GTA Online ... oder: Meine Faszination für das totale Nichtstun - Leser-Kommentar von Rising-Evil
Was macht eigentlich den Reiz an GTA Online aus? Unser Leser Rising-Evil schildert in seiner Glosse, was ihn in Los Santos hält. Wie jeder satirische Beitrag ist natürlich auch dieser mit einem Augenzwinkern zu betrachten.
Strand, Sonne, coole Musik, hippe Klamotten, heißer Schlitten. All das genieße oder besitze ich im Überfluss. Ich liebe es tagein, tagaus über den Sunset Boulevard zu flanieren und zu schauen was andere so treiben. Ich gehe Golf spielen, oder Tennis. Ich flitze mit 'nem Jetski über die tosende Brandung des Meeres. Sky-Diving? Klar, warum nicht. Und wenn mir langweilig ist, dann packe einfach mein M16 aus und überfalle die nächste Tankstelle. Okay, hier haben Sie mich durchschaut - ich bin kein dekadenter Sprössling der High Society, ich bin "nur" in GTA Online unterwegs.
Wie lange? Keine Ahnung. 100 Stunden vielleicht. Ist das viel? Nun, fragen Sie sich selbst - schaffen Sie es innerhalb dieser Zeit in Ihrem Leben genügend Kleingeld für einen Ferrari zusammenzusparen? Wahrscheinlich nicht. GTA eröffnet einem die Möglichkeit all das zu tun. Autos zu kaufen. Shoppen zu gehen. Bomben zu legen. Alles. Eigentlich. Wäre da nicht das idiotische Level-System. Denn eigentlich ist die offene Welt in GTA Online nur Staffage, ein Leckerli gefüllt mit Abertausend Luxusgütern, wie Waffen, Wohnungen, Sportwägen, Klamotten und, und, und. All das nur damit man einen Anreiz hat, sich durch Dutzende, ach was, Hunderte Nebenmissionen aller Art von Panzer-Deathmatches bis zu Fahrradrennen zu spielen. Was auf den ersten Blick ziemlich abwechslungsreich klingt und sich tatsächlich auch so spielt, offenbart bei näherer Betrachtung eine eklatante Schwachstelle - und die ist eigentlich so gravierend und simpel zu lösen, dass es einem glatt die Sprache verschlägt.
Ein Beispiel: Sie erstellen eine Partie, sagen wir ein 08/15-Deathmatch. Laden alle Leute auf dem Server ein. Dann warten Sie. Nach einiger Zeit haben sich eine Handvoll Mitspieler Ihrer erbarmt und treten bei. Die Partie beginnt. Sie schlagen sich recht gut, werden Zweiter. Da allerdings nur 5 Spieler im gesamten Match waren, fällt Ihre Belohnung auch etwas niedriger aus als sonst. Sie bekommen 5000 $. Das klingt erst mal nach viel, bis Sie feststellen: "Oh, davon kann ich mir nicht mal eine Pistole kaufen". Dumm gelaufen - also heißt es: neue Partie erstellen, Leute einladen, ewig warten. Die Partie ist vorbei - man war nicht unter den Top 3? Oh, das tut uns leid, dann gibt's kein Geld. Also beginnt das Spiel oder vielmehr das Warten aufs Neue. Kann man sich schlussendlich dann die Pistole leisten, wird man zähneknirschend feststellen müssen, dass die gar nix taugt.
Sie sehen, der vom Entwickler Rockstar geförderte Spielablauf ist extrem repetitiv - sowas bezeichnet man in der Szene auch als "farmen". Kleine Fortschritte, die durch abgeschlossene Missionen hart erarbeitet werden. Um eine noch größere Belohnung zu erhalten, ist eine Wiederholung des Spielablaufs (also der Mission) erforderlich. Und noch eine, und noch eine, und noch eine, ... "Freundlicherweise" erleichtert Rockstar einem die Arbeit - man kann sich das Geld im Spiel auch gegen Echtgeld kaufen. Hurra! 5 € Echtgeld für 1.000.000 $ im Spiel.
