Age of Wonders 3 im Test: PC-exklusive Rundenstrategie für Kenner und Könner

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Auf der Weltkarte gesprochene Zauber haben Einfluss auf die Kämpfe. Der Feuerwall um die belagerte Metropole verbrennt etwa angreifende Einheiten.
Quelle: PC Games

Ein Rundenstrategie-Spiel wie damals, mit Grafik von heute: Age of Wonders 3 will Liebhaber kniffliger Hexfeld-Kämpfe ködern und vermengt dafür Elemente aus Civilization und Heroes of Might & Magic. Als Zugabe gibt es eine gute Portion Rollenspiel. Ob das Umfangsmonster (60 Stunden Spielzeit Minimum) restlos überzeugen kann, lest ihr in unserem Test samt Video-Review mit elf Minuten Gameplay-Szenen!

Wer hätte gedacht, dass Rundenstrategie am PC so sexy sein kann? Schon ein Blick ins Menü von Age of Wonders 3 reicht, um das Blut beinharter PC-Spieler mit Veteranenstatus ("Ich habe schon Strategiespiele gespielt, als Justin Bieber nur ein Funkeln im Auge seines nichtsnutzigen Verbrecher-Vaters war!") in Wallung zu bringen. Bloom ab- oder anschalten – hmmm, das fühlt sich gut an! Reflexionen – oh ja! Frei belegbare Tastenbelegung – gib sie mir! Und als Abschluss umfangreiche Gameplay-Optionen wie das Abschalten der Bewegungsanimationen für schnellere Züge – ja, ja, jaaaa!

Hey, reißt euch gefälligst zusammen! Wir haben die Klimax dieses Tests doch noch gar nicht erreicht. Das war erst das Vorspiel. Aber Teufel, das hört sich vielleicht gut an, findet ihr nicht auch? Denn Age of Wonders 3 ist ein PC-Spiel durch und durch: Grafisch aufwändig und leistungshungrig, steuerungstechnisch ausgereift mit viel Komfort durch Mauseingaben plus Tastenkürzel und noch dazu irre umfangreich. Ein heißer Feger also und ein Spiel, wie es sich Fans der Age of Wonders seit über zehn Jahren, seit der Veröffentlichung des letzten Serienteils Shadow Magic, gewünscht haben.

Seine Handlung erzählt Age of Wonders 3 in Standbildern, dazu gibt es vorgelesene Textkästen. Quelle: PC Games Seine Handlung erzählt Age of Wonders 3 in Standbildern, dazu gibt es vorgelesene Textkästen. Nicht nur Age of Wonders-Fans kommen bei Teil 3 auf ihre Kosten, auch Anhänger von King's Bounty und Heroes of Might & Magic lassen sich trotz Frühlingssonne garantiert gerne ins dunkle Kämmerlein locken, um die farbenprächtige Fantasy-Welt des Spiels Zug um Zug zu erforschen. Am besten bunkert ihr für diesen Trip aber reichlich Vorräte ein, denn allein die zwei umfangreichen Kampagnen von Age of Wonders 3 schlagen mit einer Spielzeit von mindestens 40 Stunden zu Buche. Oben drauf gibt es noch zehn vorgefertigte Szenarios und einen ausgefuchsten Zufallskartengenerator, der dank etlicher möglicher Einstellungen von Terrain bis Startbedingungen den Spielspaß im Einzel- oder Mehrspielermodus gegen bis zu sieben Widersacher praktisch unbegrenzt verlängert! Wer die nächsten zwei Monate nichts zu tun hat, dem beschert Entwickler Triumph Studios (Overlord) mit Age of Wonders 3 die perfekte Freizeitbeschäftigung. Wer lieber selbst designt statt zu spielen, wird darüber hinaus mit dem ausgefuchsten Karteneditor glücklich.

Wie gemalt

Die bunten Linien zeigen die Einflussgebiete von Städten an. Bauwerke in diesem Areal arbeiten für den Besitzer der Ortschaft und erhöhen das Rohstoffeinkommen. Quelle: PC Games Die bunten Linien zeigen die Einflussgebiete von Städten an. Bauwerke in diesem Areal arbeiten für den Besitzer der Ortschaft und erhöhen das Rohstoffeinkommen. Unabhängig vom Spielmodus verbringt ihr in Age of Wonders 3 die meiste Zeit auf der Strategiekarte. Hier bewegt ihr eure Armeen mit maximal sechs Einheiten Zug um Zug durch die bildhübsche, in warmen Farben gehaltene 3D-Welt, die vor liebevollen Details nur so strotzt. Hier sammelt ihr Ressourcen ein, die wie glitzernde Hundehaufen am Wegesrand liegen, nehmt Festungen und Wachtürme in Besitz, besucht Dungeons und bekämpft Monster. Je nach Karte existiert parallel zur prächtigen Oberwelt ein weitläufiges Netz von Katakomben, in denen ihr Tunnel grabt, verborgene Schätze findet und wie eine Etage höher eure Städte verwaltet.

