Divinity: Original Sin im Test - Erfrischend altmodisches Rollenspiel mit tollen Quests

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Angelegte Ausrüstung wird an euren vier Spielfiguren dargestellt.
Quelle: PC Games

Ja, sowas gibt es heutzutage auch noch: Larian Studios wirft mit Divinity: Original Sin PC-exklusive Rollenspielunterhaltung alter Schule auf den Markt. Zur Freude vieler RPG-Fans mit wohligen Erinnerungen an Baldur's Gate, Ultima 7 & Co. Unserer umfangreicher Langzeit-Test inklusive Video-Review stellt Rundenkämpfe und Oldschool-Gameplay vor. Update: Jetzt auch mit Wertung!

Jetzt mal Hand aufs Herz: Hat irgendjemand von euch schon einmal etwas Nützliches beim Durchlesen der Ladebildschirm-Tipps in PC-Spielen gelernt? Wir schon: "Häufiges Speichern schont euren Blutdruck!" So steht es in Divinity: Original Sin. Und womit? Mit Recht!

Das regelmäßige Hämmern auf die F5-Taste für das Anlegen eines Quicksaves ist aber nicht nur aufgrund des grundsätzlich hohen, aber jederzeit in drei Stufen anpassbaren Schwierigkeitsgrads angebracht. Sondern auch, weil Divinity: Original Sin von Larian Studios (Divine Divinity, Beyond Divinity, Divinity 2: Ego Draconis) Experimentierfreude und Erkundungsdrang belohnt - bis ihr mal wieder aus Unachtsamkeit in eine Falle latscht und eurer vierköpfigen Abenteurergruppe beim Sterben zusehen dürft.

Die Spielwelt ist der Star

Der Erfolg von Bethesdas Skyrim und seinen Vorgängern lässt sich auf ein einfaches Prinzip zurückführen: Freiheit. Doch wo die The Elder Scrolls-Serie diesen Begriff vor allem mit Autonomie bei der Wahl des nächsten Reiseziels in einer offenen Spielwelt übersetzt, geht Original Sin-Entwickler Larian Studios einen anderen Weg: den der Interaktivität. Nahezu jedes Objekt, das die Macher mit ihrem (im Lieferumfang enthaltenen) Editor in der Spielwelt platziert haben, lässt sich manipulieren. Das Schloss einer Tür lässt sich knacken – oder die ganze Pforte mit Gewalt zerstören. Fässer, Kisten und Truhen lassen sich anheben und anderswo abstellen, stapeln oder werfen. Unter zur Seite gerückten Teppichen kommen geheime Falltüren zum Vorschein. Nichts ist Fassade, alles hat einen Zweck, selbst die belanglosesten Gegenstände dürft ihr an- und einpacken.

Feuer entzündet Gift- und Ölflächen. Die Folge sind verheerende Explosionen. Quelle: PC Games Feuer entzündet Gift- und Ölflächen. Die Folge sind verheerende Explosionen. Die Spielwelt wirkt dadurch unheimlich stimmig und glaubwürdig. Statt sich der berüchtigten Computerspiellogik bemühen zu müssen, führen in Original Sin oft auch Problemlösungen aus der realen Welt zum Ziel, so realitätsnah sind die von Larian ersonnenen Regeln. Ein zerschlagenes Wasserfass löscht nahe Flammen. Blitzzauber setzen Wasserlachen unter Strom. Figuren rutschen aus, wenn sie über gefrorenes Blut laufen. Selbst die NPCs sind von dieser Bandbreite an Interaktionen nicht ausgenommen: Ihr könnt beliebige andere Figuren ausrauben, in einen Käfig teleportieren und sie sogar töten. Wenn euch dabei jemand beobachtet, gibt's naturgemäß Haue.

Das klingt nach einem idealen Nährboden für Balancing-Probleme und Plotstopper-Bugs. Ist es aber nicht! Denn Larian hat die typischen RPG-Krankheiten bereits in der sechsmonatigen Early-Access-Phase des Spiels erfolgreich bekämpft, Bugs waren zumindest bei uns Mangelware. Cleveres Design erlaubt euch komplette Freiheit: Selbst als wir einen für eine Quest wichtigen Charakter auf unvorhergesehene Weise unter die Erde beförderten und ein essenzielles Rätsel durch das Aufbrechen einer verschlossenen Tür umgingen, fanden wir uns nie in einer Sackgasse wieder. Das Spiel erlaubt solche Abkürzungen, ermutigt euch sogar, sie aufzuspüren. Freude am Entdecken und Experimentieren ist in Divinity: Original Sin eine Grundvoraussetzung. Und was gibt es nicht alles, worauf neugierige Spielernaturen stoßen können!

Divinity: Original Sin - Test-Video

Schräge Einfälle

In Original Sin bekämpft ihr zum Leben erweckte Schneemänner, um einen unrechtmäßig eingesperrten Erdelementar-Revoluzzer zu beschützen. Ihr jagt der magischen Wolle eines sagenhaften Werschafes hinterher, tauscht euch mit einer sprechenden Eisernen Jungfrau aus und rangelt mit Roboterhühner. Wer das entsprechende Talent gewählt hat, unterhält sich mit Kühen, Krabben und Katzen. Dabei kommt es zu manch legendärer Unterhaltung. Die Tierchen geben aber auch nützliche Tipps, schubsen euch in Richtung geheimer Zugänge und helfen sogar bei der Erfüllung von Aufgaben.

Kettenpanzer und Lederstiefel hat jedes Rollenspiel. In Divinity: Original Sin könnt ihr eurem Helden einen ausgehöhlten Kürbis als Helm aufsetzen – oder einen Eimer mit zwei Augenschlitzen. Und schon bei der Charaktererstellung dürft ihr festlegen, wie die Unterhosen der Protagonisten aussehen. Wenn ihr später dann Zandalors sprechende Schlüpfer tragt, während ihr NPCs bestehlt, geben diese sogar Kommentare zu eurem diebischen Treiben ab.

Stellt euch vor, ihr trefft auf einen untoten Zombie-Troll und habt keine Lust, ihn zu bekämpfen. In diesem Fall habt ihr vorher hoffentlich das entsprechende Wörterbuch gefunden und könnt euch mit dem verwesten Kadaver in seiner Muttersprache unterhalten, woraufhin er euch kampflos passieren lässt. Und schließlich bietet euch eine Wahrsagerin an, euer Schicksal vorherzusagen. Wenn ihr sie danach fragt, wie euer Abenteuer endet, wird der Abspann eingespielt. Ha!

Die als Wachroboter angestellten Roboterhühner gehören sicher zu den absonderlichsten Kreaturen in der Divinity-Welt Rivellon. Quelle: PC Games Die als Wachroboter angestellten Roboterhühner gehören sicher zu den absonderlichsten Kreaturen in der Divinity-Welt Rivellon. Zuweilen übertreiben es die Entwickler aber, wenn sie sich etwa in einer Tour über andere Spiele, Filme und Bücher lustig machen. Der heitere Grundton beraubt zudem die Hauptgeschichte ihrer Dramatik. Der Plot beginnt vergleichsweise harmlos: Die Protagonisten sollen einen Mordfall im Küstenstädtchen Cyseal aufklären. Im Lauf der Ermittlungen wird die Gruppe aber scheinbar zufällig mit einer weitaus größeren Aufgabe betraut: Es gilt, das Ende des Universums zu verhindern. Ein Imp, der sich als Chronist der Zeit vorstellt, und die ebenso ominöse Weberin der Zeit berichten von einem alles verschlingenden Übel, das natürlich ausschließlich von den Helden gestoppt werden kann.

In den zwischen 40 und 60 Stunden, die ihr in Divinity: Original Sin verbringt, gelingt es der Hauptgeschichte nie, derartige Fantasy-Klischess vollständig abzustreifen. Die wenig mitreißende Inszenierung und die Abwesenheit von Idenfikationsfiguren oder einem einprägsamen An­tagonisten sorgen dafür, dass wir im Test mehr Interesse an den vielen Nebenaufgaben und ihren eigenen, unterhaltsamen Geschichten hatten als an der eigentlichen Story.

