Dying Light im Test: So groß und gut wie Far Cry 4? Finales Update mit Wertung!

65
Test Peter Bathge Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Dying Light im Test: So groß und gut wie Far Cry 4? Finales Update mit Wertung!
Quelle: Techland

Dying Light im Test bei PC Games: Ist Techlands neues Zombie-Spiel ein Open-World-Hit für Fans der verfaulten Untoten? Oder hat sich Techland zu freigiebig an Skyrim, Mirror's Edge und Far Cry bedient? Unser Test samt Video-Review verrät, ob sich die vielen Elemente des Parkour-Actionspiels mit Shooter-Anteilen zu einem spaßigen Ganzen zusammenfügen.

Auf Nummer sicher gegangen: Entwickler Techland und Publisher Warner Bros. haben wenig überraschend davon Abstand genommen, Dying Light offiziell in Deutschland zu veröffentlichen. Der Grund: Das Actionspiel hat es selbst im zweiten Anlauf in einer Version mit entschärfter Gewaltdarstellung nicht durch das Prüfverfahren der USK geschafft. Dadurch ist Dying Light von einer Indizierung bedroht.

Volljährige Spieler mit Wohnsitz Deutschland kommen somit nur über Umwege ans Spiel: Im deutschen Steam-Shop ist Dying Light nicht aufgelistet. Der einzige Ausweg ist der Import, etwa aus Österreich oder Großbritannien beziehungsweise der Kauf eines Download-Keys bei einem Online-Händler. Gute Nachrichten: Solche internationalen Keys für Dying Light lassen sich auch in Deutschland ganz ohne VPN-Tricksereien bei Steam aktivieren und erlauben Zugriff auf das komplett ungeschnittene Spiel, wahlweise auch mit deutscher (und nicht allzu guter) Sprachausgabe.

Wir haben uns von solchen Hindernissen natürlich nicht aufhalten lassen und Dying Light durchgespielt. Auch wenn das zuweilen eine zähe Angelegenheit war.

Verdammt viel Spiel fürs Geld

Mit Schneidewerkzeugen lassen sich sowohl Zombies als auch virtuelle Menschlein in ihre Einzelteile zerlegen. Quelle: PC Games Mit Schneidewerkzeugen lassen sich sowohl Zombies als auch virtuelle Menschlein in ihre Einzelteile zerlegen. Es dürfte Otto-Normalspieler schwer fallen, Dying Light in unter 20 Stunden durchzuspielen. Die offene Spielwelt, die ihr aus der Ego-Perspektive erforscht (das halb-fiktive Harran in der Türkei), reicht in Sachen Größe locker an den Spielplatz aus Far Cry 4 heran. Neben der Story-Kampagne mit ihren um die zwei Dutzend Einsätzen gibt es zahllose Nebenaufgaben zu bewältigen, viele davon mit schrägen Typen und witziger Ausgangslage. Dazu wollen Safehouses geräumt werden, was an den Angriff auf Außenposten in Far Cry 4 erinnert. Es gibt Sammelgegenstände und Zufallsbegegnungen mit Überlebenden, bei denen ihr für eine kleine Belohnung im Kampf gegen Zombies aushelft. Darüber hinaus stehen Herausforderungen bereit, bei denen ihr in einem knappen Zeitlimit eure Kampf- und Kletterfähigkeiten unter Beweis stellen müsst, etwa im Auftrag eines schmierigen Zombiefilm-Produzenten.

Wer sich von diesen Nebenaufgaben ablenken lässt, kann locker 30 bis 40 Stunden in Harran verbringen. Allerdings muss man dafür schon mit einer besonderen Beharrlichkeit gesegnet sein, denn die Mehrzahl der Aufgaben beschränkt sich auf einfallslose Laufburschenarbeit in endloser Wiederholung. Während des Tests zeigten wir uns bereits nach zwölf Stunden vom ewig gleichen Spielablauf erschöpft, waren aber entschlossen, bis zum sich abzeichnenden Ende durchzuhalten. Die vermeintlich finale Kontrontation mit dem Bösewicht entpuppte sich jedoch lediglich als Halbzeitpfiff - danach entließ uns Dying Light in sein zweites großes Gebiet, in der es noch mehr Zombies zu beseitigen, noch mehr Stützpunkte zu säubern und noch mehr Botengänge für die zahllosen NPCs zu erledigen gibt.

