Life is Strange im Test: Eine tief emotionale Reise durch Raum und Zeit

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Test Matthias Dammes - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Life is Strange im Test: Eine tief emotionale Reise. (5)
Quelle: PC Games

Die verrückte Woche im Leben von Max Caulfield ist vorbei. Hoch emotional und furchtbar spannend verliefen die Episoden von Life is Strange. Im Test verraten wir, warum das Adventure ein Gesamtkunstwerk ist, zu dem auch ein bitteres Ende gehört. Fans von Episoden-Adventures, sollten spätestens jetzt zuschlagen.

Episoden-Spiele, die vor allem mit einer packenden Geschichte fesseln, waren lange Zeit die Domäne von Telltale Games. Mit Life is Strange schickten sich Anfang des Jahres die französischen Entwickler von Dontnod Entertainment an, diese Vormachtstellung anzugreifen und zu durchbrechen. Dass ihr zweites Spiel nach Remember Me durchaus das Zeug hat, Telltale zu übertrumpfen, deutete bereits die erste Episode Ende Januar an. Mit nur minimalen Leistungsschwankungen haben die Macher glücklicherweise das sehr gute Niveau bis zum Ende gehalten und eines der besten Episoden-Adventures der letzten Jahre abgeliefert.

Max Caulfield erlebt in Life is Strange die wohl verrückteste Woche ihres Leben.s Quelle: PC Games Max Caulfield erlebt in Life is Strange die wohl verrückteste Woche ihres Leben.s Rückblick: In Life is Strange schlüpft ihr in die Rolle von Max Caulfield. Die 18jährige Studentin lebte die letzten fünf Jahre in Seattle und kommt nun für ein Fotografiestudium an der renommierten Blackwell Academy in ihre Heimatstadt Arcadia Bay (Oregon) zurück. Hier hat sie damals auch ihre beste Freundin Chloe zurückgelassen, zu der sie seither keinen Kontakt mehr hatte. Mit diesem Wiedersehen und dem typischen Highschool-Drama hat Max eigentlich schon genug zu tun. Doch zu allem Überfluss wird sie auch noch von einer unheimlichen Vision geplagt und entdeckt ihre mysteriöse Fähigkeit, für kurze Augenblicke die Zeit zurückdrehen zu können.

Die Zeitmanipulation ist dann auch der zentrale Pfeiler der gesamten Geschichte von Life is Strange. In der ersten Episode hat die Fähigkeit von Max noch eher den Charakter eines spielerischen Gimmicks, das kaum Auswirkungen hat. Im Verlauf des gesamten Spiels entwickelt sich das Feature jedoch weiter und wird immer essentieller für die eigentliche Handlung. Hin und wieder wird die Zeitmanipulation auch geschickt in einigen Rätseln eingesetzt. In der letzte Episode geraten die Zeitreisen von Max dann beinahe außer Kontrolle. Dabei entspinnt sich eine fast schon verwirrende Verkettung von Handlungssträngen und Realitäten, die ein wenig an Bioshock Infinite erinnert.

In der Atmosphäre versinken

Einen großen Teil seiner Faszination zieht Life is Strange auch aus der Art und Weise, wie es sich präsentiert. Die Grafik kann sich nicht mit modernen Hochglanz-Produktionen wie The Witcher 3 oder Star Wars: Battlefront messen, aber das will das Spiel auch gar nicht. Stattdessen setzen die Entwickler auf einen malerischen Stil, der eher an Aquarell-Gemälde erinnert. Die sanften Farben mit vielen goldenen und braunen Tönen vermitteln perfekte Herbststimmung. Viele Objekte in der Spielwelt bleiben bewusst eher verwaschen und zeigen nur Details, wenn damit etwas ausgesagt werden soll. Das passt hervorragend zur künstlerischen Thematik. Immerhin ist Max Kunst- und Fotografiestudentin.

Die Animation der Gesichter ist selten gut gelungen, hat sich mit den Episoden aber deutlich gebessert. Quelle: PC Games Die Animation der Gesichter ist selten gut gelungen, hat sich mit den Episoden aber deutlich gebessert. Kritik gibt es seit der ersten Episode vor allem an den Animationen der Gesichter. Emotionen und vor allem auf die Sprachausgabe passende Lippenbewegungen waren eher selten auszumachen. Die Entwickler begründeten das vor allem mit dem geringen Budget für das Spiel. Allerdings haben sie sich nicht nur in Ausreden geflüchtet, sondern sich die Kritik bei der Entwicklung der weiteren Kapitel auch zu Herzen genommen. Spätestens ab der dritten Episode wurde bei der Lippensynchronität nachgebessert, und auch die Emotionen traten wesentlich deutlicher zu Tage.