Dazu hat Larian Probleme bei der Feinjustierung des Tempos: Der Mordfall zu Beginn ist als erste Mission ungeeignet. Nach einem knappen Tutorial und einigen wenigen ersten Kämpfen seid ihr nämlich anschließend stundenlang in Cyseal unterwegs, wo ihr Zeugen befragt, Indizien sucht und mit Nebenquests überschüttet werdet. In diesen ersten fünf Stunden droht Divinity: Original Sin, das Wohlwollen zu verspielen, das ihm viele Rollenspieler aufgrund seines bewusst altmodischen Oldschool-Ansatzes von Beginn an entgegenbringen.

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  1. Seite 1 Divinity: Original Sin im Test: Authentische Spielwelt und viel Witz
  2. Seite 2 Divinity: Original Sin im Test: Bewährte Konzepte und ermüdende Dialoge
  3. Seite 3 Divinity: Original Sin im Test: Rundengefechte und Charaktersytem
  4. Seite 4 Divinity: Original Sin im Test: Koop-Modus und die Quests + Fazit
    • Kommentare (261)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Terracresta Gelegenheitsspieler/in
        Hm, muss es erstmal durchspielen um sagen zu können, wie es im Vergleich zu Baldurs Gate und anderen alten Klassikern ist, aber BG ist/sind, wenn auch gute Spiele, nicht so hoch in meinem Stellenwert für RPGs. Ich erinnere mich da eher an die Ultima Spiele inkl. Ablegern wie UUW und Worlds of Ultima, Albion, die Nordlandtrilogie (verbrennt die "Remakes" und die "Ketzer" dahinter! ;) und andere.
      • Von Terracresta Gelegenheitsspieler/in
        Hm, muss es erstmal durchspielen um sagen zu können, wie es im Vergleich zu Baldurs Gate und anderen alten Klassikern ist, aber BG ist/sind, wenn auch gute Spiele, nicht so hoch in meinem Stellenwert für RPGs. Ich erinnere mich da eher an die Ultima Spiele inkl. Ablegern wie UUW und Worlds of Ultima, Albion, die Nordlandtrilogie (verbrennt die "Remakes" und die "Ketzer" dahinter! ;) und andere.
      • Von Eberhard Hobby-Spieler/in
        Man macht sich dann selber Notizen. In der Map kann man ja durchaus eigene Marker setzen.
        Ich kenne das Problem, denn ich bin selber so ein Spieler.
        Wir haben früher doch sogar die Karten selber skizziert, auf einem Blatt Papier neben dem Computer und hatten auch längere Pausen dazwischen-
      • Von MisterSmith Spiele-Kenner/in
        Zitat von Vordack
        Ich habe mich glaube ich auch etwas verkeht ausgedrückt.
        Kein Ding, ich schätze dann meintest du vielleicht einfach nur die Fälle in denen es nicht nachvollziehbar ist, wie das mit der Miete.

