Planetary Annihilation im Test: Ambitioniert, aber unfertig
Ambitionierte, interplanetare Echtzeit-Strategie mit Startschwierigkeiten. Planetary Annihilation entpuppt sich im Test als episches Strategiespiel, das aber immer wieder deutlich zeigt. dass es unfertig veröffentlicht wurde.
Schlachten um Planeten und komplette Sonnensysteme bietet das neue Echtzeit-Strategiespiel Planetary Annihilation. Als Anführer einer Roboter-Armee macht ihr euch auf, eine Galaxis zu erobern und kämpft dabei um ganze Planeten. Wer die Nase voll davon hat, immer nur um einzelne Gebiete eines Planeten zu kämpfen, der bekommt mit Planetary Annihilation von Uber Entertainment die Möglichkeit, dies in einem etwas größeren Maßstab zu tun. Denn hier schickt Ihr eure Armeen in die Schlachten um Planeten, Sonnensysteme und eine Galaxis.
Roboter auf dem Vormarsch
Quelle: PC Games
Wie in Star Wars kann man die mechanischen Planeten zu einer Superwaffe umbauen und damit ganze Welten auslöschen.
Als wiedererwachter Roboterherrscher aktiviert sich sogleich euer Programm, nach anderen intelligenten Maschinen im All zu suchen und diese auszulöschen. Von eurem Startplaneten aus macht ihr euch also auf, die große Galaxis zu erkunden. Dazu reist ihr auf einer Sternenkarte von Sonnensystem zu Sonnensystem. Trefft ihr auf eine andere KI, dann kommt es zum Kampf. Ihr zoomt in das Sonnensystem und könnt hier auf einem Planeten euren Commander absetzen. Diesen gilt es um jeden Preis zu beschützen, denn sobald der Commander vernichtet wird, seid ihr besiegt. Um die Schlachten vorzubereiten, baut ihr, typisch für ein Echtzeitstrategiespiel, Rohstoffe ab und errichtet Bauwerke wie Fabriken oder Verteidigungs anlagen. Nun noch eine Armee aus Panzern, Schiffen und Flugzeugen zusammenstellen und es geht auf in den Kampf.
Sternengucker
Planetary Annihilation überzeugt nicht durch eine besonders komplexe Auswahl an Gebäuden oder Einheiten, sondern dadurch, dass ihr pro Schlacht einen – oder auch mehrere – Planeten erobern müsst. Die 3D-Ansicht erlaubt es euch, den gesamten Himmelskörper zu betrachten, herauszuzoomen und zu anderen Welten zu wechseln. Dadurch entsteht das epische Gefühl, eine komplette Galaxie erobern zu können. Habt ihr eine Armee zusammengestellt und eure Basis gut gesichert, dann bewegt ihr eure Einheiten über den Planeten hin zu den Feinden oder transportiert sie mittels Schiffen oder Teleportern zur Welt, auf welcher sich der Gegner verschanzt hat. Das Stein-Schere-Papier-Prinzip zeigt euch, welche Trupps gegen welche Gegner am effektivsten sind. Ihr benötigt also beispielsweise Land-gegen-Land-, Land-gegen-Luft- und Land-gegen-Wasser-Einheiten. Da ihr um ganze Planeten kämpft, müsst ihr stets im Auge behalten, von wo aus die Feinde angreifen, was aufgrund der Steuerung etwas chaotisch wirken kann. Einmal um den Himmelskörper rotieren führt dazu, dass sich auch die Himmelsrichtungen ändern und man sich erst neu orientieren muss.
Planetary Annihilation im Video-Review
Schnell, schneller, vernichtet
Quelle: PC Games
Eine der Superwaffen ist eine Atomrakete, welche gleich einen ganzen Bereich mit feindlichen Einheiten ausradiert.
Die Kämpfe sind spannend, taktisch und schnell. Sogar etwas zu schnell, da sich eure Einheiten bereits nach einem bis drei Treffern in Rauch auflösen. In größeren Schlachten, in denen man sehr viele Einheiten kommandieren muss, entsteht so schnell Chaos und es wird ungeheuer schwer, taktisch vorzugehen, weil die Einheiten viel schneller zerstört werden als man selbst darauf reagieren kann. Auch der Aufbau einer Basis und einer Armee geht flott von der Hand, vor allem, da die Rohstoffe in unendlichen Mengen vorhanden sind. Interessant wird es, wenn mehrere Planeten bei einem Kampf im Spiel sind. Dann müssen Einheiten zur anderen Welt transportiert werden oder man bringt im späteren Spielverlauf Düsen an einen Himmelskörper an, um diesen auf die feindliche Welt stürzen zu lassen. Besonders fesselnd ist es, eine Art Todesstern zu erschaffen, der mit seinem Laser einen Planeten kurzerhand pulverisiert. Dies zeigt, wie episch die Schlachten ausfallen können und bringt eine völlig neue Dimension ins Spiel.
