Valkyria Chronicles im Test: Segas Taktik-Klassiker endlich für PC

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Test Felix Schütz - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Valkyria Chronicles erschien 2008 auf PS3. Sechs Jahre später folgt unerwartet die PC-Umsetzung.
Quelle: PC Games

Das hat ja nur sechs Jahre gedauert: Ohne viel Aufsehen hat Sega seinen japanischen Taktik-Klassiker Valkyria Chronicles auch für den PC umgesetzt. Mit Erfolg: Nicht nur die Umsetzung ist ganz gut gelungen, auch spielerisch hat das taktische Kriegsspiel kaum an Reiz eingebüßt. Die Spieler dankten es Sega mit guten Verkaufszahlen.

Da schrillen die Alarmglocken: Fast heimlich und ohne Vorwarnung hat Sega den sechs Jahre alten PS3-Klassiker Valkyria Chronicles für PC veröffentlicht. Oft lässt das auf eine lieblose Portierung schließen, wie man sie etwa bei Enslaved: Odyssey to the West oder Final Fantasy XIII serviert bekam. Doch zum Glück gibt's auch positive Ausnahmen: Die Portierung von Valkyria Chronicles ist zwar nicht perfekt, aber locker gut genug, um das japanische Taktik-Spiel auch auf dem PC in vollen Zügen genießen zu können, wie wir im Test von Valkyria Chronicles gemerkt haben.

Als Europa im Chaos versank

Trotz des ernsten Kriegsszenarios sind viele Dialoge heiter geraten. Quelle: PC Games Trotz des ernsten Kriegsszenarios sind viele Dialoge heiter geraten. Valkyria Chronicles zeichnet ein fiktives Kriegsszenario im Jahr 1935. Europa wird von zwei Supermächten dominiert, der Föderation und dem aggressiven Imperium. Im Streit um knappe Rohstoffe ist zwischen den beiden Parteien der Zweite Europäische Krieg entbrannt. Als die imperialen Truppen schließlich in dem neutralen kleinen Land Gallia einmarschieren, wird der junge Mann Welkin unfreiwillig in den Konflikt hineingezogen. Gemeinsam mit seiner Schwester und seiner Freundin Alicia verlässt er seine Heimat und schließt sich der Miliz von Gallia an. Durch sein taktisches Geschick steigt er dort schnell zum Leutnant auf und erhält das Kommando über Squad 7, seine eigene Einheit. All diese Ereignisse schildert das Spiel in Form von kurzen, voll vertonten Dialogszenen und Zwischensequenzen, die man bequem über ein Menü in Buchform ansteuert.

Valkyria Chronicles erzählt zwar von düsteren Kriegsereignissen, verpackt das Ganze aber in einen farbenfrohen, oft ausgelassenen japanischen Stil. Grausame Szenen gibt es nicht, selbst Erschießungen laufen unblutig ab und die Stimmung der Dialoge wechselt gekonnt zwischen Ernst und Heiterkeit. Das ist auch völlig okay, da die Handlung reichlich Fantasy-Elemente enthält und auch sonst kaum Bezüge zu realen Ereignissen nimmt – ein Lehrstück über den Zweiten Weltkrieg will das Spiel also ohnehin nicht sein.

Ein gewisses Faible für japanischem Kitsch sollte man allerdings mitbringen, um die Handlung genießen zu können: Trotz vieler ernster Szenen wimmelt es auch von Momenten voller einfältigem Gekicher, mittelmäßiger Sprachausgabe und pathetischer Dialoge – wenn Welkin dann noch feierlich ein geflügeltes (und furchtbar vertontes!) Schweinchen namens Hans in seine Miliz aufnimmt, dürfte der Kitsch-Faktor selbst manchen Anime-Fan zuviel werden. Außerdem sind gute Englisch-Kenntnisse nötig – eine deutsche Übersetzung gibt es nicht, nur die englische und japanische Version ist enthalten.

Squad 7 im Einsatz

Neben der ausgiebig präsentierten Story bilden die taktischen Missionen das Herzstück des Spiels. Feindliche Lager erobern, Stellungen verteidigen, Generäle ausschalten, Überraschungsangriffe durchführen – diese und andere Aufgaben muss Welkins Truppe möglichst unbeschadet bewältigen.

