The Witcher 3: "Downgrade-Diskussionen sind ein Luxusproblem" - Meinungen aus der Redaktion
Ist die Aufregung um das heiß diskutierte Grafik-Downgrade von The Witcher 3 berechtigt? Die PC Games-Redakteure geben ihre Meinung zum Thema ab.
Hat CD Projekt die Fans von The Witcher 3 an der Nase herumgeführt? Im Vergleich zum Vorab-Videomaterial attestieren viele empörte Spieler der fertigen PC-Version des Rollenspiels eine schlechtere Grafik, die Rede ist von einem Downgrade aufgrund der limitierten Konsolen-Power von Playstation 4 und Xbox One. Auch in der PC Games-Redaktion und den Redaktionen unserer Schwestermagazine wurde das Thema heiß diskutiert. Wir haben Meinungen gesammelt und sagen euch, was wir von der technischen Beschneidung halten und wieso die ganze Aufregung um das The Witcher 3-Downgrade vor und nach Release eventuell ein kleines bisschen übertrieben ist.
Sandro Odak meint:
Wenn ich in diesen Tagen versuche Außenstehenden zu erklären, was in der Gamesbranche vorgeht, gucken die mich nur verwirrt an. Ein Produkt sieht nicht so aus wie in der Werbung – ist das wirklich so eine große Überraschung? Nein, eigentlich nicht. Ich habe nie erwartet, dass The Witcher 3 exakt so aussieht wie in geschönten Videos. Erst recht nicht, als ich erfuhr, dass die Welt fast komplett offen ist. Wie sollte das gehen? So viele Gebiete im Zwischenspeicher, so viele Details, so viele Monster, NPCs, Quests … Und das sind die Dinge, die The Witcher 3 so wunderschön machen. Was bringt mir eine Welt mit der weitesten Weitsicht und den volumetrischsten Raucheffekten, wenn sie drumherum leblos ist – weil keine Rechenpower mehr da ist, um sie mit dynamischen Inhalten zu füllen?
Quelle: PC Games
Die PC-Technik überzeugt mit etlichen Einstellungsoptionen und guter Performance, auch wenn vielleicht nicht jeder Grashalm einen Schönheitspreis verdient.
Ja, The Witcher 3 sieht über weite Strecken außerhalb der Cutscenes nicht so aus, wie es die Screenshots und Videos suggerieren. Aber ist das ein Betrug am Kunden? Ich finde nicht. Weil die Welt drumherum so lebendig und voller Details ist wie kaum eine andere. Und weil ich die Qualität eines Spiels nicht in 4K, 1080p oder 900p messe und auch nicht vom Multiplikationsfaktor der Kantenglättung abhängig mache. Sondern von der atmosphärischen Dichte einer Spielwelt, der Erzählqualität und einem subjektiven Spielspaß-Gefühl.
The Witcher 3 hat mich so sehr und so lang gefesselt, wie kein anderes Spiel in den letzten Jahren – bei mir war nach zehn Minuten der Gedanke an Grafik längst verflogen.
Stefan Weiß meint:
Vorgestern Watch Dogs, gestern Assassin's Creed: Unity, heute The Witcher 3 und morgen The Division oder Rainbow Six: Siege – die Gemüter köcheln immer wieder siedend heiß hoch, wenn es um das Thema Grafik-Downgrade geht. Ich finde es allerdings müßig, sich darüber noch allzu sehr aufzuregen. Denn eigentlich ist die Geschichte des geschönten Vorab-Präsentationsmaterials doch ein alter Hut, spätestens seit den Tagen eines Command & Conquer: Tiberian Sun. Hersteller bewerben ihre Produkte und das soll natürlich schön aussehen und ein bestmögliches Licht auf das Objekt werfen.
Quelle: PC Games
Wie wichtig ist die Grafik wirklich bei einem Spiel, das so sehr auf Story und Atmosphäre setzt wie The Witcher 3?
Ob das nun der taufrisch und knackig frisch belegte Burger einer beliebigen Fastfoodkette, das strahlend weiß gewaschene Hemd eines Waschmittelherstellers oder eben der in Höchstauflösung und mit übernatürlich wirkenden Effekten versehene Geralt von Riva ist – es ist eine Form der Bewerbung. Wir Spieler sollten uns davon doch nicht blenden lassen und das Gezeigte für 100% und bare Münze nehmen. Klar wäre es schön, wenn ein Videospiel am Ende auch wirklich so aussehen würde, wie es Hersteller/Entwickler vorab zeigen, wer weiß was in fünf Jahren technisch alles machbar ist. Aber aktuell sind mir die Inhalte eines Spiels wichtiger als der letzte noch erreichte Grafikschnickschnack.
In diesem Artikel
Gezeigte Effekte wie Nvidias Hairworks sorgen zweifellos für ein "Wow" – aber achte ich da nach dem fünften haarigen Monster, das ich erlege, überhaupt noch darauf? Muss es wirklich die perfekt erkennbare, gerenderte Kirchturmspitze in kilometerweiter Entfernung sein, wenn ich doch gerade ohnehin dabei bin, mich lieber auf den vor mir liegenden Gegner zu konzentrieren?

Deiner Argumentation nach hätte dieses Phänomen also bereits viel früher auftreten sollen.
:ugly:
Das Spiel "The Wicht" würde ich gerne mal anspielen und ich frage mich wie die enDANCEd Edition von the Witcher aussehen könnte.
Muß ich mir es dann so vorstellen wie beim Kinect Star Wars, wenn Boba Fett zu "I'm Han Solo" einen Danceoff startet? besiegt der Witcher die Monster dann mit seinen krassen Moves? :D
Geralts Schwert Schwingen ist nämlich schon sehr elegant. :-D
Das aktuelle Ultrasetting würde dann eben High/very High heißen und die Leute, die gerade alles auf Ultra knallen, könnten es trotzdem in der gleichen, hübschen Grafikqualität spielen, nur mit anderer Bezeichnung. Alles darüber hinaus wäre dann eben für die Zukunft oder für die, die einen 2000+ Euro Rechner besitzen. Niemand müsste in die Röhre gucken. Ich rede davon, das Ganze zu erweitern, nicht davon, die Presets zu verschieben UND zu verkleinern.
Wenn es in der damaligen Pracht nicht bei mir gelaufen wäre, und das wäre es nicht, wäre ich eben auf gemäßigtere Einstellungen ausgewichen. Davon ausgehend, dass man die damalige Grafik als Ultra bezeichnen würde. Man hätte das auch als experimentelles Feautre einbauen können, außer, es hätte den kompletten Code und die Engine zerschossen. Das wäre natürlich ein anderer Fall.
Ich spiele gerade und die Grafik ist sehr schön, dennoch wäre es auch schön gewesen, wenn es doch so ausgesehen hätte, wie beabsichtigt. Der Downgrade kann auch kein Grund der Optimierung sein, wie manche meinen, schließlich kann man am PC eben alles konfigurieren und wenn die höchsten Einstellungen eben zu performancehungrig sind, regelt man eben herunter.
Edit:
Natürlich ist das ganze ein Luxusproblem. Wenn es allerdings danach geht, dürfte man in unserer Gesellschaft und Kultur nur sehr wenig kritisieren, denn man müsste immer daran denken, dass es andererorts eigentlich echte Probleme gibt, die eine Diskussion rechtfertigen. Allerdings sind wir hier auf PCGames.de und von daher sind die Diskussionen alles andere als irrelevant.