Sherlock Holmes: Crimes and Punishments im Test - Schön verpackte Mini-Krimis

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Test Felix Schütz - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Holmes und Watson ermitteln diesmal in keinem großen Fall, sondern in sechs Kurzgeschichten-Krimis. (PC)
Quelle: PC Games

Der neue Sherlock Holmes im Test: Es ist bereits Frogwares siebter Anlauf, ein spannendes Abenteuer rund um den Kult-Detektiv auf die Beine zu stellen. Dabei hat das ukrainische Entwicklerteam einigen Mut bewiesen, die Grafik aufgebohrt und am Spielprinzip geschraubt. Ob sich die Mühe ausgezahlt hat, verrät unser Test.

Das nennen wir fleißig! Nach Das Testament des Sherlock Holmes machte sich Frogwares gleich wieder an die Arbeit und schrieb den nächsten Fall für den berühmten Detektiv. Anstatt "nur" eine weitere Fortsetzung abzuliefern, hat das ukrainische Team dabei gleich auf eine neue Engine umgesattelt und auch inhaltlich eine Menge geändert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, auch der neue Holmes entpuppt sich als grundsolides, unterhaltsames Krimi-Adventure – ein Meisterwerk ist's aber leider wieder nicht geworden, wie wir im Test von Sherlock Holmes: Crimes and Punishments ermittelt haben.

Der neue, brave Holmes

Sherlock Holmes ist in diesem Spiel bemerkenswert höflich, ruhig und sachlich. Von der ansteckenden Begeisterung, die seine Figur in den Büchern auszeichnet, ist leider nur wenig zu spüren. (PC) Quelle: PC Games Sherlock Holmes ist in diesem Spiel bemerkenswert höflich, ruhig und sachlich. Von der ansteckenden Begeisterung, die seine Figur in den Büchern auszeichnet, ist leider nur wenig zu spüren. (PC) Auch Crimes & Punishments orientiert sich wieder an Arthur Conan Doyles legendären Buchvorlagen, allerdings gibt sich der Held längst nicht so charismatisch wie im Original. Von seiner ansteckenden Begeisterung, dieser an Besessenheit grenzenden Genia­lität, die Holmes beim Ermitteln an den Tag zu legen pflegt, ist hier wenig zu spüren – dafür ist er die meiste Zeit einfach zu ruhig, besonnen und höflich. Schade! Denn in seltenen Szenen lassen sich Holmes exzentrische Züge durchaus erahnen, etwa wenn er aus Langeweile eine Bienenkolonie in seinem Zimmer züchtet oder bei einem chemischen Experiment beherzt einen Schluck aus dem Reagenzglas nimmt, sehr zum Entsetzen von Doktor Watson. Das sind gute Ansätze, aus denen die Autoren aber nicht genug machen!

Mehr wäre mehr gewesen: Episoden ohne Zusammenhang

Diesmal hat Holmes nicht einen großen, sondern nur sechs kleine Fälle zu lösen. Diese Kurzgeschichten von je zwei bis drei Stunden Spielzeit sind zwar originell geschrieben, aber leider nicht miteinander verknüpft. Das schmälert die Spannung. Denn egal ob wir einen Mord untersuchen, einem verschwundenen Zug nachjagen oder in einer Therme uralte Grabkammern freilegen, wir haben es aufgrund der kurzen Erzähldauer jedes Kapitels nur mit wenigen Figuren und Schauplätzen zu tun. Außerdem gibt es kaum spannende Wendungen und flott geschnittene Zwischensequenzen bekommt man auch nur höchst selten zu sehen.

