Overwatch: ​Das verschenkte Lore-Potential - Eine Kolumne

10
Kolumne Matthias Dammes - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Overwatch: ​Das verschenkte Lore-Potential - Eine Kolumne
Quelle: Blizzard

Overwatch hat eine erstaunlich umfangreiche und interessante Lore rund um Charaktere und Spielwelt, nutzt diese aber kaum im eigentlichen Spiel. PC Games-Redakteuer Matthias Dammes trauert in dieser Kolumne dem massiv verschenkten Potential nach und träumt von einer packenden Singleplayer-Kampagne in der Zukunft.

Seit einigen Tagen ist nun Overwatch erhältlich und erfreut sich bei zahlreichen Spielern großer Beliebtheit. Ein Multiplayer-Shooter, der rein auf packende Online-Kämpfe zwischen Spielern ausgelegt ist. Normalerweise würde mich das Ganze trotz der fabelhaften internationalen Wertungen von im Schnitt 92 Punkten überhaupt nicht interessieren. Multiplayer-Shooter, oder Multiplayer im Allgemeinen, sind nicht wirklich mein Fall. Ich war noch nie eine kompetitiver Spieler.

Auch im Fall von Overwatch habe ich mich davon in der offenen Beta-Phase wieder einmal überzeugen können. Ich werde mit dem Genre einfach nicht warm. Und obwohl ich nun definitiv keinen Drang verspüre in die finale Fassung des Spiels einzusteigen, lässt mich das Thema trotzdem nicht einfach so los. Der Grund dafür hat weniger mit dem Spiel selbst zu tun, sondern mit dem, was Blizzard rund um diesen Titel geschaffen hat.

Charaktere mit Tiefe

Schaut man nur auf das Spiel an sich, hat man einen schick designten Shooter mit interessanten Helden-Charakteren vor sich. Viel mehr Overwatch: Tracer Quelle: buffed Lena Oxton allerdings nicht, denn in Mehrspieler-Gefechten lässt sich nur schwer tiefgründigeres Wissen und Story vermitteln. Und trotzdem haben die Autoren von Blizzard rund um Overwatch eine gewaltige Lore aufgebaut, die so manches reines Singleplayer-Spiel neidisch werden lässt. Die Vorgeschichte, die Charaktere und die Organisation Overwatch selbst wurden bis ins kleinste Detail ausgearbeitet.

So lernen wir von der Omnic-Krise, die vor 30 Jahren zur Gründung von Overwatch führte, der Auflösung von Overwatch und dem damit verbundenen Petras Akt, der alle Overwatch-Aktivitäten für illegal erklärt. Wir erfahren von der jungen Testpilotin Lena Oxton genannt Tracer, die durch einen Unfall mit einem experimentellen Fluggerät ihre Zeitreise-Fähigkeit bekommt. Oder von Amélie Lacroix, die von der Terrororganisation Talon entführt und durch neurale Rekonditionierung zur Assassine Widowmaker gemacht wird.

Verpulvert in den weiten des Netz

Doch leider findet all das, oder zumindest das meiste davon, außerhalb des Spiels statt. Blizzard erzählt die Geschichte der Charaktere und der Spielwelt auf der schicken offiziellen Webseite in Charakterprofilen und Comics. Dazu gibt es eine handvoll bombastischer animierter Kurzfilme, die selbst Pixar Konkurrenz machen können. Damit wecken die Entwickler bei mir ein unglaubliches Interesse an der Hintergrundgeschichte und den Schicksalen der einzelnen Figuren.

Als sehr story-fokusierter Spieler liebe ich eine umfangreiche Lore, in der ich dann selbst Abenteuer erleben kann. Doch leider bietet Overwatch mir nicht die Möglichkeit dazu. Wie gerne würde ich eine spannende Singleplayer-Kampagne mit Winston, Tracer und Co. erleben. Das Potential Angela Ziegler Quelle: buffed Angela Ziegler für epische Zwischensequenzen hat Blizzard mit den Short-Movies ja bereits mehr als bewiesen. Mit solch einer Kampagne hätte ich vermutlich auch bereits am Releasetag zugeschlagen.

