Victor Vran: Solides Action-RPG mit Schwächen beim Beutesystem
Mit Victor Vran ist den Tropico-Machern eine gelungene Konkurrenz für Diablo und Co. gelungen. Das Action-Rollenspiel verbindet dynamische Kämpfe mit einem Skill- und Charakterentwicklungssystem, leistet sich jedoch nervige Designschwächen. Im nachfolgenden Test klären wir, ob sich die Anschaffung lohnt.
Zagoravia: Einst ein blühendes Juwel von einem Königreich, heute nur noch ein Spielplatz für Untote, Monster und noch schlimmere Gestalten. Der perfekte Ort für einen Dämonenjäger wie Victor Vran, um sich auszuzeichnen. Der Held des Action-Rollenspiels der bulgarischen Entwickler von Haemimont Games (Tropico-Serie) hat aber auch persönliche Gründe, Zagoravia einen Besuch abzustatten. Mehr müsst ihr über die Story des Spiels nicht wissen, denn sie tritt schnell in den Hintergrund. In Victor Vran dreht sich alles um effektreiche, schnelle und turbulente Massenscharmützel, garniert mit hübsch inszenierten Bosskämpfen. Das klingt nach Diablo oder Torchlight und spielt sich anfangs auch so. Die Haemimont-Jungs wollen mit ihrem Victor Vran aber keineswegs nur eine schnöde Kopie erfolgreicher Action-RPGs abliefern.
Ein Held, viele Möglichkeiten
Die Unterschiede beginnen schon bei der Charakterwahl. Eine solche gibt es hier nämlich nicht. Ihr spielt den Abenteurer Victor Vran, der sich auf den Umgang mit Nah- und Fernkampfwaffen versteht und über mächtige Dämonenkräfte verfügt. Welche Grundfähigkeiten euer Held beherrscht, hängt dabei stets von der ausgewählten Waffe ab. Neben einer Standardattacke bietet jede Waffe zwei Spezialattacken mit Abklingzeit, deren Stärke abhängig vom Level des Gegenstands ist. Zur Wahl stehen vier Nahkampfwaffen (Hammer, Sense, Rapier und Schwert) und drei für den Fernkampf (Mörser, Schrotflinte und Blitzgewehr). Ihr könnt von jeder Art beliebig viele in eurem unbeschränkten Inventar aufbewahren, jedoch nur zwei ausrüsten und diese im Kampf per Tastendruck wechseln. Wegen der Gegnermassen ist Flexibilität gefragt: bei größeren Feindansammlungen ist beispielsweise die Wirbelattacke der Sense, die viele Gegner trifft, sehr nützlich.
Quelle: Haemimont Games
Die Kamera ist zwar drehbar, aber meist recht weit weg vom Geschehen. Nahaufnahmen wie diese treten an manchen Stellen auf, weil das Leveldesign es erfordert.
Mit dem Hammer teilt ihr hingegen langsame Einzelschläge aus. Im Laufe des Abenteuers lernt ihr zudem die Nutzung diverser waffenunabhängiger Dämonenkräfte. Manche stärken kurzzeitig eure Angriffskraft, während andere verheerenden Flächenschaden anrichten. Um diese besonderen Fertigkeiten anwenden zu können, müsst ihr durch normale Angriffe erst einmal die nötige Overdrive-Energie aufbauen.Ein typischer Bosskampf: Zahlreiche Gegner und viele überlagernde Grafikeffekte sorgen dafür, dass die Scharmützel oft unübersichtlich ausfallen. Der Held samt Sense steht mittendrin. Die Kamera ist zwar drehbar, aber meist recht weit weg vom Geschehen. Nahaufnahmen wie diese treten an manchen Stellen auf, weil das Leveldesign es erfordert. Inventar und Menüführung des Spiels sind noch verbesserungswürdig. Einen komfortablen Item- Vergleich gibt es beispielsweise auch nicht.
Schicksalhafte Dämonenkräfte
Quelle: Haemimont Games
Ein typischer Bosskampf: Zahlreiche Gegner und viele überlagernde Grafikeffekte sorgen dafür, dass die Scharmützel oft unübersichtlich ausfallen. Der Held samt Sense steht mittendrin.
Auch wenn ihr Charakterklassen oder Talentbäume in Victor Vran vergeblich sucht, habt ihr die Möglichkeit, euren Helden an eure bevorzugte Spielweise anzupassen. Ihr könnt eure Fähigkeiten und Charakterwerte aufbessern, indem ihr sogenannte Schicksalkarten ausrüstet. Je höher der Level einer solchen Karte, desto größer fällt der Bonus aus. So vergrößert ihr euren Schadensausstoß, erhöht die Chance auf kritische Treffer oder gönnt euch mehr Lebensenergie. Manche Karten verschaffen euch auch nützliche Boni wie eine verbesserte Drop-Chance für hochwertige Gegenstände oder mehr Goldstücke für erledigte Monster. Eine weitere Möglichkeit, euren Helden zu individualisieren, stellen legendäre Kostüme dar, die ihr bei Stufenaufstiegen als Belohnung bekommen oder in den Levels finden könnt.
