Tyranny gespielt: E3-Vorschau und Gameplay-Video zum neuen Rollenspiel der Pillars of Eternity-Macher von Obsidian
So spielt sich das neue Obsidian-Rollenspiel Tyranny: Wir haben Gameplay-Eindrücke und ein über sieben Minuten langes Video mit Spielszenen des neuen Rollenspiels der Pillars of Eternity-Macher von der E3 in Los Angeles mitgebracht. Wichtigste Erkenntnis: Tyranny lässt euch so richtig böse sein!
Als hätten wir es nicht schon immer geahnt: Das Böse ist eine Frau. Zumindest in Tyranny, dem neuen isometrischen Rollenspiel von Obsidian Entertainment, den Entwicklern von Pillars of Eternity. Tyranny nutzt Engine und Kampfsystem (Echtzeit mit Pause) des Quasi-Vorgängers, ist praktisch was Icewind Dale zu Baldur's Gate war - vereinfacht gesagt!
Denn Tyranny wird kein taktikorientiertes Dauer-Schlachtfest ohne charakterstarke NPC-Begleiter aber mit Schmalspur-Story wie es einst Icewind Dale war. Im Gegenteil, Obsidian will die Tugenden von Pillars of Eternity ausbauen und in einer komplett neuen Fantasy-Welt mit noch mehr Quest-Entscheidungen, toll geschriebenen Dialogen und vor allem mit gegeneinander intrigierenden Fraktionen punkten. PC Games hat Tyranny auf der E3 erstmals angespielt - mehr dazu im Anschluss sowie in unserem ausführlichen Gameplay-Video!
Hands-on-Vorschau: Sturm auf die Festung
Tyranny wird düster. Als sogenannter Fatebinder seid ihr nämlich von Beginn an auf Seite der Bösen unterwegs. Imperatrix Kyros (die fiese Frau an der Spitze des neu gegründeten Reichs) will nach einem erfolgrechen Eroberungskrieg das Land befrieden. Dazu schickt sie unter anderem den Helden aus, einen der Fatebinder, eine Art Sheriff und Richter in Personalunion. Der entscheidet in dem in viele, frei zu bereisende Regionen aufgeteilten Riesenreich über allerlei Konflikte in der Zivilbevölkerung und muss sich dazu noch mit den diversen Söldnerarmeen unter Kyros' Oberbefehl herumärgern. Auf der E3 sorgt der Konflikt zwischen den Heeren von Disfavored und Scarlet Chorus für Ärger.
Quelle: Obsidian Entertainment
Neu: Teilweise versperren Barrieren den Weg und müssen im Gefecht erst beiseite geräumt werden.
Unser zu Beginn aus einer Vielzahl an Rassen, Klassen und Modifikatioren erstellter Hauptcharakter soll zusammen mit drei Begleitern (in Tyranny schrumpft die Party-Größe im Vergleich zu Pillars of Eternity von sechs auf vier Helden) eine Festung einnehmen. Dort haben sich Rebellen der Vendrien Guard verschanzt. Je nachdem wie wir uns in den Spielstunden zuvor entschieden haben, ändert sich die Ausgangssituation der Quest. So kämpfen wir uns als Verbündeter einer der Söldnerarmeen zuerst entweder auf der West- oder Ostseite in die Burg hinein. Oder aber wir haben uns zuvor bei der Vendrien Guard beliebt gemacht und zeigen uns rebellisch gegenüber Kyros und ihrem Schreckensregime. Dann starten wir im Inneren der Festung und müssen den Dissidenten dabei helfen, das Gemäuer zu verteidigen!
Quelle: Obsidian Entertainment
Tyranny präsentierte sich auf der E3 mit einer Gameplay-Demo, die um die Erstürmung einer Festung kreiste. PC Games durfte das Obsidian-Rollenspiel erstmals selbst spielen.
Das in seiner Konsequenz an Fallout: News Vegas erinnernde Fraktionssystem zeigt sich in Tyranny transparent. Im Dialogfenster wird bei jedem NPC die zugehörige Fraktion eingeblendet; einmal mit der Maus über das Icon gefahren und ihr seht sofort, wie gut die Gruppierung auf euren Helden zu sprechen ist. Mit welchen Fraktionen wir uns verstehen und welche uns verachten, das hat in Tyranny Auswirkungen auf Quests, Story, die Auswahl an NPC-Gefährten und sogar das Angebot an Spezialtalenten für unseren Hauptcharakter!
Quelle: Obsidian Entertainment
Aktionen wie das Erklimmen einer Mauer werden bei Tyranny nicht mehr von kleinen Text-Adventure-Schnipseln wie in Pillars of Eternity begleitet.
Großartig: Tyranny gibt uns als Anhänger der Bösen zahlreiche Gelegenheiten, unsere eigentlichen Verbündeten nachträglich zu verraten. Auch in der E3-Demo können wir daher wie verlangt die Rebellen beseitigen und warten, bis sich Disfavored und Scarlet Chorus gegenseitig geschwächt haben - um anschließend die Überlebenden niederzumachen. Denn in Tyranny soll es auch möglich sein, selbst an die Macht zu putschen. Wer in Rollenspielen gerne den Gutmenschen gibt, muss jedoch nicht verzweifeln: Die moralischen Dilemmas in Tyranny sollen auch weniger extreme Lösungswege bereithalten - ohne jedoch klassischen Schwarz-Weiß-Schemata zu folgen. Zudem lässt sich in Dialogen mit vermeintlichen Feinden so mancher Kampf vermeiden, wenn eure Charaktere bei Stufenaufstiegen die richtigen Attribute gesteigert haben.
