Train Fever im Test: Bahn frei für ein gelungenes Erstlingswerk aus der Schweiz - mit Video
Auch wenn es eher ein Nischen-Genre ist, besitzen Transport- und Logistikspiele auf dem PC eine lange Tradition. Klassiker wie etwa Transport-Tycoon, Sid Meiers' Railroads oder auch Cities in Motion haben seit Anfang September mit Train Fever charmanten Zuwachs bekommen. Wir haben jetzt endlich selbst ausgiebigst Strecken ausgetüftelt und mit Schienen- und Straßenfahrzeugen gespielt. Unsere Eindrücke lest ihr im Train Fever-Test.
Die Bahn kommt – und zwar aus Schaffhausen in der Schweiz! Wir haben den Mix aus Eisenbahnsimulation und Tycoon-Game ausgiebig getestet. Mittels Crowdfunding finanziert, brachte das fünfköpfige Team Urban Games am 4. September sein Erstlingswerk erfolgreich an den Start. Mit einem kleinen Budget von rund 300.000 € entwickelt, scharte der Mix aus Wirtschafts-Sim und Aufbauspiel recht schnell eine feste Fangemeinde um sich. Auch wir konnten uns nicht vom nächtelangen Tüfteln effektiver Eisenbahn- und Straßenstrecken lösen.
Logistik-Experte gesucht
Ihr spielt in der Zeit von 1850 bis 2020 und erlebt dabei die Entwicklung der Transport- und Eisenbahngeschichte als Firmenchef. Eine Kampagne, Aufträge oder Vorgaben gibt es nicht. Ziele setzt ihr euch selbst und entscheidet, wie ihr euer Transport-Imperium aufbauen wollt. Der Start erfolgt auf zufallsgenerierten Karten, deren Parameter wie Weltgröße (Klein, Mittel, Groß), Landschaftstyp (Flach, Mittel, Hügelig) Schwierigkeit (Einfach, Mittel, Schwer) und Startjahr (1850, 1900, 1950) ihr festlegt. Die auf der Karte verteilten Ortschaften sind zunächst nicht untereinander vernetzt, das übernehmt ihr. Jeder Ort gliedert sich in vier Nutzungs-Bezirke: Wohnhäuser, Industrie, Freizeit und Geschäftsgebäude. Die Einwohner in den Städten werden komplett simuliert, sie besitzen feste Orte, zu denen sie hin möchten. Spielerisch resultiert das in einem akribisch durchdachten Zeitmanagement, mit dem ihr euch auseinandersetzt. Durch geschickt angelegte Liniennetze bringt ihr die Einwohner dazu, eure eingesetzten Verkehrsmittel zu nutzen. Dabei gilt, dass die Stadtbewohner nur dann auf euer Transportangebot zurückgreifen, wenn sie ihr aktuell gewähltes Ziel innerhalb von maximal 20 Minuten Echtzeit erreichen. Wohin jeder Einwohner gerade möchte, könnt ihr im jeweiligen Info-Fenster zum ausgewählten Sim ablesen, das ihr per Mausklick aufrufen könnt.
Train Fever: Erste Dampflokomotiven sorgen für einen schnelleren Personentransport.
Jetzt liegt es an auch, Haltestellen und Bahnhöfe zu platzieren, Schienennetze zu verlegen und Verkehrslinien anzulegen, auf denen ihr eure Wunschfahrzeuge einsetzt. Der mit der Zeit immer moderner werdende Fuhrpark ist üppig: Postkutschen, Trambahnen, Busse, Dampf-, Elektro- und Hochgeschwindigkeitszüge – alles hübsch modelliert und anzusehen auf euren Strecken. Die Fahrzeuge besitzen hohen Erkennungswert bekannter Baureihen, darunter berühmte Typen wie etwa die E-Lok 103 oder das Schweizer Krokodil. Eisenbahnfans freuen sich über die akkurat nachgebildeten Modelle, die obendrein mit passenden Fahrgeräuschen versehen sind.
Zudem könnt ihr jeden einzelnen Bewohner beobachten, wo er seines Weges geht oder – später mit dem Auto – fährt, der Wuselfaktor in Train Fever ist enorm und oft ertappen wir uns dabei, dem munteren Treiben einfach zuzuschauen oder mit eine Zugfahrt per zugeschalteter Verfolgerkamera zu genießen. Die eingesetzte Grafik ist auf die Modelle bezogen hübsch, die Umgebung hingegen schwächelt mit unscharfen Texturen und es fehlt an Abwechslung. An dem immer grünen Feld-Wald-Wiesen-Setting sieht man sich zwar schnell satt, doch das stört den Spielspaß kaum. In puncto Sound gibt sich Train Fever sparsam. Außer den erwähnten und passenden Fahrgeräuschen der Fahrzeuge gibt es in der Umgebung nichts zu hören, sodass sich die Landschaften recht leblos anfühlen. Zudem nervt das ständige Kassenklingelgeräusch. Der Soundtrack rangiert leider auf einem üblen Niveau, irgendwo zwischen Fahrstuhl und Kaufhaus, lässt sich aber zum Glück komplett abschalten.
Train Fever im Video-Review
Betriebswirte sind im Vorteil
Train Fever: Farbige Stadtbezirke kennzeichnen die unterschiedliche Gebäudenutzung (Wohnung, Freizeit, Einkaufen, Industrie). Das erinnert stark an den Genre-Vertreter Cities in Motion.