Nun kann man natürlich zu Recht darauf verweisen, dass Overwatch nie etwas anderes sein wollte, als ein Mehrspieler-Shooter. Genauso kann ich auf der anderen Seite aber auch das massiv verschenkte Potential betrauern. Ich meine, die Autoren haben sich hier unfassbar viel Mühe und Arbeit gemacht, um eine umfangreiche Lore auszuarbeiten. Nur damit das meiste davon im Nirvana des Internet verpulvert wird, wo es die meisten Overwatch-Spieler vermutlich eh nicht mitbekommen.

Von den fast zehn Millionen Teilnehmern der offenen Beta kann wahrscheinlich nur ein verschwindend geringer Bruchteil etwas mit den Namen Lena Oxton oder Jamison Fawkes anfangen, geschweige denn deren Hintergrundgeschichte erzählen. Ich hoffe inständig, dass all diese Arbeit am Ende nicht nur reine Beschäftigungstherapie für das Autorenteam von Blizzard war und sich die Entwickler auf das brach liegende Potential ihrer neuen Marke besinnen. Sollten die Kalifornier irgendwann tatsächlich anfangen mit ihren tollen Charakteren auch im Spiel spannende Geschichten zu erzählen, bin auch ich gerne bereit meiner Sammlung einen weiteren Blizzard-Titel hinzuzufügen.

Natürlich ist Overwatch trotz meiner persönlichen Abneigung gegen Mehrspieler-Shooter und dem verschenkten Story-Potential trotzdem ein großartiger Titel. Warum das so ist, erklärt mein Kollege David Martin, der anhand der fünf größten Stärken von Overwatch aufzeigt, warum das Spiel so rockt.

Bildergalerie

10
    • Kommentare (10)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von belakor602 Mitglied
        Ich glaube hier fehlt den meisten ein bisschen der Weitblick. Geile Videos machen noch kein geiles SP-Spiel. Wie würdet ihr euch ein SP-Overwatch bitte vorstellen? Mobs abknallen? Sterbenslangweilig. Bosse? Da könnte was dran sein, aber nur ein Boss-rush SP? Overwatch ist nunmal ein komplett auf Multiplayer abgestimmtes Spiel, wo Hero gegen Hero, echter Spieler gegen echter Spieler antreten, das ist es was das Spiel ausmacht. Da geht einfach kein Singleplayer.

        Ich bin eher der Meinung Blizzard sollte einen Animationsfilm daraus machen. DASS wäre was und würde ich mir echt gern ansehen in der Form die Story. Aber als SP-Game? Ich bin froh dass uns das erspart blieb.
      • Von belakor602 Mitglied
        Ich glaube hier fehlt den meisten ein bisschen der Weitblick. Geile Videos machen noch kein geiles SP-Spiel. Wie würdet ihr euch ein SP-Overwatch bitte vorstellen? Mobs abknallen? Sterbenslangweilig. Bosse? Da könnte was dran sein, aber nur ein Boss-rush SP? Overwatch ist nunmal ein komplett auf Multiplayer abgestimmtes Spiel, wo Hero gegen Hero, echter Spieler gegen echter Spieler antreten, das ist es was das Spiel ausmacht. Da geht einfach kein Singleplayer.

        Ich bin eher der Meinung Blizzard sollte einen Animationsfilm daraus machen. DASS wäre was und würde ich mir echt gern ansehen in der Form die Story. Aber als SP-Game? Ich bin froh dass uns das erspart blieb.
      • Von archwizard80 Spiele-Enthusiast/in
        Kann dem Artikel nur zustimmen, wurde sehr viel Potential verschenkt, aber vielleicht machen sie ja noch ein MMO draus? :D
      • Von Shadow_Man Mitglied
        Da kann ich nur zustimmen. Overwatch ist ein sehr guter MP-Shooter, aber Potenzial wurde da trotzdem viel verschenkt. Als ich die Kurzfilme sah oder das Intro im Spiel, da dachte ich mir auch: "Mensch Blizzard, da habt ihr aber viel Potenzial verschenkt. Da hätte man doch eine richtig gute SP-Kampagne machen können." Weil man eben so gut die Charaktere und die Welt ausgearbeitet hat, es aber so im Spiel an sich kaum wahrgenommen wird. Das ist schade.
      • Von belakor602 Mitglied
        Ich bin froh dass es keine SP-Kampagne gibt. Das Spiel hätte dann warsch 60€ gekostet, nein Danke.
      • Von Matthias Dammes Redakteur
        Zitat von Chaz0r
        aber irgendwie auch nicht zu 100% teilen.
        Verlangt ja keiner. ;)
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk