Kingdom Come: Deliverance - Interview-Special Teil 1 - Von Ketzern, Sex und Entwicklersorgen

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Special Stefan Weiß - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Möglichst authentisch soll das tschechische Projekt Kingdom Come: Deliverance werden. Wir haben uns einen Tag lang mit den Entwicklern über ihr Mittelalter-Rollenspiel unterhalten und detaillierte Eindrücke zum aktuellen Entwicklungsstand gewonnen.
Quelle: Warhorse/PC Games

Das Entwicklerteam Warhorse Studios in Prag lud uns zu einem exklusiven Studiobesuch ein. Doch anstatt einer üblichen PR-Präsentation mit auf Hochglanz polierten Showcase-Features durften wir einem Milestone-Meeting beiwohnen. Ungeschminkt und ungeschönt erzählten und zeigten die Mitarbeiter, was sie seit dem letzten Milestone erreicht haben und wie es mit der Entwicklung von Kingdom Come: Deliverance weiter geht. Dies ist der erste Teil einer längeren Serie über unsere Erlebnisse bei Warhorse Studios und unser ausführliches Gespräch mit Lead Game Designer Daniel Vávra.

Zu Besuch bei den Machern von Kingdom Come: Deliverance. Wir sitzen mittendrin im Kreise der verschiedenen Entwicklerteams, die unter anderem aus Grafikern, Skriptern, Questautoren, KI-Programmieren, Musikern, Designern und etlichen anderen Abteilungen bestehen. Wir bekommen hautnah die Arbeiten der letzten zwei Monate zu Gesicht. Dabei führen die Mitarbeiter Design- und Gameplay-Inhalte vor und erläutern dabei aktuelle Schwierigkeiten und Probleme, die in den kommenden Wochen zu lösen sind.

Unser Besuch ist geprägt durch eine ganze Reihe intensiver Gespräche mit verschiedensten Team-Mitgliedern und gefüllt mit detaillierten Einblicken in die ehrgeizige Mittelaltersimulation, die sich in keine typische Genreschublade pressen lässt. Auch beim Rundgang durchs Studio gibt es keine gesperrten Bereiche oder Monitore, auf die wir nicht schauen dürfen. Sei es das mehrere Quadratmeter große Quest-Board oder die an einer Wand dargestellte komplette Spielwelt des ersten Aktes für Kingdom Come oder aktuelle Grafik- und Designmodelle, Warhorse hat nichts zu verbergen. Sämtliche Team-Mitglieder, mit denen wir sprechen können, nehmen sich Zeit, erzählen uns engagiert und motiviert von ihrer aktuellen Arbeit. Das erlebt man wahrlich nicht mehr alle Tage im heutigen Videospiele-Business, wo perfekt durchgeplante PR-Kampagnen üblich sind und wo jeder Info-Schnipsel auf die Waagschale gelegt wird.

Akribische Recherche für authentisches Mittelalter-Feeling. Quelle: Warhorse Akribische Recherche für authentisches Mittelalter-Feeling. So plaudern wir auch mit Lead Game Designer Daniel Vávra über eine Stunde lang über die Herausforderungen, die das Open-World-Projekt mit sich bringt, und bei dem das Team Wert auf größtmögliche Authentizität legt. Kingdom Come: Deliverance ist kein Rollenspiel, in dem man ständig kämpft, Magie gibt es nicht und euer Heldencharakter ist keine strahlende Weltenretterfigur, sondern ein Rädchen im Zahnwerk einer komplett simulierten Mittelalterwelt. Spielhintergrund ist die historisch korrekte Vorlage eines Böhmen im 15. Jahrhundert. Das Spiel basiert auf politischen Ereignissen der damaligen Zeit, einem Zwist zwischen adligen Brüdern, der zu den Hussitenkriegen führte. Akribische Recherche statt Fantasy-Hirngespinste prägen das Rollenspiel.

Warhorse Studios möchte zeigen, dass spannende Spiele auch ganz ohne die typischen aber sich stets wiederholende Inhalte mit garantiertem Massenmarkterfolg funktionieren können. "Wir glauben, viele Spieler sind die immer gleichen Spielmechaniken inzwischen einfach müde und haben Lust auf etwas Neues", meint Daniel Vávra dazu. Dass dies jedoch keine leichte Aufgabe ist, darüber ist sich Vávra durchaus bewusst: "Es gab Leute, die zu Beginn befürchtet haben, unser Spiel könnte langweilig werden, weil die Historie oder das Setting nicht interessant genug sind, doch das ist inzwischen meine geringste Sorge", so Vávra. "Wir haben inzwischen so viele Ideen für spannenden Mittelalter-Content beisammen, da mache ich mir eher Sorgen darüber, wie wir das alles so ins Spiel packen können, wie wir es möchten." Was uns der sympathische Lead Game Designer noch so alles ganz offen erzählte, könnt ihr im nachfolgenden Interview lesen

Interview mit Daniel Vávra: Authentizität, "Ketzertum" und Quest-Design

Lead Game Designer Daniel Vávra im Interview. Quelle: Warhorse/PC Games Lead Game Designer Daniel Vávra im Interview. PC Games: Du hast in einem Video erzählt, dass du von deinem Team inzwischen als "Ketzer" bezeichnet wirst, wenn es darum geht, dass du Ideen für das Spiel umgesetzt haben möchtest, die im Team zunächst für Aufruhr sorgen. Was verbirgt sich dahinter?

Daniel Vávra: Ja das ist in der Tat so und hat seine eigene Geschichte. Zu Beginn der Entwicklung des Spiels kommentierte das Team einige meiner Vorstellungen und Ideen oft mit: "Du bist verrückt, das ist zu viel Realismus für ein Spiel. Inzwischen höre ich viel öfter: "Du bist verrückt, das ist uns noch nicht authentisch genug". Das geht einfach einher mit der Tatsache, dass sich jeder im Team inzwischen tief in die Mittelalterthematik reingefuchst und viel Recherche darüber betrieben hat. Wir wissen jetzt, wie unsere Ideen für ein authentisches Spielerlebnis aussehen müssen, damit sie glaubhaft rüberkommen.

Nehmen wir mal als Beispiel die Gestaltung mittelalterlicher Gebäude. Unsere Grafiker haben sich beim Thema Architektur inzwischen viel Wissen angeeignet, etwa welche Art Steinblöcke oder Holzkonstruktionen benutzt wurden. Wenn mir dann ein bestimmtes Gebäudemodell trotzdem mal nicht so gefällt, muss ich da schon mit Widerstand der Marke "Aber ein solches Gebäude hat so und so ausgesehen, ich hab es nachgelesen" rechnen. Ich denke, dass wir da im gesamten Team inzwischen eine gewisse Philosophie dafür entwickelt haben, dass Kingdom Come: Deliverance in vielen Dingen authentisch wirken soll.

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    • Kommentare (5)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von knarfe1000 Spiele-Kenner/in
        Ich habe 30 € gefundet und erwarte ein großartiges Spiel. Auch wenn es sicher noch 2 Jahre dauern dürfte, bis die Komplettversion erschienen ist.
      • Von knarfe1000 Spiele-Kenner/in
        Ich habe 30 € gefundet und erwarte ein großartiges Spiel. Auch wenn es sicher noch 2 Jahre dauern dürfte, bis die Komplettversion erschienen ist.
      • Von Taekwondoheio Mitglied
        Ich bin auch echt gespannt auf das Spiel und hoffe auch, dass sie sich alle Zeit nehmen. Ihre Ziele und Vorstellungen sind super. Und wie es ausschaut wird das Spiel auch von der breiten Masse positiv aufgefasst ... super.
        Genau so ein Spiel suche ich ... bis dahin muss ich mir allerdings noch einen PC oder eine Konsole anschaffen. Also dürfen sie sich noch etwas Zeit lassen :)
      • Von Heaven_and_Heller Mitglied
        Ich bin so froh, dieses Spiel auf Kickstarter unterstützt zu haben.
        Das Spiel sieht so super hübsch aus...ich werde mich einfach mal in die Blumenwiese setzen und die Grafik genießen, wenn es fertig ist.
      • Von Bevier Anfänger/in
        Für mich wird Kingdom Come immer mehr zu einem der wenigen Projekte, die mich vollkommen überzeugen und für die ich sofort bereit bin den Vollpreis zu zahlen. Natürlich würde ich auch hier erstmal Previews abwarten aber wenn sich potentielle Bugs in uberschaubarem Rahmen halten, hole ich es gleich nach Release ^^
        Ursprünglich war ich auch nah daran, das Kickstarterprogramm zu unterstützen, leider haben mich einige schlechte Erfahrungen in dem Bereich dann doch davon abgehalten. Denn es klang etwas zu ambitioniert, um das alles einfach so ungesehen zu glauben, selbst wenn man es gern wollte. Nun stellt sich aber heraus, sie sind auf dem richtigen Wege und können es wirklich schaffen. Aktuell gibt es kein einziges Spiel, auf das ich mich mehr freue, selbst TW3 kommt da nicht mit, weil zwar sicher gut aber eben nichts unerwartet Neues...
      • Von stockduck Mitglied
        Großartig :)

        Ich freue mich echt, wenn ich solche Zeilen und Aussagen von der Entwickler lese.
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