Sim City: Späte Einsicht oder Bankrotterklärung? Peter Bathges Kommentar zum Offline-Patch

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Sim City: Späte Einsicht oder Bankrotterklärung?
Quelle: EA; Montage: PC Games

Setzt Maxis dem Sim City-Elend mit Update 10 endlich ein Ende? Oder ist der per Patch hinzugefügte Offline-Modus nur der neueste Beweis dafür, dass das Multiplayer-Design der Städtebausimulation von Anfang zum Scheitern verurteiltet war? PC Games-Redakteur Peter Bathge findet in seinem Redaktionskommentar zum Offline-Update deutliche Worte.

Jetzt geht es also doch. Am 9. März 2013, unmittelbar nach der Veröffentlichung von Sim City, erteilte Maxis-Chefin Lucy Bradshaw Fans auf Twitter noch eine Absage bezüglich eines Offline-Modus für die Städtebausimulation: "Das Spiel wurde für den Multiplayer-Modus designt, wir simulieren die gesamte Region auf dem Server, daher ist das [der Offline-Modus, Anm. d. Red.] schlicht nicht möglich." Jetzt, ziemlich exakt ein Jahr später, gibt es einen Patch mit dem Offline-Modus, das Unmögliche ist möglich. Das Fiasko Sim City geht in eine neue Runde!

Alles offline, alles gut?

Obwohl Modder bereits kurz nach Release einen lauffähigen Offline-Modus für Sim City auf die Beine stellten (nur das Speichern funktionierte nicht), brauchte Entwickler Maxis laut eigenen Angaben über sechs Monate, um das Gleiche zu vollbringen. Seid ihr genauso perplex wie ich angesichts solcher unglaublich scheinender Behauptungen? Wahrscheinlich war das Ganze gar keine Frage des Könnens, sondern eher eine des Wollens – im Zweifelsfall war es wohl Publisher EA, der erst jetzt das Okay für diesen kleinen Fan-Service gab. Böse Zungen könnten behaupten, dass EA damit die Weichen für das planmäßige Abschalten der Sim City-Server zu einem zukünftigen Termin stellt. Denn EA ist bekannt dafür, die Online-Server für seine Spiele nach ein paar Jahren abzustellen und so zumindest den Mehrspielermodus unbrauchbar zu machen. Immerhin kündigt das Unternehmen diese Abschaltungen transparent an – im Fall von Titeln mit integraler Multiplayer-Komponente wäre solch ein Server-Abschalten aber das Aus fürs Spiel, es ließe sich nicht mehr starten.

Das Hauptmenü unterscheidet neuerdings zwischen'Einzelspieler' und 'Multiplayer'. Quelle: PC Games Das Hauptmenü unterscheidet neuerdings zwischen"Einzelspieler" und "Multiplayer". Dieses Schicksal wird Sim City nun garantiert nicht ereilen, der neue Offline-Modus erlaubt unbegrenztes Spielen ohne Internetverbindung. Einen Haken hat die Sache jedoch: Weder lassen sich Einzelspieler-Regionen auf die Server laden noch im Online-Modus angefangene Städte auf die eigene Festplatte transportieren und dort weiterspielen. Das größte Problem von Sim City haben derweil auch zehn große Patches und ein (mäßiges) Add-on nicht beheben können: Es hängt in Sachen Langzeitspielspaß, Herausforderung und Spiellogik dem direkten Vorgänger Sim City 4 meilenweit hinterher. Egal ob man es alleine oder mit anderen spielt.