Im Kampf gegen Menschen mit Schusswaffen greifen wir selbst auf eine beschränkte Auswahl an Bleispritzen zurück. Quelle: PC Games Im Kampf gegen Menschen mit Schusswaffen greifen wir selbst auf eine beschränkte Auswahl an Bleispritzen zurück. Dying Light schafft es letztlich nicht, seine beeindruckende Länge mit genug Abwechslung zu füllen, irgendwie machen wir doch immer das Gleiche. Die Hauptmissionen können diesen Mangel nicht ganz ausgleichen. Zwar wagt die Kampagne zuweilen einen willkommenen Ausflug ins Horror-Genre oder verwandelt das nahkampflastige Spiel für kurze Zeit in einen (mittelmäßigen) Ego-Shooter mit menschlichen Widersachern. Allerdings beobachten wir auch immer wieder Design-Sünden wie minutenlange Tauchgänge, bei denen exakt nichts passiert. Oder das Spiel verlangt von uns, einen Funkturm zu besteigen, nimmt uns aber sogleich den Kletterhaken weg, mit dem dieses Unterfangen ein Kinderspiel wäre.

Dann wieder platzieren die Level-Designer explodierende Untote hinter einer Ecke, wo wir beim ersten Versuch unvermeidlich in sie hineinlaufen und nach unserem virtuellen Ableben an einen früheren Speicherpunkt zurückversetzt werden. Darüber hinaus finden die Einsätze gerade gegen Ende immer öfter in linearen Levels statt, die separat von der frei begehbaren Spielwelt gehalten sind und kaum Gebrauch vom wohl besten Feature des Spiels machen: der hohen Mobilität des Hauptcharakters.

Dying Light Video-Review

Weg mit den Grenzen!

Techlands neuer Streich nutzt viele bekannte Elemente anderer Spiele. Auch Mirror's Edge diente als Inspirationsquelle für das polnische Studio: Der Protagonist von Dying Light klettert auf Dächer, setzt über Zombies hinweg, springt über Abgründe und schlittert durch niedrige Öffnungen in Bretterzäunen. Dank der präzisen, frei konfigurierbaren Steuerung mit Maus und Tastatur geht das wunderbar von der Hand, ist aber nicht ganz so flüssig animiert wie bei Mirror's Edge. Zuweilen korrigiert das in Sachen Schwierigkeitsgrad verzeihende Spiel bei einem nicht ganz perfekten Satz merklich nach, wodurch die Kamera störend "springt".

Ein großes Plus der Parkour-Fähigkeiten ist die Abwesenheit künstlicher Beschränkungen. Während heutzutage viele Spiele unrealistische Barrieren nutzen, um den Spieler zu führen ("Nein, dieser hüfthohe Gartenzaun ist zu hoch, um drüber zu springen!"), könnt ihr in Dying Light wirklich überall hoch. Vorsprünge sind auch aus der Entfernung deutlich erkennbar; egal ob Hauswand oder Felsklippe, der Held findet immer eine Kante, an der er sich hochziehen kann. Auf der weitläufigen Karte dürfen wir uns stets unseren eigenen Weg zum nächsten Missionsziel bahnen. Ein Sammelsurium an Rampen und geschickt platzierten Hindernissen lockt dazu, neue Speedrun-Rekorde aufzustellen. Wenn wir dann später noch den erwähnten Kletterhaken im Inventar haben, ziehen wir uns innerhalb von Sekunden auf die höchsten Häuser und fliegen geradezu über die Map. Hut ab vor so viel spielerischer Freiheit!

Ein einziges Hauen und Stechen - bis was kaputt geht

Überall stehen Fallen herum, in die sich Zombies stupsen lassen. Quelle: PC Games Überall stehen Fallen herum, in die sich Zombies stupsen lassen. Während der rasante Hindernislauf durch Harran selbst nach vielen Spielstunden nicht alt wird, lässt sich das vom Kampf gegen die allgegenwärtigen Zombies nicht behaupten. Die Nahkämpfe mit Lattenzäunen, Wasserrohren, Schraubenschlüsseln, Messern und Sensen geraten auf Dauer etwas eintönig. Es gibt nämlich nur eine Schlagtaste; welchen Angriff der Held nach Beätigung ausführt, wird zufällig bestimmt. Die Richtung des Hiebs dürfen wir so nicht bestimmen. Zwar gibt es eine Reihe von Spezialschlägen, die ihr mit entsprechenden Talentpunkten in der Kategorie "Kraft" freischaltet. Dennoch kann einen das zähe Ringen mit den Untoten nach einer Weile ermüden. Meist läuft es auf die immer selbe Taktik hinaus: uuschlagen, per Ausfallschritt nach hinten oder zur Seite ausweichen und dann die ganze Prozedur von vorn. Zwischendurch ermüden ewig gleiche Quick-Time-Events, wenn uns einer der Widersacher zu nahe kommt und versucht, dem Helden die Kehle durchzubeißen.