Dabei stehen gerade die wenigen Charaktere im Mittelpunkt des Spiels: Bis zuletzt lässt man uns im Ungewissen darüber, wer das Verbrechen begangen haben könnte und wer von den Verdächtigen etwas zu verbergen hat. Das ist nicht nur dem soliden Skript, sondern auch der glaubhaften Figurendarstellung zu verdanken: Erstmals kommt in einem Frogwares-Spiel die Unreal Engine 3 zum Einsatz. Das erlaubt schön detailreiche Charaktermodelle und aufwendige Texturen. Zudem bewegen die Figuren ihre Lippen einigermaßen synchron zur gelungenen englischen Sprachausgabe. Eine deutsche Vertonung hat man sich jedoch gespart, nur die Texte und Untertitel wurden übersetzt.

Sherlock Holmes: Crimes and Punishments im Video-Review

Wahrheit ist Auslegungssache

Die gelungenen Charaktere bringen uns zum interessantesten Part: der Beweisführung. Indem wir Spuren sichern und Details erfragen, werden wichtige Indizien gesammelt. Die entscheidenden Punkte landen dann in einer schicken Übersicht, wo wir sie zu Beweisketten verknüpfen, die uns am Ende den Schuldigen liefern. Der Clou: Manche Details lassen sich auf zwei Arten auslegen. Der Gärtner war am Tatort? Verdächtig! Aber macht ihn das gleich zum Mörder? Oder war er nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Je nachdem, wie wir die Lage interpretieren, ergeben sich Zusammenhänge und Widersprüche. Am Ende können wir dann zwischen mehreren Figuren wählen und ihnen die Schuld zuweisen. Dabei entscheidet einzig unser Bauchgefühl. Ob wir aber auch richtig lagen, verrät uns das Spiel erst, nachdem wir den Fall abgeschlossen haben – und es bietet uns dann netterweise an, noch mal zur letzten Entscheidung zurückzuspringen, um einen anderen Täter zu bestimmen. Zudem entscheiden wir stets, ob wir den Schuldigen der Polizei ausliefern oder ihn laufen lassen. Eine solche moralische Entscheidung wirkt sich spielerisch nicht aus, wer also dramatische Konsequenzen wie in The Walking Dead erwartet, wird enttäuscht sein. Immerhin passen die Entscheidungen aber gut zu Holmes eigenwilligem Charakter, wie man ihn aus den Büchern kennt - Sherlock-Fans wird's freuen.

Detektiv spielen für Anfänger

Die übrige Ermittlungsarbeit ist dagegen leider etwas simpel geraten, das Spiel richtet sich - anders als seine Vorgänger - eher an Genre-Neulinge. Aus der Verfolger- oder Ego-Ansicht steuern wir Holmes durch hübsche, aber meist eng abgesteckte Areale, in denen wir nur wenig selbst erkunden dürfen. Haben wir alle Hinweise entdeckt, weist uns das Spiel deutlich darauf hin – so verpassen wir nichts Wichtiges. Trotzdem müssen wir für unsere Aufgaben häufig zwischen den Locations hin und her wechseln, das sorgt für viele Ladeunterbrechungen, die den Spielfluss stören. Die reine Point-and-Click-Maussteuerung aus dem Vorgängerspiel hat Frogwares übrigens gestrichen - am PC steuert man Holmes nun entweder mit Maus und Tastatur oder mit einem Gamepad.

Bei Gameplanet sind viele Sherlock-Holmes-Spiele drastisch im Preis gesenkt. Quelle: PC Games Kein Grund zum Grübeln: Das neue Holmes-Abenteuer richtet sich eher an Genre-Einsteiger. (PS4) Nicht nur die weitläufigeren London-Abschnitte aus dem Vorgängerspiel hat Frogwares rausgeworfen, auch der spielerische Anspruch wurde zurückgefahren: Freiheiten haben wir bei unseren Untersuchungen nur selten, Minispiele sind schnell gelöst und Inventargegenstände wählt das Spiel einfach automatisch aus. Das dürfte Einsteiger freuen, gewieftere Rätselfans rümpfen über den Casual-Einschlag dagegen die Nase. Trotzdem gibt's auch immer wieder interessante spielerische Ansätze: So müssen wir etwa anhand einer Zeitleiste einen Mordfall rekonstruieren oder dank Holmes Vorstellungskraft mögliche Fluchtwege in einem Haus ausmachen und verbarrikadieren, damit wir dort später ein paar Gauner schnappen können. Aus diesen Ideen hätte man zwar noch mehr machen können, doch sie sorgen zumindest für Abwechslung und Atmosphäre.

