufgaben
Alles Toll also im Fantasy-Land Erion? Mitnichten. Das größte Problem von Odin Sphere ist wie schon im PS2-Original das aufgezwungene Grinding. Wer stur von Stage zu Stage und Boss zu Boss rennt, bekommt irgendwann Probleme mit extrem kniffligen Gegnern. Sinnvoller ist es dann, alte Gebiete noch einmal aufzusuchen und dort etwas Bonuserfahrung zu sammeln - ob nun durch das Besiegen von Gegnern oder das Sammeln von Koch- bzw. Pflanzenutensilien ist einerlei. Das mag recht typisch für ein japanisches Spiel sein, aber hierzulande dürften sich viele
Spieler an einem solchen diktierten Backtracking gestört fühlen. Mehr noch: Gegnervielfalt ist auch nicht unbedingt eine Stärke von Odin Sphere, so dass die Ausflüge in bekannte Gebiete gleich doppelt nerven könnten. Zumal ihr mit den verschiedenen Charakteren eh meist noch einmal zu den bekannten Locations zurückkehrt und oft sogar Bosskämpfe wiederholt. Wer über diese womöglich langatmigen Passagen hinwegsehen kann, bekommt mit Leifthrasir jedoch ein wirklich großartiges und vor allem einzigartiges Action-RPG-Kleinod.
