Gamescom 2014: Voll, teuer, anstrengend - Lohnt sich der Messebesuch überhaupt noch?

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Lohnt sich ein Besuch auf der Gamescom noch? Die Hallen werden voller, die Schlangen länger, die Preise immer höher.
Quelle: Koelnmesse Bilddatenbank

Die Gamescom in Köln setzt seit den vergangenen Jahren vor allem zwei Dinge voraus: bequeme Schuhe und viel Geduld. Die Schlangen werden immer länger, die Hallen gefühlt immer voller und die Preise höher. Lohnt es sich überhaupt noch, die Messe zu besuchen, nur um die eine oder andere Neuheit anzuspielen? Ein Kommentar von Dennis Reisdorf.

Die größte Spielemesse Europas, die Gamescom in Köln, ist in den vergangenen Jahren merklich gewachsen - die Besucherzahlen sind seit der ersten Ausgabe 2009 stetig gestiegen. Während vor fünf Jahren rund 230.000 Privatbesucher die Messehallen in einem noch erträglichen Maße ausfüllten, waren es im vergangenen Jahr bereits 340.000 Videospiel-Fans aus aller Welt, welche die Luft knapp werden und jedweden Komfort schwinden ließen. Auch in diesem Jahr strömten Hunderttausende durch die Hallen der Gamescom. Ein neuer Besucherrekord wurde trotz der im Vorfeld der Messe rasant vergriffenen Eintrittskarten in diesem Jahr nicht aufstellt. Mit rund 335.000 Besuchern war die Gamescom 2014 dennoch auch in diesem Jahr ein voller Erfolg. Wer jedoch in Ruhe die neuesten Videospiele und Gaming-Hardware in Augenschein nehmen möchte, wartet in vielen Fällen besser bis zur Veröffentlichung.

Geändert hat sich in den vergangenen Jahren aufgrund des immensen Besucheransturms vieles. Erfreulicherweise werden die Massen nun organisierter reguliert als noch vor zwei bis drei Jahren. Obwohl es wünschenswert wäre, weitere Messehallen zu öffnen, um die Aussteller und damit die Besucher zu fragmentieren, ist es schon einmal deutlich angenehmer, dass nun bereits vor dem Einlass Maßnahmen ergriffen werden, um dem Ansturm entgegen zu wirken. Selbstverständlich würden weitere Hallen erhöhte Kosten bedeuten, vor allem für die Aussteller.

Eine echte Verbesserung sind daher die neuen Maßnahmen, die Besucher zunächst um die verschiedenen Hallen herumzulenken, zumindest für diejenigen, die bereits einen Fuß in die Messehallen setzen durften - alle anderen dürfen sich heuer bereits auf lange Wartezeiten einstellen, bevor sie die Messe überhaupt betreten haben. Und danach geht das Warten erst richtig los - der Donnerstag ist inzwischen nämlich vergleichbar mit den prallvollen Wochenenden der Vorjahre.

Auf zur Gamescom!

Lohnt sich ein Besuch auf der Gamescom noch? Die Hallen werden voller, die Schlangen länger, die Preise immer höher. (4) Quelle: Koelnmesse Lohnt sich ein Besuch auf der Gamescom noch? Die Hallen werden voller, die Schlangen länger, die Preise immer höher. (4) Während es in den ersten beiden Jahren der Gamescom am Donnerstagmorgen als Privatbesucher durchaus möglich war, pünktlich um 10:00 Uhr auf dem Messegelände aufzutauchen, zügig eingelassen zu werden und dann bereits nach wenigen Minuten die ersten Stände unsicher zu machen, müssen Gamescom-Besucher inzwischen eine Menge Geduld mitbringen. Wer die Chance hatte, am Ende der Stufen am Haupteingang zu stehen und auf eine einschüchternde und gigantische Armada von Videospiel-Nerds zu blicken, die nur darauf warteten, dass sich der vordere Teil der Herde in Bewegung setzten durfte, um dann zu Hunderten in den unteren Teil des Geländes zu strömen, kann sich die Ausmaße ungefähr vorstellen. Viele dieser Leute hatten mit ihren Tagestickets vermutlich nur die Gelegenheit, an ein oder zwei Ständen großer Aussteller anstehen zu können, bevor der Tag endete. Ein einziger Tag auf der Messe reicht wahlweise für einen Rundgang zwischen Menschenmassen oder dem geduldigen Anstehen in Warteschlangen.