Molotowcocktails eignen sich prima dazu, ganze Gruppen von Widersachern auszuschalten. Quelle: PC Games Molotowcocktails eignen sich prima dazu, ganze Gruppen von Widersachern auszuschalten. Zum Glück gibt es Wurfwaffen wie Morgensterne (wahlweise explodierend) oder Molotowcocktails, die Taktik ins Spiel bringen. Schusswaffen spielen zu Beginn noch keine Rolle, im Verlauf der Hauptstory und nach Betreten des zweiten Gebiets werden sie aber unerlässlich. Denn dann kämpfen wir gegen andere Menschen, die ebenfalls mit Pistole oder Sturmgewehr hantieren und absurd präzise zielen. Den Einsatz der Bleispritzen solltet ihr euch aber genau wie das Verwenden von Explosivwaffen gut überlegen, da solche lauten Geräusche die "Zombie-Polizei" auf den Plan rufen. Ähnlich wie in der GTA-Serie rasen besonders starke Spezialninfizierte an den Ort der Aufregung. Dann heißt es zu Beginn: Beine in die Hand nehmen und abhauen! Später ist der Held stark genug, um auch solche Feinde auf brutale Weise in ihre Einzelteile zu zerlegen.

Ähnlich wie in Techlands letztem Zombie-Spiel nervt mal wieder die geringe Haltbarkeit unserer Waffen. Hau- und Stechinstrumente halten nur eine vorgegebene Menge an Treffern aus, dann müssen sie repariert werden. Das geht fix direkt vor Ort, ohne eine Werkbank aufzusuchen. Allerdings lässt sich jede Waffe nur so und so oft reparieren, meist schwankt die Zahl zwischen drei und fünf Anwendungen. Danach ist das Mordinstrument für immer nutzlos und lässt sich nur noch verkaufen oder in seine Einzelteile zerlegen. Ein spezieller Skills schafft später zumindest teilweise Abhilfe, außerdem erhöhen Waffen-Upgrades die Haltbarkeit (neben Schaden und Geschwindigkeit).

Solche nützlichen Verbesserungen findet ihr meist in verschlossenen Truhen, die es per belanglosem Schlösser-knacken-Minispiel zu öffnen gilt. Als Belohnung für erledigte Aufträge und im Austausch gegen Bares gibt es zudem noch Baupläne für Waffen-Mods. Dadurch verwandelt ihr ein erbärmliches Küchenmesser etwa zur unter Strom gesetzten Klinge der Vergeltung, die getroffenen Gegnern einen elektrischen Schlag versetzt. Sofern ihr die nötigen Bauteile besitzt.

65
  1. Seite 1 Dying Light im Test - Viel Spiel, wenig Abwechslung
  2. Seite 2 Dying Light im Test - Handwerk, Nächte, Koop-Modus und Technik + Fazit
    • Kommentare (65)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Shadow_Man Mitglied
        Es gibt auf Steam jetzt auch eine Demo des Spiels: http://store.steampowered...

        Die geht sogar in Deutschland.
      • Von Nenn-mich-Karl Anwärter/in
        Von mir gibts 95 Punkte. Bestes Spiel der letzten Jahre.
      • Von NoXxOne NPC
        83 Punkte kann ich so unterschreiben. :-)

        PCGames durch das neue Dragon Age wohl zu hart vorbelastet :-D

        Zitat von oldsql-Triso
        Finde die Wertung ist etwas gering. Kritiken an Story fallen bei manchen AAA-Titeln nicht so harsch aus, obwohl sie genauso an den Haaren herbeigezogen sind bzw. wesentlich klischeehafter oder patriotischer. Nach Reduzierung von FOV und der Bewegungsunschärfe läuft das Spiel wirklich flüssig. Ich brauche keine große Weitsicht, da ich eh nie großartig in die Ferne schaue, sondern am Geschehen vor mir interessiert bin. MP konnte ich noch nicht ausgiebig testen, machte auf den ersten Eindruck aber eine gute Figur.

        Von mir gibts 83 Punkte
      • Von oldsql-Triso Mitglied
        Finde die Wertung ist etwas gering. Kritiken an Story fallen bei manchen AAA-Titeln nicht so harsch aus, obwohl sie genauso an den Haaren herbeigezogen sind bzw. wesentlich klischeehafter oder patriotischer. Nach Reduzierung von FOV und der Bewegungsunschärfe läuft das Spiel wirklich flüssig. Ich brauche keine große Weitsicht, da ich eh nie großartig in die Ferne schaue, sondern am Geschehen vor mir interessiert bin. MP konnte ich noch nicht ausgiebig testen, machte auf den ersten Eindruck aber eine gute Figur.

        Von mir gibts 83 Punkte
      • Von NoXxOne NPC
        Welchen Grund habe ich zu lügen? Soll ich dir eine InGame Aufnahme als Link posten? Einfach mal die Bewegungsschärfe ausstellen und schon läuft das Ding. Vielleicht die Sichtweite noch etwas reduzieren. Grüße
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk