The Talos Principle im Test: Spannendes Knobelspiel der Serious Sam-Macher

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Die drei Szenarien entführen euch unter anderem in eine mittelalterliche Welt.
Quelle: PC Games

Und Gott sah, dass es gut war: The Talos Principle zeigt im Test, dass Entwickler Croteam nicht nur Action á la Serious Sam kann. Warum der Mix aus Gedankenexperiment und Gehirntraining so spannend ist, lest ihr in unserem Artikel.

Bislang waren die Kroaten von Croteam ja hauptsächlich für ihre Fachkenntnisse beim Vernichten von Gehirnzellen bekannt: Ihre Ego- Shooter-Reihe Serious Sam war ebenso witzig wie strohdumm. Ihr neuestes Projekt bringt eure grauen Zellen dagegen so richtig auf Trab: Mit logisch designten Puzzles und der Debatte über existenzielle Fragen des Lebens gehört The Talos Principle zu den cleversten Spielen des Jahres, ohne dabei prätentiös zu wirken.

Was bedeutet Leben?

Aus der Ego-Perspektive erforscht ihr in der Rolle eines Androiden die Ruinen der Menschheitsgeschichte. Auf eurer Reise begleiten euch – kein Witz! – die Stimme Gottes sowie eine KI-Persönlichkeit, mit der ihr an Computer-Terminals in Multiple- Choice-Manier über den Sinn des Lebens diskutiert und Thesen austauscht. Das geschieht jedoch ausschließlich in Textform. Wer sich dafür begeistert, die Hintergründe der geheimnisumwitterten Geschichte von The Talos Principle aufzudecken, der darf in unzähligen Textbotschaften herumschnüffeln sowie Audio-Tagebüchern lauschen, um nach und nach die Details einer vergangenen Katastrophe zusammenzusetzen.

Aus einer überschaubaren Anzahl an Objekten wie Kisten und Ventilatoren holen die Puzzle-Designer von Croteam das Maximum heraus. Quelle: PC Games Aus einer überschaubaren Anzahl an Objekten wie Kisten und Ventilatoren holen die Puzzle-Designer von Croteam das Maximum heraus. Der Plot besitzt eine spannende Ausgangssituation und wartet mit einigen überraschenden Enthüllungen auf. Letztlich erwarten euch sogar zwei unterschiedliche Endsequenzen. Solltet ihr keine Lust auf die faszinierende, aber zugegebenermaßen reichlich trockene Detektivarbeit haben, konzentriert ihr euch einfach auf den Puzzle-Kern des Spiels. Die philosophisch angehauchte Story lässt sich nämlich auch komplett ausblenden, indem ihr schnurstracks an allen Terminals vorbeimarschiert. Die fordernden Kopfnüsse der zehn bis zwanzig Stunden langen Einzelspieler-Kampagne unterhalten auch so.

Koop spielen – mit sich selbst

Spielerisch orientiert sich The Talos Principle wenig überraschend am Klassenbesten Portal 2, geht aber im Detail andere Wege. So gibt euch das Spiel nur grob vor, in welcher Reihenfolge die Rätsel zu lösen sind. Hängt ihr mal fest, was aufgrund des zuweilen sprunghaft ansteigenden Schwierigkeitsgrads öfters vorkommt, könnt ihr mittels Teleporter einfach in eine andere Hub-Welt wechseln. Die einzelnen Puzzle-Räume sind generell voneinander getrennt, jedoch nach oben offen. Das erlaubt es einem etwa, Laserstrahlen umzuleiten, um versteckte, besonders schwer zu erlangende Sterne zu ergattern. The Talos Principle ist voll von solchen optionalen Secrets; wer alle aufstöbert, ist gut doppelt so lang wie normal mit dem Spiel beschäftigt.

