Klassisches Point&Click-Adventure mit Gangster-Story
Klassisch, spannend, schick - obwohl Runaway fast alle Erwartungen erfüllt, scheitert es durch zu seichte Rätsel knapp an Süßwassermatrose Guybrush und ist dennoch das beste Adventure des Jahres.
Ein junger Mann mit blondem, leicht krausem Haar und dicker Sonnenbrille sitzt auf einem Regiestuhl. Er trägt eine kurze Hose, ein grünes Hemd mit dem Aufdruck "NYC" und ist etwas angespannt. Sein Name ist Brian Basco und er beginnt, eine Geschichte zu erzählen - seine Geschichte. Sie handelt von Mafia-Bossen, Auftragskillern, in der Wüste gestrandeten Transvestiten und diversen Todesfällen. Es ist eine spannende Geschichte und es ist die Geschichte seines Lebens... Was so klingt, als hätten Christopher Nolan und Quentin Tarantino gemeinsam einen Spielfilm produziert, ist in Wahrheit die Einleitung zu Runaway und damit das Ende der langen Odyssee des auf den ersten Blick klassischen - manche sagen: überholten - Point&Click-Adventures, die dafür sorgte, dass das Spiel in der Erwartungshaltung der Spieler Dimensionen einer Monkey Island-Fortsetzung erreichte. Eine Erwartungshaltung, die - so viel sei verraten - im Wesentlichen nicht enttäuscht wird. Doch zurück zu Brian und seiner Geschichte: Brian stammt aus einer gut situierten Familie und wollte bereits seit frühester Kindheit Physiker werden - seine Noten waren nobelpreisverdächtig, sein Leben so trocken wie Sandkuchen, aber dafür hatte er ein Angebot über eine Doktorantenstelle an einer renommierten Universität in der Tasche. Hatte? Ja, denn er soll nie an dieser Universität ankommen. Was an jenem Abend nämlich geschieht: Gerade als er aufbrechen will, fällt ihm ein, dass in der Zentralbücherei ein seit langer Zeit vorbestelltes Buch auf ihn wartet. Welch ein Glück, dass es sich um eine 24-Stunden-Bücherei handelt - schnell macht sich der Biedermann auf den Weg. Ein gutes Buch rechtfertigt jeden Umweg. Eine schicksalsträchtige Entscheidung, denn aus einer dunklen Gasse taucht plötzlich das vollbusige Rasseweib Gina Timmins auf und läuft Brian schnurstracks vor die Karre. Pflichtbewusst bringt der angehende Akademiker die schöne Unbekannte ins Krankenhaus und hält am Krankenbett Wache. Zum Glück ist Gina nur leicht verletzt und kommt schnell wieder zu Bewusstsein; doch anstatt Versicherungsdaten auszutauschen, tischt ihm die Traumfrau eine Geschichte auf, die wahren Abenteurern das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Gina ist Sängerin und nach ihrem Auftritt an jenem Abend hatte sie eine Unterhaltung mit ihrem Vater, einem Geheimdienstagenten, der ihr ein mysteriöses Kruzifix in die Hand drückte und andeutete, in großen Schwierigkeiten zu stecken. Unmittelbar nach dieser Unterhaltung kreuzten die Sandretti-Brüder auf, berüchtigte Mafia-Bosse aus New York, und ließen Ginas Vater durch zwei Auftragskiller auf wenig subtile Art und Weise verhören. Als einer der beiden hirnlosen Fleischklopse zu fest zuschlug, starb der Mann. Gina hatte all das mit angesehen und floh vor den Killern, die ihren hastigen Aufbruch bemerkten. Ihre Flucht führte sie direkt vor Brians Auto. Da sich Brian für Gina verantwortlich fühlt, begibt sich das ungleiche Paar gemeinsam auf die Suche nach dem Geheimnis um das Kruzifix, das offenbar selbst einen Mord wert ist. Das alles klingt verdächtig nach Baphomets Fluch? Stimmt, denn die Geschichte von Runaway lehnt sich größtenteils an die erfolgreiche Serie von Revolution Software an, kombiniert den Mix aus zarter Liebe, harten Waffen und hinterhältigen Intrigen jedoch mit Humor, der seine Vorbilder aus dem Hause Lucas Arts nicht verleugnen kann. Vor allem das Design der Charaktere könnte ebenso gut von Tim Schafer (Day of the Tentacle, Grim Fandango) persönlich stammen. Auf ihrer Suche nach der Wahrheit begegnen Brian und Gina einer kaffeesüchtigen Restauratorin, einem verrückten Wissenschaftler, drei mit ihrem Reisebus in der Wüste liegen gebliebenen Transvestiten, einem jamaikanischen "Botaniker" und ähnlich abgefahrenen Originalen. Was die Menschheitsgeschichte oder das Adventure-Genre bis jetzt an Klischees hervorbrachte, wird ausgeschlachtet. Auch für die komfortable Steuerung stand Baphomets Fluch Pate - mehr als die zwei Tasten Ihrer Maus brauchen Sie nicht. Fahren Sie mit der Maus über interessante Gegenstände, verändert sich der Mauszeiger entsprechend. Durch einen Klick auf die rechte Maustaste schalten Sie nun zwischen den Optionen "Betrachten", "Benutzen" und "Sprechen" um, die wiederum über einen Linksklick ausgeführt werden. Das Inventar sowie das Spielmenü finden sich am oberen Bildschirmrand. Ebenfalls klassisch: die Grafik. Zwar handelt es sich nach wie vor um ein zwei-dimensionales Spiel mit wunderschön handgezeichneten Hintergründen, doch die Charaktere bestehen aus Drahtgittermodellen, die sich unter comicgerechten Texturen verbergen. Während des eigentlichen Spiels fällt das kaum auf - Runaway sieht aus wie ein Zeichentrickfilm. Lediglich in den vorberechneten Zwischensequenzen kommt die Dreidimensionalität voll zum Tragen. Eben diese Zwischensequenzen sind es leider, die den technischen Eindruck trüben. Sie sind überraschend grobpixelig, auffallend verschwommen und unterscheiden sich sogar untereinander zuweilen qualitativ stark voneinander - ein unschöner Stilbruch in Anbetracht der gestochen scharfen Spielgrafik. Wesentlich konsequenter gingen die spanischen Pendulo Studios beim Rätseldesign zu Werke. Die gestellten Aufgaben unterscheiden sich zwar in ihrem Schwierigkeitsgrad, sind jedoch durchweg angenehm logisch. Mit etwas Hirnschmalz lassen sich die größtenteils geradlinigen Puzzles problemlos lösen. Tatsächlich ist Runaway fast etwas zu einfach, denn versierte Spieler dürften mit dem Spiel kaum länger als ein Wochenende verbringen. Unnötig kompliziert wird das Knobeln immer dann, wenn Sie fitzelige Gegenstände finden sollen, die sich nicht von der Umgebung abheben - heiteres Pixelsuchen ist angesagt. Das sorgt vor allem bei Einsteigern für Frust. Darüber hinaus müssen sich sowohl erfahrene Abenteurer als auch Neulinge darauf einstellen, in Runaway an vielen Stellen mehrmals nachzusehen. Eine gute Hand voll Puzzles ist nur dann zu lösen, wenn Brian Taschen oder Schränke wiederholt durchstöbert oder sich erneut mit Personen unterhält. Um beispielsweise im Museum an Kaffee zu kommen, müssen Sie nicht etwa nur die Kaffeebohnen finden, sondern diese zunächst dem Hausmeister zeigen, der Ihnen dann sagt, dass die Dinger gemahlen werden müssen. Darauf wären Sie vermutlich auch selbst gekommen, aber erst mit dieser Information macht sich der offensichtlich lebensuntüchtige Brian an die Arbeit. Danach müssen Sie sich noch sagen lassen, dass das Nachfüllen der Kaffeemaschine nur mit abgepacktem Pulver funktioniert, und können dann endlich die entsprechende Packung aus dem Mülleimer fischen, die Brian zuvor partout nicht haben wollte. Der Großteil der Rätsel kommt jedoch ohne derartige künstliche Bremsen aus und Runaway verbreitet trotz eindeutiger Anleihen bei der Konkurrenz ein angenehmes eigenes Flair. Neben der hervorragenden Spielgrafik trägt dazu vor allem die gelungene deutsche Synchronisation bei. Die Sprecher passen durchweg wunderbar zu den jeweiligen Charakteren und geben sich sichtlich Mühe. Lustloses Gebrabbel werden Sie hier nicht finden. Und sollten Sie sich fragen, warum Ihnen Ginas Stimme so bekannt vorkommt, sollten Sie bei den "Geiz ist geil"-Spots von Saturn einmal genauer hinhören. Runaway ist zweifellos das beste Adventure des Jahrgangs 2002. Dass es wirklich zu einer Wiedergeburt von klassischen Point&Click-Adventures führen wird, muss bei objektiver Betrachtung jedoch bezweifelt werden. Jedenfalls beweisen die Pendulo Studios, dass eines der ältesten Genres noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Jetzt heißt es abwarten, ob Lucas Arts und Revolution Software nachziehen oder doch eher auf actionlastige 3D-Adventures setzen.
