Firewatch: Wunderschönes Adventure mit spielerischen und Story-Schwächen
Firewatch im Test: Ein Sommer wie damals - idyllische Natur, romantische Sonnenuntergänge, verdrängte Erinnerungen an unsere demente Ehefrau und lange Waldspaziergänge.
Was tun, wenn die eigene Ehefrau mit Anfang 40 der Demenz verfällt, das eigene Leben in Trümmern liegt und man nicht mehr weiß, wo man im Leben hin will? Im Falle von Henry, dem Protagonisten von Firewatch, begibt man sich an Waldbrandbeauftragter in ein Nebengebiet des Yellowstone National Park und versucht dort im Laufe eines Sommers die Gedanken zu ordnen. Fernab aller Zivilisation ist der einzige Kontakt, den er mit einem anderen Menschen hat, seine Vorgesetzte Delilah.Per Walkie-Talkie führen die beiden häufig Gespräche und kommen sich dabei näher. Und das obwohl das Duo nur die Stimme des jeweils anderen kennt, und Henry sich mit der Schuld auseinandersetzen muss, sich von seiner eigenen Ehefrau zu entfremden. Zudem sorgen mysteriöse Ereignisse im Park für Spannung: Da sind die beiden Teenager-Mädchen, die auf einmal verschwinden und die Henry - aus der Ferne beim Nacktbaden - als Letzter gesehen hat. Außerdem scheint ihn ein gefährlicher Irrer zu beobachten und zu allem Überfluss nähert sich das sogenannte Flapjack-Feuer immer mehr seiner Unterkunft, ...
Hört sich alles sehr spannend an, ist es über weite Strecken auch. Die Story flacht gegen Ende jedoch stark ab und mündet in ein Gefühl von "Das war alles?" Keine Frage, eine spannende Geschichte ist nicht der Fokus von Firewatch; da aber sehr lange so intensiv am Spannungsaufbau gearbeitet wird, ist das doch ein Punkt, den man kritisieren muss. Wichtiger ist aber die Atmosphäre, und die ist wirklich famos; die Persönlichkeit des Helden, wie Delilah auf ihn reagiert und somit zumindest Teile der Handlung bestimmen wir anhand von Dialogoptionen selbst. Die Gespräche sind dabei wunderbar und witzig geschrieben (leider ist nur Englisch für Text und Ton anwählbar) und sorgen dafür, dass wir uns wirklich in Henrys Situation hineinfühlen können. Toll!
Firewatch im Test: Durch den Wald mit Seil und Co.
Quelle: PC Games
Der bewusst nicht realistische Grafikstil ist hervorragend gelungen und trägt viel zur Atmosphäre bei.
Getragen werden Geschichte und Dialoge von ansprechendem, wenn auch unspektakulärem Adventure-Gameplay. In der offenen Spielwelt gelangen wir durch nach und nach freigeschaltete Items wie Kletterseil, Axt und Elektro-Kompass an Orte, die uns zuvor verwehrt geblieben waren. Das erinnert positiv an Metroid oder Castlevania, allerdings werden die so eingeführten Helferlein - abseits des Kletterseils - nur sehr spärlich genutzt. Und die meiste Zeit muss man trotzdem nur von Punkt A nach Punkt B laufen, dort einen Gegenstand anklicken oder einsammeln und dann zu Punkt C weitergehen. Das kennt man zur Genüge aus den Walking-Simulatoren der letzten Jahre. Und wenngleich die Einbindung der Items zum Vorankommen für dringend benötigte Substanz sorgt, reicht das nicht aus, um als vollwertiges, befriedigendes Erkundungs-Gameplay durchzugehen. Zudem werden wir zu oft durch dieselben Gebiete geschickt, sodass wir uns an manchen der Areale irgendwann sattgesehen haben. Und das ist sehr schade, denn grafisch ist Firewatch ein echter Leckerbissen. Der bewusst nicht realistisch gehaltene, comicartige Stil ist wunderbar gelungen und sorgt, gepaart mit der sehr hübschen Gestaltung der Welt und dem gelungenen Spiel von Licht und Schatten für ein einzigartiges Erlebnis. Da ändern auch die nicht spielbeeinträchtigenden, aber doch vergleichsweise häufig auftretenden Grafik-Bugs, wie in der Luft stehende Objekte, nichts dran.
Firewatch im Test: Ein einziger Sommer
Quelle: PC Games
Anders als in vergleichbaren Spielen wird unsere aktuelle Position auf der Übersichtkarte angezeigt.
Mehr stört uns da schon, dass es abseits der für die Geschichte relevanten Orte relativ wenig in der Spielwelt zu entdecken gibt: Ja, einige Sehenswürdigkeiten abseits des Wegs gibt es und einige optionale Textdokumente erlauben zusätzliche Einblicke in die Handlung, etwas mehr wäre in dieser Hinsicht aber schön gewesen. Auch die verschiedenen Dialogoptionen sorgen nur im Ansatz dafür, dass man Lust hat, sich nach dem Abspann ein weiteres Mal in den Nationalpark zu begeben. Klar, geringen Wiederspielwert ist man bei Adventures gewohnt; allein der Atmosphäre und der Spielwelt wegen hätten wir aber gerne noch etwas mehr als die knapp vier Stunden Spielzeit in Firewatch verbracht. Trotz Macken ist es nämlich ein erinnerungswürdiges Erlebnis.

Ich denke das bekommst du hin. :P
Mal schauen wie gerade der Kurs des Spiels liegt...