​Oxenfree im Test mit Video-Review: Gruseliges Teenie-Drama der anderen Art

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Test Felix Schütz - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Oxenfree (Night School Studio)
Quelle: PC Games

Dank Oxenfree weht mal wieder ein frischer Wind durch's Genre: Die Teenie-Gruselei überrascht mit sorgfältig geschriebenen Figuren, spannenden Entscheidungen und einem ausgefeilten Dialogsystem. Warum das Indie-Adventure nicht immer Spaß macht und trotzdem eine Empfehlung ist, verrät unser Test mit Video.

Bevor jemand fragt: Ja, das Teenie-Adventure Oxenfree ist tatsächlich frei von Ochsen. Kein Rind weit und breit. Das ist allerdings nicht der Grund für den ungewöhnlichen Titel, denn der fußt auf der englischen Redensart "olly olly oxen free", wie sie Kinder häufig beim Versteckspiel nutzen. Nun handelt das bizarre Oxenfree aber nicht von Kindern, sondern von fünf Teenagern, die sich zum Spaß auf eine verlassene Militärinsel begeben, um dort ordentlich zu feiern. Also das, was Teenies, die scheinbar noch nie in ihrem Leben einen Horrorfilm gesehen haben, eben so tun. Doch im Test zeigt sich: Hinter Oxenfree steckt mehr als nur eine klischeehafte Grundidee.

Die Indie-Entwickler Night School Studios zaubern daraus ein erzählerisch interessantes, ab und zu richtig spannendes Mystery-Drama, das dankenswerterweise auf grobe Teenager-Klischees verzichtet und uns stattdessen gut geschriebene Charaktere präsentiert. Details zum Plot verraten wir natürlich nicht, denn je weniger man darüber weiß, desto cooler ist das Erlebnis. Nur so viel: Ihr erlebt das Abenteuer aus Sicht der jungen Frau Alex; an ihrer Seite agieren vollautomatisch ihr frisch gebackener Stiefbruder Jonas, der Betäubungsmitteln nicht abgeneigte Kumpel Ren, die zickige Clarissa und die ruhige Nona. Und weil sich Oxenfree vorrangig um diese Figuren dreht, legen die Entwickler erfreulich großen Wert auf glaubwürdige Dialoge, Entscheidungen und exzellente englische Sprecher.

Oxenfree im Test: Latsch und Tratsch

Die Story beginnt schleppend, wir werden ohne Vorwarnung mitten in Dialoge geschmissen, die uns den reichhaltigen Hintergrund der fünf Helden näher bringen. Das mag als Einstieg zäh sein, allerdings gibt Oxenfree damit auch direkt den Ton vor: Wer sich nicht auf die Charaktere einlassen mag, hat schlichtweg das falsche Spiel gekauft.

Mithilfe eines Radios erzeugt Alex dieses bedrohliche Dreieck. Doch was hat es damit auf sich? Quelle: PC Games Mithilfe eines Radios erzeugt Alex dieses bedrohliche Dreieck. Doch was hat es damit auf sich? Spätestens als Alex aber ein mysteriöses Radio erhält, steigt die Spannung merklich: Wir können nämlich per Maus die Frequenzen durchschalten und so mit gewissen "Elementen" in der Umgebung interagieren. Dabei stoßen die Teenager auf etwas... Unheimliches. Und so stecken die Fünf prompt in der Klemme und müssen einen Ausweg aus ihrem Dilemma finden. Und zwar ohne zu ballern, zu knobeln oder zu schleichen, denn in Oxenfree marschieren wir im Grunde nur über die Insel, führen dabei Gespräche mit unseren Freunden oder werfen hin und wieder unser Radio an, um neue Audio-Hinweise zu empfangen, die das dunkle Geheimnis der Insel offenbaren.

Wer hier ein typisches Point-and-Click-Adventure erwartet, wird enttäuscht: Es gibt keine sammelbaren Items, kein Inventar, keine Geschicklichkeitsaufgaben und auch keine klassischen Rätsel. Auch die Orientierung ist kein Problem: Eine Übersichtskarte zeigt uns stets unser nächstes Ziel an, es ist daher praktisch unmöglich, sich auf der kleinen Insel zu verlaufen. Das ist aber auch gut so, denn Alex und ihre Begleiter bewegen sich in grässlichem Schneckentempo durch die Landschaft. Das sorgt für Leerlauf, denn beim Umherwandern passiert oft einfach nichts. Eine Schnellreisefunktion hätte zwar das Konzept des Spiels gesprengt, doch zumindest ein Sprint-Funktion hätten wir begrüßt.

Oxenfree im Test: Wohliges Gruseln

Nur auf Englisch!
Oxenfree bietet nur englische Sprachausgabe und wahlweise englische Untertitel. Deutsche Texte stehen derzeit nicht zur Auswahl. Solide Englischkenntnisse sind nötig, wenn man in Oxenfree durchblicken will, zumal die Dialoge zügig und ohne Pausen ablaufen.