Mir macht das "Road Adventure" wesentlich mehr Spaß als seinerzeit Grim Fandango oder zuletzt Die Flucht von Monkey Island.
Charles Cecil, der Schöpfer von Baphomets Fluch, verkündete unlängst, das Point&Click-System sei "tot". Die Pendulo Studios beweisen das Gegenteil. Zweifellos ein Tropfen auf den heißen Stein: Die Polygon- und Textur-Lawine rollt unbeirrt weiter und auch in Zukunft werden Spiele wie Runaway Ausnahmen bleiben. Löbliche Ausnahmen wohlgemerkt, denn mir persönlich macht das "Road Adventure" wesentlich mehr Spaß als seinerzeit Grim Fandango oder zuletzt Die Flucht von Monkey Island. Allerdings sind mir die Rätsel zu offensichtlich: Zwar ist Runaway weit davon entfernt, ein kurzweiliger Pausenfüller à la Vollgas zu sein, man muss jedoch zugeben, dass der letzte Auftritt von Guybrush Threepwood wesentlich fordernder war. Mein persönlicher Wunschzettel für den Nachfolger lautet deshalb wie folgt: knackigere Puzzles, weniger künstlicher Leerlauf und schickere Zwischensequenzen. Ob es überhaupt einen Nachfolger geben wird? Das liegt an Ihnen, liebe Leser...
hi ich finde das game auch geil. ich hab nur ein dickes problem. die videos laufen bei mir auf dem kopf gestellt ab. wenn ich den nimo codec pack deinstalliere gehn sie gar nicht mehr. weiß jemand woran das liegt?
hi ich finde das game auch geil. ich hab nur ein dickes problem. die videos laufen bei mir auf dem kopf gestellt ab. wenn ich den nimo codec pack deinstalliere gehn sie gar nicht mehr. weiß jemand woran das liegt?
Wie ich schon in den Anmerkungen zur Vorankündigung geschrieben hatte: Ich mag sowohl die Zeichnungen als auch das reine Point&Click-Genre (ohne Action).
Und in Natura, jetzt wo ich es vor mir habe, ist es noch besser! Ich bin wirklich begeistert!!! Und ich kann mich an meinen Vorredner anschließen, daß die Lösung mit den 3D-Figuren vor'm 2D-Hintergrund wirklich eine Super-Lösung ist.
Auf dem NWT an diesem Wochenende hat ein Kumpel das Ding gelöst und war ebenfalls schwer begeistert. Besonders die zahlreichen Wendungen der Story haben ihn begeistert. Im Laufe der Woche werde ich seinen Spuren folgen, bin bereits sehr gespannt!
Auf jeden Fall eine klare Kaufempfehlung!!!
(Schon alleine, um das Team zu unterstützen und ihnen Raum für weitere Projekte zu geben.)
Bin auch sehr zufrieden mit dem Spiel, lediglich die etwas kurze Spieldauer und die starre Lösungsmöglichkeit fallen negativ auf. Über die Spielzeit kann man sich ja sicherlich streiten, aber warum muß die Bedienung/Lösung der Rätsel so kompliziert sein? Erst wenn man Sache X gemacht hat, kann man Gegenstand Y benutzen, etc. Das verdirbt im Spiel hin und wieder den Spielspaß, weil zwar die Lösung ist etwa sich denken kann durch die "Hinderung" jedoch davon abgebracht wird.
unser Herr Steidle stammt doch auch aus diesem verein... aber er hat sich scheinbar nicht nur körperlich weiter entwickelt (man beachte die wampe , zu viel Barfüsser-Bier??? ) sondern auch beruflich...
Wie ich schon in den Anmerkungen zur Vorankündigung geschrieben hatte: Ich mag sowohl die Zeichnungen als auch das reine Point&Click-Genre (ohne Action).
Und in Natura, jetzt wo ich es vor mir habe, ist es noch besser! Ich bin wirklich begeistert!!! Und ich kann mich an meinen Vorredner anschließen, daß die Lösung mit den 3D-Figuren vor'm 2D-Hintergrund wirklich eine Super-Lösung ist.
Auf dem NWT an diesem Wochenende hat ein Kumpel das Ding gelöst und war ebenfalls schwer begeistert. Besonders die zahlreichen Wendungen der Story haben ihn begeistert. Im Laufe der Woche werde ich seinen Spuren folgen, bin bereits sehr gespannt!
Auf jeden Fall eine klare Kaufempfehlung!!!
(Schon alleine, um das Team zu unterstützen und ihnen Raum für weitere Projekte zu geben.)
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