Crytek vor dem Aus - stecken Spiele "Made in Germany" in der Krise?
Der Crysis-Entwickler soll angeblich kurz vor der Pleite stehen. Welche Folgen hätte die Insolvenz auf die hiesige Spieleindustrie und wie ist es eigentlich überhaupt um die deutschen Entwickler-Studios bestellt? In unserem Special gehen wir den Fragen nach und geben euch einen kleinen Überblick über den Entwicklungsstandort Deutschland.
Da ziehen dunkle Wolken auf: Kurz nach der E3-Messe tauchten Schlagzeilen auf den großen Spiele-Webseiten auf, die besagten, dass der deutsche Vorzeige-Entwickler und -Publisher Crytek nah an einer Insolvenz vorbeigeschrammt ist oder womöglich demnächst tatsächlich Pleite ist. Angeblich könnten die 3D-Spezialisten aus Frankfurt die Gehälter einiger der insgesamt knapp 800 Angestellten nicht bezahlen und außerdem hätten laut Kotaku.com bereits mehrere führende Kräfte das Unternehmen verlassen. Die Yerli-Brüder, die Crytek 1999 im fränkischen Coburg gründeten, dementieren diese Gerüchte und weisen auf zukünftige, potenzielle Verkaufsschlager wie Homefront 2 oder Hunt: Horrors of the Gilded Age hin, die auf der E3 in Los Angeles groß gelobt wurden. Ob die Frankfurter nun kurz vor dem Aus stehen oder doch wieder im grünen Bereich gelandet sind, lässt sich zurzeit anhand der unterschiedlichen Meldungen und Dementi nur schwer sagen.
Fakt ist aber, dass man jedenfalls in den letzten Jahren kaum von großen Erfolgsmeldungen sprechen kann, wenn es um Crytek geht. Zum Beispiel waren die Verkaufszahlen von Crysis 3 im Vergleich zum Vorgänger rückläufig (Verkaufszahlen Crysis 3, Verkaufszahlen Crysis 2) der Free2Play-Titel Warface kam sowohl bei der Fachpresse als auch bei den Spielern nur mäßig an und zudem läuft es laut einem Bericht in der Gamestar-Ausgabe 07/2014 wohl nicht gerade gut mit dem Lizenzgeschäft der renommierten Cry-Engine. Da das Unternehmen wegen seiner vielen Standorte – etwa in Istanbul, Kiew, Shanghai sowie Austin – und der großen Anzahl an Angestellten sehr hohe laufende Kosten hat, müssen zwingend echte Verkaufsschlager her - und die fehlen aktuell. Es scheint fast so, als ob Crytek sich in den letzten Jahren zu Tode expandiert hat und nun mit den kommenden Titeln eine Punktlandung hinlegen oder tatsächlich die Insolvenz bekannt geben muss.
Das Land, wo die Nischentitel blühn
Quelle: Ubisoft
Die Siedler-Reihe gehört zu den bekanntesten Spieleserien aus Deutschland.
Wenn nun schon bei dem weltweit bekanntesten deutschen Spieleentwickler Krisenstimmung herrscht, fragt man sich auch, wie es um die hiesige Spieleindustrie insgesamt bestellt ist. Im Vergleich etwa zu den recht kleinen skandinavischen Ländern wie Schweden oder Finnland, die mit mehreren Top-Entwicklerstudios wie DICE (Battlefield), Remedy (Max Payne), Supercell (Clash of Clans), Rovio (Angry Birds) oder Machine Games (Wolfenstein: The New Order) aufwarten, können Produzenten aus dem zweitgrößten europäischen Videospielmarkt nur wenige globale Verkaufsschlager vorweisen. Eines der Gründe dürfte sein, dass zu den bekanntesten Marken aus Deutschland vor allem PC-Titel aus dem Adventure- und Aufbausimulations-Genre wie Die Siedler, die Deponia-Reihe oder die Anno-Serie zählen. Die beiden Sparten sind im Ausland eher Nischengenres und unter Konsolenspielern sowieso kaum bekannt. Auch die globalen Verkaufszahlen der letzten Reihenableger veranschaulichen, dass das womöglich drohende Aus von Crytek dem Spielestandort Deutschland immens schaden würde: Die Siedler 7 ging lediglich rund 260.000 mal über die Ladentheke und die gesamte Deponia-Trilogie erreichte keine 200.000 verkauften Exemplare. Dagegen sind die rund drei Millionen Crysis 2-Käufer eine echte Hausnummer – nur Titel wie Anno 2070 und Sacred 2 mit jeweils über einer Millionen verkaufter Kopien können da einigermaßen mithalten. Selbst, wenn man bedenkt, dass Crysis 2 im Gegensatz zu Die Siedler 7 als Multiplattformspiel in einem weltweit beliebteren Genre natürlich per se mehr verkaufen sollte.