Gesammelte Tetrominos setzt ihr zusammen, um weitere Teleporter zu aktivieren. Quelle: PC Games Gesammelte Tetrominos setzt ihr zusammen, um weitere Teleporter zu aktivieren. Für jede absolvierte Denksportaufgabe erhaltet ihr einen farbigen Tetris-Stein. Die sogenannten Tetrominos benötigt ihr, um weitere Level-Bereiche und neue Gegenstände freizuschalten, deren Handhabung das Spiel vorbildlich in mehreren Schritten erklärt. Neben den erwähnten Lasern, die ihr über Prismen wie gewünscht dirigiert, öffnet ihr Energiebarrieren mit Störsendern, katapultiert Kisten per Ventilatoren in die Luft oder zeichnet eine Kopie eures Alter Egos auf. Anschließend könnt ihr in einer Art Solo-Koop-Modus mit eurem virtuellen Klon gleichzeitig Aktionen ausführen. Das ist durchgehend herausfordernd, unterhaltsam und immer nachvollziehbar. Fies, aber genial: Stellenweise legt Croteam sogar wissentlich falsche Fährten mittels vermeintlich komplizierter Aufbauten aus, wodurch man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Die Kreativität der Leveldesigner erstreckt sich aber leider nicht auf das Drumherum, denn die Schauplätze wirken austauschbar. Zudem nervt das Speichersystem, das nur einen Spielstand erlaubt und innerhalb eines Rätsels keine Checkpoints zulässt. Wenn automatische Geschütztürme und zielsuchende Minen der Spielfigur den Garaus machen, müsst ihr stets von vorne anfangen.

Der blaue Android ist eine Kopie der Spielfigur und wiederholt den zuvor aufgezeichneten Bewegungsablauf. Quelle: PC Games Der blaue Android ist eine Kopie der Spielfigur und wiederholt den zuvor aufgezeichneten Bewegungsablauf. Das stört besonders gegen Ende, wenn die immer komplexeren Puzzles minutenlange Laufarbeit erfordern. Immerhin sind die Ladezeiten erfreulich kurz. Davon unabhängig: Die Suche nach der richtigen Lösung und das begeistert-erschöpfte Jauchzen nach minutenlangem Experimentieren sind für Puzzle-Fans eine herausragende Motivation zum Weiterspielen. Die Aufgaben sind mannigfaltig und die Entwickler mischen die wenigen Handwerkszeuge auf immer neue Art und Weise, um einzigartige Herausforderungen zu erschaffen. Im Vergleich mit der Portal-Serie fehlt zwar die vielbesungene Persönlichkeit, die Valves furiose Trips durch GlaDOS' Wissenschaftskomplex so unvergesslich gemacht hat. Doch als nächstbeste Alternative sticht The Talos Principle Konkurrenten wie Antichamber, Qube oder Quantum Conundrum locker aus. Wer ein Faible für etwas schwerere Kost hat (sowohl in Sachen Schwierigkeitsgrad als auch Plot), der wird mit Croteams unverhofftem Rätselausflug viel Spaß haben.

The Talos Principle ist momentan ausschließlich auf Steam verfügbar und kostet rund 40 Euro. Eine PS4-Version soll Anfang 2015 folgen.

Meinung

Wertung zu The Talos Principle (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Ausnehmend clevere DenksportaufgabenSpaßiger „Aha“-EffektWechselnde AufgabenUnterhaltsame, weil mysteriöse HandlungGroße, frei begehbare UmgebungenViele optionale GeheimnisseStattlicher UmfangInteressante ThematikRegt zum Nachdenken anSaubere Technik, die auch auf älteren Rechnern flüssig läuftPräzise, frei anpassbare Steuerung
Abseits der Kopfnüsse uninspiriertes LeveldesignManche Rätsel erfordern viel störende LaufarbeitZuweilen hügelige LernkurveStory wird fast nur in Textfenstern erzähltKeine Speicherpunkte innerhalb eines Rätselraums

Bildergalerie

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    • Kommentare (3)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Peter Bathge Mitglied
        Das mit der Stimme Gottes habe ich so geschrieben, um einen Spoiler zu vermeiden.
        Die Fast-Forward-Taste habe ich damals tatsächlich nicht gefunden - sie ist standardmäßíg auch nicht belegt.
      • Von Peter Bathge Mitglied
        Das mit der Stimme Gottes habe ich so geschrieben, um einen Spoiler zu vermeiden.
        Die Fast-Forward-Taste habe ich damals tatsächlich nicht gefunden - sie ist standardmäßíg auch nicht belegt.
      • Von Worrel Mitglied
        Nachdem ich The Talos Principle jetzt das erste Mal bis zu einem Ende gespielt habe, gebe ich hier auch mal meinen Senf dazu ab.