Selten war ich in einem Spiel dermaßen versucht, mir Fortschritt zu erkaufen, zu lange waren die Wartezeiten, zu abwechslungsarm waren die Missionen. Aber wieso abwechslungsarm - steht weiter oben im Text nicht das Gegenteil? Ganz einfach: Man kann prinzipiell aus einem riesigen Sammelsurium von Modi wählen - nur haben die wenigsten Mitspieler Lust auf eine Partie Fallschirmspringen bei Sonnenuntergang. Wenn man beim "Hosten" (Erstellen) eines Matches also nicht auf Ladezeiten aus ist, die es mit der Laufzeit von "Der mit dem Wolf tanzt" aufnehmen können, sollte man daher in Punkto Beliebtheitsgrad der Matches den kleinsten gemeinsamen Nenner finden. Und der heißt auf gut Deutsch: Deathmatch (okay, das ist eigentlich englisch). So viele Deathmatches, bis sie einem zu den Ohren raushängen - und das ist schnell der Fall, denn egal ob Call of Duty, Battlefield, Counter-Strike oder GTA Online, das Spielprinzip eines Deathmatches ist immer gleich.
Eigentlich wäre das doch Anreiz genug, das Spiel erst gar nicht anzufangen; zu wenig Inhalt, viel zu viel Langeweile. Doch ausgerechnet der Grund, aus dem die meisten Leute Online-Spiele verachten, hat mir hier den Spielspaß gerettet. Nicht Lags, keine Camper, natürlich auch keine Verbindungsabbrüche, sondern ganz einfach - Cheater! Was sich komisch anhört, entpuppt sich für GTA Online als Segen; und zwar wortwörtlich.
Denn ein Großteil der Cheater erweist sich als ausgesprochen kollegial und greift ärmeren Mitspielern unter die Arme, indem es buchstäblich Geld regnet. Kein Witz! So kommt natürlich jeder schnell zu seinen Millionen. Nun könnte man meinen, das ergaunerte Geld zerstöre den letzten Funken Spielspaß - das wäre aber falsch. Tatsächlich erschafft der unerwartete Reichtum einen Anreiz, den man so nur aus Spielen wie Sims oder Second Life kannte. Man kauft sich das Auto seiner Träume, kann sich ein Luxus-Apartment oder diverse teure Designer-Anzüge leisten, ja sogar Yachten sind im Bereich des Möglichen. Dass man durch diese Betrügereien das ohnehin extrem repetitive Gameplay einfach aushebelt, ist in diesem Fall egal, denn: Wenn Rockstar den Spieler mit GTA Online eines lehrt, dann folgendes: Verbrechen lohnt sich...

Des weiteren fährt Rockstar immer wieder Aktionen für einen begrenzten Zeitraum, auf diverse Aktivitäten doppelt GTA $ und RP zu bekommen. Rennen, Gegner-Modi usw. Aktuell sogar noch bis 11.02 für den VIP-Modus und die dortigen Aufträge, damit macht man alleine bei dem Auftrag "Stadtrundfahrt" in etwa 10 Minuten 43.000 GTA $. Wenn man hier also geschickt vorgeht kann man sein Konto ziemlich schnell gut füllen.
Auch im übrigen Spiel heißt es Deathmatch hosten oder keine Teilnehmer !
Einfach ein schlechter Witz !
Wenn ich die Wahl hätte - entweder ewig zu farmen, 20 € für ein paar fiktive Milliönchen abzudrücken oder mir zack-bumm alles auf den Kopf plumpsen zu lassen - dann würde ich mich doch für letzteres entschieden - obgleich wie du oben schon angemerkt hast, man durch die Heists auch theoretisch schnell an Bares kommt - nur muss man eben die richtigen Mitspieler finden und das ist mitunter schon nicht ganz einfach...
Wie in meinem Artikel schon drin steht, prinzipiell verspricht der Multiplayer eine Riesen-Gaudi zu sein - nur läuft es eben auf farmen³ hinaus - und ich persönlich hasse sowas in Multiplayer-Spielen
Das ich dann ein (fast nur) auf Pay-to-win ausgelegtes System (bei einem Vollpreisspiel !) austrickse, quittiere ich dann doch mit einem müden Lächeln
Nach der ersten Enttäuschung über die veraltete Engine(Vorgänger von 2008) und der daraus resultierenden schwachen Grafik, hatte ich wirklich für ein paar Tage Spaß im Online Modus. Doch schon nach relativ kurzer Zeit hatte ich den Spaß verloren. Bis Sommer 2014 hatte ich es noch gelegentlich versucht, da meine Freunde mich immer wieder überreden konnten es zu spielen. Das Spiel kann viel, aber nix richtig gut und es ist sterbenslangweilig im Online Modus. Extrem viel Potenzial aber nicht viel daraus gemacht...