Die rund 400 in Deutschland von Crytek beschäftigten Angestellten stellen natürlich nur einen Bruchteil der insgesamt etwa 10.500 fest- und freiberuflich tätigen Menschen der deutschen Games-Branche dar. Doch wenn es zum Beispiel darum geht, sich als junger Entwickler im Ausland bei einem der großen Studios zu bewerben, sollte man namhafte Referenzen mitbringen und da zählt es nicht allzu sehr, wenn man etwa für ein kleines Browser-Spiele-Studio gearbeitet hat - die gerade in Deutschland populär sind. Somit bildet sich ein Teufelskreis: In Deutschland würde es nach einem Crytek-Bankrott nur wenige Studios mit internationalem Rang und Namen geben und Nachwuchsentwickler hätten es in Zukunft deutlich schwerer, bei großen ausländischen Unternehmen unterzukommen. Das wäre sehr schade, denn mit der Games Academy und den vielen in deutschen (Privat-)Universitäten angebotenen Master- und Bachelor-Studiengängen kann man sich hier sehr wohl zu einem fähigen Spieleentwickler ausbilden lassen.
Aus der Geschichte lernen
Quelle: http://www.neogaf.com
Factor 5 feierte mit Star Wars Rogue Leader: Rogue Squadron 2 einen großen internationalen Erfolg.
Eine Frage stellt sich im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten bei Crytek: Hätten die Frankfurter eventuell Lehren aus der Vergangenheit ziehen können? Crytek ist nämlich beileibe nicht der einzige international renommierte Entwickler in der langen Geschichte der deutschen Videospielindustrie. Factor 5 war zum Beispiel bereits in den Neunzigern mit dem legendären Shooter Turrican überall auf der Welt erfolgreich und eröffnete 1997 sogar ein Büro in einem Vorort von San Francisco. Die Firma unter der Leitung von Julian Eggebrecht gehörte zu den ganz großen Namen im Action-Genre und durfte sogar Spiele wie Star Wars: Rogue Leader im Auftrag von Nintendo entwickeln. Doch nach einer exklusiven Partnerschaft mit Sony und dem mit immensem Aufwand entwickelten PlayStation-3-Auftakttitel Lair zeigte sich, dass Factor 5 sich übernommen hatte. Das Studio musste 2009 seine Pforten schließen, weil Lair floppte und den anderen laufenden Projekten die Publisher abhanden kamen.
Auch das von Armin Gessert (Schöpfer von Giana Sisters) gegründete Studio Spellbound Entertainment erlitt ein ähnliches Schicksal. Hatte man in Offenburg viele eher kleinere, aber in Deutschland beliebte Spiele wie Airline Tycoon oder Desperados entwickelt, wollte man mit Arcania: Gothic 4 2010 den großen Wurf landen. Das Rollenspiel bekam jedoch sowohl international als auch in Deutschland keine guten Wertungen und verkaufte sich dementsprechend schlecht. Am Ende musste Spellbound im März 2012 Insolvenz anmelden. Ähnliche Beispiele für zu ambitionierte Projekte deutscher Entwicklerstudios lassen sich leider nicht an einer Hand abzählen: Ascaron zum Beispiel erlitt durch zu viele Verzögerungen mit dem offenbar zu aufwendigen Sacred 2: Fallen Angel Schiffbruch und die Drakensang-Macher Radon Labs konnten den dritten Teil der beliebten Rollenspielserie nie beenden, weil ihnen das Geld ausging.
Smarte Spiele
Quelle: Apple/iTunes
Diamond Dash ist eines der beliebtesten Smartphone-Spiele weit und breit.
Die über 240 noch bestehenden deutschen Entwicklerstudios scheinen Lehren aus diesen Insolvenzen gezogen zu haben. So sind mit den Crytek-Spielen, Piranha Bytes Risen 3 und Yagers Dead Island 2 hierzulande zwar auch große Spiele in der Mache, aber der Anteil an Studios mit einem Fokus auf Smartphone-, Browser- oder Online-Spiele überwiegt. Im Ausland dürfte die Berliner Firma Wooga mit dem allseits beliebten Handy-Spiel Diamond Dash am bekanntesten sein, aber auch die Hamburger Goodgame Studios mit über 190 Millionen und Bigpoint mit 300 Millionen registrierten Spielern gehören zu den weltweit größten Browser- und Online-Spieleentwicklern – zudem haben die beiden Unternehmen aus der Hansestadt insgesamt mehr als 1.600 Beschäftigte.