Die Frage, ob sich ein Besuch der Gamescom überhaupt noch lohnt, muss natürlich jeder für sich beantworten. Selbstverständlich dreht sich hier alles um die neuesten Videospiele. Doch wer allein deshalb eine Reise nach Köln plant, sollte sich dies im Voraus gut und mehrmals überlegen. Ohne akribisches Zeitmanagement und zielstrebige Pläne geht der Messeaufenthalt vermutlich vorüber, ohne überhaupt etwas gesehen zu haben. Bei Wartezeiten von mehreren Stunden lässt sich nicht viel realisieren. Wo es 2009 noch möglich war, kurz nach Öffnung der Pforten fast schnurstracks am Sony-Stand durch den Wartebereich zu laufen, um God of War 3 und eine umfangreiche Demo von Quantic Dreams' Heavy Rain anzuspielen, sind Wartezeiten von zwei Stunden heute noch das zu erwartende Mindestmaß. Vier Stunden und aufwärts sind realistisch. Ob sich dies für eine kurze Anspiel-Session von Bloodborne lohnt, darüber darf gestritten werden.

Lohnt sich ein Besuch auf der Gamescom noch? Die Hallen werden voller, die Schlangen länger, die Preise immer höher. (1) Quelle: Koelnmesse Bilddatenbank Lohnt sich ein Besuch auf der Gamescom noch? Die Hallen werden voller, die Schlangen länger, die Preise immer höher. (1) Spontan auf die Gamescom - eine wahrlich schlechte Idee. Wer nicht im Vorverkauf eine Eintrittskarte erwarb, durfte sich bereits am ersten Tag der Messe darauf einstellen, zunächst stundenlang anzustehen, um auf die verschwindend geringe Chance zu hoffen, noch ein Ticket zu erhaschen. Anschließend geht es in die Schlange am regulierten Seiteneingang für all diejenigen, die auf die glorreiche Idee kamen, spontan einen Messebesuch in Angriff zu nehmen. Dabei vergeht gern mal die Hälfte des Tages, und wer keine Karte an der teureren Tageskasse bekommt, darf sich in eine weitere Schlange stellen - die Schlange mit den armen Gamern, die mit Pappschildern um übrig gebliebene Tagestickets betteln. Wer dann desillusioniert feststellt, dass seine Reise nach Köln vergebens war, muss wohl oder übel enttäuscht von dannen ziehen und kann seinen Tag vielleicht noch mit einem Besuch im Kölner Zoo retten. Dieser darf übrigens seinen ersten in Köln geborenen Großen Ameisenbären feiern.

Videospiele sind nicht alles

Die Gamescom ist natürlich mehr als nur ein Event, um ein paar Spiele-Demos kommender Blockbuster anzuspielen oder lediglich vorgespielt zu bekommen. Es ist ein Event für Gamer aus aller Welt, die zusammenkommen, um sich gemeinsam mit anderen an ihrer Leidenschaft zu erfreuen. Neben Anspielstationen gibt es auf der Messe abseits der großen Hallen voller Publisher und Entwickler noch vieles mehr zu entdecken. Die Outdoor-Area lockte auch in diesem Jahr trotz des nur mäßigen Wetters mit allerlei Attraktionen. Sehenswert ist sicherlich auch das Cosplay-Village in Halle 10 - auch wenn der japanische Verkleidungstrend auf der Spielemesse nicht so spektakulär und umfangreich ausfällt wie beispielsweise auf der Frankfurter Buchmesse oder vergleichbaren Veranstaltungen, auf denen Cosplay eine tragende Rolle spielt.

Der Messebesuch sollte sich im Idealfall nicht auf die Gamescom beschränken. Die Millionenmetropole am Rhein bietet abseits der Messe bekanntlich noch viele weitere Möglichkeiten, um ein schönes Wochenende zu genießen. Am Samstag und Sonntag wurde der Spaß auf der Messe ohnehin von Menschenmengen gedrosselt - vorrangig von kleinen Menschen mit gelben und grünen Bändchen mitsamt ihrer Erziehungsberechtigten. Viele Besucher wünschen sich seit Jahren eine Halle ausschließlich für Volljährige, was sicherlich einigen Besuchern zugute käme. Weil dies sämtliche Aussteller jedoch vor erhöhten Aufwand stellen würde, sind derartige Maßnahmen vorerst keine Option. Die Aussteller müssten ja meist mehrere Stände errichten, zeigen sie schließlich nicht nur Titel für Volljährige. Sämtliche Minderjährigen auszusperren wäre ebenso wenig wirtschaftlich sinnvoll wie mehrere Stände auf dem Messegelände zu buchen. Besonders für das Wochenende lohnt es sich also, zumindest ein paar weitere Pläne und Anlaufstellen in Köln in der Hinterhand zu haben.

Für wen lohnt sich der Messeaufenthalt?