In den meisten Missionen sowie im freien Spiel startet ihr mit nur einer Siedlung. Weitere Gemeinden luchst ihr dem Gegner ab oder gründet sie in der Nähe von Rohstoffgebäuden wie Goldminen, Manaknoten oder Steinbrüchen. Einrichtungen, die im mit der Zeit wachsenden Einflussgebiet der Orte liegen, generieren die drei Ressourcen Edelmetall, Mana und Wissen. Außerdem verbessern sie die Stimmung der Bevölkerung: Sind die Anwohner unzufrieden, proben sie unter Umständen den Aufstand. Innerhalb der Stadt errichtet ihr eigene Bauwerke. Das funktioniert genau wie in Civilization 5, selbst das Menü sieht dem Vorbild zum Verwechseln ähnlich. Kasernen, Labore und Tempel erweitern das Angebot an rekrutierbaren Truppen, alternativ lasst ihr in Endlosschleife Handelswaren, Mana oder Wissen produzieren.

Die Warteschlange beim Gebäude- und Einheitenbau lässt sich auch in den Endlosmodus stellen. Quelle: PC Games Die Warteschlange beim Gebäude- und Einheitenbau lässt sich auch in den Endlosmodus stellen. Im Spielverlauf erweist sich dieser Wirtschaftsaspekt jedoch als zweitrangig: Gerade Wissen und Mana (benötigt für Forschung und Zauber) gab es in unserer zum Test freigegebenen Vorabversion in Hülle und Fülle, Gold war die einzige knappe Ressource. Jede der sechs spielbaren Fraktionen (Menschen, Elfen, Zwerge, Goblins, Orks und Drakonier) verfügt zudem grundsätzlich über die gleichen Gebäude, nur einige wenige Spezialbauten sind fraktionsexklusiv oder abhängig von der Klasse eures Haupthelden (Kriegsherr, Technokrat, Hohepriester, Zauberer, Erzdruide und Schurke). Auch bei den mehr als 250 Einheiten gibt es zugunsten der Multiplayer-Balance viele Entsprechungen.

Auf Dauer degradiert das die Stadtverwaltung somit zur lästigen Pflichtaufgabe, zumal es keinerlei Automatikfunktionen gibt. Die Karten sind teils riesig, eine Partie kann daher locker zwei bis drei Stunden dauern. Der Spieler nimmt dabei gegen Ende in mehr als einem Dutzend Städte die Bürgermeisterrolle ein. Darüber hinaus existieren unabhängige Orte, die ihr mit Gewalt oder Geldgeschenken zum Eintritt in euer Imperium überredet. Dafür gibt es sogar einen eigenen Diplomatiebildschirm, der aber oftmals ungenutzt bleibt und nur wenige Bündnismöglichkeiten bietet. Age of Wonders 3 ist eben kein zweites Civilization!

Einer nach dem anderen!

Aufseiten des Staatenbundes lernen wir die Vorzüge von fortschrittlichem Kriegsgerät wie Flammenpanzern und Kanonen zu schätzen. Quelle: PC Games Aufseiten des Staatenbundes lernen wir die Vorzüge von fortschrittlichem Kriegsgerät wie Flammenpanzern und Kanonen zu schätzen. Dieser Unterschied wird auch in den Gefechten deutlich, die weitaus taktischer ablaufen als im Firaxis-Hit und serientypisch eher an Heroes of Might & Magic erinnern. Treffen sich zwei gegnerische Armeen zu Lande oder zu Wasser auf der Karte, wechselt die Perspektive zu einer separaten Kampfarena – es sei denn, ihr lasst das Ergebnis vom Computer berechnen, der dabei einen sehr guten Job macht und auf Wunsch sogar selbstständig Zauber einsetzt. Spaßiger und fordernder wird's aber, wenn ihr selbst in die Generalsuniform schlüpft.

Den Schlachtfeldern liegt eine Hexfeldstruktur zugrunde, gekämpft wird Zug um Zug. Einen Initiativewert gibt es nicht, stattdessen gebt ihr all euren Truppen in beliebiger Reihenfolge Befehle, bevor der Gegner wieder dran ist. Taktische Überlegungen spielen eine große Rolle, denn erstens erhalten aufs Korn genommene Einheiten eine Kontermöglichkeit, zweitens gibt es Boni für Flankenangriffe, Höhenunterschiede, kurze Schussdistanz sowie freie Sichtlinien und drittens stehen Spezialfähigkeiten und Zauber zur Verfügung. Außerdem müsst ihr abwägen, ob ihr eure Truppen möglichst nahe an den Feind heranmanövriert und dafür auf Zusatzangriffe verzichtet, oder aus der Ferne mehrere, aber dafür schwächere Schüsse abgebt.

