Deus Ex: Mankind Divided - Kommentar zum Vorbesteller-Wahnsinn
Erpressermethoden bei der Vorbestelleraktion für Deus Ex: Mankind Divided! Square Enix verspricht, das Action-Rollenspiel vier Tage früher als geplant zu veröffentlichen - wenn genug Spieler vorzeitig vorbestellen. Ein Kommentar zur irrsinnigen Pre-order-Mechanik mit exklusiven DLCs & Co. von Peter Bathge.
Deus Ex: Mankind Divided erscheint am 23. Februar 2016. Oder doch schon am 19. Februar? Ihr habt es in der Hand - sofern ihr vorbestellt.
Für die neueste, gewohnt wahnwitzige Idee in Sachen "Spiele bestellen, bevor sie überhaupt erschienen sind" zeichnet Square Enix verantwortlich. Die locken potenzielle Käufer doch allen Ernstes mit dem Versprechen, das Rollenspiel Deus Ex: Mankind Divided bei genug Vorbestellungen vier Tage früher zu veröffentlichen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Square Enix verzögert den Release bewusst vier Tage. Mit dieser Erpressermethode will das Unternehmen mehr naive Spieler dazu zu verführen, eine Version des Spiels zum Kauf zu reservieren. Und zwar bevor sich Interessierte durch professionelle Spieletests und Erfahrungsberichte anderer Käufer (etwa per Steam Reviews) ein Bild von der finalen Qualität bilden können. Sind die Publisher denn inzwischen so verzweifelt?
Quelle: Square Enix
Nur für Vorbesteller: eine vorgezogene Veröffentlichung.
Das große Geschäft vor Release
Verlässliche Zahlen zu Vorbestellungen lassen sich auch für Pressevertreter wie uns von der PC Games nicht so ohne Weiteres herausfinden. Klar ist aber, dass die Publisher sehr viel von Vorbestellungen halten, haben sie sich doch als verlässliches Mittel erwiesen, um das Interesse an einem Spiel vorab einzuschätzen. Entsprechend interessiert sind die Hersteller an neuen Methoden, den Akt der Vorbestellung selbstverständlicher werden zu lassen und die Anreize für eine vorläufige Kaufzusage zu erhöhen.
Selbst Valve war sich 2011 nicht zu schade, vor Veröffentlichung von Portal 2 (damals, als Valve noch eigene Spiele veröffentlichte und nicht nur tagein, tagaus das Geld aus Verkäufen virtueller Hüte zählte) die Werbetrommel zu rühren. Allerdings musste dafür niemand Portal 2 vorbestellen: Im Rahmen der Aktion Potato Sack waren Steam-Spieler dazu aufgefordert, Achievements in bestimmten Spielen zu verdienen, um so letztlich die Wartezeit bis zur Veröffentlichung von Portal 2 um zehn Stunden zu verkürzen. Und zwar für ALLE Spieler.
Andere große Publisher gehen deutlich aggressiver vor und treten den Vorbesteller-Irrsinn reits bei der Ankündigung eines Spiels los - man erinnere sich nur mal an den Fall Far Cry 4. Da gab es von Ubisoft schon Infos zu Vorbesteller-exklusiven DLCs als noch kein einziger Screenshot und erst recht keine Gameplay-Szene vom eigentlichen Spiel zu sehen war.
Quelle: Square Enix
Je mehr Spieler in Vorkasse treten, umso mehr Belohnungen gibt es. Wer denkt sich so einen Quatsch aus?
Bei Deus Ex: Mankind Divided hat Square Enix nun länger mit der Vorstellung der Vorbesteller-Boni gewartet. Doch die Details der Kampagne sind so frech, auf ihre Ankündigung hätte ich gerne komplett verzichtet. "Augment Your Pre-Order" ist das Motto und entsprechend der spielerischen Freiheiten der Deus Ex-Serie verlängt euch auch das Vorbestellungs-Angebot Entscheidungen ab. Je mehr Naivlinge Deus Ex: Mankind Divided vorbestellen, umso mehr sogenannte "Tiers" (deutsch: Ebenen) mit exklusiven Vorbesteller-Belohnungen werden freigeschaltet. Der Vorbesteller muss sich dann zwischen unterschiedlichen Zusätzen entscheiden:
- Tier 1: Drei Item-Pakete - Intruder-Pack, Enforcer-Pack oder Classic-Pack
- Tier 2: Digitales Artbook oder Soundtrack
- Tier 3: Exklusive Mission für alle
- Tier 4: Digitale Novella oder digitaler Comic
- Tier 5: Veröffentlichung um vier Tage vorgezogen
Quelle: Square Enix
Vorbesteller schleichen einfacher: Wer die Pre-order-Boni nutzt, macht sich das Spiel leichter.
Beworben wird das Ganze natürlich als einmalige Gelegenheit, sich seine ganz eigenes Bonus-Paket zusammenzustellen. Schleich-Fans schnappen sich etwa das Item-Paket mit schallgedämpfter Pistole und Laser-Visier - und dürften damit wie in jedem anderen Spiel mit ähnlichen Vorbesteller-Boni zu Beginn den Gegnern hoffnungslos überlegen sein. Geld ausgeben für Quasi-Cheats, yay! Das weitaus größere Problem ist aber Folgendes: Wenn ihr jetzt nebenbei für eure Kohle gern auch noch die ANDEREN Vorbesteller-Boni haben würdet, die ihr ja mehr oder weniger mitbezahlt habt, werdet ihr enttäuscht. Entweder oder Freunde, Square Enix gibt hier schließlich keine Almosen aus! Wer alles will, muss die (deutlich teurere) Collector's Edition kaufen.