Blue Byte, das Studio mit den vielleicht meisten Jahren auf dem Buckel in Deutschland, ist ein sehr gutes Beispiel, wie erfolgreiche große Entwickler einen Mittelweg gehen. Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf macht zwar alle Jahre mal wieder ein neues Siedler für Ubisoft (aktuell Die Siedler: Königreiche von Anteria), programmiert aber auch im Auftrag des französischen Publishers kleinere und mittelgroße Browser- und Free2Play-Titel wie Panzer General Online oder Anno Online. Dabei hatte Blue Byte mit Titeln wie dem Unterwasser-Simulator Schleichfahrt und dem Sci-Fi-Rollenspiel Albion es in den Neunzigern versucht, auch mal außerhalb ihres Kernbereichs – den Strategiespielen – zu punkten und zudem mit der Übernahme von Murder of Crows (Shadowpact) in den USA Fuß zu fassen. Letztendlich verließen viele altgediente Entwickler das Studio, weil sie mit der Konzentration auf den amerikanischen Markt und den finanziellen Engpässen aufgrund der sich schlecht verkaufenden Titel unzufrieden waren. Die Fehler von einst wollen die Düsseldorfer anscheinend nicht wiederholen und konzentrieren sich heute auf die Entwicklung von Strategiespielen.
Die Kirche im Dorf lassen
Quelle: Yager
Das Berliner Studio Yager entwickelt zurzeit das Zombie-Metzelspiel Dead Island 2
Von einer Krise der deutschen Spieleindustrie lässt sich aufgrund der Vielzahl erfolgreicher Entwicklerstudios kaum sprechen – auch wenn eine mögliche Crytek-Insolvenz der hiesigen Spielebranche immens schaden würde. Offensichtlich ist zudem, dass der Wechsel von hochkomplexen, PC-exklusiven Strategiespielen und Simulatoren hin zu eher casuallastigen Browser- sowie Online-Titeln bereits stattgefunden hat und man hier damit den Trends der globalen Spieleindustrie folgt. Ob man sich darüber als sogenannter Core-Gamer freuen soll, ist natürlich mehr als fraglich. Man sollte aber nicht vergessen, dass in Deutschland mit über 240 Studios eine bunte Vielfalt von sehr unterschiedlichen Entwicklern existiert und einige wie etwa Yager oder Piranha Bytes weiterhin auf ambitionierte Spieleprojekte setzen. Wo es in Deutschland noch großen Nachholbedarf gibt, ist in der staatlichen Förderung der Entwicklung von Videospielprojekten. Damit talentierte Nachwuchsentwickler ihre Prototypen hier verwirklichen können, stehen zurzeit fast nur Fördermittel auf Landesebene zur Verfügung – der Deutsche Computerspielpreis ist hierfür längst nicht ausreichend. Die Infrastruktur, die Ausbildungsmöglichkeiten und auch die Talente sind in Deutschland vorhanden, jetzt muss die Attraktivität des Entwicklungsstandortes noch gesteigert werden.

Und wäre Crytek von vorne rein schon auf das "Konsolenschiff" mit Crysis 1 aufgesprungen dann wäre crysis 1 vielleicht nicht nur eine Grafikdemo für Highend PCler gewesen und es hätte sich sicher sehr gut verkauft. Man sieht doch was daraus geworden ist. CoD4 hat die komplette Shooterwelt verändert und lief super und sah auch noch sehr gut aus. Da kann ich auf die tolle Highend Grafik verzichten wenn ein Spiel grottig zum spielen ist. Sobald man "speed" aktiviert hat sind die FPS auf 10 gefallen.
Ich kenne auch keinen persönlich der es gekauft hat. Die meisten haben es sich gezogen. Warum? Weil keiner Geld ausgibt für Spiele bei denen man sich nicht sicher ist das es nicht auf dem Rechner läuft und Crysis 1 war sowas von schlecht optimiert das nichtmal 500 GTX Grakas das Spiel flüssig darstellen konnten.
Zum Thema!Natürlich hast du vollkommen recht,hey,Crytek war ja vollkommen pleite und hat von luft gelebt bis crysis 2...../Ironie
Factor 5 kann in den Achtzigern gar nicht mit Turrican erfolgreich gewesen sein, weil das Spiel erst 1990 erschienen ist und außerdem eine Originalentwicklung von Manfred Trenz auf dem C 64 gewesen ist. Sie haben Turrican nur auf dem Amiga konvertiert und nicht entwickelt.
und wenn ich mir die liste von lizenztiteln anschaue, kann crytek damit eigentlich nicht wirklich was verdient haben.
nur hätte ich da gerne mal zahlen gesehen. also was handfestes.