Half-Life 2 Replay: Ist City 17 immer noch eine Reise wert?
Lohnt sich die Rückkehr an einen der ikonischsten Orte der Spielegeschichte? Redakteur Peter Bathge hat elf Jahre nach dem ursprünglichen Release von Half-Life 2 einen Abstecher nach City 17 gemacht. Dabei bekämpfte er Combine-Soldaten und Headcrabs, probierte Grafik-Mods aus und war am Ende wieder der Überzeugung, dass Half-Life 2 immer noch der beste Ego-Shooter überhaupt ist.
Zu gedünsteten Headcrabs passen Reis oder Kartoffeln.
Wer die außerirdischen Springteufel mit Kopffixierung aus Half-Life 2 (jetzt kaufen 28,15 € ) mit ein bisschen Salz abschmeckt, hat eine vollwertige Mahlzeit, die alle Vitamine enthält, welche ein Ego-Shooter-Held zum Wachsen benötigt. Oder zumindest steht es so im Vortigaunt-Kochbuch: Gerichte der Milchstraße.
Quelle: PC Games
Die NPCs sind alte Bekannte! Wieder mit Alyx und Dog (rechts) durch City 17 zu ziehen, fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen.
Irgendwas muss dran sein an den Kochkünsten der einäugigen Aliens mit den langen Armen und dem stoischen Gemüt - ansonsten würden sie von den menschlichen Rebellen in City 17 nicht als Köche engagiert. Glaubt ihr nicht? Dann guckt euch beim ersten Zusammentreffen mit Eli Vance im Level "Black Mesa East" genau um: Hinter der Tür rechts vom Eingang starrt Dr. Judith Mossmann auf einen Monitor. Darauf zu sehen: die kochenden Vortigaunts. Was man nicht so alles entdeckt, wenn man Half-Life 2 nach all den Jahren wieder spielt!
Originalgetreue Optik
Braucht es einen Grund, den besten Ego-Shooter, den es je gab, abermals auszugraben? Nein. Aber zumindest gibt es inzwischen gleich mehrere hervorragende Ausreden, mit denen ihr die erneute Installation von Hauptspiel samt Episode 1+2 rechtfertigen könnt. Eine davon nennt sich Half-Life 2: Update.
Die kostenlose Modifikation verbessert unter anderem die Darstellung von Licht und Schatten. High Dynamic Range (HDR) Rendering, das einst in der Zusatzmap Lost Coast sein Half-Life-Debüt feierte, funktioniert nun in allen altbekannten Levels. Das Ergebnis sind weichere Schatten, ein hübscherer Lichteinfall und eine allgemein bessere Ausleuchtung. Im düsteren Ravenholm-Level (siehe Fotoalbum oben) sorgt das etwa für ein Plus an Atmosphäre! Außerdem gibt's einen schicken Unschärfe-Effekt unter Wasser.
Das Beste an der Update-Mod: Die Änderungen sind so subtil, dass sie einem nach elf Jahren Pause gar nicht groß auffallen. Beim Ausprobieren waren wir etwa schlicht der Meinung, Half-Life 2 hätte doch schon immer so gut ausgesehen - bis wir den Vergleich mit dem angestaubten Original machten.
Rabiates Remaster
Quelle: PC Games
Das war mal gruselig? Der Horror-Level Ravenholm ist unglaublich stimmig, aber mittlerweile bin ich härtere Gangarten gewöhnt.
Für Half-Life 2: Update haben die Modder den Weg des geringsten Widerstands gewählt und die ursprüngliche Vision von Valve behutsam an moderne Technik-Standards angepasst. Im Vergleich dazu stellt die Cinematic Mod die Brechstange unter den HD-Neuauflagen dar - passt ja auch irgendwie zu Half-Life. Der 45-jährige Jürgen Vierheilig aus Deutschland hat unter dem Synonym FakeFactory umfangreiche Änderungen an Levels, Charaktermodellen, Texturen und Hintergründen vorgenommen. Über 17 Gigabyte schwer ist der Download von Version 1.02 seiner Cinematic Mod 2013. Das Ergebnis ist ein gänzlich neues Spiel. Zumindest optisch.
Dynamisch wandernde Schatten, mehr Häuser im Hintergrund sowie gestochen scharfe Texturen sind dann auch schön anzusehen. Stellenweise übertreibt es Vierheilig unserer Meinung nach aber mit den neuen Requisiten. Vor lauter Kisten, Coladosen, metallisch glänzenden Apparaten und ausgebrannten Autowracks sieht man kaum mehr den Weg zum Levelausgang. Auch die zahlreichen Bäume und Sträucher, die in FakeFaktorys City 17 aus dem Boden sprießen, stören eher den Spielfluss als für staunende "Ach, wie hübsch!"-Ausrufe zu sorgen.
Cinematic Mod: Original-Modelle vs HD-Skins
Vorbildlich dagegen: Mithilfe von Konfigurations-Tool und "Character Pimper" dürft ihr zahllose Einstellungen vornehmen. Die wichtigste Entscheidung ist dabei, ob ihr die überarbeiteten Charaktermodelle der Cinematic Mod verwendet. Egal ob Combine-Soldaten, Zivilisten oder NPCs wie Bösewicht Breen und der rätselhafte G-Man: Alle erhalten auf Wunsch ein Grafik-Update. Die neuen Skins sind Geschmackssache: Frauen wie die lebenslustige Alyx etwa sehen vorrangig aus wie Supermodels mit in Schönheit erstarrten, von Botox-Lippen und Mascara-Wimpern dominierten Fratzen.
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Das wirkt auf uns in den meisten Fällen unpassend, zumal bei der Umstellung die bis heute geniale Mimik der Originalfiguren verloren geht. Vor Furcht weit aufgerissene Augen, verschmitztes Lächeln, kritisches Stirnrunzeln: Was Valve bereits 2004 der Source Engine an glaubwürdigen Emotionen entlockte, dem hecheln selbst heute noch viele Studios hinterher.

Die Licht- und Schatteneffekte waren damals das einzig gute an dem Spiel, ansonsten ist es leider 0815. Vor allem die Jump scares sind ein schlechter Witz.
Die interaktiven Displays fand ich damals auch noch toll, aber sonst fällt mir nicht viel ein.
Ohne jetzt wie ein Fanboy klingen zu wollen, aber Half-Life 2 ist einer der wenigen Shooter, die ich auch heute noch spielen kann. Am Vorgänger hatte ich mich kürzlich auch mal wieder versucht, aber der ist für mich leider nicht so gut gealtert und kostet Überwindung.
Mir ist es zum Beispiel ein Rätsel wie man Doom 3 gut finden kann.