Steam Early Access: Hintergründe, Chancen und Gefahren - der große Report
Der Handel mit unfertigen Spielen im Alpha- oder Beta-Status boomt, besonders über Steam und dessen Early-Access-Shop. Im großen PC-Games-Report gehen wir dem Phänomen auf die Spur, beleuchten die Sichtweise von Befürwortern und Kritikern, sprechen mit Entwicklern sowie Publishern und suchen nach einer Antwort auf die Frage, welche Auswirkungen Early Access auf die Zukunft der PC-Branche haben könnte.
Beruf: Beta-Tester. Das war früher, vor der Jahrtausendwende, nur ein Job für die ganz Harten. Bevor Beta-Tests zu medienwirksamen Massenveranstaltungen mit Event-Charakter verkümmerten oder als Demo-Ersatz herhalten mussten. Bevor der erlauchte Kreis der Beta-Tester von tausenden "Ich spiel mal kurz rein!"-Gelegenheitsspielern durchbrochen wurde. Schmerzbefreite Menschen trotzten damals noch in monatelangen Testphasen Programmierfehlern in frühen Online-Rollenspielen, um dazu beizutragen, dass die Entwickler bei Verkaufsstart ein fertiges Produkt in die Regale stellen konnten. Ein Job, der so ekelhaft stressig klingt, dass man unwillkürlich eine Gefahrenzulage erwartet – eine monetäre Entschädigung für den Verlust kostbarer Zeit und den Verschleiß der beim Testen strapazierten Nervenstränge. Aber von wegen Bezahlung: Beta-Tester opferten ihre Freizeit gratis und schrieben seitenlange Feedback-E-Mails mit Bug-Reports, ohne eine müde Mark dafür zu sehen. Aber immerhin mussten sie für diese Mitarbeit an ihrem Lieblingsspiel nicht selbst zum Geldbeutel greifen. Diese besonders perfide Art und Weise, Spielekonsumenten doppelt zu schröpfen, hat die Spielebranche erst kürzlich ersonnen – und sie wird von vielen Spielern mit Begeisterung aufgenommen. Der Name dieses Phänomens: Early Access.
Hinweis: Eure Meinung ist uns wichtig!
Wie denkt ihr über Early Access? Habt ihr bereits Erfahrungen mit unfertigen Spielen gesammelt, für die ihr bereits im Alpha- oder Beta-Stadium Geld ausgegeben habt? Stimmt ihr mit den Meinungen der Entwickler und Publisher in diesem Report überein oder vertretet ihr eine ganz andere Sichtweise, was den Nutzen von Early-Access-Spielen angeht? Schreibt uns eure Meinung in den Kommentaren unterhalb dieses Artikels!
Vorbestellung mit Nebenwirkungen
Quelle: PC Games
Die Early-Access-Kategorie im Steam-Shop umfasst inzwischen weit über 100 unfertige Spiele.
Heutzutage ist jeder PC-Spieler Beta-Tester. Oder zumindest jeder, der Lust darauf hat und das nötige Kleingeld im Portemonnaie. Early Access nennt sich das Konzept, das spätestens 2013 die PC-Spielelandschaft revolutioniert hat: Interessierte Kunden kaufen direkt beim Hersteller oder über Drittanbieter wie den Download-Dienst Steam ein Spiel, das sich noch in Entwicklung befindet, zum Beispiel die Göttersimulation Godus von Peter Molyneux. Das funktioniert grundsätzlich wie eine Vorbestellung. Oft sind Spiele in diesem Stadium sogar für einen geringeren Preis zu haben als bei ihrem späteren offiziellen Verkaufsstart. Der große Unterschied: Anders als bei einer Vorbestellung dürfen Early-Access-Kunden sofort losspielen: Der Hersteller ermöglicht dem Kunden Zugang zu einer frühen Beta- (alle Features sind enthalten, es mangelt nur noch an Bugfixing und Balancing) oder gar Alpha-Version (essentielle Spielbestandteile können sich bis zum Release noch ändern). Diese spielbare Testfassung ist im Kaufpreis enthalten und stellenweise kaum mehr als ein Gerüst für die Technik: Die Benutzeroberfläche ist unfertig, komplette Spielinhalte können fehlen, Effekte, Texturen, Videos, Sprachausgabe – wird alles später nachgeliefert. Beispiel Godus: Die Early-Access-Version erschien mit gerade mal zwei von zwölf geplanten Zivilisationsstufen für das vom Spieler gemanagte Völkchen. Sie war schlicht unfertig.
