PC Games Meisterwerke: Sierra-Adventures

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Das von Al Lowe produzierte Remake Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards: Reloaded ist nicht nur grafisch komplett neu, sondern bietet auch frische Rätsel.
Quelle: PC Games

Diese Adventures sind wie eine Zeitreise in die Achtziger. In unserer Meisterwerke-Reihe beschäftigen wir uns heute mit den zahlreichen legendären Adventures von Sierra. King's Quest, Leisure Suit Larry und Space Quest haben eine ganze Generation geprägt.

Wenn es um Meilensteine der Computerspielegeschichte geht, gibt es nur wenige Firmen wie Sierra On-Line, die man mit Fug und Recht als die Pioniere der PC-Spiele bezeichnen kann. So geht zum Beispiel das erste grafische Adventure (Mystery House, 1980), das erste Spiel für den IBM-PC (King's Quest 1, 1984) und eines der ersten Spiele mit Soundkartenunterstützung (King's Quest 4, 1988) auf das Konto der Kalifornier. Doch wenn man heutige, vor allem junge PC-Spieler auf das von Ken und Roberta Williams 1979 gegründete Unternehmen anspricht, blickt man zumeist in Gesichter mit lauter Fragezeichen oder vielleicht – wenn man Glück hat – hört man die Anmerkung: "Waren das nicht die mit den unheimlich vielen Adventure-Serien mit ‚Quest' am Ende?".

Country und Western

Larry Laffer, der ewige Junggeselle, ging in der Leisure Suit Larry-Reihe auf die Pirsch nach Traumfrauen. Quelle: PC Games Larry Laffer, der ewige Junggeselle, ging in der Leisure Suit Larry-Reihe auf die Pirsch nach Traumfrauen. Über die Unwissenheit der neuen Spielergeneration darf man sich nicht wundern, schließlich liegt es fast 20 Jahre zurück, dass das letzte halbwegs erfolgreiche Sierra-Adventure den Weg in die Ladenregale fand. Schon Mitte der Neunzigerjahre hatte Sierra On-Line seinen Zenit längst überschritten und war eher als Publisher und Entwickler von videolastigen CD-ROM-Abenteuern bekannt. Wer aber seinen Weg schon in den späten Achtzigern zu PC-Spielen gefunden hatte, kam kaum umhin, mal die Galaxie mit Roger Wilco in Space Quest zu retten, als Polizist Sonny Bonds in Police Quest auf Verbrecherjagd zu gehen oder der märchenhaften Welt von King's Quest in der Haut von Sir Graham einen Besuch abzustatten.

Auch wenn man das heute kaum glauben mag, setzten die Sierra-Adventures immer wieder neue technische Maßstäbe. So war die Parser-Steuerung in Kombination mit damals bildhübscher EGA-Grafik in Titeln wie Leasure Suit Larry, King's Quest oder Space Quest revolutionär – schließlich war man sonst von den Infocom-Adventures wie Zork gewohnt, nur Textzeilen auf dem Bildschirm zu sehen. Ebenso groß war der Sprung, als statt miesem PC-Speaker-Sound wunderbare Melodien aus einer Roland- oder Adlib-Soundkarte in King's Quest 4 (1988) ertönten oder King's Quest 5 (1990) als erstes Adventure in VGAOptik malerische Umgebungen auf die Monitore zauberte.

