Rocket League-Kommentar: Warum Verlieren so viel Spaß macht

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Kein Frust bei Rocket League: Woher kommt die Faszination am Auto-Fußballspiel?
Quelle: PC Games

Wer in Rocket League verliert, schiebt anders als in vielen Multiplayer-Spielen selten Frust, sondern stürzt sich meist sofort in die nächste Partie. Woher rührt dieser Gleichmut? Redakteur Peter Bathge macht sich auf die Suche nach Gründen.

Die gesichtslose Menge auf den Tribünen tobt. Hier im Utopia Coliseum sind noch 20 Sekunden zu gehen. Das blaue Team hechelt einem knappen 3:4-Rückstand hinterher. Es war eine begeisternde Partie bis hierher, voller Volleyschüsse, Flugkopfbälle und spektakulärer Rettungsaktionen auf der Linie. Eine Verlängerung wäre verdient.

Der vielleicht letzte Anstoß des Spiels. In meinem blau-rot gestreiften Backfire-Roadster mit Peace-­Zeichen-Anhänger brause ich gen Ball. Pressschlag! Die Kugel fliegt in Richtung Stadiondach. Einer meiner Kollegen schmeißt den Turbo an, hebt ab vom Rasen und erwischt den Ball in der Luft. Wie elektrisiert sausen alle Spieler in Richtung der linken Spielfeldecke vor dem Tor von Team Orange. Nur mein Roadster hält sich zurück, lauert mittig vor dem Kasten auf die Flanke. Ich werfe einen nervösen Blick auf die Uhr. Zehn Sekunden noch.

Mit einer Mischung aus Glück und Entschlossenheit bugsieren meine zwei Teamkameraden den Ball an ihren Gegenspielern vorbei. Der Torwart von Orange geht dazwischen … und wieder rauscht der Ball Richtung Decke! Noch fünf Sekunden.

"Jetzt oder nie!", denke ich mir und beschleunige. Kurz bevor das Spielgerät auf dem Rasen aufsetzt, lege ich einen Salto mit meinem Spielzeugauto hin, erwische den Ball mit einem Rad. Die Kugel fliegt Richtung Tor, ich drehe ab zum Jubeln … Latte!

Geschockt starre ich dem Ball hinterher. Team Orange kennt kein Erbarmen. Das blaue Tor ist leer. Es folgt ein sehenswerter Weitschuss – und es steht 3:5. Das Spiel ist aus.
Ich bin ein Loser.

"Was soll's?", denke ich mir und drücke den "Bereit"-Knopf im Menü. Ja, ich will noch eine Partie spielen!

Leidenschaft Fußball

Für solche Karambolagen gibt es keine Strafen und daher auch keine umstrittene Entscheidungen, die für Frust sorgen könnten. Quelle: PC Games Für solche Karambolagen gibt es keine Strafen und daher auch keine umstrittene Entscheidungen, die für Frust sorgen könnten. Rocket League ist Fußball mit Autos und ruft dieselben Emotionen hervor wie das echte Rasenschach. "Ooooh!", "Das gibt's doch nicht!", "Aah, sooo knapp!" und "Schön gemacht!" sind nur ein paar der Ausrufe, die mein Mund sowohl beim samstäglichen Sportschau-Gucken als auch beim abendlichen Rocket League-Spielen formt. Doch Anlass für richtigen Ärger gibt es am PC so gut wie nie, selbst wenn meine Mannschaft so unglücklich verliert wie weiter oben geschildert. Dagegen gibt's reihenweise Youtube-Videos von FIFA-Spielern, die nach einer versiebten Multiplayer-Partie ihren Controller schrotten. Verantwortlich für den Unterschied? Eine ganze Reihe von Faktoren.

Dabei sein ist alles

Rocket League hat eine absurde Grundprämisse. Meine Güte, wir kontrollieren Spielzeugautos, die einen riesigen Ball übers Spielfeld schieben! Es fällt mir schwer, mich angesichts der chaotischen Zustände auf dem Spielfeld aufzuregen. Wenn Autos ineinandercrashen, Angreifer den in Richtung Tor torkelnden Ball um wenige Zentimeter verpassen und letztlich der Verteidiger im Rückwärtsgang die Pille aus Versehen über die Linie drückt, ist das eher lustig als ärgerlich.

Seine Natur als Partyspiel (Tipp: unbedingt mal im Splitscreen-Modus ausprobieren!) kommt Rocket League auch online zugute, denn Psyonix' Überraschungs-Hit spricht eine ganz andere (entspanntere) Zielgruppe an als Simulationen wie FIFA und PES. Es geht nicht ums Gewinnen, man will einfach nur eine schöne Zeit verbringen. Mit zwei, vier, sechs oder auch acht Spielern gibt's zudem deutlich mehr Freiräume als auf einem echten Fußballfeld, wo sich 22 Profis auf den Füßen stehen.
In Rocket League ist es daher einfacher, einen kleinen Fehler wieder auszubügeln. Jeder hat mal die Chance auf seinen einen großen Moment. Selbst wer lediglich gerade so die Grundlagen des Spiels verstanden hat, kann glänzen, indem er etwa den Ball von der Linie boxt oder vorne da­rauf spekuliert, dass die gegnerische Abwehr einen Fehler macht. Die Banden erhöhen zudem die Chance auf Abpraller; selbst wilde Befreiungsschläge aus der eigenen Hälfte heraus können unter Umständen im Tor landen. Ein großer Spaß! Wer coole Tricks wie solche Flugeinlagen sieht, ist sofort motiviert, das selbst zu lernen. Quelle: PC Games Wer coole Tricks wie solche Flugeinlagen sieht, ist sofort motiviert, das selbst zu lernen.