        Wobei ich mich da frage, wie man so etwas vor dem Amt vertuschen kann, vermutlich nur mit Betrug wenn das folgende stimmt:
        Zitat
        Jedoch, wenn eine zweckentsprechende Verwendung des Hartz 4 Leistungsberechtigten nicht gewährleistet werden kann überweist die ARGE auch direkt an den Vermieter.
        Wenn ich dies richtig verstanden habe, dann muss man jede Mietzahlung mit Kontoauszügen oder ähnlichen dokumentieren, ansonsten wird einfach direkt an den Vermieter überwiesen.
        Aber wenn dies irgendwie umgehen werden kann, sollte einfach immer nur grundsätzlich an den Vermieter überwiesen werden, wüsste nicht was dagegen sprechen sollte.
      • Von Vordack Spiele-Professor/in
        Zitat von MisterSmith
        Dann verstehe ich nicht wieso du dies als Beispiel dafür gebracht hast, dass das schwer zu glauben wäre. Z. B. ein 16 Jähriger Azubi der zum Geburtstag ein Handy in dieser Preisklasse geschenkt bekommt, ist zwar vielleicht nicht die Regel aber so selten auch wieder nicht und absolut nachvollziehbar, wenn die Eltern über ausreichend finanzielle Mittel verfügen.
        Du musst nicht alles verstehen. Ich habe mich glaube ich auch etwas verkeht ausgedrückt.
      • Von MisterSmith Spiele-Kenner/in
        Zitat von Vordack
        Oder einfach Geld für Miete anders ausgeben, oder Mama fragen, oder oder oder, hat ich gerade im Bekanntenkreis meiner Frau, deswegen hat ich überhaupt dran gedacht...
        Dann verstehe ich nicht wieso du dies als Beispiel dafür gebracht hast, dass das schwer zu glauben wäre. Z. B. ein 16 Jähriger Azubi der zum Geburtstag ein Handy in dieser Preisklasse geschenkt bekommt, ist zwar vielleicht nicht die Regel aber so selten auch wieder nicht und absolut nachvollziehbar, wenn die Eltern über ausreichend finanzielle Mittel verfügen.
        Zitat von Rabowke
        Angeber-Boi! :finger2:

        ;-)
        Ich bezog mich hier auf die in Geschäften "regulär" verkauften Handys und auf keine Spezialanfertigungen mit Brillanten oder sonstigen exklusiven Extras. :-D

        Mir ging es außerdem nur darum zu verdeutlichen, dass wenn jemandem etwas geschenkt wird obwohl er es überhaupt nicht nötig hat, es wohl sehr wahrscheinlich dann erst recht bei jemanden vorkommt, der das Geld nicht aufbringen kann. ;-)

        Zitat von Briareos
        Wenn man das reine Einspielergebniss betrachtet sicher nicht, aber wenn man mal auf den kommerziellen Erfolg schaut, dann gibt es da schon einige. "The Blair Witch Project" hat mit Produktionskosten von ~60.000$ insgesamt 248 Millionen US-Dollar eingespielt und gilt zumindest laut Guinessbuch als "kommerziell erfolgreichster Film aller Zeiten".
        Zum einen zählt der Film mit seinen 78 Minuten Spielzeit sicher nicht in die Kategorie der Kurzfilme, auch wenn er etwas kürzer als die üblichen Spielfilme ist. Und zum anderen war dies wohl auch vor allem in dieser Form ein einmaliger Marketingtrick, der kaum etwas gekostet hat.
        Zitat
        Im August 1998, zehn Monate, nachdem der Film gedreht war, stellten Dan Myrick und Ed Sanchez eine Webpräsenz ins Internet, auf der sie – als Tatsachenbericht getarnt – über das Verschwinden dreier Filmstudenten im Jahre 1994 in den Wäldern um Burkittsville und die Suche nach ihnen sowie den Fund ihrer Ausrüstung – einschließlich der Filmmaterialien – informierten. Auch die Sage der Hexe von Blair wurde genauestens erklärt und geschildert. Fiktive Interviews mit Familienmitgliedern und Bekannten der Verschwundenen machten die Täuschung komplett. Bald schon erreichte die Webpräsenz die Eine-Million-Besucher-Marke.
        Oder um es klarer zu vermitteln, der Film wurde gar nicht erst als ein Spielfilm beworben und viele Zuschauer wurden überhaupt nur durch diesen Etikettenschwindel gewonnen. :-D

        Aber ist sowieso kein Kurzfilm, wobei ich nicht behaupte, dass es keine guten Kurzfilme gibt, sie sind halt aber durch die kurze Spielzeit natürlich in den Handlungssträngen, Spannungsbögen, etc. stark limitiert, wenn man dies nicht versteht, hat man möglicherweise keine besonders große Ahnung von Filmen.

        Und die Produktionskosten limitieren die Qualität erst ab einer gewissen Untergrenze und sind deshalb nur bedingt ein limitierender Faktor, hängt dann sowieso zudem von den Gehaltskosten der Schauspieler usw. ab, aber dies im einzelnen aufzuführen würde wohl zu weit gehen. :-B
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