Endless Legend: Test des Fantasy-Rundenstrategiespiels - Weder Fisch noch Fleisch
Amplitude Studios kennt man durch das gelungene 4X-Spiel Endless Space. Nun haben die Franzosen nachgelegt und ein Civilization-ähnliches Fantasy-Strategiespiel herausgebracht. Wir haben Endless Legend getestet und sagen euch, was die Stärken und Schwächen des Titels sind.
Über eine zu kleine Auswahl an hochkarätigen Rundenstrategiespielen kann man sich zurzeit kaum beklagen. Ob man lieber ein kunterbuntes Fantasy-Reich in Age of Wonders 3, Might & Magic: Heroes 6 sowie in der King's Bounty-Serie errichtet oder um die Herrschaft auf der Erde in Civilization 5 beziehungsweise demnächst auf fremden Planeten in Civilization: Beyond Earth kämpft, an zeitfressenden und zugleich gelungenen Titeln mangelt es uns wahrlich nicht. Auch die französischen 4X-Experten von Amplitude Studios (Endless Space) schicken nun ihr durchgestyltes Pferd ins Rennen und laden uns zum Siedeln des Planeten Auriga ein.
Das Dumme ist nur: Der Himmelskörper stirbt. Ähnlich wie in der Fantasywelt aus der Feder von George R. R. Martin – Game of Thrones – wird Auriga in unregelmäßigen Abständen von ständig länger andauernden Kälteperioden heimgesucht. Daher herrscht zeitweise große Ressourcenknappheit auf dem Planeten, weshalb sich die acht Fantasy-Völker wie die Wild Walkers, Vaulters oder Necrophages des Öfteren zanken.
Zufallsgenerator
Quelle: PC Games
Ihr könnt mehrere Einheiten zu einer Armee zusammenfassen und sie von einem Helden anführen lassen.
Wie die Civilization-Reihe setzt Endless Legend auf zufallsgenerierte Karten. Ihr könnt die Form der Welt selbst bestimmen und so zum Beispiel entscheiden, ob es mehrere Kontinente geben soll oder wie bergig die Landschaft ausfällt. Das System sorgt für einen hohen Wiederspielwert des eh schon sehr umfangreichen Spiels. Auch die acht Völker unterscheiden sich so stark, dass man bei jeder Partie auf eine neue Strategie setzen muss. Die Roving Clans zum Beispiel haben kaum eigene schlagkräftige Einheiten und müssen deshalb von einem Marktplatz ihre Krieger anheuern. Zudem können die Wüstennomaden ihre Zelte zusammenpacken und so ihre Städte von einem Punkt zum nächsten bewegen. Die drachenähnlichen Drakken haben dagegen sehr starke, aber auch sehr teure Truppen und können bei diplomatischen Verhandlungen ihre schlimmsten Feinde zu einem Friedensvertrag zwingen. Auch die Siegesbedinungen sind bei allen Fraktionen unterschiedlich. Die Vaulters und Ardent Mages gewinnen etwa, wenn sie genügend Technologien erforscht haben, die Necrophages dagegen wenn sie genügend andere Zivilisation vernichtet haben. Wenn man bedenkt, dass eine Partie locker an die 20 Stunden dauert, beschert Endless Legend euch somit eine abwechslungsreiche Spielzeit von mehr als 100 Stunden.
Hohe Lernkurve
Quelle: PC Games
In der Kälteperiode - die zufällig einbricht - bekommt ihr deutlich weniger Ressourcen und eure Einheiten können sich langsamer auf der Karte bewegen.
Das hört sich zuerst mehr als fantastisch an, zumal Endless Legend etwas komplexer ausfällt als etwa Civilization 5. Ihr fangt ganz klassisch mit einer Siedler-Einheit das Spiel an und dürft selbst entscheiden, wo ihr eure erste Stadt errichtet. Jedoch ist nur eine Siedlung pro Provinz erlaubt, wodurch es vom System her eigentlich schnell zu Kriegen zwischen den Fraktionen kommen müsste. Da die KI-Gegner eher gemächlich vorgehen, kann es aber oft passieren, dass man friedlich mehr als 150 Runden lang Stadt um Stadt errichtet, die Siedlungen mit neuen Gebäuden verbessert, mal kleinere Konflikte mit den "Minor Fractions", sprich Stadtstaaten, austrägt und dann plötzlich feststellen muss, dass einer der Computergegner in dieser Zeit fast schon heimlich eine riesige Armee aufgebaut hat und nun erbarmungslos die Weltherrschaft an sich reißt. Es ist insgesamt ein Schwachpunkt von Endless Legend, dass genreunerfahrene Spieler zwar in einem kurzen Tutorial die Grundzüge des Spiels erlernen, danach aber kaum an der Hand geführt werden. Erst nach einigen Partien lernt man zum Beispiel, die Vorteile der eigenen Fraktion richtig auszuspielen und auch darauf zu achten, ein für die Anfangsphase unnötig großes Militär zu unterhalten. Tut man das nicht, hat man schnell zig Stunden vergeudet und darf im schlimmsten Fall – wenn man nicht regelmäßig gespeichert hat – ganz von vorne beginnen.