Auf der taktischen Karte wählen wir unsere Einheiten aus. Quelle: PC Games Auf der taktischen Karte wählen wir unsere Einheiten aus. Zunächst betrachten wir dazu unser Einsatzgebiet auf einer übersichtlichen Karte. Blaue und rote Icons zeigen die unterschiedlichen Truppen und Stellungen an, außerdem erhalten wir Tipps, welche Einheiten wir in die Schlacht mitnehmen sollten: Scharfschützen eignen sich etwa für Präzisionsattacken gegen feindliche Soldaten, MG-Kämpfer sind dafür auf kurze Distanz besonders effektiv. Lanzenträger schießen mit ihren Raketenwerfern feindliche Panzer schrottreif, Ingenieure entschärfen Tretminen und reparieren Ausrüstung. Späher können dafür besonders große Distanzen zurücklegen und sind vielseitig einsetzbar. Die stärkste Einheit in Wilkins Truppe ist aber erst selbst: Als Anführer kommandiert er einen mächtigen Panzer, der normalen Beschuss gefahrlos wegsteckt und mit drei verschiedenen Waffen kräftig austeilt.

Ungewöhnliche Rundentaktik

Die Besonderheit von Valkyria Chronicles: Anders als in den meisten Rundentaktik-Spielen sind die Kampfgebiete nicht in ein Gitter oder Hexfelder unterteilt. Stattdessen zommt die Ansicht auf das Schlachtfeld herab, sobald wir eine Einheit auf der Karte anklicken – so können wir den Soldaten dann wie in einem Third-Person-Shooter durch die Gegend steuern. Wie weit eine Figur laufen darf, bestimmt ein Ausdauerbalken, der sich Schritt für Schritt leert. Geraten wir dabei in den Schussbereich eines Gegners, eröffnet er automatisch das Feuer auf unsere Figur. Allerdings können sich feindliche Einheiten nicht bewegen, während wir am Zug sind, im Kern ist das Spiel also immer noch rundenbasiert. Das gilt auch für die Angriffe: Bevor wir auf einen Gegner feuern, haben wir alle Zeit der Welt, um unser Fadenkreuz auszurichten. Danach bestimmen nur harte Zahlen und eine Portion Glück, ob uns ein Treffer gelingt – Action-Elemente und Reaktionstests gibt's also nicht.

Welkins Panzer hält feindlichem MG-Feuer locker stand. Quelle: PC Games Welkins Panzer hält feindlichem MG-Feuer locker stand.
Das simple Spielkonzept wird nach und nach durch allerlei Details aufgepeppt. Soldaten können etwa hinter Sandsäcken in Deckung gehen oder sich im hohen Gras verbergen. Mit Granaten werden Stellungen gesprengt und gefallene Einheiten müssen von Sanitätern abstransportiert werden. Außerdem können wir an eroberten Stützpunkten Truppennachschub ordern oder nicht mehr benötigte Soldaten aus der Gefahrenzone schicken. Nebenbei haben all unsere Einheiten individuelle Vor- und Nachteile – manche Soldaten kämpfen etwa besonders effektiv im Alleingang, andere fühlen sich dafür in Wüstengebieten unwohl, während andere besonders in beengten Stadtlevels zu Hochform auflaufen. Wer diese Details berücksichtigt, hat es im Kampf deutlich leichter. So steigt der Anspruch stetig und die Kampagne bleibt über ihre 25 bis 30 Spielstunden hinweg interessant.

Ein bisschen RPG muss mit

Squad 7 besteht aus unterschiedlichsten Charakteren mit individuellen Vor- und Nachteilen. Quelle: PC Games Squad 7 besteht aus unterschiedlichsten Charakteren mit individuellen Vor- und Nachteilen. Zwischen Missionen besuchen wir unsere Heimatbasis, wo wir unsere Einheiten verbessern und Welkins Squad mit neuen Rekruten bestücken. Mit Erfahrungspunkten trainieren wir die Truppentypen auf neue Levelstufen, außerdem investieren wir verdientes Geld in Upgrades, durch die wir Waffen, Rüstungen und Welkins Panzer stetig verbessern. Nebenbei gibt's optionale Skirmish-Missionen und zusätzliche Dialoge, welche die Hintergrundgeschichte auspolstern und den Charakteren mehr Tiefgang verleihen.