Das ist nichts weniger als ein neuer Tiefpunkt in Sachen Vorbesteller-Boni. Immerhin: Statt die Inhalte auf verschiedene Läden aufzuteilen, wie es etwa Ubisoft gerne mit Assassin's Creed tut (eine exklusive Mission bei Best Buy, eine andere bei Gamestop, etc.), haben Vorbesteller von Deus Ex: Mankind Divided zumindest die Wahl, ohne zu einem bestimmten Verkäufer gehen zu müssen. Dennoch: Die ganze Sache stinkt gewaltig.
Auch weil derzeit nicht klar ist, ob bei Vorbestellung über den Square Enix-Store oder Steam die getätigte Vorauszahlung zurückerstattet wird, sollten Käufer kurz vor Veröffentlichung in einigen Monaten einen Rückzieher machen und sich umentscheiden.
Am Kunden vorbei gedacht
Quelle: Square Enix
Sind derartig ausgeklügelte Vorbesteller-Mechaniken die Zukunft? Hoffentlich nicht.
Square Enix ist nun beileibe nicht die erste Firma, die mit solch kundenunfreundlichen, die Spielerbasis zersplitternden Vorbesteller-Aktionen ihr Unverständnis gegenüber den Wünschen der Fangemeinde ausdrückt. Aber die Vorbesteller-Kampagne zu Deus Ex: Mankind Divided erreicht in Sachen "von blindem Kommerz gesteuerten, unglücklich präsentierten Marketing-Aktionen" eine neue Stufe der Unverschämtheit. Nicht umsonst hat das Pre-order-Video auf Youtube ein rekordverdächtiges Verhältnis von verschwindend wenigen "Likes" und übermäßig vielen "Dislikes" - beim Schreiben dieses Artikels waren es 403 vs. 28.047 Daumen.
Vielen Spielern dürfte vor allem die süffisante Art und Weise sauer aufstoßen, mit der die Marketing-Abteilung des Publisher die Existenz seit jeher umstrittener Vorbesteller-DLCs als willkommene Neuigkeit verkauft. In meinem Kopf sagt die Frauenstimme im Video Sätze wie: "NATÜRLICH gibt es Vorbesteller-Boni! Und JA, NICHT ALLE KÄUFER SIND GLEICH. Wir geben Vorbestellern EXKLUSIVE INHALTE. Alle anderen haben PECH GEHABT! Ist das nicht TOLL?"
Nein, ist es nicht.
Quelle: Square Enix
Rein spielerisch macht Deus Ex: Mankind Divided bisher einen fantastischen Eindruck. Nur das Marketing enttäuscht.
Exklusive DLCs, egal ob bei ausgewählten Händlern oder direkt vom Hersteller sind nie toll. Denn potenzielle Käufer haben so immer wieder das Gefühl, nicht das komplette Spiel zu bekommen. Nicht umsonst häufen sich bei Meldungen dieser Art die Kommentare, dass man "auf die Game of the Year-Edition warten" werde. So bewirken derartige Vorbesteller-Aktionen letztlich genau das Gegenteil von dem, was Publisher wie Ubisoft, Electronic Arts oder Square Enix bezwecken: Die Spieler warten mit dem Kauf und schlagen nicht zum Vollpreis zu, sondern holen sich die Spiele Monate später zu hohen Rabatten. Und ganz nebenbei bekommen die Raubkopierer neue Argumente für den Besuch einer illegalen Tauschbörse geliefert - da gibt's das Spiel nämlich garantiert mit allen Vorbesteller-Boni.

Dass man dabei in Summe vielleicht etwas mehr bezahlt als bei der Vorbestellerversion ist durchaus wahrscheinlich, allerdings sind das meist Unterschiede von ein paar wenigen Euro ...
Und bevor jetzt jemand mit Paradox um die Ecke kommt ... Ausnahmen bestätigen die Regel. ;)
Gerade auf dem PC muss man doch eh vorsichtig sein, weil da manchmal PC Versionen richtig verhauen werden. So wurde mir z.B. das Desaster beim neuen Batman-Spiel erspart.
Bei mir kam damals das Umdenken mit GTA 4. Seitdem bin ich in solchen Sachen vorsichtiger geworden.
Ausnahmen sind Collector's Editionen. Da geht's manchmal nicht anders, weil man ohne Vorbestellung sonst keine mehr bekommt :-|
Und wenn's ganz arg übertrieben wird mit DLCs und Season Pass, dann wartet man gerne auch mal auf eine Goty.
Nein, da halt ich's mit Lox-TT: Vorbestellen allgemein ist Blödsinn, bei digitalen Versionen ist es Blödsinn im Quadrat. Die einzige Ausnahme hierbei sind physikalische Collectors-Editionen (oder wie auch immer sie genannt werden), da diese in der Regel nur in einer begrenzten Stückzahl vorhanden sind. Wenn man eine derartige Box haben will, kommt man meist um das Vorbestellen nicht herum. Allerdings liegen hierbei die Preise meist in Regionen, dass sich das eigentlich nur die hartgesottensten Fans der jeweiligen Spiele antun und diese Zielgruppe ist meist überdurchschnittlich gut über das Spiel informiert.
Ich habe in meinem ganzen Leben genau 2 Spiele vorbestellt ... und zwar die physikalische Collectors-Edition zu "Diablo 3" und "Reaper of Souls".
Wirklich frech war doch auch bei Mortal Kombat X die Vorbestelleraktion mit Goro. Alle anderen durften sich den schön für nen 5er nachlösen.