Zur fantastischen Atmosphäre der Schauplätze in und um Arcadia Bay trägt auch die Musik bei. Jonathan Morali, Frontman der französischen Band Syd Matters, komponierte wunderschöne ruhige Gitarren- und Pianoklänge. Diese passen hervorragend zur herbstlichen Stimmung und tragen zum entschleunigten Spielgefühl bei. In ausgewählten Schlüsselmomenten laufen zudem perfekt ausgewählte lizenzierte Tracks, die teilweise wie für die Situation geschrieben zu sein scheinen.

Mehr als nur Klischee

Für die passenden Emotionen braucht es aber nicht nur passende Musik, sondern auch eine gut geschriebene Handlung, Charaktere mit Tiefe und tolle Dialoge. Life is Strange glänzt auch in diesen Disziplinen deutlich. Die Figuren wirken zunächst wie das typische Klischee, das man von einem Highshool-Drama erwartet. Protagonistin Max ist die Schüchterne, dann gibt es die Bitch, die ihren Zickenclan um sich schart. Es gibt die Sportler, die sich nebenbei als Bullys betätigen, und den reichen Schnösel, der denkt mit Vaters Geld könne er sich alles kaufen. Doch schnell entwickeln die meisten wichtigen Charaktere eine spannende Tiefe, die neugierig auf ihre weitere Entwicklung macht und mit ihrem Schicksal mitfiebern lässt.

Life is Strange wird mit jeder Episode immer düsterer, sowohl von der Thematik, als auch von der Darstellung. Quelle: PC Games Life is Strange wird mit jeder Episode immer düsterer, sowohl von der Thematik, als auch von der Darstellung. Die Dialoge wirken an einigen Stellen etwas zu bemüht. Meistens sind sie jedoch sehr intelligent geschrieben. Die eigentliche Wirkung und Bedeutung einiger Gespräche wird im Grunde erst in der Nachbetrachtung offensichtlich. Eine Tatsache, auf die sogar die Charaktere innerhalb der Handlung selbst eingehen. Am meisten beeindruckt die allgemeine Entwicklung der Story über den Verlauf aller Episoden. Dachte man zunächst, es handle sich um ein typisches Teenie-Drama mit übernatürlichen Elementen, wurde die Stimmung im weiteren Verlauf immer düsterer. Dabei scheut sich das Spiel auch nicht, gesellschaftskritische Themen wie Selbstmord, Drogenkonsum, Sterbehilfe und die Zerstörung der Umwelt aufzugreifen. Von der ganzen Mystery-Geschichte um Entführung, Mord und Totschlag ganz zu schweigen.

Die großen emotionalen Momente der Story erzeugt das Spiel jedoch nicht mit seinen übernatürlichen Elementen oder der Krimi-Rahmenhandlung. Die emotionalsten Momente erlebt der Spieler, wenn ihn die Realität einholt. Am deutlichsten wird das anhand des vermissten Mädchens Rachel Amber, deren Geschichte sich wie ein roter Faden durch das Spiel zieht. Sie wird wie ein wichtiger Fixpunkt aufgebaut - und mit all den mysteriösen Dingen, die rund um Max passieren, malt sich der Spieler die wildesten Theorien über ihr Schicksal aus. Am Ende müssen sich jedoch Max und Chloe aber auch der Spieler der Realität stellen, die keine magische Lösung parat hat und trotzdem einen starken emotionalen Moment erzeugt.

Ein Ende mit Schrecken

Mit jeder Folge ist es den Entwicklern gelungen immer neue Spannung aufzubauen. Die Cliffhanger haben sich von Episode zu Episode übertroffen. Doch haben es die Franzosen geschafft alle Handlungsstränge in der letzten Episode zu einem zufriedenstellenden Ende zu führen? Diese Frage wird in den nächsten Wochen und Monaten unter den Fans vermutlich noch zu unzähligen Diskussionen führen. Die Art und Weise wie Life is Strange endet, könnte ähnliche Wellen schlagen wie damals bei Mass Effect 3. Der Unterschied ist: bei Life is Strange ist es verdammt gut geschrieben.