Sir Graham und seine Familie waren die Protagonisten der King's Quest-Reihe. Quelle: PC Games Sir Graham und seine Familie waren die Protagonisten der King's Quest-Reihe. Auch das Spielerische kam in Sierra-Titeln selten zu kurz – was vor allem an den vielen kreativen Köpfen der Firma lag. Die Mitbegründerin des Unternehmens, Roberta Williams, war zum Beispiel im Gegensatz zu ihrem Mann Ken kein guter Programmierer, dafür aber eine gute Geschichtenerzählerin und zudem eine ausgewiesene Expertin in Sachen Märchen. In der King's Quest-Reihe musste man entsprechend Rätsel lösen, in denen man zum Beispiel auf Rotkäppchen und den bösen Wolf traf oder die berühmtberüchtigte Nadel im Heuhaufen finden musste. Wer als Kind die Grimm'schen Märchen gelesen hatte, war hier natürlich klar im Vorteil. An unterschiedlichen Szenarien mangelte es Sierra-Titeln ebenso wenig. Wer etwa auf realistische Settings stand, bekam mit der Police Quest-Reihe die volle Packung Polizei-Alltag.

Im ersten Teil der Serie musste der Spieler etwa darauf achten, einem Delinquenten vor der Verhaftung seine Rechte vorzulesen oder die Handschellen auf die richtige Weise anzubringen. Der hohe – manchmal sogar nervige – Realitätsanspruch der Reihe mag daran gelegen haben, dass der Police Quest-Schöpfer Jim Walls selbst ein erfahrener Cop war und über 15 Jahre für die California Highway Patrol Dienst geleistet hatte, bevor er 1986 von Sierra angeheuert wurde. Die Kalifornier waren aber nicht nur für märchenhafte oder bierernste Spielwelten bekannt, sondern ebenso für viel Witz und Klamauk. So konnte man sich in der Leasure Suit Larry-Reihe über die verzweifelten Paarungsversuche des ewigen Junggesellen Larry köstlich amüsieren, in der Space Quest-Reihe schlüpfte man dagegen in die Haut des (Weltraum)-Hausmeisters Roger Wilco und erlebte die eine oder andere herrliche Anspielung auf Sci-Fi-Klassiker wie Star Trek oder Star Wars.

Aus die Maus

Neben den Quest-Serien erschienen auch andere Adventures von Sierra. Das dystopische Manhunter: New York gehört zu den besten, ist aber heute kaum spielbar. Quelle: PC Games Neben den Quest-Serien erschienen auch andere Adventures von Sierra. Das dystopische Manhunter: New York gehört zu den besten, ist aber heute kaum spielbar. In den Achtzigern und auch noch in den frühen Neunzigern benahmen sich die Verantwortlichen bei Sierra – vielleicht auch zu Recht – wie die Platzhirsche und verpassten so einige wichtige Neuerungen im Adventure-Genre. Zwar setzten Ken und Roberta Williams auf damals technisch sehr moderne, mitunter sogar vollvertonte Adventures wie King's Quest 6 oder Space Quest 4, doch was die Rätsel, die Steuerung, den Schwierigkeitsgrad und den Spielspaß insgesamt anging, hinkten die Titel von Sierra denen von Lucasarts (Secret of Monkey Island, Day of Tentacle) meilenweit hinterher.

Dazu kam noch, dass sich seit dem Erscheinen von Doom im Jahr 1993 das Adventure-Genre auf dem absteigenden Ast befand und Sierra sich deshalb ab Mitte der Neunzigerjahre auf andere Genres wie Simulationen konzentrierte. 1996 wurde Sierra Entertainment verkauft und ein Jahr später, im November 1997 verließ das Gründerpärchen Williams die Firma. Zurzeit hält Activision die Rechte an den Titeln der ehemaligen Adventure-Schmiede und hat auf der Gamescom 2014 angekündigt, 2015 ein neues King's Quest herauszubringen.

Meinung

King's Quest

Die farbenfrohe Grafik und die große Spielwelt von King's Quest 1 waren 1984 revolutionär. Quelle: PC Games Die farbenfrohe Grafik und die große Spielwelt von King's Quest 1 waren 1984 revolutionär. Ken und Roberta Williams gründeten 1979 On-Line Systems und feierten mit dem ersten grafischen Adventure der Videospielgeschichte – Mystery House für Apple II – einen so immensen Erfolg, dass der Computerhersteller IBM auf das Pärchen aufmerksam wurde. Im Auftrag des blauen Riesen durften die Williams 1984 King's Quest: Quest for the Crown als Start-Titel für den IBM-PCjr entwickeln. Die Serie war in den Achtzigern und frühen Neunzigern so beliebt, dass insgesamt acht von Kritikern gefeierte Teile bis 1998 erschienen – der letzte Ableger verkaufte sich sogar doppelt so gut wie Lucasarts Grim Fandango. Wer heute in die Märchenwelt der Reihe eintauchen möchte, kann sich über Steam für zehn Euro die King's Quest Collection herunterladen.