In der von uns bei Release getesteten Version von Planetary Annihilation kann man im Einzelspieler-Modus nicht frei speichern. Wechselt ihr zu einem Planeten, speichert das Spiel automatisch. Da ihr eigentlich eine gesamte Galaxis erobern sollt und Kämpfe mehrere Stunden dauern können, eine völlig unverständliche Entscheidung vonseiten der Entwickler. Zudem laufen Multi- und Single-Player online ab, was dazu führt, dass es selbst im Einzelspieler-Modus zu Lags und Verbindungsabbrüchen kommen kann. Offenbar sind die momentan verfügbaren Server auch der Menge an Spielern nicht gewachsen, denn häufige Zeitlupen-Effekte sollen die Synchronisierung der Server gewährleisten, doch diese kommen aktuell etwas zu oft vor und hemmen den gesamten Spielfluss. Hinzu kommt, dass das Spiel nur auf Englisch spielbar ist. Glücklicherweise müssen nicht viele Texte gelesen werden.
Fokus auf Mehrspieler
Quelle: PC Games
In einer sehr gut ausgebauten Basis warten die Truppen darauf, in die Schlacht geschickt zu werden.
Die Serverlags gehen natürlich auch im Multiplayer-Modus, in dem ihr gegen bis zu neun andere Spieler antretet, sehr auf die Nerven. Auch Bugs trüben den Gesamteindruck momentan noch. So verschwinden hin und wieder die Menüs im Spiel, was einen dazu zwingt, neu zu starten; oder Truppen reagieren erst nach mehrmaligem Klicken auf Befehle – tödlich für jeden Kampf. Ebenfalls einen etwas bitteren Geschmack hinterlässt die Entscheidung der Entwickler, einige Features erst nach Release einzufügen, darunter beispielsweise die Möglichkeit, eigene Asteroidengürtel zu erschaffen.
Mehr Spieler, mehr Spaß
Der Multiplayer-Modus stellt das eigentliche Highlight von Planetary Annihilation dar. Zwar kämpft ihr hier "nur" in einem von euch ausgewählten System und nicht um eine komplette Galaxis, durch die Dynamik zwischen den Spielern entstehen abwechslungsreiche und interessante Situationen. Wer schließt sich mit wem zusammen? Habt ihr einen Partner, könnt ihr auch Megabasen bauen, um euch zu zu einer Einheit zusammenzuschließen. Dabei ist es wichtig, vorher schon die Positionen der jeweiligen Stützpunkte zu bestimmen, sodass man einerseits gut zueinander findet, andererseits aber auch gleich von Beginn an einen großen Teil des Planeten abdeckt und kontrolliert. Die grandiosen Überwaffen, wie Planeten als Rammböcke zur Kollision zu nutzen, sind im Multiplayer schwer umzusetzen, da dies natürlich jeder Spieler versucht und man die Gegenspieler davon abhalten will, diese Pläne umzusetzen. Tut ihr das aber nicht, verwandelt sich das Spiel in eine öde Abfolge von Superwaffen-Einsätzen. Wem die Auswahl an Systemen nicht genug ist, der bastelt sich über den Systemdesigner ein eigenes Sonnensystem, in dem er sich dann spannende Gefechte liefern kann.
Noch nicht fertig
Quelle: PC Games
Der gegnerische Commander verglüht nach mehreren Treffern in einer gewaltigen Atomexplosion. Damit ist diese Partie gewonnen und der Feind besiegt!
Auch wenn Planetary Annihilation eine neue Dimension in das Echtzeit-Strategie-Genre bringt, sich sehr flott spielt und auch grafisch aufgrund des besonderen Stils einen stimmigen Eindruck hinterlässt, bemerkt man aktuell doch recht schnell, dass man mit bestimmten Strategien direkt weit kommt. Wer gleich von Beginn an eine Armada an Kampffliegern oder sogenannten Dox-Robotern erstellt, sichert sich sehr häufig den Sieg, wodurch viele Partien ähnlich ablaufen. Ein weiterer Wermutstropfen ist, dass auch das Terrain so gut wie keine taktische Rolle spielt – bedenkt man jedoch die dürftige Wegfindung, bei der Einheiten an jedem Felsen kleben bleiben, könnte man darüber allerdings auch froh sein.
Schade auch, dass sich Einheiten nicht verbessern lassen. Bekommen die Entwickler zumindest die Serverprobleme und Bugs in den Griff und fügen schnell eine freie Speicherfunktion ein, kann man Planetary Annihilation trotz aller Mankos jedem Echtzeit-Strategiefan empfehlen. Denn die vielen Ideen und die Möglichkeit von interplanetaren Kämpfen gab es bisher so noch nicht im Genre. Dies sollte man erlebt haben – und 28 Euro sind zudem ein fairer Preis.
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