Manchmal erscheint ein Early-Access-Spiel gar in einem derart frühen Zustand, dass sich noch nicht einmal die Entwickler selbst darüber einig sind, wie es später einmal aussehen soll, welche Features es bieten wird. Ein Auszug aus der Produktseite des Mehrspieler-Survival-Actionspiels Rust: "Wir befinden uns in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Einige Sachen funktionieren, andere nicht. Wir haben uns noch nicht ganz entschieden, in welche Richtung das Spiel gehen wird – es wird also Veränderungen geben. Jede Menge Veränderungen. Eventuell nehmen wir sogar Änderungen vor, die ihr als falsch empfindet. Aber wir haben einen Plan. Es ist in unserem Interesse, aus Rust ein fantastisches Spiel zu machen – also vertraut uns bitte. " Neben dem Vertrauen der Spieler fordern die Macher aber auch noch eine Einstiegsgebühr von ca. 19 Euro – dafür können die Käufer live dabei zusehen, wie das Spiel um sie herum entsteht.
Quelle: Deep Silver
Wasteland 2 ist derzeit eines der qualitativ stärksten Early-Access-Projekte, als storylastiges Rollenspiel aber auf den ersten Blick nur bedingt für die vorzeitige Veröffentlichung geeignet.
Der Erfolg von Early Access ist auch der Ausdruck einer neuen Qualität der Kommunikation zwischen Entwicklern und Spielern: Wie einstige Beta-Tester dürfen Käufer Feedback abgeben, werden regelrecht dazu ermutigt. Die Entwickler stehen im Idealfall mit der sich bildenden Community im direkten Kontakt, vorrangig per Austausch im Steam-Forum des jeweiligen Spiels. Der Wunsch nach so viel Intimität seitens der Spielemacher verwundert nicht, denn die Änderungswünsche und Bug-Reports der Käufer – so argwöhnen viele Kritiker - ersetzen oder komplementieren in vielen Fällen das klassische Playtesting im Entwicklerstudio, also die Fehlersuche durch professionelle (und bezahlte) Testspieler. Das Angenehme: Die Entwickler müssen für diesen Service nicht zahlen, stattdessen dürfen sie sich bei entsprechender Popularität ihres Early-Access-Projekts über tausende willige Bug-Jäger freuen, die für dieses vermeintliche Privileg sogar noch in den Geldbeutel langen. Auf Basis der User-Resonanz ergänzen Early-Access-Entwickler die Alpha- oder Beta-Versionen ihrer Produkte in einer Tour. Die neuen Elemente werden allen Käufern per kostenlosem Update zugänglich gemacht: neue Missionen, weitere Spielmodi, ein Editor, radikal veränderte und neu ausbalancierte Gameplay-Teile oder gar die anfangs fehlende Tastatursteuerung finden im Zeitraum von mehreren Monaten ihren Weg ins Spiel. Wie schnell Entwickler Updates nachschieben und wie aufmerksam sie der Community zuhören, ist ein Gradmesser, um abzuschätzen, wie hoch die Qualität eines Early-Access-Spiels ausfällt und wie wahrscheinlich eine Fertigstellung gemäß der im Vorfeld propagierten Pläne seiner Macher ist.
Early Access: Es funktioniert!
Quelle: PC Games
Might & Magic X: Legacy ist eines der besten Beispiele für eine erfolgreiche Early-Access-Kampagne. Das Rollenspiel ist mittlerweile fertig und im Handel erhältlich.
