Das Nachwirken der E3 - Machen Videospiele noch Spaß?
Ein Kommentar von Marco Cabibbo: Die wohl wichtigste Fachmesse der Welt für Computerspiele E3 liefert vor allem eine Erkenntnis: Simpel und anspruchslos soll das Zockervergnügen sein, dafür aber umso bombastischer aussehen. Ein Weg, der in die Belanglosigkeit führt?
Aus persönlicher Sicht war die E3 mit haufenweise abgegriffenen Merchandise, vier T-Shirts von Super Smash Bros. und einer schicken Persona-Umhängetasche in diesem Jahr ein voller Erfolg. Schaue ich jedoch auf die Messe selbst zurück, wird das Bild in meinem Kopf um einiges düsterer. Dabei war ich zu Beginn noch fast euphorisch, vergab an Microsoft für ihre Pressekonferenz am Montag im Videofazit sogar noch euphorisch die Note Zwei. Je weiter der Tag aber fortschritt, desto mehr setzte die Resignation ein. Abends auf dem Hotelzimmer zog ich die traurige Bilanz: Viel Krachbumm, viele Automatismen, viele "epische, cineastische Erfahrungen".
Wie gut, dass Nintendo mir am darauffolgenden Tag, direkt bei meinem ersten Termin, die Hoffnung wieder zurückgab. Nintendo. Das sind die mit dieser schwächlichen Konsole, die so ein komisches iPad als Controller hat und von keinem Dritthersteller mehr unterstützt wird. Das große Absterben des Supportes setzte ja schon direkt beim Release der Konsole mit Zombie U ein. 2014 ist mit einer Unterstützung seitens EA und Ubisoft, bei deren Pressekonferenzen Nintendo gar keins, bzw. viertklassiges Thema war, gar nicht mehr zu rechnen. Wie schaffen es also ausgerechnet die Mannen aus Kyoto, mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern? Mit einem humorvollen wie informativen Digital Event, der sich selbst nicht ganz ernst nahm und trotzdem Unmengen an Neuigkeiten lieferte. In bunte Farben getauchte Innovationen! Mario-Spiele zum Selberbauen! Zelda! Wuhu, yeah, Applaus!
Liefert schon jetzt mehr Innovationen als alle anderen Ego-Shooter der letzten Jahre: Splatoon von Nintendo.
Ok, nun aber erstmal Butter bei die Fische. Natürlich ist gerade Nintendo sehr geübt darin, seine alteingesessenen Marken immer wieder neu verpackt in die Geschäfte zu bringen. Auch die zugegebenermaßen nicht konkurrenztaugliche Technik der Wii U soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Im Angesicht der gezeigten Spiele stellte man sich jedoch schnell die Frage: Muss es wirklich zwingend ein 8-core AMD x86-64-Prozessor sein, um grafisch tolle Titel auf den Bildschirm zu zaubern, damit das mit feinen Texturen überzogene Messer möglichst realistisch im Hals des Gegners landet? Das neue Zelda, Yoshi's Woolly World, Splatoon oder Kirby and the Rainbow Course möchten mit jedem, der dieser Meinung ist, mal ein intensiveres Gespräch führen. Electronic Arts und Konsorten gehören offenbar dazu, predigten sie gefühlt im Minutentakt das Mantra des "Unser Spiel läuft mit 1080p in 60 Frames!" herunter. Obwohl das mittlerweile zum Standard der Industrie gehören sollte.
Zwar hatte Nintendos Konkurrenz mit Grim Fandango HD, Ori and the Blind Forest oder Valiant Hearts schöne Alternativen im Portfolio, das Hauptaugenmerkt galt allerdings den dicken Ballermännern der Gaming-Neuzeit, welche seit Jahren einen tiefen Riss in der Videospiellandschaft hinterlassen hat. Blockbustern wird ein Budget von einer halbe Milliarde Dollar zugesichert, nur um dann am Ende vielleicht nicht den erhofften Metacritic-Schnitt zu bekommen, was zur fristlosen Entlassung des gesamten Entwicklerstudios führt. Diese Art der Unternehmensführung hat mittlerweile Schule gemacht und traurige Insider-Berichte um katastrophale Zustände in der Branche sind keine Seltenheit mehr.30 fps werden immer ein besseres Story-Telling ermöglichen als 60 fps.