Anders als in Diablo gibt es nur einen einzigen Platz für Rüstungen. Ihr müsst euch daher gut überlegen, welches Kostüm ihr verwenden wollt. Im Rahmen von Levelaufstiegen bekommt ihr neben neuen Kostümen auch noch nützliche Gegenstände wie Tränke oder Schatzkisten, die nette Beute enthalten können. Darüber hinaus erhält euer Charakter für jede neue Stufe (Maximal-Level ist 50) noch eine festgelegte Aufwertung: mehr Lebensenergie, weitere Schicksalkartenplätze oder Schicksalspunkte. Letztere sind besonders wichtig, denn sie bestimmen, wie mächtig die ausgerüsteten Karten sein dürfen. Habt ihr drei Slots für Schicksalkarten und zehn Schicksalspunkte, dann darf der Gesamtlevel aller Karten nicht höher als zehn sein.
Macht nur mit dem Gamepad Spaß
Während ihr euren Helden mit Maus und Tastatur steuern könnt, so empfehlen wir euch aber dringend, den Titel mit dem Gamepad zu spielen. Der Spielablauf und die Kämpfe sind damit deutlich flüssiger und präziser. Und auch die Drehung der Kamera (ein absolutes Muss in Victor Vran) geht mit dem rechten Analogstick des Controllers viel besser von der Hand als mit gedrückter rechter Maustaste. Besonders die zumeist gut inszenierten, durchdachten Boss-Fights, die oft noch hektischer als normale Kämpfe ausfallen, werden mit der trägen, überladen wirkenden Maus- und Tastatursteuerung.
Geheimnisse und Herausforderungen
Quelle: Haemimont Games
Der Hammer ist die stärkste Nahkampfwaffe, aber viel langsamer als Sense, Schwert oder Rapier.
Die über 40 Levels im Spiel sind recht abwechslungsreich und anders als beispielsweise in Diablo 3 nicht zufallsgeneriert. Jeder Abschnitt enthält zumindest einen gut versteckten Geheimbereich mit der Chance auf Beute oder Gold. Um ein solches Secret zu finden, müsst ihr euch gut umsehen und zuweilen kleine Hüpfpassagen meistern. In jedem Abschnitt des Spiels erwarten euch zudem fünf Herausforderungen. Meistert ihr diese, werdet ihr dafür mit Beutekisten, Gold und Erfahrungspunkten belohnt. In späteren Levels müsst ihr sogenannte Flüche aktivieren, um besonders schwierige Challenges überhaupt freizuschalten.
Jeder der fünf Flüche stellt einen optionalen Schwierigkeitsmodifikator dar, der euch schwächt oder Gegner stärkt. Als Belohnung für die Aktivierung eines Fluchs winken zusätzliche Erfahrungspunkte und eine erhöhte Drop-Chance für Gegenstände. Habt ihr den Endboss nach etwas mehr als 20 Stunden besiegt, schaltet ihr zu den normalen Challenges fünf weitere, besonders harte Elite-Herausforderungen frei. Für zusätzliche Langzeitmotivation sollen zwei Arenen (PvE und PvP) sowie der Koop-Modus sorgen. Wir haben uns für den Test auf die Einzelspielererfahrung konzentriert.
Kaputtes Beutesystem
Quelle: Haemimont Games
Inventar und Menüführung des Spiels sind noch verbesserungswürdig. Einen komfortablen Item- Vergleich gibt es beispielsweise auch nicht.
So interessant die Levels und die damit verbundenen Herausforderungen und Boni auch sind: Das Salz in der Suppe in jedem Action-RPG ist die Beute, die erledigte Gegner zurücklassen. Während ihr mit Gold und (oft wertlosen) Waffen geradezu überschwemmt werdet, sind Dämonenkräfte und Schicksalkarten schon seltener. All diese Beutegegenstände gibt es in vier Qualitätsstufen: normal, selten, rar und legendär. Obwohl die vorliegende Testversion inhaltlich vollständig und ansonsten praktisch fehlerfrei war, machte das Loot-System keinen guten Eindruck. Zu oft hinterließen selbst knüppelharte Endgegner und Minibosse trotz aktivierter Flüche nur wertlosen Item-Schrott. Der Gipfel war ein grüner (die Farbe für seltene Items) Hammer, den wir selbst auf Stufe 3 eher dem Händler für ein paar Goldstücke überlassen hätten, als ihn zu benutzen.