Trotzdem waren wir beim Test von Oxenfree stets motiviert, von A nach B zu kommen, denn unterwegs geraten wir immer wieder in bizarre Situationen. So tapsen wir etwa in Zeitschleifen, in denen das Bild merkwürdig verzerrt, als würde das Ganze über eine ausgeleierte VHS-Kassette abgespielt. An anderer Stelle fängt unser Spiegelbild plötzlich an zu sprechen - ein cleverer Kniff der Entwickler, dessen Bedeutung man aber selbst herausfinden sollte! Oder unser Radio empfängt wieder mal derart unheimliche Töne und bedrohlich zischende Stimmen, dass uns glatt die Haare zu Berge stehen. Dank des guten Sounddesigns versprüht Oxenfree wohlige Gruselatmosphäre, und das zur Abwechslung mal ganz ohne billige Schock- und Splattereinlagen. Ergänzt wird das Klangerlebnis durch einen mal beklemmenden, mal sphärisch-verträumten Electronic-Soundtrack, der auch über Steam oder als Bundle mit dem Spiel erhältlich ist. Damit gleicht Oxenfree auch ein Manko seiner eigenwilligen Inszenierung aus: Die Kamera ist oft zu weit weg vom Geschehen, eine Zoom-Funktion gibt es nicht. Auch der verwaschene Grafikstil dürfte nicht jeden Geschmack treffen, obwohl einige Szenen dank gelungener Licht- und Farbenspiele überraschend stimmungsvoll daherkommen. Cooles Detail der ungewöhnlichen Optik: Oft schaukelt der Bildausschnitt sanft hin und her, was für ein beunruhigendes, unwirkliches Spielgefühl sorgt.

Oxenfree im Test: Wir müssen reden!

Oxenfree (Night School Studio) Quelle: PC Games Auch ohne Blut und Splatter erzeugt Oxenfree eine dichte Gruselatmosphäre. Der Star von Oxenfree ist aber das dynamische Dialogsystem: In den vielen, teils ausufernden Gesprächen gibt es keine unnatürlichen Pausen, stattdessen müssen wir stets unter Zeitdruck aus mehreren Fragen, Kommentaren oder Antworten wählen. Auch können wir unserem Gesprächspartner ins Wort fallen oder ihn mit Schweigen strafen - all das sorgt für flüssige, glaubwürdige Dialoge, in denen die englischen Profi-Sprecher zu Hochform auflaufen und den Figuren Tiefgang verleihen. Die vielen Dialogoptionen sorgen aber nicht nur für Spannung, sondern haben auch tatsächlich Auswirkungen: In Oxenfree können wir die Story hier und da beeinflussen, das Ganze mündet dann sogar in unterschiedlichen Endsequenzen. Das Finale (bei dem uns übrigens gehörig Gänsehaut überkam!) zeigt uns dann auch ähnlich wie bei Telltale-Spielen, welche Entscheidungen die anderen Spieler gewählt haben - und schafft so Anreize für einen weiteren Durchgang, um auch die anderen Handlungsverläufe zu sehen. Das entschädigt dann auch ein bisschen dafür, dass Oxenfree schon nach vier bis fünf Stunden durchgespielt ist - für den satten Preis von 20 Euro hätte man sicher mehr erwarten können.

Oxenfree (Night School Studio) Quelle: PC Games In Streitsituationen mit mehreren Figuren läuft das dynamische Dialogsystem zu Hochform auf.

Oxenfree im Test: Fazit und Wertung

Preis und DRM:
Oxenfree ist für PC und Xbox One erhältlich, der Preis liegt bei ca. 20 Euro. Die PC-Version gibt’s über Steam oder Humble Store, wahlweise auch als Bundle mit dem Soundtrack. Auf PC wird ein Steam-Konto zum Spielen benötigt.

Spaß macht Oxenfree also nur dann, wenn man seine Eigenheiten akzeptiert - es ist kurz, voll auf seine Figuren zugeschnitten und rückt das fesche Dialogsystem klar in den Mittelpunkt. Wer da Tempo, Rätsel oder Langzeitspaß erwartet, sollte einen Riesenbogen um das Spiel machen. In seinen besten Momenten fesselt es aber mit spannenden Entdeckungen, glaubhaften Charakteren und tiefgängigen Dialogen - wer ordentliche Englischkenntnisse mitbringt und ein Herz für Mystery hat, darf auf jeden Fall einen Blick riskieren.

Meinung

Wertung zu Oxenfree (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Gelungenes, dynamisches Dialogsystem voller EntscheidungenInteressante, gut geschriebene CharaktereSehr gute englische SprecherDichte Atmosphäre dank gutem Sound- und MusikdesignEin paar gelungene GruselszenenMehrere Enden abhängig von Entscheidungen
Charaktere bewegen sich im Schneckentempo, viel LeerlaufKurze Spieldauer (4-5 Stunden)Rätsel lassen sich an einer Hand abzählenGewöhnungsbedürftiger GrafikstilKamerea zoomt oft zu weit herausRadio-Mechanik nutzt sich schnell abMit 20 Euro etwas zu teuer

Bildergalerie

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    • Kommentare (3)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Felix Schuetz Redakteur
        Zitat von meganoth
        Gute Review, aber ich muss dann doch mal fragen: Wie wird ein Dreieck zum bedrohlichen Dreieck ? :-)
        Es entsteht aus dem Nichts, flackert fies und macht lauter unheimliche Geräusche. Gruselig. ;-)
      • Von Felix Schuetz Redakteur
        Zitat von meganoth
        Gute Review, aber ich muss dann doch mal fragen: Wie wird ein Dreieck zum bedrohlichen Dreieck ? :-)
        Es entsteht aus dem Nichts, flackert fies und macht lauter unheimliche Geräusche. Gruselig. ;-)
      • Von meganoth NPC
        Gute Review, aber ich muss dann doch mal fragen: Wie wird ein Dreieck zum bedrohlichen Dreieck ? :-)
      • Von TheBobnextDoor Mitglied
        Auch wenn ich mir das ein oder andere knifflige Rätsel gewünscht hätte, die Handlung und der Grafikstil, der mich erst auf das Spiel aufmerksam gemacht hat :P, bügeln das wieder aus.
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