Mit dem Schicksal zu spielen, hat ungeahnte Konsequenzen. Quelle: PC Games Mit dem Schicksal zu spielen, hat ungeahnte Konsequenzen. Rückblickend sind alle Episoden gespickt mit subtilen und weniger subtilen Hinweisen darauf, wie die Geschichte ausgehen wird. Trotzdem schafft es das Spiel immer wieder zu überraschen. Das Offensichtliche ist zunächst nicht so offensichtlich, oder zumindest erreichen die Entwickler, dass der Spieler es nicht wahrhaben will. Genau wie Max sucht auch der Spieler nach einer Möglichkeit, wie alle Probleme ohne Konsequenzen zu lösen sind. Dabei steht die Beziehung zwischen Max und Chloe besonders im Mittelpunkt. Entsprechend legt man sich Theorien zurecht, wie das drohende Unheil abzuwenden ist. Doch so funktioniert das Leben nicht. Das Spiel vermittelt damit unterbewusst auch eine Moral des Lebens: Dein Handeln hat Konsequenzen.

Am Ende läuft alles auf eine große Entscheidung mit zwei unterschiedlichen Enden hinaus. Der Spieler steht vor der großen Frage, was er bereit ist zu opfern. Es gibt hier wie so oft im Verlauf des Spiels kein richtig oder falsch. Das dürfte auch das größte Problem für viele Spieler sein - es gibt kein Happy End. Aber das macht die Enden nicht automatisch schlecht. Rückwirkend betrachtet hat das ganze Spiel auf diesen Abschluss hingearbeitet. Entsprechend gut ausgearbeitet stellt sich alles im Gesamtkontext dar. Es ist auf eine Art auch erfrischend, mal ein Spiel zu sehen, das am Ende nicht nur der Wunsch-Erfüllung dient, sondern sich auch traut ein gewisses Gefühl der Vergeblichkeit zu erzeugen.

Die Entscheidungen, die während des gesamten Spiels getroffen werden, haben keine direkte Auswirkung auf das Ende. Ihre Bedeutung war jedoch auch schon im Verlauf dadurch geschmälert, dass man sie mit Max' Fähigkeit immer wieder überdenken konnte. Trotzdem sind es die kleinen Details, die am Ende den Unterschied ausmachen. Die zweite Hälfte der letzten Episode dient in gewisser Weise als großer Epilog, wo Max noch einmal mit ihren Entscheidungen konfrontiert wird. Am Ende lässt Life is Strange sehr viel Spielraum für Interpretationen. Das ist auch genau so gewollt. Der Spieler soll sich Gedanken machen, eigene Schlüsse ziehen. Immerhin sind es auch die zahlreichen Diskussionen, Fan-Theorien und Spekulationen der Anhänger, die zur Faszination für Life is Strange in den letzten neun Monaten beigetragen haben.

Leider können wir unsere Einschätzung zur Story nicht noch genauer vertiefen und mit Beispielen begründen, ohne zu sehr in Spoiler zu verfallen. Wir sind gerne bereit in den Kommentaren mit euch darüber zu diskutieren. Bitte nutzt aus Rücksicht auf andere aber die Spoiler-Tags.

Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Life is Strange (PC)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
hervorragende Atmosphärekünstlerische einzigartige Aquarell-GrafikCharaktere mit Tiefegut geschriebene Story und Dialogeemotionale Entscheidungenviele Details neben der Story zu entdecken
Mängel bei Gesichtsanimationen und Lippensynchronitätkeine deutsche Sprache in Text und Tonspielerisch kaum Herausforderungen

Bildergalerie

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    • Kommentare (48)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Enisra Mitglied
        nein, es gibt keinen fortsetzung der Geschichte und es ist auch nicht gut die Fortsetzen zu wollen
      • Von Enisra Mitglied
        nein, es gibt keinen fortsetzung der Geschichte und es ist auch nicht gut die Fortsetzen zu wollen
      • Von Nierenstein0815 NPC
        Hallo zusammen,

        ich fand das Spiel super. Wer es kennt und liebt Bedarf keiner weiteren Beschreibung. Geködert in Steam mit der kostenlosen Episode 1.... Der Plan ist voll aufgegangen. Das es sogar eine Online Petition für einen Teil 2 gibt finde ich echt eine gute Idee... (Link weiter unten) Warum nicht? Auch ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere mit unterschreibt. Robin B. hat die Petition gestartet. Mitmachen könnt Ihr hier:

        Hallo,
        Ich habe die Petition „Dontnod Entertainment, Square Enix International, Square Enix Germany: Life Is Strange Season 2 - Continuation of Max Caulfield´s Story!” unterschrieben.
        Machen Sie auch mit? Hier geht es zur Petition:
        Hier geht es zur Petition:
        https://www.change.org/p/dontnod-entertain ment-square-enix-international-square-enix-ger many-life-is-strange-season-2-continuation-of- max-caulfield-%CC%81s-story

        Vielen Dank,
        Rudolf

        Gruß, ein großer Fan von Life is Strange
      • Von BlackBetty466 Anfänger/in
        Bin gestern mit der 5. Episode fertig geworden und bin von dem gesamten Spiel total begeistert. War ich direkt nach dem Spiel, und bin es nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe immer noch.


        Und die beiden Enden finde ich ebenfalls super.

        Ein Happy End ist zwar genau das, was man sich während des ganzen Spieles wünscht und worauf man hinarbeitet - aber mal im Ernst: Das Leben bietet auch nicht oft Happy Ends, deshalb finde ich Filme, Bücher oder Spiele mit Happy End meistens unglaubwürdig, kitschig und aufgesetzt. Und das hätte zu der Stimmung in Life is strange überhaupt nicht gepasst.

        Die Wahl zwischen den beiden möglichen Enden ist genau das, was am Ende passieren muss:

        1. Wenn Max sich überhaupt nicht eingemischt hätte, dann wäre zwar Chloe gestorben. Aber Kate hätte überlebt, Nathan und Jefferson wären ihrer verdienten Strafe zugeführt worden, und Joyce und David wären eine funktionierende Beziehung.

        2. Durch das Zereissen des Siegerfotos bekommt Max ihre Kraft (im selben Moment fliegt der Schmetterling herein). Diese möchte sie für Gutes nutzen und Chloe vor Nathans Attacke retten. Dadurch bewirkt sie aber auch, dass Nathan und Jefferson nicht überführt werden, dass Kate einen Selbsmordversuch unternimmt und dass Joyce und David sich streiten. Um all das wieder in Ordnung zu bringen, muss Max ihre Kraft wieder und wieder einsetzen, wodurch sie den Sturm weiter nährt.

        Am Ende hat sie dann die Wahl, ob 1. all ihre Bemühungen einen Sinn hatten und Chloe durchkommt, koste es, was es wolle. Oder 2. ob sie den Schaden, den sie mit ihrer Kraft angerichtet hat, wieder rückgängig machen will und das Leben einfach ohne Eingriffe laufen lässt.

        Ich habe mir beide Enden angesehen, hatte mich zunächst aber ganz klar für Chloe entschieden. In den meisten Spielen ist es ja so, dass sich der Held wie ein Märtyrer verhält und eigene Interessen hinter das Gemeinwohl stellt. Das finde ich unrealistisch, im wahren Leben würde ich mich auf jeden Fall für die mir näher stehende Lösung einsetzen. Daher fand ich Gothic 1 so toll, weil der Held nicht die Welt retten will, sondern sich selbst aus der Barriere holen will. Im krassen Gegensatz dazu rettet man in Fallout 3 die ganze Welt, obwohl diese einem nicht viel mehr als Hass und Verachtung entgegen bringt. Das macht zwar trotzdem Spass zu spielen, ist aber irgendwie küstlich. Trotzdem ist das Ende, in dem Arcadia Bay ohne Chloe aber unversehrt weiter existiert vermutlich das von den Entwicklern angestrebte und auch das von den meisten Spielern gewählte (Die fast gleiche prozentuale Verteilung schiebe ich mal auf die Tatsache, das bestimmt fast jeder sich beide Enden ansieht). Um dem entgegen zu wirken, durchlebt man kurz vor der Entscheidung nochmals sämtliche Schlüsselszenen mit Chloe, um nochmal mit der Nase darauf gedrückt zu werden, wieviel sie Max bedeutet. Auch dass sämtliche Gegenspieler nochmal auftauchen und man ihnen ausweichen muss ist wichtig, denn es unterstreicht nochmal, wieviele Probleme und Personen Max im Weg standen, bevor sie Chloe retten konnte.

        Deshalb ist mein Fazit. dass in einem Spiel wie Life ist strange, in dem die komplette Story für mich persönlich total glaubwürdig ist, es eben ganz am Ende nur die Wahl geben kann zwischen 1. Ich erreiche, was ich von Anfang an wollte, oder 2. Ich mache den von mir selbst verursachten Schaden wieder rückgängig.
      • Von Shadow_Man Mitglied
        Gerade auf Steam gesehen: Für Life is Strange gibt es jetzt auch eine PC Demo, falls es jemand mal antesten möchte: Life is Strange Demo on Steam
      • Von JohnCarpenter Spiele-Kenner/in
        Nach dem Abspann kann man noch mal alle Entscheidungen aufgelistet sehen. Da fand ich etwas schade, wie wenige es dann doch waren, gerade zum Schluss hin. Ich glaube EP5 hatte nur die eine relevante Wahl am Ende. Ansonsten ein toller, interaktiver Film.
      Direkt zum Diskussionsende
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