Image-Verbesserung per Patch

Der Spielstand wird durch das Anlegen einer Kopie der aktiven Region gespeichert. Quelle: PC Games Der Spielstand wird durch das Anlegen einer Kopie der aktiven Region gespeichert. Ob das späte Einlenken in Sachen Offline-Modus den angeknacksten Ruf der Serie kitten kann, ist fraglich. Die Sim City-Neuauflage taucht in etlichen Jahresrückblicken zu Recht als eine der größten Enttäuschungen 2013 auf – auch weil die Fans der Reihe das Gefühl hatten, von Maxis und EA hingehalten zu werden. Auch bei mir machte sich während des Tests schnell Ernüchterung ob der Qualität des neuen Sim Citys breit, die ich anschließend in einer ersten Kolumne und einem Erfahrungsbericht fünf Monate nach Release zu verarbeiten versuchte. Die Verkaufszahlen waren freilich trotzdem blendend. Der Zyniker in mir mag nicht glauben, dass das angesichts von weiterhin bestehenden Bugs und Logiklücken kleine Offline-Zugeständnis der Hersteller an die enttäuschten Fans die Geste des guten Willens ist, als die Maxis es im offiziellen Blog hinstellt. Vielmehr wirkt es auf mich wie finale Bankrotterklärung in diesem Trauerspiel.

Denn: Seit dem Extended Cut, mit dem Bioware das Ende von Mass Effect 3 nachträglich modifizierte, und der 180°-Wende in der Entwicklung von Thief ist wohl kein Entwickler derart stark zurückgerudert, hat angesichts des Fan-Feedbacks solch massive Änderungen an seinem Spiel vorgenommen. Nun kann man das Maxis hoch anrechnen – oder man ärgert sich wie ich darüber, dass Sim City in einem derart misslungenen Zustand auf den Markt kam, dass die permanente Internetverbindung überhaupt Teil der Systemvoraussetzungen war, dass ein mit Spannung erwartetes Spiel zum Reinfall für Serien-Fans wurde, dass sich Maxis und EA im Nachhinein dafür feiern lassen, auf die Kunden zu hören.

Von Anfang an zum Scheitern verurteilt?

Beim Start von Sim City lief so ziemlich alles schief, von endlos langen Warteschlangen bis hin zu Abstürzen und verloren gegangenen Spielständen. Quelle: PC Games Beim Start von Sim City lief so ziemlich alles schief, von endlos langen Warteschlangen bis hin zu Abstürzen und verloren gegangenen Spielständen. Mal ehrlich: Der Online-Aspekt von Sim City war von Anfang ein eine seltsame Idee. Sim City ist seit jeher eine Spiele-Serie für geduldige Tüftler und Bastler, für PC-Spieler mit einer Menge Freizeit, die kein Problem damit haben, 40, 50, 60 Spielstunden in die Planung der perfekten Metropole zu stecken – am Schreibtisch, im dunklen Kämmerlein, während der kalten Wintertage, egal wo und wann. Doch stets allein. Städtebausimulationen sind wie kaum ein zweites Genre prädestiniert dafür, im Einzelspielermodus gespielt zu werden – denn wer will schon, dass ihm ein aufdringlicher Online-Kamerad reinredet, wie er seine Traumstadt zu errichten hat?

Aber gut, Maxis und Electronic Arts hatten sich aus irgendwelchen Gründen für das neue Sim City aus dem Jahr 2013 den Sprung in die Online-Welt als nächste Evolutionsstufe der Serie vorgenommen, die nach dem 2007 veröffentlichten mäßigen Sim City Societies in Vergessenheit zu geraten drohte. Vielleicht liegt die Motivation für diesen ungewöhnlichen Sprung ja im Erfolg von simplen Facebook-Aufbauspielchen begründet, in denen Städtemanagement und Interaktion mit anderen menschlichen Bürgermeistern schon länger Hand in Hand gehen und sei es auch nur durch nervige Rohstoff-Anfragen bei den Facebook-Freunden. Vielleicht war es auch nur der Wunsch, einen Online-Kopierschutz wie in Diablo 3 zu verwenden, auch wenn solche Theorien stets bestritten wurden, sowohl von EA als auch von Blizzard.

