Die Siedler: Königreiche von Anteria: Always on und andere Wohlfühlprobleme - der kalkulierte Tabubruch von Blue Byte
Halb Spiele-Deutschland diskutiert über den Online-Zwang von Die Siedler: Königreiche von Anteria. Das Feature weckt böse Erinnerungen an Sim City, Diablo 3 und nicht zuletzt Siedler 7. Alles nur Panikmache oder begründete Sorge? PC-Games-Chefredakteurin Petra Fröhlich kommentiert.
"Das typische Boxed-Game, das komplett offline ist, ist eine auslaufende Gattung. Natürlich gibt's viele Gamer, die das immer noch gerne haben wollen, allerdings glauben wir, dass es sehr viel mehr Gamer gibt, die eben online spielen wollen. Früher war das immer so eine Sache, aber heuzutage ist sowieso jeder online – und das ist eigentlich eher ein Wohlfühlproblem, als dass es ein richtiges Problem ist."
Ein Wohlfühlproblem. Solche Begriffe hört man normalerweise nur von Customer Relationship Managern an der Theke von Vier-Sterne-Hotels in Hurghada, wenn sich Urlauber über den galoppierenden Schimmel in der Dusche oder den wenig schmeichelhaften Hinterhof-Zimmerblick beschweren.
Verwendet hat ihn aber Blue-Byte-Entwicklungs-Chef Christopher Schmitz auf unsere Frage, was 2014 anders ist als 2010 (siehe Video) – damals sorgte die Always-on-Pflicht von Die Siedler 7 für wochenlangen Ärger und bis heute anhaltende Diskussionen.
Seit der Enthüllung in PC Games 8/14 ist klar: Die Siedler: Königreiche ist ein reines Online-Spiel. Wer siedeln will, muss online sein – immer. Kein Server, kein Siedeln. Das führt nicht nur bei Siedler-7-Erstauflagen-Geschädigten zu einer Mischung aus Tobsuchts- und Ohnmachtsanfall. Denn damals, am Osterwochenende 2010, ging rein gar nichts mehr – Zigtausende Siedler-Fans saßen an den Feiertagen zu Hause und starrten verzweifelt den Monitor an, weil eben die Server down waren. Und die User zwangsläufig auch.
Wer es nicht live erlebt hat, aber die Gefühlslage ein bisschen nachempfinden will, wirft einen Blick in einschlägige Foren oder auf das Sortiment an frustgeschwängerten Ein-Stern-Bewertungen bei Amazon. Sie erinnern an die Stimmungslage beim Launch von Diablo 3 (hallo Error 37) oder Sim City. Wie im Falle von Die Siedler 7 ist Electronic Arts nach einer Phase der inneren Einkehr und Besinnung zurückgerudert und hat die strenge Anbindung entschärft.
Warum um Himmels Willen hat sich Blue Byte trotzdem für das ungeliebte Always on entschieden? Wohlwissend, dass allein die Ankündigung vom Tag 1 an all die anderen, klugen und nachvollziehbaren Neuerungen (Stichwort "Produktionsketten") überlagern wird?
Ein möglicher Grund: die reine Faktenlage. Ich kann mich an keine Ubisoft-Präsentation der letzten zwei Jahrzehnte erinnern, in der auf die Frage nach dem "Hä, wieso das denn?" nicht mit einem beherzten "Die Spieler wollen es so!" geantwortet wurde – Marktforschung und Kundenbefragungen haben bei Ubisoft traditionell einen hohen Stellenwert. Im Falle von Anno hat die Studie sogar einen eigenen Namen: die "Annolyse".
Nur: Im Falle von Die Königreiche von Anteria darf man annehmen, dass die Resonanz auf das Thema Online-Pflicht eher zurückhaltend bis medium ausfiel, um nicht zu sagen: entsetzt.
"Wollt ihr always on siedeln?" – und alle so: Hurra!