Lohnt sich ein Besuch auf der Gamescom noch? Die Hallen werden voller, die Schlangen länger, die Preise immer höher. (3) Quelle: Koelnmesse Bilddatenbank Lohnt sich ein Besuch auf der Gamescom noch? Die Hallen werden voller, die Schlangen länger, die Preise immer höher. (3) Wer sich von der Gamescom versprach, all die heiß ersehnten Spiele seiner Most-Wanted-Liste anzuspielen, wurde angesichts der überfüllten Hallen wohl enttäuscht. Weil der Messeveranstalter die Dauerkarten strich, angeblich um die Aufenthaltsqualität zu verbessern, wurde es für alle diejenigen teurer, die möglichst viel sehen und mehrere Tage auf der Messe verbringen wollen. Komfortabler ist es durch diese Maßnahme auch nicht geworden. Der Gamescom-Besuch lohnt sich somit für das eine oder andere Highlight, entsprechende Planung und genügend Geduld vorausgesetzt. Wer die Kunst der Meditation beherrscht oder einen Camping-Stuhl mitbringt, ist im Vorteil. Und sämtliche Publisher, die lediglich Gameplay präsentieren, ohne den Besuchern selbst den Controllern in die Hand zu geben, sind die Zeit oftmals nicht wert. Schließlich lädt es der erste Besucher ohnehin auf Youtube hoch, wenn nicht sogar der Publisher wenige Tage später selbst.

Um hingegen Oculus Rift auszuprobieren, bis endlich die von der Branche heiß erwartete Consumer-Version auf dem Markt erscheint, oder um einmal das neue Forza für Xbox One anzuspielen, dafür bietet die Gamescom sicherlich ein paar gute Anlaufstellen. Die dürfen dann getrost als schöne Erinnerungen mit nach Hause genommen werden. Doch empfiehlt sich für Gamer mit weiter Anreise zweifellos, neben der Gamescom noch andere Aktivitäten in und um Köln zu planen. Für viele Besucher lohnt es sich irgendwann nicht mehr, stundenlang für eine Sneak-Peak anzustehen. Die Warteschlange bei Activision etwa verschlingt mehr Zeit als der Singleplayer-Modus von Call of Duty, das euch in der Regel lediglich als kommentierte Präsentation vorgeführt wird. Wessen persönliche Grenze bei einer Wartezeit von vier bis sechs Stunden oder mehr noch nicht erreicht ist, dem sei in den kommenden Jahren viel Spaß gewünscht.

Wie war euer Empfinden der diesjähigen Gamescom-Messe? Laut offiziellem Abschlussbericht der Koelnmesse habe man die Wartezeiten in diesem Jahr drastisch reduzieren können. Hinterlasst uns einen Kommentar und teilt uns mit, wie lange ihr anstehen musstet - und ob es sich für euch gelohnt hat. Wir freuen uns auf eure Beiträge.

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    • Kommentare (15)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Evermore1982 Anwärter/in
        Das Messefeeling war eigentlich ganz cool aber um wirklich interessante Sachen sehen zu können (wie z.b. Occulus Rift, Witcher 3, etc) musste man gut 2-3 Stunden in ner Schlange anstehen.
        Am Ende meinte der Security Wichtel dann noch, dass für heute beim Rift keine Vorführungen mehr sind und hat die Leute weggeschickt.
      • Von Evermore1982 Anwärter/in
        Das Messefeeling war eigentlich ganz cool aber um wirklich interessante Sachen sehen zu können (wie z.b. Occulus Rift, Witcher 3, etc) musste man gut 2-3 Stunden in ner Schlange anstehen.
        Am Ende meinte der Security Wichtel dann noch, dass für heute beim Rift keine Vorführungen mehr sind und hat die Leute weggeschickt.
      • Von Enisra Mitglied
        Zitat von Spassbremse
        Ob es sich lohnt? Hat es sich in Köln noch nie, aus Besuchersicht. :-P
        wobei manche aber auch reichlich übertreiben
      • Von Spassbremse Spiele-Professor/in
        Ob es sich lohnt? Hat es sich in Köln noch nie, aus Besuchersicht. :-P

        Ich war einmal dort, als die Messe nach Leipzig zum ersten Mal in Köln stattfand. Grässliches Erlebnis.

        Nichts gegen die Kölner Messe an sich, die RPC ist z.B. eine sehr feine Veranstaltung, aber die Gamescom? Danke, nie wieder.
      • Von WRyll NPC
        das war meine letzte Köln Messe
      • Von Shadow_Man Mitglied
        In einigen Jahren ist das bestimmt eh anders. Dann wird ein Großteil davon sicher im Internet stattfinden und die Leute können auch von zuhause aus die Spiele über das Internet anspielen. So stelle ich mir jedenfalls die Messe der Zukunft vor ;-) Nicht nur vor Ort, sondern auch alles über das Internet anspiel- und ansehbar.
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