Unfertige Spiele für Geld? Richtlinien für Entwickler von Early-Access-Spielen
Das Early-Access-Modell soll nicht nur Entwickler, sondern auch Spieler bereichern. Dies scheint nicht allen Anbietern unfertiger Videospiele, die in Alpha- oder Beta-Versionen dargeboten werden, klar zu sein. Von einer attraktiven Preisgestaltung über eine anständige Kommunikation bis hin zu stetigen Updates. Wir zeigen euch, worauf Entwickler bei Erwägung einer Early-Access-Veröffentlichung dringend achten sollten.
Das Thema Early-Access ist ein heikles. Während viele Spieler ohne Nachzudenken auf den Zug aufspringen und unfertige Spiele am laufenden Band kaufen, teilweise um sich dann witzigerweise über den unfertigen Zustand zu beklagen, sehen andere jene Entwicklung in der Spielebranche mit einer gehörigen Portion Skepsis, wenn nicht gar Ablehnung an. Es gibt sowohl Paradebeispiele für gelungene Early-Access-Titel als auch genügende Negativfälle. Viele Spieler verstehen noch immer nicht, weshalb sie Geld für eine Alpha- oder Beta-Version zahlen sollen, statt auf das fertige Produkt zu warten und damit dem Risiko aus dem Weg zu gehen, dass jene Spiele womöglich niemals fertiggestellt werden oder nicht ihren qualitativen Ansprüchen und Erwartungen genügen.
Die Vorteile liegen im Idealfall auf der Hand: Spieletitel wie Bohemia Interactives Militär-Simulation Arma 3 boten vergleichsweise wenige Risiken. Fans der Taktik-Reihe wussten bereits im Voraus, worauf sie sich einlassen, ist Bohemia Interactive doch ein angesehener Genre-Entwickler. Der Preisvorteil und die relativ geringe Entwicklungszeit von einigen Monaten zwischen Early-Access-Start und finaler Veröffentlichung sprachen ebenfalls für den Frühkauf. Wer Arma 3 im März 2013 in der Alpha-Version kaufte, sparte gegenüber der Release-Fassung im darauffolgenden September rund 20 Euro und damit fast die Hälfte des Kaufpreises. Schlussendlich hat es sich für Fans gelohnt: Arma 3 gilt inzwischen als eines der populärsten Online-Spiele, auch dank der engagierten Mod-Community, auf dem PC.
Leider verläuft die Entwicklung zwischen Early-Access-Start und Vollversion nicht bei allen Projekten derart positiv. In einigen Fällen lassen Updates der Entwickler teils Monate auf sich warten, die Kommunikation mit der Community schlaucht und die Inhalte sind am niedrigeren Startpreis gemessen nicht der Rede wert, sodass Käufer keine Basis haben, das Spiel zu diesem Zeitpunkt beurteilen oder mit wichtigem Feedback bereichern zu können. Eines jeder Beispiele ist derzeit der inoffizielle Socom-Nachfolger H-Hour: World's Elite. Zum Preis von 22,99 Euro veröffentlichte Entwickler SOF Studio zu Beginn das absolute Minimum eines spielerischen Grundgerüsts. Essentielle Gameplay-Mechaniken fehlten, die implementierten Waffen unterschieden sich etwa in keiner Hinsicht und zu allem Überfluss beklagten sich bereits im Vorfeld Unterstützer der Kickstarter-Kampagne über fehlende Community-Einbindung.
Eigentlich soll das Early-Access-Modell alle Beteiligten bereichern. Nicht nur die Entwickler durch finanzielle Mittel so früh während der Produktion, auch die Spieler sollen durch den Kauf von Alpha- und Beta-Versionen den entsprechenden Mehrwert erhalten. Mit einem günstigeren Preis, der nicht einmal bei allen Early-Access-Spielen gegeben ist, ist es aber nicht getan. Viele weitere Richtlinien sollten sich Entwickler, die gedenken, eine unfertige Version zum Frühkauf anzubieten, zu Herzen nehmen. Die wichtigsten haben wir in der nachstehenden Bilderstrecke des heutigen Specials für euch aufgelistet. Welche Punkte sind euch außerdem wichtig und wie steht ihr zu dem Early-Access-Modell? Habt ihr bereits positive oder negative Erfahrungen gemacht? Hinterlasst uns eure Kommentare!

Letztendlich hätte ein "Spenden sie hier 5 Euro, um das Spiel beim Release 10 Euro billiger zu erhalten" für mich denselben Effekt gehabt.