Tyranny: Nützliche Gameplay-Verbesserungen
Auf der E3 gab's nur einen winzigen Ausschnitt der spannenden Welt von Tyranny zu sehen. Über Qualität von Atmosphäre, Geschichte oder die vorwiegend in Textform geführten Gespräche (es wird wieder keine Vollvertonung geben) lässt sich anhand der kampfbetonten Messe-Demo noch nicht final urteilen. Allerdings sind uns bereits einige Gameplay-Verbesserungen aufgefallen, deren praktischer Nutzen sofort ersichtlich ist. So dürfen wir mit einem Rechtsklick auf Gegner oder Gruppenmitglied dessen Detailansicht samt Infos zu Attributen, Schadenswerten und Resistenzen dauerhaft auf dem Bildschirm einblenden. Extrem nützlich, wenn wir etwa gegen einen großen Drachen kämpfen, während der Kampfpause zwischen mehreren Figuren wechseln und dabei nicht vergessen wollen, auf welche Art von Zauber die Riesenechse allergisch reagiert.
Quelle: Obsidian Entertainment
Zaubereffekte sind in Tyranny spektakulärer als bei Pillars of Eternity, ihre Wirkung leichter zu erkennen.
Obsidians Kreativität in Sachen Welt-Design hat bei Pillars of Eternity schon so manchen Spieler das Fürchten gelehrt, denn zahlreiche fürs Spiel erfundene Begriffe sorgten für Fragezeichen über den Köpfen der Pixelschubser am PC. Tyranny erklärt Begriffe wie den Fatebinder aber auch bestimmte Örtlichkeiten jetzt direkt im Dialogfenster; einfach mit der Maus über das unbekannte Wort scrollen und schon poppt ein kurzer Enzyklopädie-Eintrag mit wertvollen Informationen auf. Was für ein Segen!
Allein dieses Schnell-Lexikon wird wieder wahre Berge an Text beinhalten. Dafür streicht Obsidian eine aus Pillars of Eternity bekannte Quelle geschriebener Wörter: Tyranny wird keine sogenannten Scripted Interactions bieten. Das waren praktisch kleine Text-Adventures, die den Gameplay-Mix aus Kämpfen, Dialogen und Erkundung ergänzten. Derartig ausgeschmückte, mehrteilige Mini-Abenteuer mit Entscheidungsmöglichkeiten wie in Pillars of Eternity gehen Tyranny ab. Allerdings gibt's immer noch verschiedene Optionen und Skillchecks, wenn wir zum Beispiel eine Festungsmauer hochklettern.
Quelle: Obsidian Entertainment
Tyranny nutzt das Kampfsystem und die Engine von Pillars of Eternity. Vor handgemalten 2D-Hintergründen agieren 3D-Figuren.
Im Kampf spielt sich Tyranny fast 1:1 wie Pillars of Eternity, allerdings gibt's zumindest eine Neuerung: die Kombo-Angriffe. Pro Gefecht dürft ihr ein oder zwei Mal eine Spezialfähigkeit auslösen, die zwei oder mehr Gruppenmitglieder involviert. Dann bringt etwa unser Schurke den Widersacher zu Fall und der Hauptcharakter drischt mit seinem Kriegshammer auf den darnieder liegenden Feind ein. Derartige Kombos sind höchst effektiv. Cooler Kniff: Ihre Häufigkeit sowie der verursachte oder (im Fall von Defensiv-Talenten) geheilte Schaden hängen von der Beziehung zwischen Hauptfigur und Begleitern ab.
Brillanter Zusatzkniff: Ihr müsst euch gar nicht besonders gut mit euren Kumpanen verstehen, für sie Nebenaufträge erledigen oder Entscheidungen wählen, die dem Naturell der NPCs entsprechen. Nein, genau wie bei den Fraktionen erhaltet ihr auch durch starke Abneigung exklusive Fähigkeiten! Ergo dürft ihr auch ruhig ein richtiger Mistkerl sein und die anderen Gruppenmitglieder nach Gutdünken beleidigen. Tyranny ist nunmal eines der wenigen Rollenspiele, die euch nicht fürs Bösesein bestraft, sondern sogar belohnt!
Tyranny erscheint laut Obsidian irgendwann 2016, wir wären aber trotz der weit fortgeschrittenen E3-Demo nicht von einer Release-Verschiebung auf Anfang 2017 überrascht.

gesendet von meinem Asus Fonepad
gesendet von meinem Asus Fonepad
Tyranny klingt verdammt spannend und ich bin auf die Neuerungen sehr gespannt. Vorallem diese Komboangriffe aus HC und NPC klingt spannend. Vielleicht finden die ein oder anderen Neuerungen auf bei PoE 2 Einklang.