Jetzt auch mit Mods

Statistiken und Spiellogik sind auch nach zehn Patches immer noch fehlerbehaftet - fraglich, ob sich das durch Mods beheben lässt. Quelle: PC Games Statistiken und Spiellogik sind auch nach zehn Patches immer noch fehlerbehaftet - fraglich, ob sich das durch Mods beheben lässt. Indem Maxis mit Patch 10 die ständige Server-Verbindung von Sim City auf Wunsch der Spieler kappt, eröffnet das Unternehmen auch engagierten Hobby-Entwicklern neue Möglichkeiten des Moddings. So zumindest die Hoffnung vieler Spieler. Auch ich träume davon, dass in Zukunft kostenlose Modifikationen des Spiels die vielen Macken von Sim City ausbügeln, so wie es die Modding-Community bei einem anderen meiner persönlichen Favoriten tut, der Total War-Serie. Oder wie bei Sim City 4, für das es inzwischen eine große Anzahl hervorragender Mods gibt. Nicht umsonst betont Maxis im Blog: "Maxis hat schon immer die Modding-Community unterstützt. Wir wollen auch weiterhin offen für Mods bleiben. Seht euch unsere bisherige Geschichte an, um ein Gespür dafür zu bekommen, wie wir die Modding-Community in SimCity integrieren wollen." Schön und gut, nur stellt sich mir die Frage: Warum habt ihr, liebe Maxis-Menschen, nicht von Anfang an auf Mods gesetzt? Gerade für einen PC-Entwickler wie Maxis war das ein großes Versäumnis - dass Mods den Lebenszyklus eines PC-Spiels drastisch erhöhen können, sollte spätestens seit Half-Life (Stichwort: Counter-Strike) und The Elder Scrolls 3: Morrowind zum Allgemeinwissen gehören.

Es bleibt abzuwarten, wie viel ungenutztes Potenzial die Modder aus Sim City herausholen können. Ohne separate Mod-Tools und nur durch die Veränderung von Spieldateien, wie Maxis das (etwas naiv) fordert, stehen die Chancen auf signifikante Änderungen aber nicht allzu gut. Interessierte Spieler sollten in den kommenden Wochen und Monaten aber in jedem Fall Download-Portale wie Simtropolis im Auge behalten.

Lieber zurück zum Vorgänger

Das bessere Sim City: Teil 4 macht dank Mods immer noch einen Heidenspaß! Quelle: PC Games Das bessere Sim City: Teil 4 macht dank Mods immer noch einen Heidenspaß! Bei aller (wohl verdienter) Gehässigkeit: Dass Sim City jetzt doch noch einen Offline-Modus erhalten hat, ist grundsätzlich erstmal positiv zu bewerten. Welche Motivation auch immer hinter diesem Schritt stecken mag, ob Kalkül oder ein aufrichtiger Wunsch, die aufgewühlte Fan-Seele zu beruhigen: Es ist schön, dass Maxis und EA endlich auf die Beschwerden reagiert haben. Was weniger schön ist: Der Offline-Patch löst nicht auf magische Weise alle Probleme von Sim City. Zu unausgegoren ist der Kern der vermeintlichen Simulation, zu viel lief bei Sim City schief, als dass es jemals ein gutes Spiel werden könnte. Und zu bizarr ist es im Rückblick, dass Maxis einem angeblich konsequent auf das Online-Städtebauen ausgerichteten Spiel letzten Endes doch noch den Einzelspielermodus hinzufügt, der - so hat es das Unternehmen in der Vergangenheit oft betont - doch ein Ding der Unmöglichkeit wäre. Bei so viel Irreführung fällt es mir schwer, jedes künftige Statement von Maxis nicht mit einer gehörigen Portion Skepsis zu betrachten.

Sim City sollte ein glorreiches neues Multiplayer-Zeitalter einläuten. Stattdessen wurde es ein Debakel, von dem sich der Ruf von Maxis und EA bis heute nicht erholt hat. Kein Wunder, dass die meisten Serien-Fans inzwischen wieder Sim City 4 spielen. Das war übrigens schon immer offline verfügbar und unterstützte von Anfang an Mods.

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    • Kommentare (26)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Grolt Mitglied
        Zitat
        Das bessere Sim City: Teil 4 macht dank Mods immer noch einen Heidenspaß!
        Aber sowas von!!