Seeschlachten spielen eine untergeordnete Rolle und sind weniger taktisch als Gefechte an Land. Quelle: PC Games Seeschlachten spielen eine untergeordnete Rolle und sind weniger taktisch als Gefechte an Land. Die passiven und aktiven Spezialfähigkeiten der Einheiten sorgen für noch mehr Komplexität und Abwechslung. So schlagen manche Soldaten und Kreaturen dank "Erstschlag"-Attribut immer automatisch als erstes zu, andere regenerieren Lebenspunkte oder stärken per Buffs Verbündete. Nimmt einer der besonders mächtigen Helden am Kampf teil, habt ihr darüber Hinaus Zugriff auf ein Zauberbuch. Abseits der üblichen Verdächtigen Feuerball und Heilungszauber beschwört ihr Dienerkreaturen aus instabilen Chaos-Rissen, lähmt Feinde durch göttliche Intervention oder zündet die Fantasy-Variante einer Atombombe. All diese Spielereien kosten aber natürlich Manapunkte, von denen ihr abhängig von der Technologiestufe eures Imperiums nur eine begrenzte Anzahl habt.

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    • Kommentare (15)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Mirko79 Anwärter/in
        Meiner Meinung nach ist AoW3 ein sehr gutes Strategiespiel. Mir gefällt zum Beispiel die Einheitenvielfalt, die Grafik, die Zauber und mit wenigen Einschränkungen auch die KI. Nicht ganz so gut finde ich teilweise das Balancing. Einige Einheiten wie bspw. Mantikoreiter und einige Maschineneinheiten sind m. E. sehr strark geraten, während einige Einheiten ziemlich schwach und in der Kampagne weniger nützlich sind.
        Den Schwierigkeitsgrad finde ich ziemlich heftig. Ich bin noch immer in der 2. Elfenkampagne und habe auf normal noch keinen Weg gefunden, die Gegner zu besiegen.
        (PS: Ich habe versehentlich bei Triumph einen Nutzernamen mit Umlauten angelegt. Ich kann das Spiel zwar spielen, auch online ich kann mich aber nicht im AoW Forum anmelden oder meiner Nutzernamen ändern.)
      • Von Mirko79 Anwärter/in
        Meiner Meinung nach ist AoW3 ein sehr gutes Strategiespiel. Mir gefällt zum Beispiel die Einheitenvielfalt, die Grafik, die Zauber und mit wenigen Einschränkungen auch die KI. Nicht ganz so gut finde ich teilweise das Balancing. Einige Einheiten wie bspw. Mantikoreiter und einige Maschineneinheiten sind m. E. sehr strark geraten, während einige Einheiten ziemlich schwach und in der Kampagne weniger nützlich sind.
        Den Schwierigkeitsgrad finde ich ziemlich heftig. Ich bin noch immer in der 2. Elfenkampagne und habe auf normal noch keinen Weg gefunden, die Gegner zu besiegen.
        (PS: Ich habe versehentlich bei Triumph einen Nutzernamen mit Umlauten angelegt. Ich kann das Spiel zwar spielen, auch online ich kann mich aber nicht im AoW Forum anmelden oder meiner Nutzernamen ändern.)
      • Von Peter Bathge Mitglied
        Zitat von Herbboy
        Kann man bei der `laufenden Kampagne noch die Schwierigkeit ändern?
        Ja, immer vor jeder Mission. Es lohnt sich also, kurz vor Ende eines Auftrags nochmal abzuspeichern. Beim regulären Neustart der Karte kann man die Schwierigkeit nämlich nicht ändern.
      • Von Herbboy Mitglied
        @Matthias Dammes: Ah, okay - das ist also nur Mission1 der Kampagne gewesen quasi? Danke :)

        DIE fand ich jetzt auf "normal" noch nicht schwer - und ich bin an sich einer, der ungern eine "harte" Herausforderung spielt, zB spiel ich gern mal ne Partie CiV4 nebenbei beim fernsehen, und zu diesem Zweck halt auf der 2. leichtesten Stufe ;) ich hoffe, AoW wird nicht doch noch extrem viel schwerer.

        Kann man bei der `laufenden Kampagne noch die Schwierigkeit ändern?
      • Von Mothman Mitglied
        Zitat von PeterBathge
        Aber das muss auch mal wieder sein, nachdem ich mich letztes Jahr durchs viel zu seichte Tomb Raider durchgeballert habe und mir dabei dauernd mehr Anspruch wünschte. Zumal die Schwierigkeit bei AoW3 hauptsächlich von der Komplexität und der cleveren KI gespeist wird und nicht etwa einfach nur unfair hart ist - das finde ich gut!
        Das stimmt allerdings.
        Vermutlich ist man es einfach nicht mehr gewohnt, dass man auch verlieren kann und die KI nicht nur Schlachtvieh ist.^^
      • Von Peter Bathge Mitglied
        Zitat von Mothman
        Ich kann mich aber auch nur zu blöde anstellen. Das ist auch nicht gänzlich auszuschließen.
        Sei unbesorgt, ich hab auch mehrmals auf die Fresse bekommen. Wahrscheinlich bin ich genauso blöd wie du - oder es könnte tatsächlich am Schwierigkeitsgrad liegen, der mir wie im Test erwähnt recht gesalzen vorkam ;)
        Aber das muss auch mal wieder sein, nachdem ich mich letztes Jahr durchs viel zu seichte Tomb Raider durchgeballert habe und mir dabei dauernd mehr Anspruch wünschte. Zumal die Schwierigkeit bei AoW3 hauptsächlich von der Komplexität und der cleveren KI gespeist wird und nicht etwa einfach nur unfair hart ist - das finde ich gut!
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