        Auf den ersten Blick eine äußerst seltsame Mischung: ein Puzzle Spiel mit philosophischen und religiösen Fragestellungen zu kombinieren - dennoch ergibt das Ganze eine einzigartige, stimmige Atmosphäre.

        Ein kurzes Beispiel: Wenn man ein Höchstmaß an Freiheit und Lebensqualität für Personen für erstrebenswert hält - was ist diesbezüglich eine "Person"? Und gilt dasselbe dann auch für Affen? Frösche? Bäume?
        Hier zeigt sich auch direkt der "Metafaktor" des Spiels: man spielt ja einen Roboter. Ist dieser überhaupt eine Person? oder habe ich eben im Spiel aus meinem Standpunkt als Mensch geantwortet? Woher hat dieser Roboter seine Moral Vorstellungen? Was ist der Sinn seines Lebens? Was ist der Sinn meines Lebens (als Mensch)?

        Zitat
        Auf eurer Reise begleiten euch – kein Witz! – die Stimme Gottes ...
        Nun, konkret gesagt ist das doch eher die Stimme, die die Erbauer des Roboters in sein Programm integriert haben, um ihm beim Bewältigen seiner Aufgabe zu unterstützen. Als Metapher kann man diese als "Stimme Gottes" verstehen, aber im Spiel ist sie Sprachrohr der Roboter Hersteller -für den ist sie natürlich "die Stimme Gottes" - aber das so allgemeingültig im Testtext zu schreiben, halte ich für verkehrt.

        Eure Kritikpunkte kann ich nicht bestätigen.
        Zitat
        Abseits der Kopfnüsse uninspiriertes Leveldesign
        Nun es sind Ruinen einer vergangenen Welt, in die die Menschen diese Rätsel und Archive unter Zeitdruck eingebaut haben und die im Laufe der Jahre zusätzlich Schaden genommen hat - auch wenn das beim Durchlaufen öde aussieht, passt das doch zu der Gesamtsituation.
        Zitat
        Manche Rätsel erfordern viel störende Laufarbeit
        Keine Speicherpunkte innerhalb eines Rätselraums
        Die Rätsel sind doch meist relativ kurz - die meiste Zeit ging bei mir aber eher beim Finden der Lösung drauf und nicht beim Laufen. Zudem gibt es mehrere einstellbare Laufgeschwindigkeiten und sogar eine Fast Forward Taste, mit der man rasend schnell durch die Level flitzt.
        Zitat
        Zuweilen hügelige Lernkurve
        Kann ich nicht nachvollziehen. Sicher, einige Rätsel waren schwerer als andere - aber meistens nur deshalb, weil man zu doof war, auch an die Sprungtaste zu denken oder Ähnliches.
        Zitat
        Story wird fast nur in Textfenstern erzählt
        Das ist überhaupt kein Makel, sondern gerade passend in Angesicht der Geschichte. Es ist nun mal keiner da, der dem Roboter das vorlesen könnte und da das Programm des Roboters ingame unter Zeitdruck erstellt wurde, war auch keine Zeit für Sprachaufnahmen oder gar Charakterdesign für einen virtuellen Charakter oä. Zudem ist es fraglich, ob ein solcher überhaupt noch laufen würde, wenn doch ein so großer Teil der Daten des Archivs zerstört wurde. Es sind ja nicht einmal alle Texte fehlerfrei erhalten geblieben.

        Den einzigen Makel, den ich an dem Spiel sehe, ist, daß es nach Abschluß der Story keinen FreePlay Modus gibt, in dem man zB alle Sterne einsammeln kann - jedenfalls nicht nach dem Ende, das ich hatte (es soll übrigens 3 geben).

        Von mir bekommt das Spiel 9/10 Punkten.
      • Von Bonkic Mitglied
        danke für den test!
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