Shadowrun: Hong Kong im Test - Im Fernen Osten nix Neues

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Test Felix Schütz - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Shadowrun: Hong Kong ist über Steam, GOG und Humble Store erhältlich. Bislang allerdings nur auf Englisch.
Quelle: Harebrained Schemes

Alte Stärken, alte Schwächen: Harebrained Schemes' dritter Shadowrun-Ableger hält sich so streng an seine Vorgänger, dass er ebensogut als Story-DLC hätte durchgehen können. Trotzdem lohnt sich der düstere Hong Kong-Trip - den tollen Charakteren und abwechslungsreichen Missionen sei Dank.

Mit 1,2 Millionen US-Dollar ließe sich 'ne Menge verrücktes Zeug anstellen. Doch Harebrained Schemes, die genau diese Summe per Kickstarter gesammelt haben, scheuen das Risiko: Shadowrun: Hong Kong, nach Shadowrun Returns (2013) und Dragonfall (2014) schon der dritte moderne Serienableger, bietet so wenig Neues, dass andere Studios es wohl einfach als DLC nachgeschoben hätten. Was aber nicht heißt, der neue Teil sei schlecht – ganz im Gegenteil!

Shadowrun: Hong Kong im Test - Blutiges Wiedersehen

Die undurchsichtige Kindly Cheng führt das Verbrechersyndikat an, dem wir uns in der Not anschließen. Quelle: PC Games Die undurchsichtige Kindly Cheng führt das Verbrechersyndikat an, dem wir uns in der Not anschließen. Solange man keine großen Neuerungen erwartet, glänzt das neue Shadowrun mit vielen alten Stärken. Wieder mal spielen wir einen selbstgebastelten Helden, den es diesmal aber ins futuristische Hongkong verschlägt. Was eine simple Familienangelegenheit sein sollte, entwickelt sich prompt zum Blutbad – auf der Flucht vor der Polizei sind wir darum gezwungen, in Hongkongs Unterwelt abzutauchen und uns einem Verbrechersyndikat anzuschließen. Erst dort werden wir zum Shadowrunner ausgebildet, rekrutieren ein schlagkräftiges Team, absolvieren Missionen und versuchen rauszufinden, wer es auf uns abgesehen hat und warum.

Shadowrun: Hong Kong im Test - Toll geschriebene Textwüste

Fünf Begleiter stehen uns diesmal zur Seite – allesamt interessante, gut ausgearbeitete Figuren, die uns schnell ans Herz wachsen. Etwa die clevere Zwergen-Deckerin Isobel, der faszinierende Ghul-Samurai Gaichu oder ein Rigger namens Racter, der eine mächtige Kampfdrohne kon­trolliert. Wir lernen die Kumpels über ausufernde Dialoge kennen, die sogar neue Nebenmissionen eröffnen können. Es lohnt sich also, die gewaltigen Textmassen durchzuackern! Vielfältige Antwortmöglichkeiten, in die auch unsere Charakterwerte hineinspielen, sorgen dafür, dass wir die Gespräche nicht lustlos durchklicken, sondern uns wirklich mit den Texten beschäftigen. Das müssen wir auch – sie nehmen den Großteil der Spielzeit ein, mehr noch als in den beiden Vorgängern. Oft fühlt sich Shadowrun: Hong Kong darum wie ein Roman zum Mitspielen an, zumal es nach wie vor keine Sprachausgabe gibt. Zum Glück sind die englischen Texte aber so klasse geschrieben, dass es Spaß macht, den Geschichten zu folgen – man muss sich nur auf das zähe Tempo einlassen und sehr gute Englischkenntnisse mitbringen, denn eine deutsche Übersetzung fehlt leider komplett.

Shadowrun: Hong Kong im Test - Gutes Missionsdesign

Taktischer Rundenkampf: Unser untoter Samurai Gaichu plant seinen Angriff auf einen Gargoyle. Quelle: PC Games Taktischer Rundenkampf: Unser untoter Samurai Gaichu plant seinen Angriff auf einen Gargoyle. Wie in Shadowrun: Dragonfall verwalten wir unser Team in einem Hub, von wo aus wir verschiedenste Missionen ansteuern. Die neuen Einsätze sind abwechslungsreich, überraschend und bieten oft mehrere Lösungswege – teilweise sogar ganz ohne Gewalt! Um ein gesichertes Gebäude zu betreten, können wir uns beispielsweise mit den Wachleuten anlegen – oder wir hacken einen Computer in der Nähe, sofern wir die nötigen Skills haben, und huschen so ungesehen durch die Hintertür. In einem anderen Level sollen wir eine Uniform stehlen, dazu bestechen wir entweder einen Küchengehilfen, was uns aber viel Zaster kostet – oder wir schicken eine Drohne durch einen Lüftungsschacht und mopsen damit die Klamotten aus dem Nebenraum. Prima!