Nicht zuletzt wegen unseres Feedbacks schrauben die Entwickler bis zum Erscheinen des Spiels (und wohl auch darüber hinaus) noch am Loot-System. Eine Flut legendärer Items ist aber auch dann nicht zu erwarten. Die Entwickler setzen darauf, dass Spieler auf Höchstlevel sich durch die Elite-Herausforderungen und die kurz vor Release eingeführten Arenen quälen, um legendäre Gegenstände zu ergattern. Es gibt aber noch eine weitere Option, an mächtigere Waffen oder aufgewertetes Equipment zu kommen. Das Zauberwort lautet Transmutation. Im Schloss von Zagoravia, das als euer Stützpunkt fungiert, könnt ihr euch nicht nur bei Händlern mit Vorräten ausrüsten und Schrott verscherbeln. Ihr dürft hier auch Waffen, Karten und Dämonenkräfte aufbessern und gar neue Gegenstände erschaffen. Dieser Craftingprozess ist aber unnötig umständlich und oft sind die Ergebnisse den Aufwand nicht wert.
Technisch gelungen
Quelle: Haemimont Games
Bevor ihr einen Level betretet, dürft ihr festlegen, welche Schwierigkeitsmodifikatoren (Flüche) dafür gelten sollen. Manche Herausforderungen könnt ihr nur mit aktivierten Flüchen bewältigen.
Im Gegensatz zum noch unausgereiften Transmutations-Feature und dem recht motivationsarmen High-Level- Gameplay ist den Entwicklern die technische Umsetzung des Titels richtig gut gelungen. Die Levels sind wie schon angedeutet abwechslungsreich, mit vielen Details versehen und hübsch gestaltet. Was die recht bunten Effekte in Kämpfen angeht, haben es die Grafiker von Haemimont stellenweise etwas übertrieben, die Darstellung ist aber stets flüssig und hinterlässt – wie auch die Levels – einen durchweg stimmigen Eindruck. Gut gelungen ist darüber hinaus die deutsche Sprachausgabe: Dem Selbstgespräche führenden Held hat man die deutsche Stimme von Nicolas Cage verpasst. Victors Gegenspieler, der ihn im Laufe des Spiels immer wieder mit sarkastischen Kommentaren piesackt, wurde im Deutschen ebenfalls gut getroffen. Die englische Sprachausgabe ist nur minimal besser. Die Musikuntermalung ist zumeist atmosphärisch, das eine oder andere Musikstück hat uns nach über 20 Stunden Spielzeit aber schon etwas genervt.

Mir gefällt vor allem der unterschwellige Humor sehr gut, die Stimme im Kopf lässt mich immer wieder schmunzeln. Und mit Gamepad macht die Steuerung auch richtig viel Spaß, da kommt bei mir mehr Freude auf als wenn ich bei Path of Exile nur am Klicken bin. Sicher hilft auch, dass ich gerade erst The Witcher 3 gespielt habe und Victor denselben Synchronsprecher ergattert hat, fühlt man sich gleich wie zuhause. Ich bin jedenfalls sehr angetan.
Das Spiel ist eben kein Klon, sondern geht eigene Wege. Das polarisiert natürlich! Mir persönlich gefällt VV nach den ersten zehn Stunden aber sehr gut.
Allerdings werden erst die nächsten Wochen/Monate zeigen ob sich Victor behaupten kann. Es sind zunächst drei kostenlose DLCs geplant, die das Spiel etwa um zufallsgenerierte Karten mit täglichen Herausforderungen erweitern. Damit, und mit ein wenig Arbeit am Lootsystem, dürfte sich VV hoffentlich in dem Genre etablieren.
Und bei den Fehlern bzw. nicht vorhandenen Features für ein ARPG verstehe ich dann auch die 75% nicht wirklich.
@Celerex
Grim Dawn ist ja praktisch Titan Quest 2. Wenn sie es also nicht massiv versauen, sollte da schon was gutes bei raus kommen.
Hatte mich bei Let's Plays schon über die miese Framerate gewundert und seitdem ichs hab, kann ichs selber nachvollziehen.
Das Spiel ansich ist nicht schlecht, aber ich weiß nicht, ob es an Spiele wie Torchlight 2 (welches selber nicht perfekt ist) heran reicht, was den Spielspass und vor allem Co-op betrifft. Bin noch zwigespalten, ob ich es ein zweite mal für meine Frau kauf um zusammen zu zocken. Bei ihr muss man alles auf Minimum stellen, damit es auf ihrem Laptop in spielbaren FPS läuft.
Was den Loot betrifft, wären mir mehr Slot und somit mehr Abwechslung bei den Drops lieber. Ich mochte schon immer Spiele, bei denen es viele verschiedene Rüstungsteile/-slots gab, wie z.B. bei Ultima Unterworld, dessen Character-interface Nostalgie-Gefühle bei mir erweckt.
Btw. bisher nur zwei Ex-Stolpener im Thread. ;)