Portal Stories: Mel im Mod-Test - Schon fast ein Add-on
Frischer Rätsel-Nachschub für Portal 2: Mit Portal Stories: Mel haben Fans eine kostenlose, aufwendige Story-Kampagne gebastelt, die Valves Kultspiel alle Ehre macht. Portal-Profis dürfen sich auf satten Umfang, klasse Atmosphäre und sauschwere Puzzles freuen.
Ungläubiges Staunen, als der Abspann durchläuft: Hinter Portal Stories: Mel steckt tatsächlich kein Profi-Entwickler! Stattdessen war es "nur" ein kleines, engagiertes Modding-Team, das diese aufwendige Story-Kampagne für Portal 2 gebastelt hat. Hut ab, ihr Leute von den Prism Studios! Euer Spiel könnte glatt als kleines Add-on durchgehen.
Let's do some science!
Quelle: PC Games
Traktorstrahlen kommen in den Puzzles etwas zu oft zum Einsatz.
Portal Stories: Mel erzählt eine völlig neue Story, die aber im Einklang mit der offiziellen Handlung steht und irgendwo zwischen Portal 1 und 2 angesiedelt ist. Alles beginnt im Jahr 1954: Als Profi-Sportlerin Mel begeben wir uns nach Aperture Science, um dort an wissenschaftlichen Tests mitzuwirken. Begleitet von einer amüsanten Begrüßung des Milliardenspinners Cave Johnson (der hier natürlich nicht von J.K. Simmons gesprochen wird), haben wir endlich die Gelegenheit, Aperture Science vor seinem Verfall zu erleben. Weil das gesamte Areal aber leider völlig unbelebt ist, gibt's außer ein paar gelungenen Anspielungen und Umgebungsdetails nur wenig zu entdecken, darum fahren wir schon bald per Aufzug in die Tiefen der Testkammern hinab, legen uns dort in eine Schlafkapsel – und erwachen erst viele Jahre später.
Ab hier folgt Portal Stories: Mel über weite Strecken dem gleichen Muster des Hauptspiels. Wir müssen uns durch verschiedenste Kammern, Gänge und riesige Hallen knobeln, um die Anlage wieder zu verlassen. Unterstützt werden wir dabei von einem brandneuen Charakter, der deutlich an Wheatley aus Portal 2 angelehnt ist. Dass dabei weder Charme noch Witz des überragenden Originals erreicht werden, dürfte wohl niemanden wundern. Trotzdem sorgt der neue Sprecher für ein paar heitere Momente und legt sich kräftig ins Zeug – das schafft Atmosphäre. Neben der englischen Vollvertonung gibt's sogar zwei kurze Rendervideos, die den Einstieg sowie das gelungene Finale stimmungsvoll abrunden. (Kleiner Tipp: Abspann durchlaufen lassen!) Das entschädigt auch etwas dafür, dass der Plot keinerlei überraschende Wendungen bietet.
Nur für Profis: Knobeln an der Frustgrenze
Quelle: PC Games
Argh! Überall stehen Barrieren, die unsere Würfel blockieren.
Spielerisch setzt Portal Stories: Mel auf die gleichen Mechaniken des Hauptspiels: Portale, Gele, Sprungfelder, Traktorstrahlen, Druckschalter, Würfel, Selbstschussanlagen und Prismen, mit denen wir Laserstrahlen umlenken – das und vieles mehr kennen wir schon. Allerdings setzt der Schwierigkeitsgrad der Mel-Kampagne ungefähr dort an, wo Portal 2 aufhörte – und das bedeutet, dass sich selbst Profis an so manchem Puzzle kräftig die Zähne ausbeißen! Spätestens bei den höllisch vertrackten Testkammern in der zweiten Spielhälfte ist es keine Schande, auch mal einen Blick in einen Video-Walkthrough zu werfen. Erst gegen Spielende nimmt die Herausforderung dann kurioserweise deutlich ab – hatten wir vorher mehrmals mit dem Gedanken geliebäugelt, Maus und Tastatur beherzt gegen die Wand zu knallen, knackten wir die letzten zwei Stunden fast im Schlaf. Doch bis man dorthin gelangt, ist viel Geduld und Hirnschmalz nötig. Portal Stories: Mel richtet sich also klar an Veteranen mit ordentlicher Frustresistenz.
Dafür wird man mit einem satten Umfang belohnt: Selbst mit dem ein oder anderen Blick in die Komplettlösung sollte man sechs bis acht Stunden einplanen, um das Ende zu erleben. Wer wirklich alles auf eigene Faust knacken will und entsprechend gute Nerven mitbringt, dürfte auch deutlich länger beschäftigt sein! Damit bringt das kostenlose Portal Stories sogar mehr Spielzeit auf die Waage als so mancher Vollpreistitel.
Bewährte Technik, gute Atmosphäre
Quelle: PC Games
Viele der großen Areale sehen sehr gut und stimmungsvoll aus.
Optisch hat Portal Stories: Mel leider nichts Neues zu bieten; sowohl das Design der Testkammern wie auch die verfallenen, teils gigantischen Schächte und Hallen in den Tiefen des Aperture-Komplexes sind größtenteils dem Originalspiel entnommen. Auch technisch geht man auf Nummer sicher, einige Matsch-Texturen und grobe Levelbauten zeugen vom Alter der betagten Source-Engine. Gute Lichteffekte und schöne Levelarchitektur gleichen das aber locker wieder aus.
Einen durchwachseneren Eindruck hinterlässt dafür die Musik: Für Portal Stories: Mel haben die Hobby-Entwickler einen brandneuen Soundtrack geschrieben, der in seinen besten Momenten wunderbar atmosphärisch daherkommt und deutlich ans Valve-Original erinnert. Schlimmstenfalls dudeln aber auch laute, eintönige Techno-Melodien in der Endlosschleife, was uns besonders dann auf den Wecker geht, wenn wir mal wieder in einem der knackig-schweren Puzzles festhängen. In solchen Fällen stellt man den Ton auch gerne mal ein Weilchen aus, bis wieder eines der besseren Musikstücke läuft – denn zum Glück überwiegen die guten Tracks.
Schöner Service: Der komplette Soundtrack liegt dem Spiel als kostenloser Download bei und ist auch separat über Steam zu bekommen.

das ist in diesem fall ein echtes qualitätsmerkmal. man muss sich oftmals alles ertmal genau ansehen bis man auf die lösung kommt, macht echt spass. und ich würde sogar behaupten es knüpft nicht an den schwierigkeitsgrad vom hauptspiel an, sondern topt ihn noch ein wenig, da ich portal weder im single noch im multiplayer sonderlich schwer fand. im multiplayer gibt es nur eine einzige schwere kammer ;)
Zu dieser speziellen Mod: Werde ich mir auf jeden Fall mal anschauen. Gerade wenn es aeusserst knifflig wird, dann koennte es richtig gut werden. Portal 2 war eigentlich erst im Ko-op Modus so richtig spassig. Naja, zumindest sage ich das jetzt. Ich melde mich dann nochmal, wenn ich 2 Stunden in einer Testkammer festsitze. :)
Auf jeden fall danke fuer den Bericht Felix!