Freundliche Atmosphäre

Auch wenn es nicht ums Gewinnen geht ... natürlich ist es trotzdem schön, wenn es mal läuft. Quelle: PC Games Auch wenn es nicht ums Gewinnen geht ... natürlich ist es trotzdem schön, wenn es mal läuft. Gelingt ein solcher Kunstschuss, regiert nur äußerst selten der Neid. Stattdessen bekomme ich Glückwünsche über das Kommunikationssystem des Spiels, oft sogar vom anderen Team. Man gratuliert einander, da man weiß: Im Flug den Ball zu treffen oder das Leder im letzten Moment von der Linie zu kratzen, das ist gar nicht so einfach! Die anschließende Wiederholung offenbart die Genialität des Schusses (oder die unglücklichen Umstände der verfehlten Parade) für alle. Umso größer ist zugleich die Motivation, sich selbst diese Fähigkeiten anzueignen.

Ganz wichtig: Es gibt keine umstrittenen Entscheidungen, keinen Schiedsrichter, der gelbe und rote Karten verteilt. Die Torlinienkamera sorgt dafür, dass anders als im echten Fußball niemand darüber diskutiert, ob der Ball jetzt wirklich drin war oder nicht. Ein Satz, den ihr bestimmt nie in Rocket League hören werdet: "Du hast doch nur gewonnen, weil die Schiedsrichter-KI verbuggt ist!"

Nur noch ein Spiel!

Gute Laune unabhängig vom Ergebnis: Das ist auch ein Verdienst des Drumherums der Rocket
League-Partien. Matches dauern knackige fünf Minuten. Genug Zeit, um einen frühen Rückstand noch auszugleichen oder im Duell mit einer überlegenen Mannschaft zumindest den Ehrentreffer zu erzielen. Gleichzeitig aber so kurz, dass die Zeit aufgrund des rasanten Spielverlaufs wie im Flug vergeht.

Nach dem Abpfiff ist die Versuchung groß, sofort ein weiteres Match anzuhängen. Sind ja nur fünf Minuten! Clever: Ein einziger Tastendruck reicht, um sich zu einer Revanche bereitzuerklären. Die Motivation dafür rührt auch von dem intelligenten Belohnungssystem her: Für jede absolvierte Partie gibt es einen neuen (rein kosmetischen) Ausrüstungsgegenstand, egal ob ich gewinne oder verliere. Erfahrungspunkte, die meinen Level in die Höhe treiben, werden zudem in jedem Fall großzügig ausgeschenkt: 1.000 gibt es für einen Sieg, 750 für eine Niederlage.

Und schlussendlich ist auch die Leistungsbewertung innerhalb einer Begegnung fair. Ich muss nicht unbedingt Tore wie am Fließband schießen, um Punkte zu erhalten – auch geglückte Abwehrversuche, Vorlagen und sogar die erste Berührung des Balls nach einem Anstoß generieren Zähler. Die Auszeichnung als MVP, als wertvollster Spieler der Partie, kann schon mal über einen verpassten Sieg hinwegtrösten. Grund zum Ärgern gibt es in jedem Fall keinen.

Ist doch schließlich nur Fußball! Mit Autos.

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    • Kommentare (7)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Comp4ny Mitglied
        Zitat von sauerlandboy79
        Der soll aber nix taugen, sagen sowohl Spieler als auch Test.
        Das ist eine andere Sache... nur sagte er ja dass es keinen geben soll.
        Warum wollen alle immer einen Singleplayer haben?!
      • Von Comp4ny Mitglied
        Zitat von sauerlandboy79
        Der soll aber nix taugen, sagen sowohl Spieler als auch Test.
        Das ist eine andere Sache... nur sagte er ja dass es keinen geben soll.
        Warum wollen alle immer einen Singleplayer haben?!
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Zitat von Comp4ny
        Klar gibt es nen "Solo"-Modus.
        Der soll aber nix taugen, sagen sowohl Spieler als auch Test.
      • Von Comp4ny Mitglied
        Zitat von sauerlandboy79
        Schade dass es keinen brauchbaren Solo-Modus hat. Wäre sonst ein Must-Have für mich, aber so...
        Klar gibt es nen "Solo"-Modus.
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Schade dass es keinen brauchbaren Solo-Modus hat. Wäre sonst ein Must-Have für mich, aber so...
      • Von Orzhov Mitglied
        Zitat von Comp4ny
        Naja Freundlichkeit ist in manchen Spielen alles andere als vorhanden. Erst gestern im HITBOX.tv-Stream gab es mehrfach Spieler, die einen auf dem untersten Niveau beleidigt haben, die Mutter ins Spiel brachten und und und und.
        Du bist nur nicht sensibilisiert genug. Vermutlich sorgte sich da nur jemand um das wohlergehen der Mutter eines anderen.
      Direkt zum Diskussionsende
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