Leider darf der treue Doktor Watson in Crimes & Punishments kaum mehr tun, als Holmes artig hinterherzudackeln. Er hat keine nützlichen Hinweise parat und kommt überhaupt nur einmal für die Lösung eines Schalterrätsels zum Einsatz. Ansonsten wird seine Figur auf einfältiges Nachfragen reduziert, hin und wieder versperrt er uns sogar den Weg. Zum Vergleich: Selbst Holmes verlässlicher Hund Toby, der diesmal in zwei kurzen Abschnitten spielbar ist, hat relevantere Auftritte als der verschmähte Doktor Watson – dadurch vergeudet Frogwares viel spielerisches Potenzial, von erzählerischen Möglichkeiten mal ganz zu schweigen.

Schöne Grafik in leeren Levels

Schöne Beleuchtung, schicke Figuren und ansehnliche Details: Dank Unreal Engine 3 ist Crimes & Punishments das bislang schönste Sherlock-Abenteuer. (PC) Quelle: PC Games Schöne Beleuchtung, schicke Figuren und ansehnliche Details: Dank Unreal Engine 3 ist Crimes & Punishments das bislang schönste Sherlock-Abenteuer. (PC) Keine Frage, der Wechsel zur Unreal Engine 3 hat Holmes gut getan - kein Sherlock-Spiel war jemals schöner als Crimes & Punishments. Auch wenn die Gesichtsanimationen etwas steif wirken, sind die Charaktere hübsch gestaltet und aufwendig texturiert. Die Umgebungen wirken detailliert und auch die Lichteffekte können sich sehen lassen. Da ist es schade, dass die Entwickler auf spannend geschnittene Zwischensequenzen, dramatische Perspektiven und eine flottere Inszenierung verzichtet haben - mit der Unreal Engine 3 wäre mehr möglich gewesen.

Ärgerlich: Obwohl der Hersteller das Spiel mit prächtigen Screenshots bewirbt, auf denen zig Charaktere zu sehen sind, trifft man im Spiel tatsächlich nur auf sehr wenige NPCs. Die meisten Orte wirken sogar regelrecht ausgestorben – da verspricht die Werbung deutlich mehr, als das Spiel zu bieten hat. Auch wenn diese unschöne Praxis bei vielen Spielen üblich ist, fällt die Diskrepanz zwischen Werbung und Warheit beim neuen Holmes besonders auf.

Hier haben wir zwei Beispiele im Vergleich.

INFO: Crimes & Punishments erscheint auch für PS3, Xbox One und Xbox 360. Diese Versionen lagen uns nicht zum Test vor. Die PC-Fassung wird über Steam aktiviert.

Meinung

Wertung zu Sherlock Holmes: Crimes and Punishments (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Sherlock Holmes: Crimes and Punishments (PS4)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Sechs abwechslungsreiche Fälle...Interessante Nebenfiguren, die uns lange im Ungewissen lassenGute, zeitgemäße GrafikDetailreiche GesichterGute englische SprecherLippensynchrone SprachausgabeCooles BeweisführungsmenüSehr einsteigerfreundlichMinispiele sind optionalAtmosphärische Soundkulisse
… die aber nicht verknüpft sind – man erlebt nur KurzgeschichtenMoralische Entscheidungen haben keine KonsequenzenAalglatter, unaufgeregter Holmes (fast) ohne Ecken und KantenKaum Spannung oder richtig dramatisch inszenierte MomenteDetektivarbeit fällt arg simpel ausMeist eng abgesteckte LocationsHäufige Ladezeiten beim ReisenLeblose LevelsKeine deutsche SprachausgabeKein Point&Click-Interface mehr in der PC-Fassung