Tatsächlich fallen einem wenige Gründe ein, warum das selbstgebaute, persistente Königreich zwangsläufig auf einem Ubisoft-Server lagern muss. Handel und PvE-Gefechte lassen sich bekanntermaßen auch offline mit KI-Gegnern realisieren. Wer partout Koop im Multiplayer spielen will, könnte dies optional tun. Und um Updates oder Bugfixes aufzuspielen, genügt gelegentlicher Datenaustausch, in keinem Fall permanenter.
Einige Kritiker argwöhnen, es ginge Blue Byte um Kontrolle, um Daten, um Mikrotransaktionen. Zwar ist Die Siedler: Königreiche von Anteria bekanntermaßen kein Free2play-Browserspiel à la Die Siedler Online, sondern ein Spiel, für das man im Voraus Geld zahlt. Zukaufbare Spielbeschleuniger sind nach Lage der Dinge nicht vorgesehen, wohl aber ein Shop-System, über das sich DLCs oder Deko-Kram vertreiben lassen. Die Siedler-Fans werden ein waches Auge darauf haben, wie sehr derlei Angebote in die Spielmechanik eingreifen. Hier wird Fingerspitzengefühl seitens der Entwickler gefragt sein. Jonglieren mit Nitroglyzerin-Fläschchen dürfte die leichtere Übung sein.
Nein, die Wahrheit liegt eher woanders – und Christopher Schmitz (der auch Referenzspiele wie Anno 1404 und Anno 2070 verantwortete) hat es im Grunde schon auf den Punkt gebracht: Man geht davon aus, dass man mit einem Online-Spiel mehr Leute erreicht als mit einem Offline-Spiel.
Kosten - Nutzen. Ganz einfach.
Blue Byte kann, ja, darf nicht die Welt der PC-Spiele im Jahr 2010 oder 2012 oder 2014 im Auge haben. Sondern jene von 2015, 2016, 2017, 2018. Man darf annehmen, dass man sich nicht zuletzt im Interesse von einigen hundert Mitarbeitern wohl überlegt hat, wie die Zukunft von Die Siedler aussieht und wie jetzt die Weichen zu stellen sind. Die Entwickler geben ganz freimütig zu, dass nicht zuletzt der sagenhafte und andauernde Erfolg von Die Siedler Online eine Rolle bei allen Überlegungen gespielt hat - und nicht ohne Grund ist das Team gespickt mit Personal, das bei Die Siedler Online eine tragende Rolle gespielt hat.
So bitter es aus Sicht vieler langjähriger Fans klingt: Aus meiner Sicht ist der Zug abgefahren. Königreiche von Anteria ist von vornherein als Online-Spiel konzipiert worden, jetzt bleibt den Entwicklern nur übrig, den Shitstorm aus- und durchzuhalten und die gefühlte Notwendigkeit von Always-on geduldig zu erklären – auch den Fans, die sich nächste Woche auf Ubisofts Gamescom-Stand danach erkundigen.
Man kann Blue Byte nur raten, die Launch-Phase so gründlich wie menschenmöglich vorzubereiten und lieber einen Server mehr als einen zu wenig aufzusetzen. Die Armada der "Told you so!"-Propheten steht in den Startlöchern. Sollte der Launch ähnlich katastrophal laufen wie 2010, dürfte vor allem eine Blue-Byte-Abteilung garantiert ein Wohlfühlproblem haben: die Kunden-Hotline.

Es gibt nur eine Möglichkeit das ein für alle mal zu beenden und das ist verzichten und den Müll nicht kaufen. Kein Kompromiss eingehen sondern hart bleiben. Wer das nicht kann braucht sich hier auch nicht zu beschweren, ein Spiel ist nichts was man unbedingt zum überleben braucht und es gibt immer alternativen und wenn es der Vorgänger ist.
Ich will doch als Spieler einfach nur SIEDDDDDEEEELLLLLNNNNN.
In dem Moment wo das Wort " Online-Zwang " im Video aufkam wurde das Spiel uninteressant für Mich
Haben die Entwickler aus derm Sim City Desaster Nichts gelernt ?
Scheinbar wohl nicht.