        Wenn ich daran Denke, was für "Lebensechte" Städe/Regionen ich in dem Spiel schon gebaut habe. SC4 + NAM, 1:1 nur mit einigen Verbesserungen ( Trotz beibehaltung eines Grids, Kurvige Straßen etc., moderne Engine für moderne Hardware) aber ansonsten nichts vom Eigentlichen Gameplay antasten. Mehr wollen die meisten SC und vorallem SC4 Fans garnicht.
      • Von Grolt Mitglied
        Zitat
        Das bessere Sim City: Teil 4 macht dank Mods immer noch einen Heidenspaß!
        Aber sowas von!!

        Wenn ich daran Denke, was für "Lebensechte" Städe/Regionen ich in dem Spiel schon gebaut habe. SC4 + NAM, 1:1 nur mit einigen Verbesserungen ( Trotz beibehaltung eines Grids, Kurvige Straßen etc., moderne Engine für moderne Hardware) aber ansonsten nichts vom Eigentlichen Gameplay antasten. Mehr wollen die meisten SC und vorallem SC4 Fans garnicht.
      • Von Aithir Hobby-Spieler/in
        Schaut man sich die ganzen Free-to-play-Aufbauspielchen an, die so erfolgreich sind, kann man sich zumindest im Ansatz erklären, wie einer auf die Idee kam, aus Sim City ein Online-Spiel zu machen. Und wie jemand auf die Idee kam, funktionierende Mechaniken aufzugeben.
      • Von USA911 Mitglied
        Zitat von STURMHUND
        Naja, also so schlecht wie es hier und anderswo teils gemacht wird, ist es wirklich nicht. Firmenpolitik hin oder her, im aktuellen Zustand (auch vor dem Offline-Patch) war es ein ordentliches Spiel mit wenig Tiefgang aber als City-Builder für zwischendurch doch ordentlich. Wer sich nicht, wie in den früheren Teilen mit x-tausend Statistiken herumschlagen will, für den ist das neue SC IMO durchaus einen oder mehrere Blicke wert.
        Dann darf es sich nicht Städte-Simulation nennen! Denn eine Simulation ist nun mal komplexer als nur 5 Häuser plazieren und fertig. Und wenn die alten Sim City eine richtige Simulation sind mit tiefe und etc... und ich das neue Sim City wie die Vorgänger benenne, dann hat jeder automatisch, der die Vorgänger kennt, eine gewisse Erwartungshaltung. Dann sollen sie es "Citybuilder" oder andersweitig nennen und schon kann man von nem neuen Spiel reden und es ist kein Nachfolger!
      • Von Jerec Mitglied
        SC war von Anfang an zum scheitern verurteilt und Dank der Community, sowie der erzeugte Druck, wurde wenigstens der Offline Patch realisiert. DRM find ich i.d.R. nicht schlimm, jedoch die Lügen, die EA in die Welt gesetzt hat, und die katatstrophale Startphase haben mich als Kunde jedoch stark verprellt. Wenn Sie jetzt noch im Offlinemodus die Maps vergrößern, wäre es genau das, was die zahlende Kundschaft erwartet hat. Aber für mich heißt es vorerst: EA - Nein Danke !!! :-P

        C ya

        JEREC
      • Von Sturm-ins-Sperrfeuer Mitglied
        Zitat von STURMHUND
        Naja, also so schlecht wie es hier und anderswo teils gemacht wird, ist es wirklich nicht. Firmenpolitik hin oder her, im aktuellen Zustand (auch vor dem Offline-Patch) war es ein ordentliches Spiel mit wenig Tiefgang aber als City-Builder für zwischendurch doch ordentlich. Wer sich nicht, wie in den früheren Teilen mit x-tausend Statistiken herumschlagen will, für den ist das neue SC IMO durchaus einen oder mehrere Blicke wert.
        Ein City builder ohne Platz ist wie ein Shooter ohne Waffen :-/
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