Leisure Suit Larry

Am Ende von Teil 1 erwartete ein grafischer Leckerbissen die Spieler. Quelle: PC Games Am Ende von Teil 1 erwartete ein grafischer Leckerbissen die Spieler. Die Suche des Möchtegern-Womanizers nach der Traumfrau ging 1987 in Leisure Suit Larry in the Land of Lounge Lizards los – damals noch mit Textparser und 16-Farben-Grafik – und fand ihr Ende nach sechs Episoden in Leisure Suit Larry 7: Love for Sail! (der vierte Teil hätte ein Online-Adventure werden sollen, erschien aber nie und trägt heute den Namen The Missing Floppies). Vor allem wegen des hervorragenden Humors aus der Feder des Serienschöpfers Al Lowe ist die Reihe noch heute spielenswert, wenn auch die Textparser-Steuerung und die EGA-Grafik der ersten drei Teile sehr altbacken wirken. Über Gog.com ist Leisure Suit Larry: Greatest Hits and Misses erhältlich, das alle Teile der Serie enthält. Zudem hat Al Lowe letztes Jahr ein modernes Remake von Teil 1 herausgebracht.

Space Quest

In Teil 3 war Arnoid the Annihilator Roger Wilco auf den Fersen. Quelle: PC Games In Teil 3 war Arnoid the Annihilator Roger Wilco auf den Fersen. Wer ein Faible für Sci-Fi-Welten hatte, kam in den frühen Neunzigern um die Space Quest-Serie nicht herum. Die von Scott Murphy und Mark Crowe (auch als Two Guys from Andromeda bekannt) entwickelte Reihe dreht sich um den (Weltraum)-Hausmeister Roger Wilco, der immer wieder – und eher aus Versehen – die Pläne des fiesen Schurken Vohaul durchkreuzt. Neben vielen lustigen Anspielungen auf Sci-Fi-Filme wie Star Wars oder Star Trek lebten die Weltraumabenteuer ähnlich wie die Larry-Serie von ihrem Humor. Für heutige Verhältnisse sind die Rätsel und der Schwierigkeitsgrad aber so taff, dass man leider sehr häufig zu einer Komplettlösung greifen muss. Auf Steam ist die Space Quest Collection erhältlich, die alle sechs Teile der Serie enthält.

Bildergalerie

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    • Kommentare (4)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Öhmm… Keine Erwähnung von Gabriel Knight?! :-O

        Ich weiss, die Reihe kam "erst" in den 1990ern raus, dennoch war sie im Adventure-Segment sehr populär und wichtig.
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Öhmm… Keine Erwähnung von Gabriel Knight?! :-O

        Ich weiss, die Reihe kam "erst" in den 1990ern raus, dennoch war sie im Adventure-Segment sehr populär und wichtig.
      • Von Spiritogre Mitglied
        Ah, was war das damals für eine Hassliebe, ich habe fast alle gespielt aber praktisch keines beendet.
      • Von ribald Mitglied
        Phantasmagoria fehlt :)
        https://youtu.be/vDBNcsLiDGs
      • Von FreiherrSeymore Spiele-Novize/Novizin
        Space Quest war mein zuerst gespieltes Computerspiel (weil meine große Schwester damals einen hatte). Das waren noch Zeiten. Ab und an zock ich die alten Adventures bei Gelegenheit auf Tablet oder Handy.
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