Da sich die Städte dynamisch weiter entwickeln, habt ihr ohnehin stets was zu tun: Bringen die Linien Profit? Ist die Verteilung der Haltestellen effektiv genug? Lohnt sich die Investition in ein neu verfügbares Fahrzeug oder fressen mich die immer steigenden Betriebskosten auf? Für den logistischen und wirtschaftlichen Teil stehen euch klar gegliederte Menüs zur Verfügung, um beispielsweise zu teure und nicht lukrative Strecken aufzuspüren. Leider fehlt es aber an Informationen darüber, worin ein Verlust begründet ist. Hier müsst ihr viel herumtüfteln und ausprobieren, was eine zeit- und kostenintensive Angelegenheit werden kann, aber auch einen Teil des Spielreizes von Train Fever ausmacht. Sämtliche Menüs lassen sich jederzeit ein und ausblenden, während ihr weiterhin in der Spielwelt agieren könnt. Die einzelnen Fenster lassen sich zudem frei verschieben und verfügen über ein intelligent gemachtes Kamera-System, so dass ihr per Mausklick ratzfatz zum ausgewählten Fahrzeug oder zur ausgewählten Linie springen könnt. Auf großen Karten und mit vielen eingerichteten Strecken gestaltet sich die Verwaltung der ganzen Linien, Züge, Lkws etc. dennoch als zeitraubende Mikromanagement-Maßnahme. Dies gilt erst recht, da die eingesetzten Fahrzeuge altern und dadurch für steigende Unterhaltungskosten sorgen. So müsst ihr nach der empfohlenen Betriebsdauer auch für die nachhaltige Modernisierung eurer Transportflotte sorgen.
Geduldsspiel Streckenbau
Train Fever: Modellbahn-Atmosphäre und WiSim in einem.
Grundsätzlich verlegt ihr Straßen und Schienen ganz simpel per Mausbewegung, doch dabei gibt es auch die eine oder andere Tücke, die bei unvorsichtigem Spiel schnell zu horrenden Investitionssummen führen kann. Was wir hier beispielsweise vermissen, ist eine Undo-Funktion, um etwa den letzten Streckenabschnitt rückgängig machen zu können. Das gilt auch für die Abrissfunktion von Gebäuden oder Strecken, sodass ihr hier höllisch aufpassen müsst, nicht versehentlich einen unerwünschten Abriss zu tätigen, der euch im Nachhinein teuer zu stehen kommt. Besonders Einsteiger könnten sich schnell überfordert fühlen, zumal es bislang keine passenden Tutorials im Spiel gibt. Entwickler Urban Games möchte dies jedoch per Patch nachliefern. Besonders bei fortgeschrittenen Schienenstrecken kommt ihr nicht umhin, mit Weichen und Signalen zu arbeiten, damit die Züge sich nicht in die Quere kommen. Um so befriedigender ist es, wenn man nach reichlich Tüftelei ein funktionierendes Netzwerk an Strecken etabliert hat, das nicht nur für stetigen Geldfluss sorgt, sondern das man sich auch genüsslich einfach nur anschauen kann. Hier schlägt der Modellbahn-Charakter des Spiels voll zu Buche.
Frachten ausliefern
Train Fever: Die Fahrzeuge sind zwar hübsch, allerdings gibt es keine Fahrer zu sehen. Hier fehlt z.B, ein Kutscher auf dem Wagen.
Abseits des Personenverkehrs benötigen die Ortschaften auch Güter, um zu wachsen. Hierfür stehen Produktionsketten zur Verfügung. Die Bandbreite fällt dabei klein aus, da es nur vier Rohstoffe (Holz, Öl, Erz, Kohle) und ein Endprodukt (Güter) gibt. Trotzdem ist es eine kleine Herausforderung, die Produktionsketten so zu optimieren, dass ihr dabei ordentlich Profit macht. Generell gibt sich Train Fever dabei geizig, was Spielhilfen angeht. Wer nicht weiter kommt, kann aber auf schon etliche im Internet verfügbar Guides und Videos dank der festen Community zurückgreifen. Zur Beliebtheit des Spiels trägt sicher auch die einfache Mod-Fähigkeit bei. So gibt es schon etliche neue Fahrzeugmodelle zum Download. Und wer es in Sachen Warenproduktion komplexer möchte, bekommt mit der passenden Cargo-Mod reichlich Nachschub.
Gelungener Einstand
Train Fever: Neben Personen transportiert ihr auch Waren auf den Strecken.
Je länger man Train Fever spielt und die darin vorhandenen Mechaniken durchschaut und nutzt, desto weniger kann man sich vom Monitor lösen. Urban Games hat es gut verstanden, das Tüftel-Gen von WiSim-Fans anzusprechen. "Nur noch diese eine Bahnlinie fertigstellen, nur noch die neue Straßenbahn testen …", Train Fever vermag es, so zu fesseln, dass man die Zeit nur allzu schnell vergisst. Nervig hingegen ist, dass mit zunehmend wachsenden Städten die Performance gnadenlos in den Keller sinkt. Dies zu verbessern ist Teil der von Urban Games angekündigten Update-Pläne, prima! Train Fever ist trotz Macken eine kleine Perle, die wir Transport-Fans nur empfehlen können, zumal das Spiel ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Train Fever kostet im Steamshop aktuell knapp 25 Euro. Die Boxed-Version, die Hersteller Astragon anbietet, ist sogar noch günstiger zu haben und kostet zum Beispiel bei Amazon knapp 20 Euro.

ich hätte da mal wieder sooo bock drauf. :-|
ich hätte da mal wieder sooo bock drauf. :-|
das einzige Spiel das ich da angespielt hab weil da keine schlange war :-B
das einzige Spiel das ich da angespielt hab weil da keine schlange war :-B
Nur macht das mittelmäßig Spaß wenn man in der umgebung erster mal selbst alles herrausfinden muss
Es nervt zwar wenn so im Vorletzten Level immer noch die gleiche Meldung kommt das man mit R nachlädt, aber so zumindest Hinweißtexte, das man auf den gleichen Level kommt, sind schon nicht verkehrt