Shadowrun: Hong Kong im Test - XCOM light

Durch diese Freiheiten kommt es nur noch selten zu Kämpfen. Und wenn es doch mal ans Eingemachte geht, spielt sich Hong Kong genau wie seine Vorgänger: Rundenweise bringen wir unser Team in Stellung, nutzen die Umgebung als Deckung, gehen mit Schrotflinte, Katana, Magie und Explosivwaffen auf die Gegner los. Taktisch anspruchsvoll wird's allerdings so gut wie nie, daran ändern auch die wenigen Neuerungen nichts: Die Entwickler haben zwar ein paar neue Skills und Zauber hinzugefügt, doch die fallen in den seichten Kämpfen leider kaum ins Gewicht.

Anders schaut es in der Matrix aus, der Cyberspace-Spielebene, die wir betreten, sobald wir einen Computer hacken: Hier müssen wir neuerdings in Echtzeit umherwandernden Sucherdrohnen ausweichen und per Minispiel virtuelle Schlösser knacken. Das bringt mehr Spannung in die Matrix-Ebene, bleibt aber immer noch weit unter den spielerischen und erzählerischen Möglichkeiten, die sich hier geboten hätten.

In der neu gestalteten Matrix müssen wir in Echtzeit dem Sichtkegel von Sucherdrohnen ausweichen. Quelle: PC Games In der neu gestalteten Matrix müssen wir in Echtzeit dem Sichtkegel von Sucherdrohnen ausweichen.

Shadowrun: Hong Kong im Test - Im Fernen Osten nix Neues

Hong Kong basiert auf dem veralteten Gerüst von Shadowrun Returns und das merkt man leider auch. Das Interface beispielsweise ist trotz kleiner Änderungen so klobig und unpraktisch wie früher, besonders das Ausrüsten des eigenen Teams gerät umständlich. Da es aber ohnehin kaum coole Items gibt und wir besiegte Feinde auch nicht looten können, müssen wir die Menüs nur sehr selten nutzen. Auch technisch hat sich nix getan: Wie in den Vorgängern müssen wir viele Hotspots mehrmals anklicken, weil sie nicht immer auf Eingaben reagieren. Und die Levels sind zwar hübsch gezeichnet, wirken aber auch steril und leblos, da es kaum animierte Elemente gibt. Bei 1,2 Millionen an Kickstarter-Spenden hätte man mehr erwarten können.

Shadowrun: Hong Kong ist nur auf Englisch über Steam, GOG oder Humble Store erhältlich.

Meinung

Wertung zu Shadowrun Hong-Kong (PC)

Wertung:

7.5 /10
Pro & Contra
Ordentliche StoryInteressante CharaktereDurchweg toll geschriebenCoole Auswahl an BegleiternAbwechslungsreiche Missionen mit unterschiedlichen VorgehensweisenPassende MusikuntermalungSolider Umfang (etwa 15 bis 20 Spielstunden)
Kaum NeuerungenEnorm viel Text und ausufernde Dialoge bremsen das Spieltempo.Matrix mit verschenktem PotenzialUmständliche MenüsViel zu wenig Items; Charaktere auszurüsten macht keinen SpaßZumeist seichte Rundentaktik-Kämpfe ohne neue IdeenSterile Umgebungsgrafiken mit zu wenig animierten ElementenTechnisch veraltet inkl. bekannter Probleme der Engine (z.B. Hotspots, die nicht auf Klicks reagieren)

Bildergalerie

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    • Kommentare (3)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Riesenhummel Gelegenheitsspieler/in
        "Setting, Story, Levels und Figuren, das ist alles neu und nett geschrieben, doch unter der Haube tickt da immer noch das alte Shadowrun Returns, mit all seinen Stärken und Schwächen. Von einem vollwertigen dritten Teil hatte ich schon etwas mehr erwartet"

        Na da bin ich ja mal gespannt ob man so auch an fallout 4 rangeht. dann ich glaube nicht dass es sich viel anders spielt als die vorgänger...
      • Von Riesenhummel Gelegenheitsspieler/in
        "Setting, Story, Levels und Figuren, das ist alles neu und nett geschrieben, doch unter der Haube tickt da immer noch das alte Shadowrun Returns, mit all seinen Stärken und Schwächen. Von einem vollwertigen dritten Teil hatte ich schon etwas mehr erwartet"

        Na da bin ich ja mal gespannt ob man so auch an fallout 4 rangeht. dann ich glaube nicht dass es sich viel anders spielt als die vorgänger...
      • Von Shredhead Mitglied
        Sehr schön! Ist zwar ein bisschen schade, dass wohl am Kampfsystem nichts geändert wurde, aber so werde ich mir das Spiel definitiv nicht entgehen lassen.
      • Von Wut-Gamer Spiele-Kenner/in
        Habe gehört, dass es erzählerisch längst nicht so gut sein soll, wie Dragonfall. Das wäre schade, aber auch nicht unbedingt überraschend, denn Dragonfall spielte sich wie ein gutes Buch (was ausdrücklich als Lob zu verstehen ist).
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