Bildergalerie

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    • Kommentare (9)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von nigra Spiele-Enthusiast/in
        Mir fehlt in den Holmes-Titeln immer die Interaktion mit der Spielwelt, wie zum Beispiel bei "Gone Home".
        Ich möchte Schubladen öffnen und darin herumstöbern und Gegenstände und die Umgebung selbst nach kleinen Hinweisen absuchen, die sich vielleicht auf der Unterseite eines Tisches oder auf der Rückseite einer Karte befinden und mich somit in der Ermittlung einen Schritt weiter bringen. Bei Sherlock Holmes wirkt alles irgendwie wie eine unantastbare Kulisse und zudem noch recht steif. Das Spiel nimmt einen zu sehr bei der Hand und drückt dir die Hinweise geradezu ins Gesicht. Dadurch bleibt dann leider die Freude am Entdecken und herumstöbern aus, auch wenn die Umgebung ganz gut inszeniert ist.
      • Von nigra Spiele-Enthusiast/in
        Mir fehlt in den Holmes-Titeln immer die Interaktion mit der Spielwelt, wie zum Beispiel bei "Gone Home".
        Ich möchte Schubladen öffnen und darin herumstöbern und Gegenstände und die Umgebung selbst nach kleinen Hinweisen absuchen, die sich vielleicht auf der Unterseite eines Tisches oder auf der Rückseite einer Karte befinden und mich somit in der Ermittlung einen Schritt weiter bringen. Bei Sherlock Holmes wirkt alles irgendwie wie eine unantastbare Kulisse und zudem noch recht steif. Das Spiel nimmt einen zu sehr bei der Hand und drückt dir die Hinweise geradezu ins Gesicht. Dadurch bleibt dann leider die Freude am Entdecken und herumstöbern aus, auch wenn die Umgebung ganz gut inszeniert ist.
      • Von Freemangmbh Spiele-Novize/Novizin
        Zitat von sauerlandboy79
        Dir ist schon aufgefallen dass Spiele unterschiedlicher Genre auch entsprechend anderen Wertungskriterien unterliegen...?
        Du kannst nicht auf die Endnote schauen und beispielsweise einen Egoshooter mit nem Strategie-Titel vergleichen. :-B
        Nicht zu vergessen das auch zwei verschiedene Redakteure am Werk waren.
      • Von McDrake Mitglied
        Zitat von Shadow_Man
        Richtig, Wertungen sind immer nach dem Genre ausgerichtet. Man vergleicht ein Spiel immer mit anderem aus dem gleichen Genre.
        Es wäre ja sonst Blödsinn, sonst müsste man ja auch ein Call of Duty mit einem FIFA vergleichen, oder so :ugly:
        Könnte man ja beinahe... zumindest früher:
        Jeder Schuss ein Treffer
        ;)
      • Von Shadow_Man Mitglied
        Zitat von sauerlandboy79
        Dir ist schon aufgefallen dass Spiele unterschiedlicher Genre auch entsprechend anderen Wertungskriterien unterliegen...?
        Du kannst nicht auf die Endnote schauen und beispielsweise einen Egoshooter mit nem Strategie-Titel vergleichen. :-B
        Richtig, Wertungen sind immer nach dem Genre ausgerichtet. Man vergleicht ein Spiel immer mit anderem aus dem gleichen Genre.
        Es wäre ja sonst Blödsinn, sonst müsste man ja auch ein Call of Duty mit einem FIFA vergleichen, oder so :ugly:
      • Von Enisra Mitglied
        Zitat von Bonkic
        begründung?
        Du erwartest von Wertungstrollen eine Begründung?
      Direkt zum Diskussionsende
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