Ganz schön komplex
Wenn man aber nach einigen Fehlversuchen ein meisterhafter Endless Legend-Spieler geworden ist, sieht man auch die großen Vorteile in puncto Komplexität gegenüber anderen Rundenstrategiespielen der gleichen Machart. So dürft ihr zum Beispiel eure Einheiten selbst zusammenstellen, indem ihr den Truppen spezifische Waffen und Rüstungen gebt. Zudem können eure Armeen von Helden angeführt werden, die eigene Talentbäume haben und ebenfalls individuell ausgerüstet werden können. Und an unterschiedlichen Technologien mangelt es Endless Legend ebenso nicht, insgesamt gibt es fast hundert Forschungsmöglichkeiten. Im Gegensatz zu anderen Genrevertretern läuft die Forschung übrigens nicht linear, sondern ihr könnt beliebig aus den Technologien eines der sechs Zeitalter auswählen und schaltet die nächsten rund 15 Optionen frei, sobald ihr eine bestimmte Anzahl der vorherigen Ära entwickelt habt. Dadurch könnten die Fraktionen sich in der Theorie sehr unterschiedlich entwickeln, was aber am Ende gegen die KI-Gegner leider nicht wirklich passiert. Ebenso sind die Winterphasen interessant, haben aber kaum Auswirkungen, wenn man sich gut genug auf die ressourcenarme Zeit vorbereitet.
Verschenktes Potenzial
Quelle: PC Games
In den rundenbasierten Kämpfen dürft ihr nur Ziele für eure Einheiten vorgeben, sie aber nicht selbst steuern. Zum Glück kann man die Gefechte auch automatisch ausrechnen lassen.
Das Gleiche gilt auch für die rundenbasierten Kämpfe: Obwohl ihr auf Dinge wie Höhenstufen, Initiative, Reichweite und Lebensenergie in den Gefechten achten müsst, dürft ihr den Einheiten nur indirekte Befehle geben. Das heißt, dass ihr die Ziele der Truppen bestimmt und die Krieger dann nach Gutdünken selbst die Feinde angreifen. So kommt es dann zum Beispiel vor, dass drei Einheiten dasselbe Ziel haben, der Feind aber bereits nach einer Attacke ausgeschaltet ist und die zwei anderen danach ins leere schießen.
Ähnlich sieht es auch bei den Quests aus. Im Laufe einer Partie bekommt ihr zufallsgenerierte Aufgaben, die ihr gegen ein Ressourcenbonus, die Freundschaft mit einem der Minor Factions oder eine freigeschaltete Technologie lösen könnt – aber nicht zwingend müsst. Oft besteht die Quest darin, zu einem bestimmten Punkt auf der Karte zu gelangen oder eine Provinz vor feindlichen Einheiten zu schützen. Dumm ist nur, dass bereits in den Anfangsaufgaben etwa Ziele auf der Karte angegeben werden, die ihr nicht erreichen könnt, sei es, weil ihr noch keine Schiffe habt oder die feindliche Armee einfach zu stark ist. Das frustriert natürlich zunehmend.
Fazit
Insgesamt bekommt man bei Endless Legend daher das Gefühl, dass es zwar unheimlich viel Potenzial bietet, aber am Ende nicht entscheiden kann, ob es Fisch oder Fleisch ist. Zum einen ist die Nähe zu Civilization unverkennbar und auf jeden Fall eines der positiven Seiten des Titels. Doch offensichtlich mochten die Entwickler ebenfalls Spiele in der Machart von Heroes of Might and Magic und so dürft ihr wie bereits erwähnt die Gefechte in dem eher unausgegorenen rundenbasierten Modus ausfechten, könnt simple Quests während einer Partie lösen und eure Helden hochleveln. In keinem Bereich außer den wirklich gelungenen und übersichtlichen Interfaces und der eigenwilligen, aber schönen grafischen Präsentation ist Endless Legend seiner Konkurrenz voraus. Das macht den Titel bei weitem nicht zu einem schlechten Spiel - ganz im Gegenteil. Doch die lange und auch mal frustrierende Lernphase und das letztendlich nicht ausgeschöpfte Potenzial trotz der Komplexität machen aus dem eigentlich sehr guten Spiel ein nur gutes.

Nicht vergleichbar, aber als ähnlich motivierend würde ich in diesem Zusammenhang Civilization 5 und Heroes III (ein Evergreen) nennen. Ich muss das Spiel (in der jetzigen Form) für Fans der Rundenstrategie als absolutes Muss deklarieren. Der Wille zur Einarbeitung vorausgesetzt. Ist eben ein Zeitfresser. Abwer man wird zweifelsfrei belohnt. Und wer gerne seine "Kumpels" virtuell verdreschen und leiden lassen möchte (oder umgekehrt^^), wird seine wahre Freude haben.
In diesem Sinne, her mit einem angemessenen "NACHTEST" !
Ihr sollte mal nachtesten, vieles was im Test angeprangert wird wurde verbessert, z.b. die Questvergabe (ich war bisher nie zu schwach für eine Quest und konnte auch immer alle erreichen) oder das Kampfsystem. Da schießt keine Einheit mehr ins Leere, auch verhalten sich Unterstützer/Heiler sehr intelligent: Lasst man diese angreifen und vor ihrem eigentlich Zug wurde eine andere Einheit stark verletzt lässt der Heiler seinen Angriff sein und heilt den verletzten dann automatisch...Klasse.
Und generell gilt: Besser ein halbgares Kampfsystem als gar keins wie beim im Test vielgelobten Civ5! Immerhin ist das Kampfsystem eine Weiterentwicklung zu dem von Endless Space wo man ja so gut wie nur zuschauen konnte.
Aber wo das Spiel hier weder Fisch noch Fleisch sein soll kann ich beim besten willen nicht verstehen, für mich ist das Strategie in Fast-Perfektion!