The Fall im Test: Atmosphärisches Sci-Fi-Adventure - mit Video-Review
Ein Roboter auf der verzweifelten Suche nach Hilfe: Das spannende Ein-Mann-Projekt The Fall bietet eine coole Grundidee und dichte Atmosphäre. Ob das per Kickstarter finanzierte Sci-Fi-Abenteuer aber auch spielerisch etwas zu bieten hat, verrät unser Test zur ersten Episode.
Vorsicht, Verwechslungsgefahr! Nicht der umstrittene Endzeit-Titel The Fall: Last Days of Gaia ist hier gemeint, sondern ein Spiel, das in eine ganz andere Richtung geht: The Fall ist ein düsteres, modernes Indie-Adventure, größtenteils von einem einzigen Kanadier entwickelt und erfolgreich über Kickstarter finanziert.
Seinen Namen trägt The Fall jedenfalls zurecht: Gleich zu Spielbeginn erleben wir nämlich, wie ein Roboter schwerelos durch's Weltall treibt und dann auf einem gottverlassenen Planeten abstürzt. Genaugenommen handelt sich sogar um einen Roboteranzug – in der mechanischen Hülle steckt also ein menschlicher Pilot. Der wird durch den Sturz jedoch so schwer verletzt, dass eine eingebaute KI einspringt und die Kontrolle über den Anzug übernimmt. Dieser Bord-Computer, der sich A.R.I.D. nennt, verfolgt nun ein einziges Ziel – medizinische Hilfe für seinen Piloten finden.
Adventure geht auch ohne Point & Click
Quelle: PC Games
Die wenigen neuen Fähigkeiten kommen in der Praxis kaum zum Einsatz. Einige von ihnen scheinen auch erst für die nächsten Episoden geplant zu sein.
Aus der Seitenansicht steuern wir A.R.I.D.'s Kampfanzug durch ein stockfinsteres, verwittertes Gewölbe, in dem Berge von Roboterschrott, an Kreuze genagelte Leichen und riesige Schleimviecher für bedrohliche Stimmung sorgen. Unser wichtigstes Werkzeug ist dabei eine Taschenlampe, mit der wir Hotspots in der Umgebung ausmachen können, die wir dann per Tastendruck untersuchen oder an denen wir bestimmte Aktionen ausführen. Denn im Grunde ist The Fall nichts anderes als ein klassisches Adventure-Spiel, nur eben ohne Mauszeiger – die Steuerung erfolgt wahlweise per Gamepad oder mit Maus und Tastatur. Genretypisch können wir nützliche Items in unserem Inventar verstauen und das Zeug an anderer Stelle anwenden oder kombinieren. Dazu nutzen wir ein schlichtes Menü, das mit den WASD-Tasten bedient wird – etwas umständlich, aber nach einer Weile hat man sich daran gewöhnt.
Die meisten Rätsel sind ziemlich logisch und originell aufgebaut, nur manche Lösung wirken auch mal an den Haaren herbeigezogen. Besonders in der zweiten Spielhälfte, wenn wir mehrere Aufgaben in beliebiger Reihenfolge erledigen sollen und dazu immer wieder die gleichen Hotspots abgrasen, gerät der Spielfluss ins Stocken – mehr als einmal kamen wir da nicht durch logisches Denken, sondern nur durch stures Rumprobieren ans Ziel.
Kein Metroidvania
Als eine von mehreren Inspirationsquellen für The Fall nennt der Entwickler auch den Nintendo-Klassiker Metroid. Auf den ersten Blick scheint das auch zu stimmen: In manchen Situationen werden neue Funktionen für den Anzug freigeschaltet, beispielsweise ein Tarnfeld, mit dem wir feindliche Selbstschussanlagen umgehen können. Was in der Theorie verlockend klingt, entpuppt sich in der Spielpraxis aber als Enttäuschung: Es gibt nur sehr wenige solcher Fähigkeiten und die spielen auch kaum eine Rolle – wir erschließen dadurch beispielsweise keine neuen Wege und können auch keinerlei optionale Geheimnisse entdecken. Von einem motivierenden Metroidvania-Spielprinzip ist The Fall also weit entfernt.
The Fall im Video-Review
Dürftige Schießereien
Wenn wir nicht gerade die Umgebung absuchen oder Rätsel lösen, müssen wir auch mehrmals im Spielverlauf zur Waffe greifen. Ein simples Deckungssystem erlaubt es unserer Heldin, hinter Kisten und Objekten den Kopf einzuziehen, während sie feindliche Roboter mit einer stinknormalen Pistole wegpustet. Das spielt sich nicht nur behäbig, sondern wird auch schnell eintönig, da es keine weiteren Waffen gibt und auch die Gegner kaum variieren. Wer auf anspruchsvolle Gefechte hofft, wird ebenfalls enttäuscht – falls A.R.I.D. zu viele Treffer kassiert, genügt es einfach kurz in Deckung zu gehen, Schildenergie aufzuladen und dann weiterzufeuern. Nur in einem einzigen Bosskampf müssen wir ein bisschen Fingerspitzengefühl beweisen, was angesichts der stark vereinfachten Steuerung aber keine große Leistung ist.
Viel Atmosphäre, wenig Spielzeit
Quelle: PC Games
Dank düsterer Atmosphäre und interessanter Grundidee ist The Fall trotz spielerischer Schwächen ein gelungenes Erstlingswerk.
Zumindest als Adventure gibt The Fall aber ein sehr interessantes Erstlingswerk ab. Besonders wenn man bedenkt, dass das Spiel über weite Strecken nur von einem einzigen Entwickler umgesetzt und per Kickstarter finanziert wurde. Da verzeihen wir auch gerne so manch holprige Animation und freuen uns umso mehr über die stimmigen Lichteffekte und das stockfinstere Design. Der Star der düsteren Atmosphäre ist aber der Sound, der mit einer unheimlichen Klangkulisse und sehr guten englischen Sprechern punkten kann, die ihre Rollen als selbstbewusste Blechbüchsen auf den Punkt betonen. Zum Release soll auch eine deutsche Übersetzung der Untertitel verfügbar sein, die Sprachausgabe bleibt allerdings unverändert.
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Die Story entwickelt sich vielversprechend und wirft interessante Fragen auf, zum Beispiel inwieweit ein Roboter seine eigene Programmierung überlisten darf, um seine Ziele zu erreichen – daran hätte der Kult-Autor Isaac Asimov sicher seine Freude gehabt. Leider endet der Plot ziemlich abrupt in einer seiner spannendsten Szenen – The Fall ist nämlich ein Episodenspiel, was bedeutet, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist. Die erste der drei geplanten Folgen hat man schon in 3 bis 4 Stunden durchgespielt, das geht angesichts des niedrigen Kaufpreises (7 Euro) völlig in Ordnung. Ob und wie die Story allerdings weitererzählt wird, hängt vor allem vom Erfolg der ersten Episode ab – ein Grund mehr also, dem ungewöhnlichen Adventure eine Chance zu geben. Es hat zwar seine spielerischen Schwächen, kann dafür aber mit einigen gelungenen Rätseln, einer interessanten Hauptfigur, guten Sprechern und einer vielversprechenden Handlung punkten. An Indie-Hits wie The Swapper kommt The Fall zwar nicht ran, doch die Geschichte hat uns trotzdem neugierig gemacht - wir jedenfalls würden gerne wissen, wie das Abenteuer der tapferen A.R.I.D. weitergeht.
Die erste Episode von The Fall ist für rund 7 Euro über Steam erhältlich. Ein Releasetermin für die nächsten Episoden steht noch nicht fest.

Rein vom Setting her
;)