Dass dieses Konzept funktionieren und zur Veröffentlichung von durchdachten, empfehlenswerten Spielen führen kann, ist längst keine graue Theorie mehr: Anfang 2014 erschienen mit Das Schwarze Auge: Blackguards und Might & Magic X: Legacy etwa gleich zwei Rollenspiele, die per Early Access bereits Monate vor Release spielbar waren – noch dazu von deutschen Entwicklern, die ihren Alpha- und Beta-Testern auf der Spielerseite sehr geduldig zugehört haben. Im vergangenen Jahr überzeugte zudem Arma 3 von Bohemia Interactive bereits Monate vor dem offiziellen Einzelhandel-Release als Early-Access-Version. Selbst jetzt, lange nach der regulären Veröffentlichung, schieben die Entwickler regelmäßig weitere Content-Updates für den Militär-Shooter nach. Und auch wenn die Early-Access-Version von State of Decay im letzten Jahr zum Großteil auf der zuvor veröffentlichten Xbox-360-Fassung basierte (nur die Tastatursteuerung und das PC-Interface fehlten), darf man den erfolgreichen Wandel des Zombie-Open-World-Spiels vom Beta-Erlebnis zum fertigen PC-Release dennoch als positives Beispiel für das Early-Access-Konzept werten.
In diesem Artikel
- Seite 1 Der große Report: Steam Early Access - Was ist Early Access?
- Seite 2 Der große Report: Steam Early Access - Ursprünge und Publisher-Gelüste
- Seite 3 Der große Report: Steam Early Access - Kickstarter und Early Access
- Seite 4 Der große Report: Steam Early Access – Wie wichtig ist das Kunden-Feedback?
- Seite 5 Der große Report: Steam Early Access – Der Beta-Eindruck als Nachteil?
- Seite 6 Der große Report: Steam Early Access – Gefahren, die Zukunft und Konsolen
- Seite 7 Der große Report: Steam Early Access – Unser Fazit
- Seite 8 Bildergalerie
- Seite 1 Der große Report: Steam Early Access - Was ist Early Access?
- Seite 2 Der große Report: Steam Early Access - Ursprünge und Publisher-Gelüste
- Seite 3 Der große Report: Steam Early Access - Kickstarter und Early Access
- Seite 4 Der große Report: Steam Early Access – Wie wichtig ist das Kunden-Feedback?
- Seite 5 Der große Report: Steam Early Access – Der Beta-Eindruck als Nachteil?
- Seite 6 Der große Report: Steam Early Access – Gefahren, die Zukunft und Konsolen
- Seite 7 Der große Report: Steam Early Access – Unser Fazit

Nur weil der Künstler beispielsweise nur Strichmännchen zeichnet, weil er halt kein Maler ist, kann es doch nicht plötzlich Nicht-Kunst werden.
Um noch mal was aufzuwerfen, wenn Kunst unter Anderem auch von Können und guter Fertigkeit und Begabung in einem Bereich kommt, dann sind Gamer doch auch Künstler, wenn sie gut in einem Spiel sind. Wenn Videos daraus gemacht werden und auf Youtube gestellt gibt es auch ein "Werk". Aber auch der Platz auf einer Liga oder Rangliste ist gewissermassen ein Werk bzw eine Leistung.
Hm, Programmieren ist dann auch Kunst. Es hat auch kreative Bestandteile und es gibt verschiedene Grade an Talent und Begabung dabei. Gut geschriebener Code ist auch nichts anderes als eine Komposition von Musik oder Farben.
Aber die Frage ist hier eigentlich, wo hin führt die Diskussion? Eine Definition werden wir nicht schaffen. Eine gemeinsame Meinung auch nicht. Bleibt nur der Austausch von Ansichten und Argumenten.
Aber zum Thema, Early Access finde ich jetzt bald wie ein Virus. Gefühlt jeder dritte Steam Titel den ich anklicke ist Early Access. Die müssten schon irgendwo markiert sein. Das ist die kapitalisierung von Bananensoftware. Seit Internet war es ein Merkmal von Software, dass sie nicht funktionieren muss, man kann ja updaten und patchen. Mittlerweile sogar auf Konsolen. So gesehen haben wir schon immer mal für unfertige Titel bezahlt. Jetzt ist es nur fairer, eventuell geringerer Preis und klare Ansage, dass es nicht komplett geht und Bugs hat. Aber die Tendenz mit unfertiger, unreifer Software auf den Markt zu gehen ist irgendwie unangenehm. Und jetzt schon wissentlich dafür zu zahlen. Aber das ist so ne Community Sache. Wenn der Hype vergeht wird sich das irgendwo einpendeln. Und es mag auch was sein, was einfach für mich nicht funktioniert. So wie Twitter. Hab ich nicht, hatte ich nie, kapiere ich bis heute net.
-Smoke
:)