- Dana Jan, Game Director von The Order: 1886
Die allem Anschein nach gewollte Reduzierung auf lediglich bahnbrechend gut aussehende Grafik führt zu einem weiteren Problem, dem ich seit Jahren immer kritischer und offensichtlicher gegenüberstehe und das auf der diesjährige E3 präsenter war denn je: Verkrüppeltes Gameplay. Es ist erstaunlich/erschreckend, mit welch einem Streamlining Videospiele der Neuzeit versehen sind, damit sie von einer möglichst breiten Masse ohne große Probleme genossen werden können. Batman: Arkham Knight, Shadow of Mordor, Rainbow Six: Siege, Destiny, The Order: 1886 – Gerade bei letzterem macht die Aussage des Entwicklers, man sehe Gameplay als notwendiges Übel an, erst stutzig, dann traurig. An den Kopf fassen musste ich mir bei Präsentation zum gerade erwähnten Herr-der-Ringe-Spiel, bei der US-Journalisten begeistert aufjubelten, als der Held des Spiels effektvoll einem Ork nach dem anderen die Rübe vom Kopf schlug. Schöne Clipping-Fehler inklusive. Ein Blick zurück in die schöne, alte "Damals war alles besser!"-Welt liefert nur begrenzte Schmerzlinderung. Ganz groß im Visier hab ich da Titel wie Skyrim, Thi4f, Ryse: Son of Rome oder Bioshock Infinite. Hübsch aussehende Baukästen mit hollywood-reifen Scripts, aber aufgrund dezent heruntergefahrener Gameplay-Inhalt absolut nicht das, was ich mir unter einem so vielfach gefeierten Omega-Titel erwarte. Da können sämtliche Vorgänger der jeweiligen Serien einfach viel mehr.
Die Frage, die ich mir im Verlaufe der E3 (und auch darüber hinaus) immer wieder gestellt habe: Wohin soll dieses stetige Downgrading führen? Sind am Ende der neuen Konsolengeneration alle Spiele auf dem Niveau eines Beyond, das mit einer hanebüchenen Story und Spieldesign ohne Game-Over-Möglichkeit daherkommt? Wird der lange Zeit nur ironisch gemeinte Witz mit dem "Press X to win"-Button bald schon traurige Realität werden? Ich hoffe sehr, dass die Industrie dieses Schicksal noch abzuwenden vermag. Engagement ist hier aber von allen Seiten gefragt. Die Hersteller müssen weg von Wunschprognosen, dass sich ihre Spiele alle so gut verkaufen wie Hype-Phänomene der Marke Grand Theft Auto V. Die Spieler müssen ein Auge dafür gewinnen, was in der Nische vor sich geht und auch mal Titel aus der vermeintlich zweiten Reihe unter die Lupe nehmen, denn nicht alles, was keine 85 Prozent-Wertung oder einen GOTY-Award trägt, muss zwingend schlecht sein. Letztendlich ist es nicht nur die Industrie, die den aktuellen Trend lenkt, sondern auch der gegenwärtige Bedarf der Spieler. Und hier hat jeder Zocker gewissermaßen die Verantwortung, auch mal über den Tellerrand zu schauen, sofern ihm etwas an seinem Hobby und der Richtung, die es einschlägt, wirklich liegt.
und Revelations war auch noch sehr gut, nur das Tower-Defense mit der Verteidigung von den Dächern hat mich etwas gestört, hatte es aber eh nur 3x (das 3. sogar erst nach dem Nachspann)