Ordentliche PC-Umsetzung

Nach miserablen Portierungen (jüngstes Beispiel: das öde Final Fantasy XIII) sind PC-Spieler vorsichtig geworden, wenn eine Umsetzung überraschend im Steam-Katalog auftaucht. Im Fall von Valkyria Chronicles ist jedoch Lob angebracht: Die PC-Version ist vielleicht nicht perfekt, aber doch ganz gut gelungen. Zwar wurde die detailarme Grafik nicht verschönert, doch immerhin darf man zwischen verschiedensten Auflösungen wählen, außerdem lassen sich V-Sync, ein Frame Limit und ein Fenstermodus einstellen.

Wer kein Gamepad nutzen will, darf beruhigt sein: Auch mit Maus und Tastatur ist Valkyria Chronicles gut spielbar. Anfangs ist es zwar ungewohnt, dass man die Menüs nicht mit der Maus, sondern nur mit den WASD- oder Pfeiltasten steuert, doch nach ein paar Minuten geht das so locker von der Hand, dass man den Mauscursor kaum vermisst. Die Tastenbelegung lässt sich außerdem frei konfigurieren. Einzig die Steuerung von Welkins Panzer ist ungenau und umständlich geraten, hier sollten die Entwickler nochmal mit einem Patch nachbessern. Bei der Gelegenheit darf Sega dann auch gleich eine Autosave-Funktion einbauen, denn das Spiel speichert nicht automatisch! Wer also nicht von Hand einen Spielstand anlegt (was immerhin jederzeit möglich ist), der verliert seinen Spielfortschritt.

Die PC-Version von Valkyria Chronicles ist für 20 Euro über Steam erhältlich und enthält alle DLCs der PS3-Fassung.

Bildergalerie

Wertung zu Valkyria Chronicles (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Ungewöhnliches, aber gutes Rundentaktik-KampfsystemUmfangreiche KampagneTruppen und Panzer aufrüstbarAufgeräumtes InterfaceSolide erzählte StoryFaire Lernkurve; fordernd, aber nicht überfrachtetSympathische Charaktere im Anime-StilTrotz Detailmängeln gut mit Maus und Tastatur spielbarFreies SpeichernJapanische Version wählbar
Teils lange Wartepausen, sobald die Gegner-KI am Zug istGelegentlich zuviel Kitsch und PathosPanzer-Steuerung ungenauGrafisch veraltet, vor allem die Umgebungen sind sehr detailarmKeine Autosave-FunktionEnglische Sprachausgabe nur durchschnittlichKeine deutschen Texte
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    • Kommentare (5)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von McDrake Mitglied
        Zitat von Mothman
        Omg...noch ein Spiel, was ich plötzlich haben muss, mir aber eigentlich weder zeitlich noch finanziell leisten kann.

        Naja, mal heute Abend anzocken. :-B
        Hab den Titel damals im Geschäft auch nur ausgeliehen, weils mal was anderes war als all die langweiligen RPGs mit Drachen und Zwergen.
        Und ich war dann positiv überrascht vom Titel und recht viel Zeit mit dem Titel verbracht.
      • Von McDrake Mitglied
        Zitat von Mothman
        Omg...noch ein Spiel, was ich plötzlich haben muss, mir aber eigentlich weder zeitlich noch finanziell leisten kann.

        Naja, mal heute Abend anzocken. :-B
        Hab den Titel damals im Geschäft auch nur ausgeliehen, weils mal was anderes war als all die langweiligen RPGs mit Drachen und Zwergen.
        Und ich war dann positiv überrascht vom Titel und recht viel Zeit mit dem Titel verbracht.
      • Von Mothman Mitglied
        Omg...noch ein Spiel, was ich plötzlich haben muss, mir aber eigentlich weder zeitlich noch finanziell leisten kann.

        Naja, mal heute Abend anzocken. :-B
      • Von Sayaka Mitglied
        Valkyria Chronicles, wenn ich mich nicht irre hab ich das damals vor 5 oder 6 Jahren wie verrückt gespielt. Ist natürlich schön wenn ein so feines Spiel es auf den PC schafft. Die Technik war aber schon damals hoffnungslos veraltet.....
      • Von Desotho Spiele-Enthusiast/in
        Hatte es mir schon vor einer Weile geholt und nicht bereut.
      • Von Bonkic Mitglied
        vielen dank für den test!
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